DEUTSCHE LITERATURGESCHICHTE © gabriele weis

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Vorbereitet durch das Werk des französischen Philosophen Descartes, des Begründers des modernen Rationalismus, ergänzt durch die Philosophie und Psychologie der Engländer Locke und Hume und wesentlich bestimmt von dem Weltbild des deutschen Philosophen Leibnitz, wird die Aufklärung zu der geistigen Bewegung, die dem 18. Jhd. das Gepräge gibt.

Logisches Vernunftdenken und eine dem Diesseits zugewandte selbstbewußte Wissenschaft lassen die Welt als ein Wunderwerk der Schöpfung erscheinen, in der sich der Mensch mit Hilfe seiner geistigen Fähigkeiten behaupten und entfalten kann.

Die Dichtung der Aufklärung will den Gesetzen der Vernunft folgen, belehren und erheitern. Sie wendet sich an den Verstand, strebt nach Klarheit und Einfachheit, vermeidet alles Phantastische und Unwahrscheinliche.

Gottsched will das Theater von allem ´barocken Schwulst´reinigen, von allen Geschmacklosigkeiten befreien. Jede Unwahrscheinlichkeit ist verpönt. Er verlangt genaue Einhaltung der aristotelischen Einheiten der Handlung, des Ortes und der Zeit und empfiehlt, die großen französischen Dramatiker Racine und Corneille nachzuahmen. Mit Hilfe der Neuberin, der Prinzipalin einer bekannten Schauspielertruppe, verbannt er den Hanswurst von der Bühne. Als Reformer und Organisator gewinnt er die Gebildeten für das Theater.

Im Werk Klopstocks verbinden sich Ergriffenheit der Seele und dichterisches Sendungsbewußtsein mit der Überzeugung des aufgeklärten Menschen, in der besten aller Welten zu leben.

Winkelmann öffnet den Zugang zur Welt der griechischen Kunst und erschließt damit einen für die Entwicklung der Literatur entscheidenden Bereich.

Lessing überwindet mit den geistigen Waffen der Aufklärung die Enge eines erstarrten Rationalismus:

Als Theoretiker und Kritiker versucht er, den Kunstgattungen einen ihrem Wesen entsprechenden Ort zuzuweisen; gestützt auf die Lehren des Aristoteles und das Vorbild Shakespeares verhilft er dem deutschen Drama zu einer dramaturgischen Grundlage; in seinen kritischen und theologischen Schriften verteidigt er die geistige Freiheit des Menschen gegen Angriffe fragwürdig gewordener Autoritäten; als Dichter gehört er zu den großen Gestalten der deutschen Literatur.

Seine Fabeln, nach dem Vorbild des Aesop verfaßte Muster gedanklicher und sprachlicher Klarheit, sind zugleich Anlaß von Abhandlungen über das Wesen dieser Gattung.

Als Dramatiker steht Lessing zunächst unter dem Einfluß der sächsischen Typenkomödie, aber schon in der einaktigen Tragödie ´Philotas´und noch deutlicher in ´Miss Sara Sampson´geht er eigene Wege. Untersuchungen wie ´Laokoon´und die ´Hamburgische Dramaturgie´ schaffen die Voraussetzungen für ´Emilia Galotti´, das erste ´bürgerliche Trauerspiel´und ´Nathan der Weise´.