dramenaufbau:

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I,1    Zimmer beim Musikus.

I,2    Secretär Wurm. Die Vorigen.

I,3     Luise Millerin kommt, ein Buch in der Hand. Vorige.

I,4    Ferdinand von Walter. Luise.  (Er fliegt auf sie zu - sie sinkt entfärbt und matt auf einen Sessel - er bleibt vor ihr stehn - sie sehen sich eine Zeitlang stillschweigend an. Pause.)

I,5   Saal beim Präsidenten. Der Präsident, ein Ordenskreuz um den Hals, einen Stern an der Seite, und Secretär Wurm treten auf.

I,6    Sechste Scene. Hofmarschall von Kalb in einem reichen, aber geschmacklosen Hofkleid, mit Kammerherrnschlüsseln, zwei Uhren und einem Degen, Chapeaubas und frisiert à la Hérisson. Er fliegt mit großem Gekreisch auf den Präsidenten zu und breitet einen Bisamgeruch über das ganze Parterre. Präsident.

I,7     Ferdinand. Präsident. Wurm, welcher gleich abgeht.

 

II,1    Ein Saal im Palais der Lady Milford; zur rechten Hand steht ein Sopha, zur linken ein Flügel. Lady in einem freien, aber reizenden Negligé, die Haare noch unfrisiert, sitzt vor dem Flügel und phantasiert; Sophie, die Kammerjungfer, kommt von dem Fenster.

II,2    Ein alter Kammerdiener des Fürsten, der ein Schmuckkästchen trägt. Die Vorigen.

II,3   Ferdinand von Walter. Die Vorigen.

II,4    Zimmer beim Musikanten. Miller. Frau Millerin. Luise treten auf.

II,5   Ferdinand von Walter stürzt erschrocken und außer Athem ins Zimmer. Die Vorigen.

II,6    Der Präsident mit einem Gefolge von Bedienten. Vorige.

II,7    Gerichtsdiener. Die Vorigen.

 

III,1    Saal beim Präsidenten. Der Präsident und Sekretär Wurm kommen.

III,2    Der Präsident und der Hofmarschall.

III,3    Der Präsident und Wurm.

III,4    Zimmer in Millers Wohnung.Luise und Ferdinand.

III,5    Luise allein. - (Sie bleibt noch eine Zeit lang ohne Bewegung und stumm in dem Sessel liegen, endlich steht sie auf, kommt vorwärts und sieht furchtsam herum.)

III,5     Luise und Secretär Wurm.

 

IV,1    Saal beim Präsidenten. Ferdinand von Walter, einen offenen Brief in der Hand, kommt stürmisch durch eine Thüre, durch eine andere ein Kammerdiener.

IV,2   Ferdinand allein, den Brief durchfliegend, bald erstarrend, bald wüthend herumstürzend.

IV,3    Der Hofmarschall und Ferdinand.

IV,4    Ferdinand nach einem langen Stillschweigen, worin seine Züge einen schrecklichen Gedanken entwickeln.

IV,5   Der Präsident und Ferdinand.

IV,6     Ein prächtiger Saal bei der Lady. Lady und Sophie treten herein.

IV,7    Luise Millerin tritt schüchtern herein und bleibt in einer großen Entfernung von der Lady stehen; Lady hat ihr den Rücken zugewandt und betracht sie eine Zeit lang aufmerksam in dem gegenüber stehenden Spiegel.
(Nach einer Pause.)

IV,8    Lady allein, steht erschüttert und außer sich, den starren Blick nach der Thüre gerichtet, durch welche die Millerin weggeeilt; endlich erwacht sie aus ihrer Betäubung.

IV,9    Lady. Ein Kammerdiener. Sophie, hernach der Hofmarschall, zuletzt Bedienter.

 

V,1   Abend zwischen Licht im Zimmer beim Musikanten.

V,2    Ferdinand zu den Vorigen.

V,3    Ferdinand und Miller.
(Beide gehen, ohne ein Wort zu reden, einige Pausen lang auf den entgegengesetzten Seiten des Zimmers auf und ab).

V,4    Ferdinand allein.

V,5      Miller, der zurückkommt, und Ferdinand.

V,6      Luise mit der Limonade, und die Vorigen.

V,7    Ferdinand und Luise. Sie kommt langsam mit dem Lichte zurück, setzt es nieder und stellt sich auf die entgegengesetzte Seite vom Major, das Gesicht auf den Boden geschlagen und nur zuweilen furchtsam und verstohlen nach ihm hinüberschielend. Er steht auf der andern Seite und sieht starr vor sich hinaus. (Großes Stillschweigen, das diesen Auftritt ankündigen muß.)

V,8    Ferdinand. Der Präsident. Wurm und Bediente, welche alle voll Schrecken ins Zimmer stürzen, darauf Miller mit Volk und Gerichtsdienern, welche sich im Hintergrund sammeln.

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aus:  http://www.cdrnet.net/kb/data/DE_Schiller.asp  :

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Christoph Rüegg / Szenenübersicht

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Akt

Szn

Ort

Personen

Inhalt

1

1

Millers Haus

Miller, Frau

Diskutieren über Beziehung zw. Ferdinand & Luise: Frau dafür, Mann dagegen -> Miller will es dem Präsidenten erzählen

2

Miller, Frau, Wurm

Frau versucht, Wurm Luise auszureden, dieser geht ab, hat aber gehört, dass Ferdinand in Luise verliebt ist und sie öfters trifft.

3

Miller, Frau, Luise

Diskussion zw. Vater und Tochter: Vater will nicht, dass sie den Major heiratet -> geht ab

4

Ferdinand, Luise

Liebesschwur Ferdinands ("... empfangen für dich jede Wunde..."). Sie reagiert abweisend, verschwindet schließlich. Er bleibt sprachlos zurück.

5

Saal beim Präsidenten

Präsident, Wurm

Wurm erzählt dem Präsident, dass Ferdinand ein Verhältnis mit L. hat; Präsident denkt, dass Wurm dies Benutzen will, um selber an Luise zu kommen. Dieser will Ferdinand mit Lady Milford verkuppeln, um seinen Einfluss beim Fürsten zu sichern und Ferdinand auf eine Probe zu stellen. Will die Verlobung ihm erst später sagen.

6

von Kalb, Präsident

Hofmarschall von Kalb soll die Verlobung von Ferdinand mit Lady Milford in der Stadt bekannt machen, außerdem diese Nachricht noch der Lady überbringen

7

Präsident, Ferdinand

Vater versucht, Ferdinand Luise auszureden, indem er die Zukunft seines Sohnes mit Lady Milford darstellt ("Geheimer Rat – Gesandtschaften – außerordentliche Gnaden", "Eine herrliche Aussicht dehnt sich vor dir - ..."). -> hitzige Diskussion, Ferdinand verflucht seinen Vater -> Ferdinand muss von seinem Vater aus zur Lady, sonst "fliehe meinem Zorn"

2

1

Ein Saal im Palais der Lady Milford

Lady, Sophie

Lady ist in F. verliebt, ging die Verbindung zum Fürsten nur ein, um Ferdinand zu bekommen

2

Lady, Sophie, Kammerdiener

Kammerdiener erzählt ihr, dass 7000 Landsleute vom Fürsten verkauft wurden und Schüsse in die protestierende Menge abgegeben wurden. Sie bekommt Juwelen geschenkt, die der Fürst im Tausch gegen die Soldaten erhielt. Diese wertvollen Steine sollen verkauft werden, um 400 Menschen zu helfen, die durch einen Stadtbrand/Überfall hoch verschuldet sind & wie Sklaven behandelt werden + arbeiten müssen

3

Lady, Ferdinand

F. erzählt ihr, dass er dazu gezwungen wurde und sie nicht will. Lady M. erzählt ihm daraufhin ihre Kindheit (England, Fürst). Sie "erpresste" vom Fürsten einen Eid, dass die Opferung von Menschen aufhören muss. Er (F.) ist ihr "Lohn" dafür.
F. erzählt ihr, das er in das bürgerl. Mädchen Luise verliebt ist. -> Sie ist traurig bis zerstört, da sie dem Spott des Landes ausgesetzt ist, weil er sie ausschlägt.

4

Zimmer beim Musikanten

Miller, Frau, Luise

Miller regt sich über seine Frau auf, da sie sich verplappert hat und es somit Wurm erfahren hat. Daraufhin will er zum Minister und ihm alles beichten.

5

Miller, Frau, Luise, Ferdinand

Nach hitziger Diskussion: erneuter Liebesschwur Ferdinands

6

Miller, Frau, Luise, Ferdinand, Präsident

Hitzige Diskussion, bei der der Präsident Luise "belegt", anschließend Vater – Sohn - bzw. Präsident – Miller – Konflikt, Miller soll in den Kerker, Frau + Tochter an den Pranger

7

Miller, Frau, Luise, Ferdinand, Präsident, Gerichtsdiener

Handgemenge, in dem Luise abgeführt werden soll, F. droht mehrmals, Luise in Ruhe zu lassen, sonst müsste er seinen Degen verwenden, und verletzt schließlich einige Gerichtsdiener -> F. will dem Fürsten erzählen, wie Präsident. an die Macht gekommen ist (Durch Ermordung des Vorgängers).

3

1

Saal beim Präsidenten

Präsident, Wurm

Wurm schlägt vor, Miller und seine Frau gefangen zu nehmen, damit Luise einen fingierten Liebesbrief an den Hofmarschall schreibt, um die Eltern frei zu bekommen. Diese sollen einen Eid ablegen, dass sie nichts erzählen.
Mit diesem Brief soll F. eifersüchtig gemacht werden, um sich von ihr loszusagen.

2

Präsident, von Kalb

Präsident fragt Hofmarschall von Kalb, ob er seinen Namen für das Rendezvous hergeben will, nach längerer Diskussion. (u.a. über das Ende der polit. Laufbahn, falls F. seine Drohung wahr macht), gibt er schließlich nach.

3

Präsident, Wurm

Präsident ist vom Brief Wurms begeistert; Kabale verläuft nach Plan

4

Zimmer in Millers Wohnung

Luise, Ferdinand

Hitzige Diskussion zw. den beiden; Luise erzählt, dass er sie verlassen soll bzw. sie ihn verlässt. Er vermutet, das sie ihn wegen einer best. Pflicht (Liebhaber?) verlässt.

5

Luise, (Wurm)

Sorge nach den Eltern, da Eltern schon 5 h weg

6

Luise, Wurm

Erzählt ihr, dass die Mutter im Spinnhaus und der Vater im Turm gefangen sitzen. Sie soll sich entscheiden, wen sie verlieren möchte, ihre Eltern oder Ferdinand. Schließlich schreibt sie den Brief, den ihr Wurm diktiert. Wurm bietet ihr an, sich ihrer zu erbarmen und sie trotz der Schande zu heiraten. Sie lehnt das strikt ab.

4

1

Saal beim Präsidenten

Ferdinand, Diener

Hitzige Diskussion, F. ist sehr erregt, da er den fingierten Brief an den Hofmarschall gefunden und gelesen hat.

2

Monolog Ferdinands

Ist ihr sehr böse. Bemerkt, dass alles von ihr geplant war. "Tot und Rache!"

3

Ferdinand, von Kalb

F. nimmt 2 Pistolen von der Wand, von Kalb bekommt Angst; hitziges Gespräch, schließlich bekennt v. Kalb, das er Luise nicht kennt

4

Monolog Ferdinands

Er muss sie nehmen, da sie sich miteinander verlobt haben, ist aber über sie verärgert.

5

Ferdinand, Präsident

F. will seinem Vater erzählen, dass L. ihn betrogen hat, dieser stellt sich so, als wenn er sie doch heiraten dürfte. Daraufhin stürzt F. aus dem Zimmer.

6

Ein sehr prächtiger Saal bei der Lady

Lady, Sophie

Sophie ergründet Lady Milford, diese wird darüber wütend.

7

Lady, Luise

Streit: Lady bietet L. erst eine Stelle als Dienerin bei ihr an. Dann beschimpft sie sie, anschließend ist sie wieder total freundlich -> Lady verhält sich so, damit Luise sich von F. lossagt. Schließlich gibt L. nach, kündigt aber Selbstmordabsichten an.

8

Lady

Erzürnt darüber, dass die "bürgerliche" L. ihr Ferdinand wie eine Ware abgetreten hat. Sie entschließt sich daraufhin, sich dem Fürsten zu entsagen.

9

Lady, von Kalb, Sophie

Sie schreibt eine Karte mit dem Inhalt, dass sie sich von dem Fürsten lossagt und ins Ausland flüchtet. Diese soll v. Kalb dem Fürsten überbringen(fürchtet die Rache des Fürsten über diese Nachricht, tut dies nur sehr ungern). Ihren Schmuck schenkt sie den Angestellten.

5

1

Zimmer bei Miller

Luise, Miller

Sie will Selbstmord begehen (mit F.), in der Hoffnung, im Jenseits mit ihm zusammen zu sein. Ihr Vater kann sie davon abhalten, indem er ihr einen Dolch anbietet, um ihr Vorhaben auszuführen. Sie lässt die Selbstmordgedanken fallen, da sie sich nicht überwinden kann.

2

Luise, Miller, Ferdinand

F. fragt L., ob sie den Brief geschrieben hat. Diese bejaht schweren Herzens und nach Aufforderungen des Vaters ("Noch ein ja, dann ist es überstanden"). Er fragt, ob sie ihm ein Glas Limonade bringen könnte.

3

Miller, Ferdinand

Unterhalten sich darüber, wie Ferdinand Luise kennen gelernt hat (F. wollte Flötenunterricht bei M. nehmen, lernte dabei L. kennen und verliebte sich in sie). F. fragt, ob L. die einzige Tochter Millers wäre. Daraufhin gesteht der Vater, dass er seine Tochter über alles liebt.

4

Ferdinand

Denkt darüber nach, dass er mit Luise dem Vater die Lebensfreunde nimmt, da dieser nur sein Instrument und seine Tochter als "Reichtum" besitzt. Er entschließt sich, seinen Plan doch zu verwirklichen.

5

Miller, Ferdinand

F. gibt M. all sein Geld (in Goldmünzen), um die 3monatige Liebe zu L. zu bezahlen. M. ist von dem Reichtum fasziniert und verliert die Kontrolle (will Musikstunden fast umsonst geben, Luise soll Franz. Lernen,...). Daraufhin bittet F. ihn, sich zu beruhigen.

6

Miller, Ferdinand, Luise

Miller soll zum Präsidenten, um ihm auszurichten, dass F. nicht zum Essen kommen kann. Luise muss daheim bleiben. F. gibt das Gift unbemerkt in die Limonade, macht sich letzte Gedanken über den Anschlag (und die Folgen)

7

Ferdinand, Luise

Sie trinken das Gift (Sie weis nicht, dass in der Limonade Gift ist.). Als sie die Wirkung des Giftes spürt, gesteht sie ihm alles. Daraufhin will F. seinen Vater umbringen. Sie stirbt.

letzte

Im Saal des Präsidenten (?)

Ferdinand, Präsident, Wurm, Miller, Volk, Gerichtsdiener, Leiche Luises

Miller sieht seine tote Tochter und wirft dem ohnmächtigen F. das Geld vor die Füße. Bevor Ferdinand ohnmächtig wurde erzählte er dem Vater, dass er ihn zu diesem Mord veranlasst hätte. Vater schiebt die Schuld auf Wurm, wird wütend. Daraufhin will der ebenfalls wütende Wurm gegen den Präsidenten aussagen (Mordanschlag des Präsidenten, um an die Macht zu gelangen.).

Ferdinand stirbt neben Luise, gibt seinem Vater kurz vor dem Tod noch die Hand. (Vater interpretiert es als wenn sein Sohn ihm vergeben hätte.) Präsident und Wurm werden abgeführt.

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aus:  http://www.weinreichpeter.de/wissen/germanistik/literaturwissenschaft/18jh/schiller_kabale.htm

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Peter Weinreich  /  A. SZENARIUM:

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I. AKT: Exposition

 

1. Vorstellung der Personen

* Miller: ökonomisch u. rechtlich abhängiges, aber ehr- u. traditionsbewußtes Kleinbürgertum

* Millerin: Verführbarkeit und Streben nach Höherem

* Präsident Walter: zweifelhafter Ursprung des Herrschaftsanspruchs, skrupellos regierender Adel

* Hofmarschall Kalb: zum Fürstendiener heruntergekommener Hofadel

* Sekretär Wurm: im Verwaltungsdienst aufgestiegener bürgerlicher Beamter

* Luise Miller, Ferdinand v. Walter: stehen zwischen Adel und Bürgertum

 

2. Konfliktauslösende Situation: Liebesbeziehung des Bürgermädchens Luise Miller mit dem adligen Major Ferdinand v. Walter

* einfaches Bürgertum <-> absolutistischen Adel bzw. bürgerliche Beamten

 

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

I,1

Miller

Millerin

* Liebesbeziehung Luise - Ferdinand

* unterschiedliche Standpunkte von Miller und Millerin

* nur sexuelles Abenteuer, da eheliche Verbindung ausgeschlossen

* Problem der Liebe und Standesschranken

* naiver Aufstiegswille der Bürgerin

* Problem der Öffentlichkeit

* patriarchalische Einstellung Millers

* Selbstbewußtsein des Kleinbürgers

* in medias res

* Außensicht der Liebesbeziehung von Miller, Millerin, (Wurm)

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

I,2

Miller

Millerin

Wurm

* Gefahr des Bekanntwerdens der Liebesbeziehung durch Wurm

* Ablehnung Wurms als Bräutigam durch Miller und Millerin

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

I,3

Luise

* Zwiespalt Luises: Vater - Sünderin - Ferdinand

* Absolutheit der Liebe: mystisch-religiöse Vereinigung im Jenseits

* neue Erfahrung Luises: völlige Inanspruchnahme des Gefühls durch einen geliebten Menschen in Widerspruch zu Bindung an Vater und Gott

* Lösung: Liebe zu einem Menschen ist gleich Liebe zu Gott

* Innensicht von Luise (u. Ferdinand)

* Konflikt Luise - Ferdinand

* Eifersuchtsproblematik

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

I,4

Luise

Ferdinand

* jugendlich stürmischer Ferdinand

* Bekümmertheit Luises

* Gespräch über Problem des Standesunterschiedes

* Eifersucht Ferdinands

* Unterschiedliche Wirklichkeitssicht: Luise: vernünftelnd <-> Ferdinand: von seiner Kraft und Gefühl geleitet

* Egozentrik u. Machtanspruch über die Geliebte

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

I,5

Präsident Walter

Wurm

* zunächst gelassene Reaktion Walters auf das Liebesverhältnis, dann erkennt er dessen Ernsthaftigkeit

* Heiratspläne des Präsidenten: Ferdinand - Lady Milford

* Wurm erhofft eine neue Chance bei Luise

* Kritik an der höfischen Moral

* höfische Gegenwelt zum Bürgertum

* weiteres Problem als zweiter Handlungsstrang: vom Präsidenten angestrebte Ehe Ferdinand - Lady Milford

* Negativ-Figuren mit kriminellen Handlungen (Neigung Schillers)

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

I,6

Präsident

Hofmarschall v. Kalb

* Hofschranze v. Kalb: Interesse nur für Mode und Hofklatsch

* v. Kalb macht Heiratspläne des Präsidenten öffentlich um Ferdinand zu verpflichten

* karikierende negative Kennzeichnung des Hofes

Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

I,7

Präsident

Ferdinand

* Streitgespräch zwischen Ferdinand und Präsident wegen Heiratspläne

* Präsident erfährt von Ernsthaftigkeit der Liebe Ferdinands zu Luise und verpflichtet Ferdinand Lady Milford seine Aufwartung zu machen

* Absicht Ferdinands, Lady Milford den Spiegel seiner absoluten Moral vorzuhalten

* Ferdinands Ideal vom Glück: persönliches Glück vor Karriere, die auf Unmenschlichkeit basiert

* Konflikt Präsident - Ferdinand

* Innensicht Ferdinands

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II. AKT: erster Höhepunkt

* Fortführung der zwei Handlungsstränge: 

1. Heiratsprojekt des Präsidenten zwischen Ferdinand u. Milford

2. Schicksal der Millers nach Entdeckung des Liebesverhältnisses Ferdinand - Luise

 

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

II,1

Lady Milford

Kammerfrau Sophie

* Lady Milford als Privatperson: Innensicht

* Liebe zu Ferdinand: Plan des Präsidenten = Lady Milfords Wunsch

* Zwiespalt: erstrebte Rolle am Hof als Mätresse des Herzogs <-> Bedürfnis als Mensch geachtet und geliebt zu werden

* Vorbereitung der Begegnung Ferdinand - Lady Milford

* Komplizierung des Geschehens durch Liebe Lady Milfords zu Ferdinand

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

II,2

Lady Milford

Kammerfrau Sophie

Kammerdiener

* Schilderung des Verkaufs von Soldaten durch den Kammerdiener

* Entsetzen von Lady Milford u. Verkauf der Edelsteine für bedürftige Familien

* Kritik an absolutistischen Zuständen

* Szene als Folie für unmenschliche Praktiken des Fürsten

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

II,3

Lady Milford

Kammerfrau Sophie

Kammerdiener

Ferdinand

* Begegnung Ferdinand - Lady Milford

* Ferdinand: Lady Milford als Mätresse des Herzogs Grund für Ausbeutung des Landes; keine Kenntnis der Liebe der Milford zu ihm; glaubt sich in moralisch gesicherter Position

* Lady Milford: keine Kenntnis der Liebe Ferdinand - Luise

* Ferdinands Meinungsumschlag: vertrauliches Gespräch

* offener Ausgang: Ferdinand will seinem Herzen folgen - Lady Milford will die Verbindung mit ihm realisieren

* Kontrastierung von idealistischer u. realistischer Sicht: Absolutheitsanspruch Ferdinands - Vollzug der Heirat

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

II,4

Miller

Millerin

Luise

* Bekanntwerden der Liebschaft durch Wurm

* Schauplatzwechsel: Millers im Mittelpunkt

* äußerste Zuspitzung u. plötzliche Retardierung

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

II,5

Miller

Millerin

Luise

Ferdinand

* paradoxe Situation: Miller: Verzweiflung u. Angst vor dem Präsidenten - Ferdinand: innerer Konflikt durch die Lady, aber Entscheidung für Luise

* Ferdinands Entschluß, aber ohne Gefühl für seelische Not von Luise

* Luise als Opfer zwischen Absolutheitsanspruch Ferdinands u. kreatürlichen Ängsten der Eltern

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

II,6 u. 7

Miller

Millerin

Luise

Ferdinand

Präsident

Gerichtsdiener

* Drohungen u. Beleidigungen des Präsidenten

* Ferdinand droht, die Verbrechen seines Vaters publik zu machen -> Scheitern der ersten Intrige des Präsidenten

* Zuspitzung des dramatischen Geschehens: Willkürherrschaft <-> Untertanenangst u. Bürgerstolz; Vater <-> Sohn

* keine psychologische Plausibilität im Verhalten des Präsidenten (Einweihen seines Sohnes in seine Verbrechen); für Schiller nicht wichtig, sondern dramatischer Effekt wichtiger

* Pause

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III. AKT: neuer Handlungsknoten: zweite Intrige

* Intrige ohne Rücksicht auf Menschenwürde, auch Vernichtung der Betroffenen miteingeschlossen

1. Intrigen-Plan von Wurm und dem Präsidenten

2. Aufzeigen der Entwicklung von Ferdinand u. Luise

3. Vollzug der Intrige durch Wurm an Luise

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

III,1

Präsident

Wurm

* neuer Plan Wurms: Nutzung der Eifersucht Ferdinands

* fingierter Brief u. erzwungener Eid

* Menschenverachtung: Menschen als Objekte der Herrschenden

* Opfer sind Bürger, adeliger Ferdinand wird geschont

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

III,2 u.3

Präsident

Hofmarschall v. Kalb

Wurm

* Präsident zwingt den ängstlichen Kalb, bei der Intrige mitzumachen

* Verhaftung der Millers

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

III, 4

Luise

Ferdinand

* realistischer Fluchtplan des Majors <-> Luises Bindung an den Vater

* Bereitschaft zum Hinwegsetzen über Standesgrenzen bei Ferdinand 

<-> Bereitschaft Luises zum Verzicht

* unbegründete Eifersucht Ferdinands

* innerer Konflikt: Ferdinands Begriff von Liebe - Luises Auffassung von Pflicht

* Eifersucht Ferdinands aus übergroßer Eigenliebe

* Luise: kleinbürgerliches Bewußtsein, nichtemanzipiert, abhängig von Normen

<-> Mensch mit echten ethischen u. religiösen Bindungen, menschlichen Gefühlen

* Innensicht der Liebenden

* Peripetie

* dramatischer Liebe-Pflicht-Konflikt

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

III,5 u.6.

Luise

Wurm

* Luise wird zum fingierte Brief erpreßt

* qualvolle Szene, bedrückende Gewißheit, da Kabale so fein gesponnen

* Spannung auf den Fortgang

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IV. AKT: Verzögerung des dramatischen Handlungsgangs

1. Konkretisierung der Eifersucht Ferdinands

2. Begegnung Luise - Lady Milford

3. Frage nach der dramatischen Funktion: 

* Begegnung Luise - Lady Milford: überflüssig; Verwandlung Luises aus kleinbürgerlicher Zagheit in fast hochmütigen Stolz gegenüber der Lady; heroischer Verzicht der Lady auf Ferdinand u. ihr Leben am Hof ist unplausibel

* für Schiller Vorrang von effektvoller Kontrastierung zu Lasten der Kontinuität der Figuren

* Funktion (Storz): dramatische Ökonomie: langsamer Akt nach drei schnellen Akten; Thema: Überleitung in die Katastrophe, die nicht in der Intrige berücksichtigt wurde

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

IV,1-3

Ferdinand

Kammerdiener

Hofmarschall

* Ferdinands Irrtum: er glaubt dem Brief unbesehen

* Duellforderung gegenüber dem angeblichen Rivalen Kalb, dessen Aussage er nicht wahrnimmt

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

IV,4 u.5

Ferdinand

Präsident

* Ferdinand mißt seine Gefühle mit der Vorsehung; aber Umkehrung nach absoluter Idealisierung der Liebe nun zerstörerische Leidenschaft

* in seiner Verblendung wirft sich Ferdinand in die arme seines heuchlerischen Vaters

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

IV.6 u. 7

Lady Milford

Sophie

Luise

* entschiedene Luise - Verwirrung der Lady, Freundschaftsangebot an Luise

* Verzicht Luises zur Erpressung der Lady: schlechtes Gewissen wegen Selbstmordandrohung

* Konfrontation bürgerlicher und adeliger Moralauffassung: bürgerliche Unschuld <-> adelige Lebedame

* effektvolle Präsentation des Hauptthemas

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V. AKT: Katastrophe

1. Scheitern aller Figuren: Gebundenheit Luises; scheinbare Absolutheit Ferdinands; einfache Gradlinigkeit Millers; Intrige des Präsidenten u. Wurms

2. Luise als eigentlich tragische Figur: echter Zwiespalt zwischen absolut empfundener Liebe, Gebundenheit an Gott u. den Vater führt in tragische Auswegslosigkeit und ihren Untergang

3. Gericht der Transzendenz (v. Wiese): Isolierung einer amoralisch gewordenen Adelsgesellschaft <-> ohnmächtig gewordene bürgerliche Religion

* Tragik Ferdinands: Festhalten an absoluter Bindung <-> jede Bindung wird unmöglich

* Wiederkehren aller Motive des Dramas: Gedanke der ewigen, richtenden Ordnung, die dem vermessenen Willen des Einzelnen, sein Schicksal in die Hand zu nehmen, übergeordnet bleibt

* die soziale Kritik an einer unsittlich gewordenen Gesellschaft

* Subjektivismus des Herzens u. der fordernden Liebe 

* Macht des Bösen auf einer Intrige aufgebaut

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

V,1

Luise

Miller

* Stimmung des Untergangs: Bereitschaft zum Selbstmord

* Änderung des Entschlusses: Pflicht vor Neigung

* idealistische Überwindung des Konflikts zwischen Pflicht u. Neigung (Heiterkeit Schillerscher Helden nach Überwindung eines moralischen Konflikts)

.

Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

V,2

Luise

Miller

Ferdinand

* Ferdinand deutet Zwiespalt Luises als schlechtes Gewissen

* Luise kann an ihren Eid gebunden, das Mißverständnis um den fingierten Brief nicht aufklären

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

V,3-6

Ferdinand

Miller

Luise

* Ferdinands Entschluß, Luise zu töten

* Geldgabe an Miller; Annahme u. Hoffnung auf bessere materielle Lage

* Vermessenheit des sich absolut setzenden Ichs: 'Rache des Himmels'

* Objektcharakter der geliebten Person: fehlende Einfühlung Ferdinands in Luise u. total Verfügungsgewalt

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

V,7

Ferdinand

Luise

* Schweigen, dann Zynismus Ferdinands gegenüber Luises sprachlicher Hilflosigkeit

* Luises Unschuldbekenntnis im Tod (keine Bindung mehr an den Eid)

* Reaktion des Idealisten Ferdinand: Rache an Vater, nicht Zuwendung zur sterbende Luise

* Entfremdung zwischen den Liebenden

* atemloser Beginn der Todesszene

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Szene

Hauptpersonen

Handlung

Thematik

Dramaturgie

Schlußszene

alle Personen außer Millerin u. Lady Milford

Volk als Öffentlichkeit

* Sohn gegen Vater; vereinsamter Miller; Präsident gegen Wurm

* Ferdinands Selbstmord; Versöhnung mit dem Vater

* Präsident vor dem Gericht

* Abrechnung mit dem absolutistischen System durch Öffentlichkeit

* Triumph der sittlichen Idee u. höheren Gerechtigkeit; vorher aber Untergang der Unschuld

* wirkungsvoller Aufbau: Anklagen auf Anklagen, Enthüllungen auf Enthüllungen

* wiederum psychologische Brüche (Bekennen der Verbrechen von Wurm u. des Präsidenten; Vergebung Ferdinands gegenüber seinem Vater)

 

 

 

B. KOMPOSITION DES STÜCKS

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I. Grundprinzipien: Symmetrie, dialektisches Prinzip (Gegensatz)

 

SYMMETRIE DER SCHAUPLÄTZE:

Wechsel von bürgerlichen und adeligen Schauplatz

* I. Akt: Zimmer bei Miller - Saal beim Präsidenten

* II. Akt: Saal der Lady - Zimmer bei Miller

* III. Akt: Saal beim Präsidenten - Zimmer bei Miller

* IV. Akt: Saal beim Präsidenten - Saal der Lady

* V. Akt: einziger Schauplatz im Zimmer bei Miller

 

SYMMETRIE DES HANDLUNGSAUFBAUS

I,3: (c) Erinnerung an Idylle

I,4: (a) 1. Begegnung Ferdinand u. Luise: geheimer Gegensatz der Liebenden

II,2: (e) Lady Milford; Kammerdienerszene, Systemkritik

II,3: (f) Liebesgeständnis der Milford an Ferdinand

II,5: (b) Ferdinand schwört ewige Treue 

III,1: (d) Planung der Intrige

III,4: (a) 2. Begegnung Ferdinand u. Luise: Peripetie

(d) Eifersucht Ferdinands als Ansatzpunkt für Intrige

(c) Ferdinands Fluchtplan als verfälschte Idylle

III,6: (d) Ausführung der Intrige 

IV,7: (f) Liebesverzicht der Lady Milford gegenüber Luise

IV,9: (e) Lady Milford: Abgang; Systemkritik

IV,4: (b) Entschluß Ferdinands zum Mord 

V,7: (a) 3. Begegnung Ferdinand u. Luise: Tod und Vergebung

(c) Erinnerung an Idylle
 

 

II.  PERSONENKONSTELLATION:


 

1. GESELLSCHAFTLICHER RANG als Spiegel der ständischen Konfrontation

1. absolutistischer Hof (herrschend, Prunk, Beamte): Präsident von Walter, Ferdinand, Hofmarschall v. Kalb, Lady Milford, Haussekretär Wurm

2. Bürgerliche Welt (unterdrückt, dienend, Untertanen): Miller, Millerin, Luise, Kammerjungfer Sophie, Kammerdiener des Fürsten


 

2. EINSTELLUNG ZUR BESTEHENDEN ORDNUNG

a. für Erhalt der Ordnung: 

* Präsident u. Sekretär: Erhalt der Machtstellung; Angst vor Aufklärung der Unrechtmäßigkeit ihrer Stellung

* Hofmarschall: Existenzgrundlage als Höfling

* Sophie: Aufstieg aus Armut

* Miller: aus Selbstverständnis des Bürgertums: keine Unordnung, da Menschen äußeren Halt brauchen

b. für Veränderung der Ordnung: 

* Millerin: naiver Aufstiegswille

* Kammerdiener: Opfer der unmenschlichen Praktiken

* Ferdinand: grundsätzliche Erwägungen: Ungerechtigkeit; kein Raum für seinen Individualismus; Ehehindernis

* Lady Milford: Zwiespalt: standesgemäßes Leben durch den Fürsten u. Möglichkeit zur Milderung der Mißstände gegenüber Untertanen <-> Verzicht auf eigene Ansprüche an das Leben

c. Sonderstellung Luises:

* Akzeptanz der Ordnung: Religiosität, Bindung an den Vater

* Infragestellen der Ordnung: Liebe zu dem adeligen Ferdinand


 

3. PERSONENKONSTELLATION ENTSPRECHEND DES INNEREN KONFLIKTES

a. Gegner der Liebesbeziehung:

* Präsident: Heiratsprojekt mit der Milford

* Wurm: selbst Interesse an Luise

* Miller: Realität der ständischen Ordnung macht Ehe unmöglich

b. Befürworter der Liebesbeziehung:

* Luise: Liebe als Fügung Gottes; Vereinigung im Jenseits

* Millerin: Aufstiegswunsch

c. Zwischenstellung Lady Milfords: Möglichkeit mit Ferdinand ein neues Leben zu beginnen <-> Stimme des Herzens für Beziehung
 

 

 

III. SPRACHE IM STÜCK

Funktion: Charakterisierung der sozialen Ordnungen

1. Kleinbürgerliche Welt:

* Miller: derbe, unverblümte, ehrliche, direkte Sprache

* Millerin: auch sprachlich nach Höherem strebend, falsche Verwendung von Fremdwörtern

2. aristokratische Welt:

* Präsident: geschliffene, befehlende, arrogante Sprache (<-> Miller)

* Hofmarschall: dümmlich, unnatürliche Sprache, vergreift sich bei Wörtern (<-> Millerin)

* Wurm: trotz bürgerlicher Herkunft ähnliche Sprache wie Präsident; Vermischung der realistischen Ausdrucksweise des Bürgertums mit der glatten, distanzierten Sprache des Hofes

3. Sonderstellung von Lady Milford, Ferdinand u. Luise: keine ständischen Momente

* Lady Milford: Wechsel zwischen höfischer Unnatürlichkeit u. leidenschaftlicher, individueller Natürlichkeit

* Ferdinand: hohes Pathos; abstrakte Bilder oft ohne Wirklichkeitsbezug

* Luise: schlichte Sprache mit echten Empfindungen ('Ton des Herzens'); Verstummen bei sprachlich nicht ausdrückbaren Gefühlen; nicht passend: intellektuell geschliffene Sprache gegenüber Lady Milford (epigrammatische Kürze)
 

4. MEHRDIMENSIONALES SPRACHGEFLECHT (Binder)

a. Überschneidung von sozialer, intellektueller u. moralischer Dimension der Sprache

a1. soziale Dimension: bei allen Personen außer bei Lady Milford, Luise, Ferdinand

a2. intellektuelle Dimension: 'Kluge u. Dumme' sowohl gesellschaftlich unten u. oben

* Sprachebene zur Darstellung von Fakten, nicht zur Charakterisierung von Figuren; daher auch psychologische Unwahrscheinlichkeiten

* rationale Klarheit der Sprache, Begriffsantithesen

a3. moralische Dimension: 

* Sprache der Unbedingten (Ferdinand, Luise, Lady Milford): Sprache mit Pathos, geht über Reales hinweg, liegt im genialischen u. empfindsamen Bereich; Wirklichkeitsverständnis nur im Horizont des Gefühls; kennzeichnet Standort in der metaphysischen Ordnung (?)

* Sprache der Unbedingten: realitäts- u. situationsbezogene Sprache; Gefühle nur im Horizont der Wirklichkeit

 

 


 

iV. BÜRGERLICHES TRAUERSPIEL

1. Merkmale: 

* keine Ständeklausel

* Darstellung der bürgerlich-privaten Welt

* Propagierung einer bürgerlichen Tugendlehre und empfindsam-moralischer Gefühlskultur

* keine gebundene Sprache

* neue Definition von Tragik: rührende, moralische Situation ist tragisch

2. Entwicklung des bgl.Tr.:

* Aufklärung: Fragen der Moral (Emilia Galotti)

* Sturm u. Drang: soziale Anklage (Kindermörderin)

3. Kabale und Liebe

* ständeunabhängige Frage der Moral u. Tugend und konkrete Anklage bestehender Mißstände

* äußerer Konflikt: Standesunterschiede; innerer Konflikt: Ferdinands Liebesbegriff

* Zeitstück: Darstellung von Zeitverhältnissen

 

 

V. DRAMA DES STURM U. DRANG

1. Kennzeichen: Gefühl gegen Verstand

* schrankenloses Selbstgefühl des Individuums (Hofmeister, Soldaten, Kindermörderin)

* Kraftgenie ('großer Kerl') (Dramen Klingers, Götz)

2. Sturm u. Drang-Merkmale in Kabale und Liebe:

* Ferdinand als Prototyp des Stürmer u. Drängers

* Herz als letzte Beurteilungsinstanz

* Schillers Verhältnis zum Sturm u. Drang: verabsolutierter Subjektivismus von Ferdinand Mitursache seines Scheiterns

 


 

VI. PROBLEMATIK DES TITELS

* ursprünglich Louise Millerin, dann auf Vorschlag von Schauspieler Wilhelm Iffland in Kabale und Liebe umbenannt; neuer Titel war publikumswirksamer

* Vorteil des alten Titels: eindeutige Kennzeichnung der Hauptfigur als bürgerliche Heldin

* Nachteile des neuen Titels: reißerisch; Irreführung, denn Hauptproblem ist nicht die Kabale, sondern die innere Entzweiung der Liebenden

 


 

VI. Schillers TRAGÖDIENTHEORIE

Die Schaubühne als moralische Anstalt (1784)

1. Tragödie als Theodizee: Aufgabe des Theaters, die Ordnung der Welt als gottgeschaffen zu zeigen durch Herstellung höherer Gerechtigkeit auf der Bühne

2. Erziehungsauftrag des Theaters: Liebe zur Tugend u. Abscheu vor dem Laster

* Nachsicht, Toleranz, Läuterung der eigenen Leidenschaften durch Spiegelbild des wirklichen Lebens

3. Mittlerrolle zwischen Freiheit u. Notwendigkeit: idealischer Sieg des Individuums mit den gesellschaftlichen, sittlichen u. religiösen Zwängen: 'In dieser künstlichen Welt träumen wir die wirkliche hinweg, wir werden uns selbst wieder gegeben.'
 

 

 

VII. INTERPRETATIONSANSÄTZE

1. SOZIALES DRAMA: Anklage sozialer u. gesellschaftlicher Mißstände (v.a. Deutung des dialektischen Materialismus)

* Miller: fortschrittliches Bürgertum; Ferdinand: Adelsdemokrat

2. RELIGIÖSE DEUTUNG: 'Gegenüberstellung einer vorläufigen, verzerrten, irdischen Welt gegenüber einer ewigen ' (Storz)

* eschatologisches Tribunal in der Schlußszene

3. EXISTENZIELLE DEUTUNG: moderne Interpretation (Martini)

* Luise als Mensch, der sich der Grenzen der irdischen Existenz bewußt ist; kein sinngebender Halt in der Wirklichkeit noch in der Liebe zu Ferdinand

* Problematik von Ferdinands ungehemmten Subjektivismus, er sieht sich als Vollzugsorgan einer höheren Macht

 


 

VIII. HISTORISCHE BEZÜGE

zu den Zuständen in Württemberg (Herzog Karl Eugen (1737-93)

1. verschwenderische Hofhaltung, Repräsentativbauten (Lustschlösser Solitude, Hohenheim, Monrepos; Neues Schloß)

2. Auspressen der Bevölkerung

3. Mätressenwesen: Katarina Bonafini

4. Intrigen: gefälschte Briefe gegen Oberkriegsrat Rieger durch leitenden Minister Monmartin

5. Willkürherrschaft: Einkerkerung von Friedrich Daniel Schubart (1777-87), Jakob Moser

6. Soldatenverkauf an England

 


 

IX. DIALEKTWENDUNGEN

gelt, Musje, verschmecken, Mucke, wunderhübschen Billeter, er springt über die Planke, Präsenter, barrdu, Kidebarri, halt, mehresten, Stuttierter, Halbnarr, grausamer Reichtum