ursachenfaktor:  kapital

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´kapital´ =  zur Produktion und zum Vertrieb von Gütern + Dienstleistungen aufgewandtes (=investiertes) Geld

´geld´ = 1. Tauschmittel; 2. Ware

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´industrie´ =  gewerbl. Verarbeitung von Rohstoffen und Halbfabrikaten in Fabriken (Fabrik-I.) oder im Verlagssystem (Haus-I.).  /  Gesamtheit aller auf Produktion ausgerichteten Unternehmen, die sich durch hohe Arbeitsteilung, Spezialisierung, kapitalintensive Mechanisierung und effizienzsteigernde Rationalisierung auszeichnen. Im Unterschied zum Handwerk dominiert in der Industrie die Massenproduktion für einen überregionalen Absatzmarkt.

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.Herkunft des Kapitals zu Beginn der Industrialisierung in England:

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auf der  Basisleistung des mittelalterlichen Bedarfsdeckungssystems...

bedingen + befördern sich im Ursprungsland der Industrialisierung

 

die Auflösung der Feudalordnung

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und der Finanzbedarf der englischen Könige 

wechselseitig

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diese Auflösung führt zur Bildung einer Mischschicht aus den Nachgeborenen der Adelsfamilien + den reichsten Bürgerfamilien, der ´gentry´  

 

 

führt zu Mitbestimmungsrechten auch für reiche Bürger

         
führt zu einer marktorientierten Umorganisation der englischen Landwirtschaft auf Schafzucht  /  Einhegungsbewegung   führt zur Entwicklung eines in größerem Umfang als bäuerliches Hörigendasein bis dahin  marktorientierten Pächterwesens sowie zur Notwendigkeit von Heimarbeit auf dem Land  + zur Aufweichung des Zunftsystems in den Städten (´Störer- und Stümpler´) <> führt zu einer nicht zuletzt an gentry-Interessen orientierten Innen-, Außen-/ und besonders Kolonialpolitikpolitik

//Enteignung des Kirchenbesitzes im Rahmen der englischen Reformation

//Abdrängung der Puritaner ausschließlich in wirtschaftliche Tätigkeiten (>calvinistisches Arbeitsethos; Auswanderung > Kolonien-Gründung)

//Privilegierungen von Seeräubern+Kaufleuten (merchant adventurers, Handelskompagnien)

       
führt zur Marktführerschaft Englands auf den europäischen Wolltextilmärkten <> familienbetriebliche Wissensanhäufung und -weiterentwicklung über  Generationen  
IN VERLAGSSYSTEM, MANUFAKTUREN + AUFBLÜHENDEM HANDWERK +  IN HANDELSKOMPAGNIEN + DURCH BILDUNGSBÜRGERLICHE LEISTUNGEN...

...häufen gentry und bürgerliche Gewerbetreibende zunehmenden Reichtum an

 

  dabei  konzentriert sich zwischenzeitig in den Händen der ´Erben des Schwarzen Todes´ie dieser Reichtum in besonderem Maße
 

>>>  wachsende Investitions-Möglichkeiten für diesen Reichtum entstehen durch den zunehmenden Bevölkerungsdruck

... so wird aus Reichtumsanhäufung INVESTITIONSBEREITSCHAFT (Geld wird als Kapital eingesetzt)

 

das führt zu:  KAPITAL-AKKUMULATION 

= Kapitalvermehrung durch Reinvestition von Gewinnen

 

SIE BILDET DIE UNABDINGBARE VORAUSSETZUNG FÜR DEN UMSTIEG AUF INDUSTRIELLES PRODUZIEREN

 

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R,M.Hartwell   /  Woher kam das Kapital für die Industrialisierung? 

Obwohl die meisten Historiker, die sich mit der industriellen Revolution befaßten, stillschweigend die Notwendigkeit einsahen, den Absatz einer steigenden Konsumgütererzeugung zu erklären, haben sie doch der Ausdehnung des Überseehandels größere Bedeutung beigemessen als der Zunahme der Binnennachfrage.

Die Betonung des internationalen Handels ist verständlich; im dritten Viertel des 18. Jahrhunderts nahm der Export stark zu, wobei auf eine Beruhigung in den siebziger Jahren wieder ein bemerkenswerter Aufschwung zwischen 1780 und 1800 folgte; Fertigwaren machten einen großen Teil der Exporte aus, ein erheblicher Teil der industriellen Produktion wurde exportiert; Industriezweige, die hauptsächlich binnenwirtschaftlich orientiert waren, wuchsen nicht so schnell wie die wichtigen Exportindustrien. Doch ging die Erweiterung des Außenhandels zum erheblichen Teil von den Kolonien in Nordamerika und Westindien aus, deren Nachfrage nach englischen Waren sich wiederum weitgehend aus dem englischen Bedarf an Kolonialwaren ergab.

Trotzdemwar der Überseehandel bedeutsam, weil er den für englische Hersteller zugänglichen Markt insgesamt erweiterte. Es ist tatsächlich nicht übertrieben, von einer atlantischen Wirtschaft des 18. Jahrhunderts zu reden, die einen gemeinsamen Markt darstellte, der die Ausnutzung komparativer Kostenvorteile in England gestattete, wie sie andernfalls nicht möglich gewesen wäre. Die wirklich entscheidenden Entwicklungsmöglichkeiten für den englischen Außenhandel bot jedoch Europa mit seinen 200 Millionen Einwohnern; "gegen Ende des Jahrhunderts war Englands Baumwoll- und Metallindustrie fähig, ...nicht nur die europäischen, sondern auch alle anderen Märkte mit ihren konkurrenzlosen Produkten der Industriellen Revolution zu erobern".

Der auswärtige Handel konnte in den Jahren vor der Industriellen Revolution auf einen kleinen, wenn auch bedeutsamenTeil der gesamten industriellen Produktion anregend wirken. Die wichtigsten Wachstumsimpulse müssen vom Binnenmarkt ausgegangen sein, da im 18.Jahrhundert die Expansion des Marktes gewöhnlich der industriellen Expansion voranging. Die ununterbrochen zunehmende inländische Nachfrage regte das industrielle Wachstum auf breiter Front an. Diese Nachfrage war örtlich begrenzt und klar erkennbar .Der Produzent reagierte unmittelbar auf sie. Die stete Aufwärtsentwicklung der gesamten inländischen Nachfrage war für das Wachstum bedeutender als die unstete Zunahme des Außenhandels in den Jahren vor 1780. Die Anzeichen für steigende Reallöhne in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind von mehreren Autoren untersucht worden. Schon Adam Smith stellte 1776 fest: "In Großbritannien nahmen im Laufe dieses Jahrhunderts das reale Arbeitseinkommen, ...das tatsächliche Ausmaß dessen, was der Arbeiter für seinen Lebensunterhalt und eine angemessene Lebensführung erhielt, beachtlich zu." Die steigenden Reallöhne lassen sich einerseits besonders auf Verbesserungen in der Landwirtschaft, die weit bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen, andererseits auf eine Reihe guter Ernten nach 1730 zurückführen. Dadurch stieg das für die Masse der Engländer verfügbare Geldeinkommen gerade in einer entscheidenden Phase der Entwicklung.

Eine produktivere Landwirtschaft vermehrte aber nicht nur die Realeinkornrnen und Produktionsgrundlagen der Industrie, sondern auch für eine größere Anzahl von Menschen die Überlebenschancen. Das wiederum trug zum englischen Bevölkerungswachstum bei. Welche Rolle spielte die Bevölkerungszunahme für die In-dustrielle Revolution. Historisch gesehen gehören Bevölkerungsanstieg und wirtschaftliches Wachstum zu sammen. Während das letztere jedoch stets vom ersteren begleitet wurde, fand nicht in allen Phasen einer Bevölkerungszunahme auch wirtschaftliches Wachstum statt. ...Die Verbindung von verbesserter Landwirtschaft und Industrialisierung im England des 18. Jahrhunderts war einmalig; ebenso einmalig war damals auch die Zuwachsrate der englischen Bevölkerung. Es scheint daher, als sei das Bevölkerungswachstum eher die Folge des wirtschaftlichen Wachstums und kein unabhängiger variabler Wachstumsfaktor. Soweit die vorhandenen Daten eine regionale Aufgliederung erlauben, bestätigen sie diese Ansicht: Diejenigen Regionen, die schon vor der Industriellen Revolution gewerblich entwickelt waren und die später auch zu Zentren des industriellen Wandels wurden, wiesen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein schnelleres Bevölkerungswachstum auf als die übrigen Gebiete; mit der Industrialisierung nahmen diese Unterschiede noch zu.

Eine Zunahme der Bevölkerung bedeutete mehr Arbeitskräfte und wenn dieser grundlegende Produktionsfaktor besser organisiert und mit besseren technischen Produktionsmitteln ausgestattet wurde, stieg zweifellos auch die Gesamterzeugung, und wenn Lohnraten überhaupt einen Anhaltspunkt bieten, dann wuchs auch die Pro-Kopf-Produktion.

In: Industrielle Revolution. Wirtschaftliche Aspekte. Hrsg. R,Braun, Köln' Kiepenheuer & Witsch 1972, S,49-51

 

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