Bettina von (Brentano) Arnim


Der du das Land

 


Der du das Land mit Dunkel pflegst zu decken,
Ach reine mich von jedem leisen Flecken.
Reich mir der Schönheit Kleid.
Daß ich an jedem Morgen meiner Blüte
Erkennen mag wie deine Gnad sie hüte.


Obschon die Sonne entzogen ihre Wangen,
Obschon ihr Gold der Erde ist entgangen,
Das kränket mich nicht sehr,
Erleucht in mir nur deines Geistes Licht,
Dadurch der Schönheit Geist wird aufgericht.


Kann ich des Nachts gleich nicht zum Schlafen kommen,
So mag dies meiner Schönheit dennoch frommen;
Das endet, wenn man stirbt.
Gib nur, o Gott, daß ich so Nacht wie Tag
Der Schönheit Ruhe mir erhalten mag.


Wenn du mich willst, o Schöpfer, einst genießen.
Muß über mich der Born der Schönheit fließen,
Wie wollt ich fröhlich sein! -
Sonst acht ich nichts, was Mut und Blut beliebt,
Noch was die Welt, noch was der Himmel gibt.