DEUTSCHE LITERATURGESCHICHTE © gabriele weis 

1830-1850  Junges Deutschland/ Vormärzwpe102.jpg (15470 Byte)


 

Ende der 20er Jahre setzte sich bei einem Teil der jungen Generation das Gefühl durch, daß die Literatur stagniere und daß ein Kontakt mit dem Leben, und zwar mit dem politisch-gesellschaftlichen, hergestellt werden müsse

diese Tendenzen und eine entsprechende Gruppeirung ihrer Vertreter wurden focussiert durch die französische Julirevolution in Frankreich, die ein Bürgerkönigtum an die Stelle des Restaurationskönigtums setzte, das der Wiener Kongreß Frankreich aufgezwungen hatte - sie fanden ihr Ende mit der gescheiterten Revolution von 1848

mit der neu politisierten Literaturauffassung stieß eine als Junges Deutschland bezeichnete Literatengruppe (die aber nur in losem Kontakt miteinander stand) auf den entschiedenen der Frankfurter Bundesversammlung der den Vorwurf erhob, was diese Literaten in die Welt setzten sei "antichristlich, gotteslästerlich und alle Sitte, Scham und Ehrbarkeit mit Füßen tretend"... ... die Bundesversammlung beschloß, die Verbreitung der Schriften von Heine, Gutzkow, Wienbarg, Mundt und Laube zu unterbinden

Wienbarg begann seine ´Ästhetischen Feldzüge´ 1834." "Dem jungen Deutschland widme ich diese Reden und nicht dem alten"; unter dem jungen Deutschland verstand er die akademische Jugend

Autoren des Jungen Deutschland: Börne, Heine Wienbarg, Mundt, Laube, Gutzkow

 

Die Ideen all dieser Literaten zielten auf eine politische Machtergreifung des Bürgertums - auf der Basis der sozialen, politischen und philosophischen Gedanken des französischen Liberalismus Forderung: territoriale Einheit und verfassungsmäßige Freiheit

abgelehnt wurden der bisherige Staat und die bisherige Gesellschaft, der Adel und die Kirche, die sozialen und nationalen Schranken

 

die Presse wurde zu einem sich zeitgemäß in den Vordergrund schiebenden wichtigen Ausdrucksorgan dieser Literaten: sie wandelte sich aus einem berichterstattenden Medium zu einem meinungsbildenden... ... der anonyme Berichterstatter wurde zum Schriftsteller mit künstlerischem Ehrgeiz... ... in der Presse verschmolzen politische und künstlerische Tendenzen

geistige Orientierung boten die Junghegelianer (im Unterschied zu den konservativen biedermeierlichen Rechtshegelianern): Hegels dialektische (These + Antithese = Synthese) These: "Was vernünftig ist ist wirklich, und was wirklich ist, das ist auch vernünftig." wird von den Junghegelianern als revolutionäres Postulat formuliert: da die bestehende Gesellschaftsordnung unvernünftig sei, müsse sie aus der Wirklichkeit verschwinden und durch eine vernünftige ersetzt werden, die durch den Liberalismus zu schaffen sei

 

geistige Orientierung boten auch:

Claude-Henri de Saint-Simon

Emanzipation des Indivuduums, des Weibes, des Fleisches

Formulierung des Gegensatzes: Arbeitgeber- Arbeitnehmer gegen die Ausnutzung des Menschen durch den Menschen

Ludwig Feuerbach

für Hegel war die Natur noch ´das Anders-Sein des Geistes´; für Feuerbach ist sie der ´Grund des Geistes´, er rückt sie an die Stelle Gottes, Wissen und Vernunft an die Stelle des Glaubens

am kirchlichen Dogma festzuhalten, ist ihm ´welthistorische Heuchelei´

Gott und Religion seien nur Wunschbilder, Hypostasen des Besten in uns: homo homini deus

David Friedrich Strauß

ein großer Teil des christlichen Dogmas beruhe nicht auf Offenbarung, sondern sei Mythtus und Allegorie

Karl Marx

Religion sei ein Herrschaftsinstrument - Opium für das Volk

Geschichte sei Klassenkampfgeschichte, basierend auf dem Urherrschaftsinstrument, dem Besitz an Produktionsmitteln (der Übergang zu ihm sei der Sündenfall der Menschheit)