zitate:

 

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

Luise,

Millers Tochter

I,3

Ich hab' keine Andacht mehr, Vater - der Himmel und Ferdinand reißen an meiner blutenden Seele, und ich fürchte - ich fürchte - (Nach einer Pause.) Doch nein, guter Vater. Wenn wir ihn über dem Gemälde vernachlässigen, findet sich ja der Künstler am feinsten gelobt. - Wenn meine Freude über sein Meisterstück mich ihn selbst übersehen macht, Vater, muß das Gott nicht ergötzen?

Ich beweine mein Schicksal nicht. Ich will ja nur wenig - an ihn denken - das kostet ja nichts. Dies Bischen Leben - dürft' ich es hinhauchen in ein leises, schmeichelndes Lüftchen, sein Gesicht abzukühlen; - dies Blümchen Jugend - wär' es ein Veilchen, und er träte drauf, und es dürfte bescheiden unter ihm sterben!

Nein, er meint es anders, der gute Vater. Er wird nicht wissen, daß Ferdinand mein ist, mir geschaffen, mir zur Freude vom Vater der Liebenden.

jeder Athem lispelte: er ist's! - und mein Herz den Immermangelnden erkannte, bekräftigte: er ist's! und wie das wiederklang durch die ganze mitfreuende Welt!

Ich wußte von keinem Gott mehr, und doch hatt' ich ihn nie so geliebt.

Auch will ich ihn ja jetzt nicht, mein Vater!

Ich bringe nichts mit mir, als meine Unschuld; aber der Vater hat ja so oft gesagt, daß der Schmuck und die prächtigen Titel wohlfeil werden, wenn Gott kommt, und die Herzen im Preise steigen. Ich werde dann reich sein. Dort rechnet man Thränen für Triumphe und schöne Gedanken für Ahnen an. Ich werde dann vornehm sein, Mutter - Was hätte er dann noch vor seinem Mädchen voraus?

 

I,4

Wüßtest du - Laß mich - du weißt nicht, daß deine Hoffnungen mein Herz wie Furien anfallen.

Ich hatte diese Träume vergessen und war glücklich - Jetzt! jetzt! von heut an - der Friede meines Lebens ist aus - Wilde Wünsche - ich weiß es - werden in meinem Busen rasen. - Geh - Gott vergebe dir's - Du hast den Feuerbrand in mein junges, friedsames Herz geworfen, und er wird nimmer, nimmer gelöscht werden.

 

II,5

(nach einer Pause, mit stillem bebenden Ton und schrecklicher Ruhe). Nun - was erschreck' ich denn? Der alte Mann dort hat mir's ja oft gesagt - ich hab' es ihm nie glauben wollen. (Pause, dann wirft sie sich Millern laut weinend in die Arme.). Vater, hier ist deine Tochter wieder - Verzeihung, Vater! - Dein Kind kann ja nicht dafür, daß dieser Traum so schön war, und - - so fürchterlich jetzt das Erwachen - -

 

III,4

Und hättest du sonst keine Pflicht mehr als deine Liebe?

Nein, mein Geliebter! Wenn nur ein Frevel dich mir erhalten kann, so hab' ich noch Stärke, dich zu verlieren.

Doch, man verliert ja nur, was man besessen hat, und dein Herz gehört deinem Stande - Mein Anspruch war Kirchenraub, und schaudernd geb' ich ihn auf.

Laß mich die Heldin dieses Augenblicks sein - einem Vater den entflohenen Sohn wieder schenken - einem Bündniß entsagen, das die Fugen der Bürgerwelt auseinander treiben und die allgemeine ewige Ordnung zu Grund stürzen würde - Ich bin die Verbrecherin - mit frechen, thörigten Wünschen hat sich mein Busen getragen - mein Unglück ist meine Strafe, so laß mir doch jetzt die süße, schmeichelnde Täuschung, daß es mein Opfer war - Wirst du mir diese Wollust mißgönnen?

Meine Pflicht heißt mich bleiben und dulden.

 

III,6

Und doch - doch ist er glücklicher. Er hat keinen Vater zu verlieren. Zwar keinen haben, ist Verdammniß genug! - Mein Vater auf Verletzung der Majestät - mein Geliebter die Lady oder Fluch und Enterbung - Wahrlich bewundernswerth! Eine vollkommene Büberei ist auch eine Vollkommenheit

Ja! ja! Es ist wahr! Sie sind verschanzt, eure Großen - verschanzt vor der Wahrheit hinter ihre eigenen Laster, wie hinter Schwerter der Cherubim - Helfe dir der Allmächtige, Vater! Deine Tochter kann für dich sterben, aber nicht sündigen.

Ich kenne nichts Schwereres, als die Schande.

Belieben, sagen Sie? In meinem Belieben? - Geh, Barbar! Hänge einen Unglücklichen über dem Abgrund der Hölle aus, bitt' ihn um etwas, und lästre Gott, und frag' ihn, ob es ihm beliebe? - O du weißt allzu gut, daß unser Herz an natürlichen Trieben so fest als an Ketten liegt - Nunmehr ist Alles gleich. Dictieren Sie weiter! Ich denke nichts mehr. Ich weiche der überlistenden Hölle.

Reden Sie nicht aus, mein Herr. Sie sind auf dem Wege, sich etwas Entsetzliches zu wünschen.

Weil ich dich in der Brautnacht erdrosselte und mich dann mit Wollust aufs Rad flechten ließe. (Sie will gehen, kommt aber schnell zurück.) Sind wir jetzt fertig, mein Herr? Darf die Taube nun fliegen?

Gott! Gott! und du selbst mußt das Siegel geben, die Werke der Hölle zu verwahren?

 

IV,7

Eine Seligkeit, um die man Sie schon gebracht hat, Milady. Lästern Sie Ihr eigenes Herz nicht. Sie sind nicht fähig, Das auszuüben, was Sie so drohend auf mich herabschwören. Sie sind nicht fähig, ein Geschöpf zu quälen, das Ihnen nichts zu Leide gethan, als daß es empfunden hat wie Sie - Aber ich liebe Sie um dieser Wallung willen, Milady.

(tritt zurück voll Befremdung). Spottet sie einer Verzweifelnden, oder sollte sie an der barbarischen That im Ernst keinen Antheil gehabt haben? - Ha! So könnt' ich mir ja noch den Schein einer Heldin geben und meine Ohnmacht zu einem Verdienst aufputzen. (Sie steht eine Weile gedankenvoll, dann tritt sie näher zur Lady, faßt ihre Hand und sieht sie starr und bedeutend an.) Nehmen Sie ihn denn hin, Milady! - Freiwillig tret' ich Ihnen ab den Mann, den man mit Haken der Hölle von meinem blutenden Herzen riß. - - Vielleicht wissen Sie es selbst nicht, Milady, aber Sie haben den Himmel zweier Liebenden geschleift, von einander gezerrt zwei Herzen, die Gott aneinander band; zerschmettert ein Geschöpf, das ihm nahe ging wie Sie, das er zur Freude schuf wie Sie, das ihn gepriesen hat wie Sie, und ihn nun nimmermehr preisen wird - Lady! ins Ohr des Allwissenden schreit auch der letzte Krampf des zertretenen Wurms - Es wird ihm nicht gleichgültig sein, wenn man Seelen in seinen Händen mordet! Jetzt ist er Ihnen! Jetzt, Milady, nehmen Sie ihn hin! Rennen Sie in seine Arme! Reißen Sie ihn zum Altar - Nur vergessen Sie nicht, daß zwischen Ihren Brautkuß das Gespenst einer Selbstmörderin stürzen wird - Gott wird barmherzig sein - Ich kann mir nicht anders helfen! (Sie stürzt hinaus.)

 

V,1

Wie ich ihn überlisten will, Vater! Wie ich den Tyrannen betrügen will! - Die Liebe ist schlauer als die Bosheit und kühner - das hat er nicht gewußt, der Mann mit dem traurigen Stern - O, sie sind pfiffig, so lang sie es nur mit dem Kopf zu thun haben; aber sobald sie mit dem Herzen anbinden, werden die Böswichter dumm - - Mit einem Eid gedachte er seinen Betrug zu versiegeln? Eide, Vater, binden wohl die Lebendigen, im Tode schmilzt auch der Sacramente eisernes Band. Ferdinand wird seine Luise kennen

Eine Gesellschaft räumen, wo ich nicht wohl gelitten bin - an einen Ort vorausspringen, den ich nicht länger missen kann - ist denn das Sünde?

Ist lieben denn Frevel, mein Vater!

Nein, mein Vater. Ich gehe als Seine große Schuldnerin aus der Welt und werde in der Ewigkeit mit Wucher bezahlen.

(nach einem qualvollen Kampf mit einiger Festigkeit). Vater! Hier ist meine Hand! Ich will - Gott! Gott! Was thu' ich? was will ich? - Vater, ich schwöre - wehe mir, wehe! Verbrecherin, wohin ich mich neige! - Vater, es sei! - Ferdinand - Gott sieht herab! - So zernicht' ich sein letztes Gedächtniß. (Sie zerreißt ihren Brief.)

 

V,2

Sie haben mein Geständniß, Herr von Walter. Ich habe mich selbst verdammt. Gehen Sie nun! Verlassen Sie ein Haus, wo Sie so unglücklich waren.

 

V,7

Treiben Sie mich nicht aufs Äußerste, Walter. Ich habe Seelenstärke, so gut wie Eine - aber sie muß auf eine menschliche Probe kommen. Walter, das Wort noch und dann geschieden - - Ein entsetzliches Schicksal hat die Sprache unsrer Herzen verwirrt. Dürft' ich den Mund aufthun, Walter, ich könnte dir Dinge sagen - ich könnte - - aber das harte Verhängniß band meine Zunge wie meine Liebe, und dulden muß ich's, wenn du mich wie eine gemeine Metze mißhandelst.

Ferdinand, auch du! Gift, Ferdinand! Von dir! O Gott, vergiß es ihm - Gott der Gnade, nimm die Sünde von ihm -

Ferdinand! Ferdinand! - O - Nun kann ich nicht mehr schweigen - Der Tod - der Tod hebt alle Eide auf - Ferdinand! - Himmel und Erde hat nichts Unglückseligeres als dich! - Ich sterbe unschuldig, Ferdinand.

 

 

.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

Ferdinand,

von Walters Sohn, Major.

I,4

Und liebt mich meine Luise noch?

Rede mir Wahrheit. Du bist's nicht. Ich schau durch deine Seele, wie durch das klare Wasser dieses Brillanten. (Zeigt auf seinen Ring.) Hier wirft sich kein Bläschen auf, das ich nicht merkte - kein Gedanke tritt in dies Angesicht, der mir entwischte. Was hast du? Geschwind! Weiß ich nur diesen Spiegel helle, so läuft keine Wolke über die Welt. Was bekümmert dich?

Du bist meine Luise. Wer sagt dir, daß du noch etwas sein solltest? Siehst du, Falsche, auf welchem Kaltsinn ich dir begegnen muß. Wärest du ganz nur Liebe für mich, wann hättest du Zeit gehabt, eine Vergleichung zu machen?

Wer, als die Liebe, kann mir die Flüche versüßen, die mir der Landeswucher meines Vaters vermachen wird?

Ich fürchte nichts - nichts - als die Grenzen deiner Liebe.

Mir vertraue dich! Du brauchst keinen Engel mehr - Ich will mich zwischen dich und das Schicksal werfen - empfangen für dich jede Wunde - auffassen für dich jeden Tropfen aus dem Becher der Freude - dir ihn bringen in die Schale der Liebe. (Sie zärtlich umfassend.) An diesem Arm soll meine Luise durchs Leben hüpfen; schöner, als er dich von sich ließ, soll der Himmel dich wieder haben und mit Verwunderung eingestehn, daß nur die Liebe die letzte Hand an die Seelen legte -

 

I,7

Beim allmächtigen Gott! es ist besser, gar nicht geboren zu sein, als dieser Missethat zur Ausrede dienen!

Feierlich entsag' ich hier einem Erbe, das mich nur an einen abscheulichen Vater erinnert.

Mein Ideal von Glück zieht sich genügsamer in mich selbst zurück. In meinem Herzen liegen alle meine Wünsche begraben. -

Mein Leben hab' ich von Ihnen, ich werde keinen Augenblick anstehen, es ganz Ihrer Größe zu opfern. - Meine Ehre, Vater - wenn Sie mir diese nehmen, so war es ein leichtfertiges Schelmenstück, mir das Leben zu geben, und ich muß den Vater wie den Kuppler verfluchen. 

 

II,3

Ich bin ein Mann von Ehre.

(diesen Degen) Der Staat gab mir ihn durch die Hand des Fürsten - mein Herz Gott - mein Wappen ein halbes Jahrtausend.

Es will mir nicht zu Kopfe, Milady, daß eine Dame von so viel Schönheit und Geist - Eigenschaften, die ein Mann schätzen würde - sich an einen Fürsten sollte wegwerfen können, der nur das Geschlecht an ihr zu bewundern gelernt hat, wenn sich diese Dame nicht schämte, vor einen Mann mit ihrem Herzen zu treten.

Ich liebe, Milady - liebe ein bürgerliches Mädchen - Luise Millerin, eines Musikus Tochter. (Lady wendet sich bleich von ihm weg, er fährt lebhafter fort.) Ich weiß, worein ich mich stürze; aber wenn auch Klugheit die Leidenschaft schweigen heißt, so redet die Pflicht desto lauter - Ich bin der Schuldige. Ich zuerst zerriß ihrer Unschuld goldenen Frieden - wiegte ihr Herz mit vermessenen Hoffnungen und gab es verrätherisch der wilden Leidenschaft Preis - Sie werden mich an Stand - an Geburt - an die Grundsätze meines Vaters erinnern - aber ich liebe. - Meine Hoffnung steigt um so höher, je tiefer die Natur mit Convenienzen zerfallen ist. - Mein Entschluß und das Vorurtheil! - Wir wollen sehen, ob die Mode oder die Menschheit auf dem Platz bleiben wird.

Können Sie eine Hand ohne Herz erzwingen? Sie einem Mädchen den Mann entwenden, der die ganze Welt dieses Mädchens ist? Sie einen Mann von dem Mädchen reißen, das die ganze Welt dieses Mannes ist? Sie, Milady - vor einem Augenblick die bewundernswürdige Britten? - Sie können das?

 

II,5

blick hieher - hieher, du Rabenvater - Ich soll diesen Engel würgen! Die Hölle soll ich in diesen himmlischen Busen schütten? (Mit Entschluß auf sie zueilend.) Ich will sie führen vor des Weltrichters Thron, und ob meine Liebe Verbrechen ist, soll der Ewige sagen. (Er faßt sie bei der Hand und hebt sie vom Sessel.) Fasse Muth, meine Theuerste! - Du hast gewonnen! Als Sieger komm' ich aus dem gefährlichsten Kampf zurück.

(springt an ihr auf, voll Entschlossenheit). Aber ich will seine Kabalen durchbohren - durchreißen will ich alle diese eisernen Ketten des Vorurtheils - Frei wie ein Mann will ich wählen, daß diese Insektenseelen am Riesenwerk meiner Liebe hinaufschwindeln!

Zwar die Gewalt des Präsident ist groß - Vaterrecht ist ein weites Wort - der Frevel selbst kann sich in seinen Falten verstecken, er kann es weit damit treiben - weit! - Doch aufs Äußerste treibt's nur die Liebe - Hier, Luise! Deine Hand ist die meinige! (Er faßt diese heftig.) So wahr mich Gott im letzten Hauch nicht verlassen soll! - der Augenblick, der diese zwei Hände trennt, zerreißt auch den Faden zwischen mir und der Schöpfung!

 

III,4

Der Sohn wird den Vater in die Hände des Henkers liefern - Es ist die höchste Gefahr - - und die höchste Gefahr mußte da sein, wenn meine Liebe den Riesensprung wagen sollte - - Höre, Luise - Ein Gedanke, groß und vermessen wie meine Leidenschaft, drängt sich vor meine Seele - Du, Luise, und ich und die Liebe! - liegt nicht in diesem Zirkel der ganze Himmel? oder brauchst du noch etwas Viertes dazu?

Mein Vaterland ist, wo mich Luise liebt.

Werden wir uns in Gesprächen der Liebe erschöpfen? - Ein Lächeln meiner Luise ist Stoff für Jahrhunderte, und der Traum des Lebens ist aus, bis ich diese Thräne ergründe.

Schlange, du lügst. Dich fesselt was anders hier.

 

IV,1

Es ist nicht möglich! nicht möglich! Diese himmlische Hülle versteckt kein so teuflisches Herz - - Und doch! doch!

Darum - o Gott! jetzt erwach' ich, jetzt enthüllt sich mir Alles! - Darum gab man seinen Anspruch auf meine Liebe mit so viel Heldenmuth auf, und bald, bald hätte selbst mich die himmlische Schminke betrogen!

Mich so ganz zu ergründen! - Jedes kühne Gefühl, jede leise schüchterne Bebung zu erwiedern, jede feurige Wallung - An der feinsten Unbeschreiblichkeit eines schwebenden Lauts meine Seele zu fassen - Mich zu berechnen in einer Thräne - Auf jeden gähen Gipfel der Leidenschaft mich zu begleiten, mir zu begegnen vor jedem schwindelnden Absturz - Gott! Gott! und alles Das nichts als Grimasse? - Grimasse? O, wenn die Lüge eine so haltbare Farbe hat, wie ging es zu, daß sich kein Teufel noch in das Himmelreich hineinlog?

Sie weiß, was sie aus mir gemacht hat. Sie hat meine ganze Seele gesehen.

empfand vielleicht nur den Triumph ihrer Kunst? - Da mein glücklicher Wahnsinn den ganzen Himmel in ihr zu umspannen wähnte, meine wildesten Wünsche schwiegen - vor meinem Gemüth stand kein Gedanke, als die Ewigkeit und das Mädchen - Gott! da empfand sie nichts? fühlte nichts, als ihren Anschlag gelungen? nichts, als ihre Reize geschmeichelt? Tod und Rache! Nichts! als daß ich betrogen sei?

 

IV,4

Richter der Welt! Fordre sie mir nicht ab! Das Mädchen ist mein. Ich trat dir deine ganze Welt für das Mädchen ab, habe Verzicht gethan auf deine ganze herrliche Schöpfung. Laß mir das Mädchen. - Richter der Welt! dort winseln Millionen Seelen nach dir - dorthin kehre das Auge deines Erbarmens - mich laß allein machen, Richter der Welt! (Indem er schrecklich die Hände faltet.) Sollte der reiche, vermögende Schöpfer mit einer Seele geizen, die noch dazu die schlechteste seiner Schöpfung ist? - Das Mädchen ist mein! Ich einst ihr Gott, jetzt ihr Teufel!

 

V,2

Bleich wie der Tod! - Jetzt erst gefällt sie mir, deine Tochter! So schön war sie nie, die fromme, rechtschaffene Tochter - Mit diesem Leichengesicht - - Der Odem des Weltgerichts, der den Firniß von jeder Lüge streift, hat jetzt die Schminke verblasen, womit die Tausendkünstlerin auch die Engel des Lichts hintergangen hat - Es ist ihr schönstes Gesicht! Es ist ihr erstes wahres Gesicht! Laß mich es küssen.

Rede mir wahr, Luise - Oder nein, nein, thu' es nicht, du könntest Ja sagen, und ich wär' verloren - Eine Lüge, Luise - ein Lüge! - O wenn du jetzt eine wüßtest, mir hinwärfest mit der offenen Engelmiene, nur mein Ohr, nur mein Aug überredetest, dieses Herz auch noch so abscheulich täuschtest - O Luise! Alle Wahrheit möchte dann mit diesem Hauch aus der Schöpfung wandern und die gute Sache ihren starren Hals von nun an zu einem höfischen Bückling beugen! (Mit scheuem bebendem Ton.) Schriebst du diesen Brief?

(nach einer Pause, im Ausdruck des tiefsten Schmerzes). Weib! Weib! - Das Gesicht, mit dem du jetzt vor mir stehst! - Theile mit diesem Gesicht Paradiese aus, du wirst selbst im Reich der Verdammniß keinen Käufer finden - Wußtest du, was du mir warst, Luise? Unmöglich! Nein! Du wußtest nicht, daß du mir Alles warst! Alles! - Es ist ein armes verächtliches Wort, aber die Ewigkeit hat Mühe, es zu umwandern; Weltsysteme vollenden ihre Bahnen darin - Alles! und so frevelhaft damit zu spielen - O, es ist schrecklich! -

Mein Kopf brennt so fieberisch. Ich brauch Kühlung - Willst du mir ein Glas Limonade zurecht machen? (Luise geht ab.)

 

V,4

Gott! Gott! Aber auch mein Vater hat diesen einzigen Sohn - den einzigen Sohn, doch nicht den einzigen Reichthum - (Nach einer Pause.) Doch wie? Was verliert er denn? Das Mädchen, dem die heiligsten Gefühle der Liebe nur Puppen waren, wird es den Vater glücklich machen können? - Es wird nicht, es wird nicht! Und ich verdiene noch Dank, daß ich die Natter zertrete, ehe sie auch noch den Vater verwundet.

 

V,7

Nein! In Wahrheit, Luise! dein Beispiel bekehrt mich - du sollst meine Lehrerin sein. Thoren sind's, die von ewiger Liebe schwatzen. Ewiges Einerlei widersteht, Veränderung nur ist das Salz des Vergnügens - Topp, Luise! Ich bin dabei - Wir hüpfen von Roman zu Roman, wälzen uns von Schlamme zu Schlamm - Du dahin - ich dorthin -

Unglücklich bin ich? Wer hat dir das gesagt? Weib, du bist zu schlecht, und selbst zu empfinden - womit kannst du eines Andern Empfindungen wägen?

Unglücklich mußt' ich werden, das wußte sie. Tod und Verdammniß! das wußte sie und hat mich dennoch verrathen - Siehe, Schlange! das war der einzige Fleck der Vergebung - Deine Aussage bricht dir den Hals - Bis jetzt konnt' ich deinen Frevel mit deiner Einfalt beschönigen, in meiner Verachtung wärst du beinahe meiner Rache entsprungen. (Indem er hastig das Glas ergreift.) Also leichtsinnig warst du nicht - dumm warst du nicht - du warst nur ein Teufel. (Er trinkt.) Die Limonade ist matt wie deine Seele - Versuche!

Fort! Fort! Diese sanften schmelzenden Augen weg! Ich erliege. Komm in deiner ungeheuern Furchtbarkeit, Schlange! spring an mir auf, Wurm! - Krame vor mir deine gräßlichen Knoten aus, bäume deine Wirbel zum Himmel! - so abscheulich, als dich jemals der Abgrund sah - nur keinen Engel mehr - nur jetzt keinen Engel mehr - Es ist zu spät - Ich muß dich zertreten, wie eine Natter, oder verzweifeln - Erbarme dich!

(sie von der Seite betrachtend). Dieses schöne Werk des himmlischen Bildners - Wer kann das glauben? - Wer sollte das glauben? (Ihre Hand fassend und emporhaltend.) Ich will dich nicht zur Rede stellen, Gott Schöpfer - Aber warum denn dein Gift in so schönen Gefäßen? - - Kann das Laster in diesem milden Himmelstrich fortkommen? - O, es ist seltsam.

Und die süße melodische Stimme - Wie kann so viel Wohlklang kommen aus zerrissenen Saiten? (Mit trunkenem Aug auf ihrem Anblick verweilend.) Alles so schön - so voll Ebenmaß - so göttlich vollkommen! - Überall das Werk seiner himmlischen Schäferstunde! Bei Gott! als wäre die große Welt nur entstanden, den Schöpfer für dieses Meisterstück in Laune zu setzen! - - Und nur in der Seele sollte Gott sich vergriffen haben? ist es möglich, daß diese empörende Mißgeburt in die Natur ohne Tadel kam? (Indem er sie schnell verläßt.) Oder sah er einen Engel unter dem Meißel hervorgehen und half diesem Irrthum in der Eile mit einem desto schlechteren Herzen ab?

Du betrügst dich. Das sind ihre Thränen nicht - Nicht jener warme, wollüstige Thau, der in die Wunde der Seele balsamisch fließt und das starre Rad der Empfindung wieder in Gang bringt. Es sind einzelne - kalte Tropfen - das schauerliche ewige Lebewohl meiner Liebe. (Furchtbar feierlich, indem er die Hand auf ihren Kopf sinken läßt.) Thränen um deine Seele, Luise - Thränen um die Gottheit, die ihres unendlichen Wohlwollens hier verfehlte, die so muthwillig um das herrlichste ihrer Werke kommt - O mich däucht, die ganze Schöpfung sollte den Flor anlegen und über das Beispiel betreten sein, das in ihrer Mitte geschieht - Es ist was Gemeines, daß Menschen fallen und Paradiese verloren werden; aber wenn die Pest unter Engel wüthet, so rufe man Trauer aus durch die ganze Natur.

Sonst sollte mir's leid um dich thun, wenn du mit einer Lüge von hinnen müßtest.

Nein! nein! Zu satanisch wäre diese Rache! Nein! Gott bewahre mich! In jene Welt hinaus will ich's nicht treiben - Luise! Hast du den Marschall geliebt? Du wirst nicht mehr aus diesem Zimmer gehen.

wird ihre letzte sterbende Bewegung gewahr und fällt in Schmerz aufgelöst vor der Todten nieder). Halt! Halt! Entspringe mir nicht, Engel des Himmels! (Er faßt ihre Hand an und läßt sie schnell wie fallen.) Kalt, kalt und feucht! Ihre Seele ist dahin. (Er springt wieder auf.) Gott meiner Luise! Gnade! Gnade dem verruchtesten der Mörder! Es war ihr letztes Gebet! - - Wie reizend und schön auch ihr Leichnam! Der gerührte Würger ging schonend über diese freundlichen Wangen hin - Diese Sanftmuth war keine Larve, sie hat auch dem Tod Stand gehalten. (Nach einer Pause.) Aber wie? Warum fühl' ich nichts? Will die Kraft meiner Jugend mich retten? Undankbare Mühe! Das ist meine Meinung nicht. (Er greift nach dem Glase.)

In wenig Worten, Vater - Sie fangen an mir kostbar zu werden - Ich bin bübisch um mein Leben bestohlen, bestohlen durch Sie. Wie ich mit Gott stehe, zittre ich - doch ein Bösewicht bin ich niemals gewesen. Mein ewiges Loos falle, wie es will - auf Sie fall' es nicht - Aber ich hab' einen Mord begangen, (mit furchtbar erhobener Stimme) einen Mord, den du mir nicht zumuthen wirst, allein vor den Richter der Welt hinzuschleppen. Feierlich wälz' ich dir hier die größte, gräßlichste Hälfte zu; wie du damit zurecht kommen magst, siehe du selber.

(reicht ihm seine sterbende Hand).

 

 

 

.
.
..
Miller,

Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer.

Miller,

Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer.

Miller,

Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer.

Miller,

Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer.

Miller,

Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer.

Miller,

Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer.

Miller,

Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer.

Miller,

Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer.

Miller,

Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer.

Miller,

Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer.

Miller,

Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer.

Miller,

Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer.

Miller,

Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer.

Miller,

Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer.

I,1

Das Mädel ist schön - schlank - führt seinen netten Fuß. Unterm Dach mag's aussehen, wie's will. Darüber guckt man bei euch Weibsleuten weg, wenn's nur der liebe Gott parterre nicht hat fehlen lassen

Mensch ist Mensch

Wer einen Gruß an das liebe Fleisch zu bestellen hat, darf nur das gute Herz Boten gehen lassen.

Da saugt mir das Mädel - weiß Gott, was als für? - überhimmlische Alfanzereien ein, das läuft dann wie spanische Mucken ins Blut und wirft mir die Handvoll Christenthum noch gar auseinander, die der Vater mit knapper Noth soso noch zusammenhielt. Ins Feuer, sag' ich. Das Mädel setzt sich alles Teufelsgezeug in den Kopf; über all dem Herumschwänzen in der Schlaraffenwelt findet's zuletzt seine Heimath nicht mehr

 

I,2

Ich zwinge meine Tochter nicht. Stehen Sie ihr an - wohl und gut, so mag sie zusehen, wie sie glücklich mit Ihnen wird. Schüttelt sie den Kopf - noch besser - - in Gottes Namen wollt' ich sagen - so stecken Sie den Korb ein und trinken eine Bouteille mit dem Vater - Das Mädel muß mit Ihnen leben - ich nicht.

Machen muß er, daß das Mädel lieber Vater und Mutter zum Teufel wünscht, als ihn fahren läßt, - oder selber kommt, dem Vater zu Füßen sich wirft und sich um Gotteswillen den schwarzen gelben Tod oder den Herzeinigen ausbittet - Das nenn' ich einen Kerl! das heißt lieben! - und wer's bei dem Weibsvolk nicht so weit bringt, der soll - - auf seinem Gänsekiel reiten.

 

II,6

Euer Excellenz - Das Kind ist des Vaters Arbeit - Halten zu Gnaden - Wer das Kind eine Mähre schilt, schlägt den Vater ans Ohr, und Ohrfeig um Ohrfeig - Das ist so Tax bei uns - Halten zu Gnaden.

 

V,1

"Aber Muth genug mußt du haben, eine finstre Straße zu wandeln, wo dir nichts leuchtet, als deine Luise und Gott - Ganz zur Liebe mußt du kommen, daheim lassen all deine Hoffnungen und all deine brausenden Wünsche; nichts kannst du brauchen, als dein Herz. Willst du - so brich auf, wenn die Glocke den zwölften Streich thut auf dem Carmeliterthurm. Bangt dir - so durchstreiche das Wort stark vor deinem Geschlechte, denn ein Mädchen hat dich zu Schanden gemacht"(Miller legt das Billet nieder

du willst den Diebstahl bereuen, sobald du das Gestohlene in Sicherheit weißt - Tochter! Tochter! Gib Acht, daß du Gottes nicht spottest, wenn du seiner am meisten vonnöthen hast. O! es ist weit, weit mit dir gekommen! - Du hast dein Gebet aufgegeben, und der Barmherzige zog seine Hand von dir.

Wenn du Gott liebst, wirst du nie bis zum Frevel lieben - - Du hast mich tief gebeugt, meine Einzige! tief, tief, vielleicht zur Grube gebeugt. - Doch, ich will dir dein Herz nicht noch schwerer machen - Tochter, ich sprach vorhin etwas. Ich glaubte allein zu sein. Du hast mich behorcht; und warum sollt' ich's noch länger geheim halten? Du warst mein Abgott. Höre, Luise, wenn du noch Platz für das Gefühl eines Vaters hast - Du warst mein Alles. Jetzt verthust du nichts mehr von deinem Eigenthum. Auch ich hab' Alles zu verlieren. Du siehst, mein Haar fängt an grau zu werden. Die Zeit meldet sich allgemach bei mir, wo uns Vätern die Kapitale zu statten kommen, die wir im Herzen unsrer Kinder anlegten - Wirst du mich darum betrügen, Luise? Wirst du dich mit dem Hab' und Gut deines Vaters auf und davon machen?

Gib Acht, ob du dich da nicht verrechnest, mein Kind? (Sehr ernst und feierlich.) Werden wir uns dort wohl noch finden? - - Sieh! wie du blaß wirst! - Meine Luise begreift es von selbst, daß ich sie in jener Welt nicht mehr wohl einholen kann, weil ich nicht so früh dahin eile, wie sie. (Luise stürzt ihm in den Arm, von Schauern ergriffen - Er drückt sie mit Feuer an seine Brust und fährt fort mit beschwörender Stimme.) O Tochter! Tochter! gefallene, vielleicht schon verlorene Tochter! Beherzige das ernsthafte Vaterwort! Ich kann nicht über dich wachen. Ich kann dir die Messer nehmen, du kannst dich mit einer Stricknadel tödten. Vor Gift kann ich dich bewahren, du kannst dich mit einer Schnur Perlen erwürgen. - Luise - Luise - nur warnen kann ich dich noch - Willst du es darauf ankommen lassen, daß dein treuloses Gaukelbild auf der schrecklichen Brücke zwischen Zeit und Ewigkeit von dir weiche? Willst du dich vor des Allwissenden Thron mit der Lüge wagen: Deinetwegen, Schöpfer, bin ich da - wenn deine strafbaren Augen ihre sterbliche Puppe suchen? - Und wenn dieser zerbrechliche Gott deines Gehirns, jetzt Wurm wie du, zu den Füßen deines Richters sich windet, deine gottlose Zuversicht in diesem schwankenden Augenblick Lügen straft und deine betrogenen Hoffnungen an die ewige Erbarmung verweist, die der Elende für sich selbst kaum erflehen kann - wie dann? (Nachdrücklicher, lauter.) Wie dann, Unglückselige? (Er hält sie fester, blickt sie eine Weile starr und durchdringend an, dann verläßt er sie schnell.) Jetzt weiß ich nichts mehr - (mit aufgehobener Rechte) stehe dir, Gott Richter! für diese Seele nicht mehr. Thu, was du willst. Bring deinem schlanken Jüngling ein Opfer, daß deine Teufel jauchzen und deine guten Engel zurücktreten - Zieh hin! Lade alle deine Sünden auf, lade auch diese, die letzte, die entsetzlichste auf, und wenn die Last noch zu leicht ist, so mache mein Fluch das Gewicht vollkommen - Hier ist ein Messer - durchstich dein Herz und (indem er lautweinend fortstürzen will) das Vaterherz!

(stürzt ihr freudetrunken an den Hals). Das ist meine Tochter! - Blick' auf! um einen Liebhaber bist du leichter, dafür hast du einen glücklichen Vater gemacht. (Unter Lachen und Weinen sie umarmend.) Kind! Kind! das ich den Tag meines Lebens nicht werth war! Gott weiß, wie ich schlechter Mann zu diesem Engel gekommen bin! - Mein Luise, mein Himmelreich! - O Gott! ich verstehe ja wenig vom Lieben, aber daß es eine Qual sein muß, aufzuhören - so was begreif' ich noch.

Wohin du nur willst, meine Tochter. Das Brod unsers Herrgotts wächst überall, und Ohren wird er auch meiner Geige bescheren. Ja! laß auch Alles dahingehn - Ich setze die Geschichte deines Grams auf die Laute, singe dann ein Lied von der Tochter, die, ihren Vater zu ehren, ihr Herz zerriß - wir betteln mit der Ballade von Thüre zu Thüre, und das Almosen wird köstlich schmecken von den Händen der Weinenden 

 

V,3

wünsch' mir auch keins mehr. Das Mädel ist just so recht, mein ganzes Vaterherz einzustecken - hab' meine ganze Baarschaft von Liebe an der Tochter schon zugesetzt.

 

.
Millers Frau. I,1

Solltest nur die wunderhübsche Billeter auch lesen, die der gnädige Herr an deine Tochter als schreiben thut. Guter Gott! da sieht man's ja sonnenklar, wie es ihm pur um ihre schöne Seele zu thun ist.

Sieh doch nur erst die prächtigen Bücher an, die der Herr Major ins Haus geschafft haben. Deine Tochter betet auch immer draus.

Sei artig, Miller. Wie manchen schönen Groschen haben uns nur die Präsenter -

Nur nicht gleich mit der Thür ins Haus! Wie du doch den Augenblick in Feuer und Flammen stehst! Ich sprech ja nur, man müss' den Herrn Major nicht disguschthüren, weil Sie des Präsidenten Sohn sind.

 

I,2

Und kurz und gut - ich geb meinen Consenz absolut nicht; meine Tochter ist zu was Hohem gemünzt, und ich lauf' in die Gerichte, wenn mein Mann sich beschwatzen läßt.

.
.
..
Präsident von Walter,

am Hof eines deutschen Fürsten.

Präsident von Walter,

am Hof eines deutschen Fürsten.

Präsident von Walter,

am Hof eines deutschen Fürsten.

Präsident von Walter,

am Hof eines deutschen Fürsten.

Präsident von Walter,

am Hof eines deutschen Fürsten.

Präsident von Walter,

am Hof eines deutschen Fürsten.

Präsident von Walter,

am Hof eines deutschen Fürsten.

Präsident von Walter,

am Hof eines deutschen Fürsten.

I,5

(lacht). Er sagt mir, Wurm - Er habe ein Aug auf das Ding - das find' ich. Aber sieht Er, mein lieber Wurm - daß mein Sohn Gefühl für das Frauenzimmer hat, macht mir Hoffnung, daß ihn die Damen nicht hassen werden. Er kann bei Hof etwas durchsetzen. Das Mädchen ist schön, sagt Er; das gefällt mir an meinem Sohn, daß er Geschmack hat. Spiegelt er der Närrin solide Absichten vor? Noch besser - so seh' ich, daß er Witz genug hat, in seinen Beutel zu lügen. Er kann Präsident werden. Setzt er es noch dazu durch? Herrlich! das zeigt mir an, daß er Glück hat. - Schließt sich die Farce mit einem gesunden Enkel - unvergleichlich! so trink' ich auf die guten Aspecten meines Stammbaums eine Bouteille Malaga mehr und bezahle die Scortationsstrafe für seine Dirne.

Dummer Teufel, was verschlägt es denn Ihm, ob Er die Karolin frisch aus der Münze oder vom Bankier bekommt. Tröst' Er sich mit dem hiesigen Adel - wissentlich oder nicht - bei uns wird selten eine Mariage geschlossen, wo nicht wenigstens ein halb Dutzend der Gäste - oder der Aufwärter - das Paradies des Bräutigams geometrisch ermessen kann.

Überdies kann Er mit Nächstem die Freude haben, seinem Nebenbuhler den Spott auf die schönste Art heimzugeben. Eben jetzt liegt der Anschlag im Kabinet, daß, auf die Ankunft der neuen Herzogin, Lady Milford zum Schein den Abschied erhalten und, den Betrug vollkommen zu machen, eine Verbindung eingehen soll. Er weiß, Wurm, wie sehr sich mein Ansehen auf den Einfluß der Lady stützt - wie überhaupt meine mächtigsten Springfedern in die Wallungen des Fürsten hineinspielen. Der Herzog sucht eine Partie für die Milford. Ein Anderer kann sich melden - den Kauf schließen, mit der Dame das Vertrauen des Fürsten anreißen, sich ihm unentbehrlich machen - Damit nun der Fürst im Netz meiner Familie bleibe, soll mein Ferdinand die Milford heirathen - Ist Ihm das helle?

 

I,7

Du fliehst mich - du fliehst deine Zirkel - Pfui! - Deinen Jahren verzeiht man zehn Ausschweifungen vor einer einzigen Grille. Überlaß diese mir, lieber Sohn! Mich laß an deinem Glück arbeiten und denke auf nichts, als in meine Entwürfe zu spielen. - Komm! umarme mich, Ferdinand!

Wem zu lieb hab' ich die gefährliche Bahn zum Herzen des Fürsten betreten? Wem zu lieb bin ich auf ewig mit meinem Gewissen und dem Himmel zerfallen? - Höre, Ferdinand! - Ich spreche mit meinem Sohn - Wem hab' ich durch die Hinwegräumung meines Vorgängers Platz gemacht - eine Geschichte, die desto blutiger in mein Inwendiges schneidet, je sorgfältiger ich das Messer der Welt verberge! Höre! sage mir, Ferdinand! Wem that ich Dies alles?

Auf mich fällt die Last der Verantwortung - auf mich der Fluch, der Donner des Richters - Du empfängst dein Glück von der zweiten Hand - das Verbrechen klebt nicht am Erbe.

Die ebene Straße zunächst nach dem Throne - zum Throne selbst, wenn anders die Gewalt so viel werth ist, als ihr Zeichen - das begeistert dich nicht?

 

V,8

(eine schreckliche Bewegung des Arms gegen den Himmel). Von mir nicht, von mir nicht, Richter der Welt, fordre diese Seelen, von Diesem! (Er geht auf Wurm zu.)

(aus einer dumpfen Betäubung zu seinem Sohn). Sohn Ferdinand! Soll kein Blick mehr auf einen zerschmetterten Vater fallen?

 

 

.
.
..
Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

Lady Milford,

Favoritin des Fürsten.

II,1

Du sagst, man beneide mich. Armes Ding! Beklagen soll man mich vielmehr! Unter Allen, die an den Brüsten der Majestät trinken, kommt die Favoritin am schlechtesten weg, weil sie allein dem großen und reichen Mann auf dem Bettelstabe begegnet

Aber kann er auch seinem Herzen befehlen, gegen ein großes, feuriges Herz groß und feurig zu schlagen? Kann er sein darbendes Gehirn auf ein einziges schönes Gefühl exequieren? - Mein Herz hungert bei all dem Vollauf der Sinne; und was helfen mich tausend beßre Empfindungen, wo ich nur Wallungen löschen darf?

ich habe dem Fürsten meine Ehre verkauft; aber mein Herz habe ich frei behalten - ein Herz, meine Gute, das vielleicht eines Mannes noch werth ist - über welches der giftige Wind des Hofes nur wie der Hauch über den Spiegel ging

Wir Frauenzimmer können nur zwischen Herrschen und Dienen wählen, aber die höchste Wonne der Gewalt ist doch nur ein elender Behelf, wenn uns die größere Wonne versagt wird, Sklavinnen eines Mannes zu sein, den wir lieben.

Sieht man es denn dieser kindischen Führung des Scepters nicht an, daß wir nur für das Gängelband taugen? Sahst du es denn diesem launischen Flattersinn nicht an - diesen wilden Ergötzungen nicht an, daß sie nur wildere Wünsche in meiner Brust überlärmen sollten?

Gib mir den Mann, den ich jetzt denke - den ich anbete - sterben, Sophie, oder besitzen muß. (Schmelzend.) Laß mich aus seinem Mund es vernehmen, daß Thränen der Liebe schöner glänzen in unsern Augen, als die Brillanten in unserm Haar, (feurig) und ich werfe dem Fürsten sein Herz und sein Fürstenthum vor die Füße, fliehe mit diesem Mann, fliehe in die entlegenste Wüste der Welt - -

Die Verbindung mit dem Major - Du und die Welt stehen im Wahn, sie sei eine Hof-Kabale - Sophie - erröthe nicht - schäme dich meiner nicht - sie ist das Werk - meiner Liebe!

 

II,3

Wer sich herausnimmt, Beleidigungen dieser Art einer Dame zu sagen, die nicht mehr als eine Nacht braucht, ihn ganz zu verderben, muß dieser Dame eine große Seele zutrauen, oder - von Sinnen sein - Daß Sie den Ruin des Landes auf meine Brust wälzen, vergebe Ihnen Gott der Allmächtige, der Sie und mich und den Fürsten einst gegen einander stellt. - Aber Sie haben die Engländerin in mir aufgefordert, und auf Vorwürfe dieser Art muß mein Vaterland Antwort haben.

Der Fürst überraschte zwar meine wehrlose Jugend - aber das Blut der Norfolk empörte sich in mir: Du, eine geborene Fürstin, Emilie, rief es, und jetzt eines Fürsten Concubine? - Stolz und Schicksal kämpften in meiner Brust, als der Fürst mich hieher brachte und auf einmal die schauderndste Scene vor meinen Augen stand! - Die Wollust der Großen dieser Welt ist die nimmersatte Hyäne, die sich mit Heißhunger Opfer sucht. - Fürchterlich hatte sie schon in diesem Lande gewüthet - hatte Braut und Bräutigam zertrennt - hatte selbst der Ehen göttliches Band zerrissen - - hier das stille Glück einer Familie geschleift - dort ein junges unerfahrenes Herz der verheerenden Pest aufgeschlossen, und sterbende Schülerinnen schäumten den Namen ihres Lehrers unter Flüchen und Zuckungen aus - Ich stellte mich zwischen das Lamm und den Tiger, nahm einen fürstlichen Eid von ihm in einer Stunde der Leidenschaft, und diese abscheuliche Opferung mußte aufhören.

Ich nahm dem Tyrannen den Zügel ab, der wollüstig in meiner Umarmung erschlappte - dein Vaterland, Walter, fühlte zum erstenmal eine Menschenhand und sank vertrauend an meinen Busen. (Pause, worin sie ihn schmelzend ansieht.) O daß der Mann, von dem ich allein nicht verkannt sein möchte, mich jetzt zwingen muß, groß zu prahlen und meine stille Tugend am Licht der Bewunderung zu versengen! - Walter, ich habe Kerker gesprengt - habe Todesurtheile zerrissen und manche entsetzliche Ewigkeit auf Galeeren verkürzt. In unheilbare Wunden hab' ich doch wenigstens stillenden Balsam gegossen - mächtige Frevler in Staub gelegt und die verlorene Sache der Unschuld oft noch mit einer buhlerischen Thräne gerettet

Und jetzt kommt der Mann, der allein mir Das alles belohnen sollte - der Mann, den mein erschöpftes Schicksal vielleicht zum Ersatz meiner vorigen Leiden schuf - der Mann, den ich mit brennender Sehnsucht im Traum schon umfasse -

Höre, Walter - wenn eine Unglückliche - unwiderstehlich, allmächtig an dich gezogen - sich an dich preßt mit einem Busen voll glühender, unerschöpflicher Liebe - Walter! - und du jetzt noch das kalte Wort Ehre sprichst - wenn diese Unglückliche - niedergedrückt vom Gefühl ihrer Schande - des Lasters überdrüssig - heldenmäßig emporgehoben vom Rufe der Tugend - sich so - in deine Arme wirft (sie umfaßt ihn, beschwörend und feierlich) - durch dich gerettet - durch dich dem Himmel wieder geschenkt sein will, oder (das Gesicht von ihm abgewandt, mit hohler bebender Stimme) deinem Bild zu entfliehen, dem fürchterlichen Ruf der Verzweiflung gehorsam, in noch abscheulichere Tiefen des Lasters wieder hinuntertaumelt -

Weil ich es muß. (Mit Ernst und Stärke.) Meine Leidenschaft, Walter, weicht meiner Zärtlichkeit für Sie. Meine Ehre kann's nicht mehr - Unsre Verbindung ist das Gespräch des ganzen Landes.

 

IV,6

Sage mir nichts von ihr - Stille - wie eine Verbrecherin zittre ich, die Glückliche zu sehen, die mit meinem Herzen so schrecklich harmonisch fühlt

 

IV,7

Ich will über diese schimpfliche Leidenschaft siegen, mein Herz unterdrücken und das deinige zermalmen - Felsen und Abgründe will ich zwischen euch werfen; eine Furie will ich mitten durch euren Himmel gehen; mein Name soll eure Küsse, wie ein Gespenst Verbrecher, auseinander scheuchen; deine junge blühende Gestalt unter seiner Umarmung welk, wie eine Mumie, zusammenfallen - Ich kann nicht mit ihm glücklich werden - aber du sollst es auch nicht werden - Wisse das, Elende! Seligkeit zerstören ist auch Seligkeit.

 

IV,8

Gott! Gott! Bin ich so tief gesunken - so plötzlich von allen Thronen meines Stolzes herabgestürzt, daß ich heißhungrig erwarte, was einer Bettlerin Großmuth aus ihrem letzten Todeskampfe mir zuwerfen wird? - Nehmen Sie ihn hin! und das spricht sie mit einem Tone, begleitet sie mit einem Blick - - Ha! Emilie! bist du darum über die Grenzen deines Geschlechts weggeschritten? Mußtest du darum um den prächtigen Namen des großen brittischen Weibes buhlen, daß das prahlende Gebäude deiner Ehre neben der höheren Tugend einer verwahrlosten Bürgerdirne versinken soll? - Nein, stolze Unglückliche! nein! - Beschämen läßt sich Emilie Milford - doch beschimpfen nie! Auch ich habe Kraft, zu entsagen.

Fahret hin, süße, goldene Bilder der Liebe - Großmuth allein sei jetzt meine Führerin! - - Dieses liebende Paar ist verloren, oder Milford muß ihren Anspruch vertilgen und im Herzen des Fürsten erlöschen!

Groß, wie eine fallende Sonne, will ich heut vom Gipfel meiner Hoheit heruntersinken, meine Herrlichkeit sterbe mit meiner Liebe, und nichts als mein Herz begleite mich in diese stolze Verweisung. (Entschlossen zum Schreibpult gehend.) Jetzt gleich muß es geschehen - jetzt auf der Stelle, ehe die Reize des lieben Jünglings den blutigen Kampf meines Herzens erneuern. (Sie setzt sich nieder und fängt an zu schreiben.)