aus focke-daten der deutschen  literatur:

 

Wilhelm Heinrich Wackenroder

Wackenroder

 

* 23. Juli 1773 Berlin

+ 13. Februar 1798 Berlin (Typhus)

begraben: Berlin, Friedhof der Jerusalems- und Freien Kirche

 

Sohn eines Geheimen Kriegsrats und späteren Justizbürgermeisters. "Ein Mensch von solcher Lieblichkeit, daß das zarteste Wort zu plump scheint, um sein Wesen zu bezeichnen" (Ricarda Huch); labiler Charakter. Aus seinem Leben sind nur wenige Daten bekannt.

wichtige Lebensdaten:

1786-92 auf dem Friedrichswerderschem Gymnasium in Berlin; Freundschaft mit seinem Mitschüler Tieck. Beide hören Vorlesungen bei Karl Philipp Moritz, dessen Kunsttheorie für W. bedeutsam wird.
1792 Entdeckung der und Beschäftigung mit mittelalterlicher Literatur; erste Reise nach Dresden
1793 Studium der Rechtswissenschaften in Erlangen. Grundlegend für seine künstlerischen Anschauungen: gemeinsame Ausflüge mit Tieck zu den Kunststätten von Bamberg, Nürnberg, Kassel und zum Schloss Pommersfelden
1793-94 Studium in Göttingen; Beschäftigung mit Vasaris Künstlerbiographien und der Malerei der Renaissance
1794 in Berlin als Kammergerichtsreferendar
1796 zweite Reise nach Dresden (mit Tieck), um "die größten Werke der alten italienischen Meister" zu sehen

 

Die Herzensergießungen sind das erste Zeugnis romantischen Lebensgefühls; Initialzündung der deutschen Frühromantik. Kunst = Offenbarung, Abglanz himmlischer Harmonie, Künstlertum = Gottesdienst, Kunstgenuss = Gebet, Akt religiöser Hingabe. W. sieht diese Kunstfrömmigkeit bei den Malern der italienischen Renaissance und des deutschen 15./16. Jhs. verwirklicht. Ironische Ablehnung Goethes: "Es [das Büchlein] bezog sich auf Kunst und wollte die Frömmigkeit als alleiniges Fundament derselben festsetzen. Von dieser Nachricht waren wir wenig gerührt; denn wie sollte auch eine Schlußfolge gelten [...] wie diese: einige Mönche waren Künstler, deshalb sollen alle Künstler Mönche sein!" Einfluss auf die Malervereinigung der Nazarener und Philipp Otto Runge.

 

Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Sammlungen kunsttheoretischer Schriften

1796 Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders (hg. und ergänzt von Ludwig Tieck)
1799 (1797 e) Phantasien über die Kunst für Freunde der Kunst (hg. und ergänzt von Ludwig Tieck)

Erzählungen

1796 Das merkwürdige musikalische Leben des Tonkünstlers Joseph Berglinger (in den Herzensergießungen)
1799 Das wunderbare morgenländische Märchen von einem nackten Heiligen (in den Phantasien)

Übersetzung

1799 Das Kloster Netley (Richard Warner, Schauerroman)

Ausgaben

1938 Werke und Briefe, Berlin
1991 Sämtliche Werke und Briefe, hg. v. Richard Littlejohns u. Silvio Vietta, Heidelberg (2 Bde.)

Ich kenne zwei wunderbare Sprachen, durch welche die Schöpfung den Menschen vergönnt hat, die himmlischen Dinge in ganzer Macht zu erfassen und zu ergreifen. Die eine dieser wundervollen Sprachen redet nur Gott, die andere reden nur wenige Auserwählte unter den Menschen, die er zu seinen Lieblingen gesalbt hat. Ich meine: die Natur und die Kunst.