d 2003/04:     NC  /


 

ARBEITSAUFTRAG:   Warum drohen Mann und Frau einander zu verfehlen?

 

Bertolt Brecht  /  Der gute Mensch von Sezuan

   

 

Textvorstellung:

 

Der vielseitige deutsche  Autor des Dramas „Der gute Mensch von Sezuan“ Bertolt Brecht war ein sehr bedeutender Dichter und Dramatiker des zwanzigsten Jahrhunderts. Durch seine Kreativität und seinen Einfallsreichtum machte er sich auch als Theoretiker, Theaterkritiker und Regisseur im deutschsprachigen Raum einen Namen. Er galt als bekennender Marxist und wurde wegen seinen politischen und gesellschaftlichen Ansichten von den Nazis verfolgt, wodurch er ständig seinen Wohnort wechseln musste. Fast alle seiner bedeutenden Werke wurden im Exil verfasst. Nach Ende des 2. Weltkriegs kehrte Brecht nach Berlin (Ost) zurück. Brecht setzt sich für Menschen ein, denen das Recht auf Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung durch gesellschaftliche Missstände genommen wurde. Mit seinen Werken übt er scharfe Kritik an den Erscheinungsformen des Kapitalismus und an der historischen Rolle der Kirchen, da diese seit jeher mit den gesellschaftlich etablierten Mächten kooperierte. Auch in seinem, im amerikanischen Exil, 1942 vollendetem Werk „ Der gute Mensch von Sezuan“, mit dem er schon in den 20er Jahren begann, werden seine ideologischen Ansichten sichtbar und dem Zuschauer auf provokative Art und Weise vor Augen geführt. Dies bewirkt Brecht durch das sogenannte epische Theater, welches sehr gegensätzlich zur dramatischen Form des Theaters ist, denn bei der epischen Theaterform kann sich der Zuschauer nicht in die emotionale Lage der Rolle hineinversetzen, da der Schauspieler gegenüber der gespielten Rolle ein eigenständiges Wesen bleibt. Die Bühne soll nicht wie bei der dramatischen Form des Theaters einen Ausschnitt der Wirklichkeit darstellen, sondern ein Modell der Wirklichkeit. Im Gegensatz zur dramatischen Form, bei der es am Schluss zu einer tragischen beziehungsweise untragischen Lösung kommt, ist bei der epischen Form ein offenes Ende ohne Lösung charakteristisch. Das Bühnenbild ist sehr einfach ohne große Kulisse dargestellt und das Stück wird öfters von einem Erzähler oder von Songs unterbrochen. Damit möchte Brecht die dargestellten Situation noch mehr verfremden (V-Effekt) ,wodurch der Betrachter eine größere Distanz zum Dargestellten gewinnt. Der V-Effekt ist ein wichtiger Bestandteil des epischen Theaters. Mit solchen Mitteln will man den Zuschauer aus seiner intellektuellen Passivität locken und zur Reflexion über das Bühnengeschehen  ermutigen.

 

Die weltanschauliche Ansicht Brechts wird durch die epische Form des „ Guten Mensch von Sezuan“ verdeutlicht. In der eine von Handel und Geld reduzierte Gesellschaft dargestellt wird. Damit kritisiert Brecht die Begleitumstände eines auf den Grundsätzen des Kapitalismus geführten Staats. Da bei diesem System den Menschen nichts anderes übrigbleibt als zu erst an sich selbst zu denken und so auch andere Menschen ausbeuten müssen. Dadurch kommen moralische und soziale Taten meistens zu kurz. Im Stück werden diese sozialen Missstände und Ungerechtigkeiten sehr stark hervorgehoben. Damit will Brecht beim Zuschauenden die Frage aufzuwerfen, ob man in einer Gesellschaft in der jeder sich der nächste ist , die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden und die meisten Menschen gezwungen sind durch die Ungerechtigkeiten des System selbst ungerecht werden zu müssen, überhaupt sinnvoll sei.

 

Brechts Werk „ Der gute Mensch von Sezuan“ ist ein Modellfall für die Klassenmoral und spielt in der Hauptstadt der Provinz Sezuan. Die dargestellte Gesellschaft befindet sich auf einem vorindustriellen Entwicklungsstand, doch erste Anzeichen von beginnender Industrialisierung sind erkennbar, denn es gibt schon am Anfang des Dramas eine Zementfabrik und gegen später eine Tabakfabrik. Brecht gibt bewusst keine örtlichen und zeitlichen Angaben und will damit zeigen, dass Sezuan an allen Orten auf der Welt sein kann, wo Menschen von anderen Menschen benutzt und ausgebeutet werden. Da es solche Orte überall gibt, ist das Stück kein realistischer Text, sondern auf alle Bereiche und Orte übertragbar. Es ist also ein Text der den Zuschauer im Theater oder den Leser daheim belehren will und nicht bloß unterhalten. Solche lehrhaften Beispielerzählungen nennt man Parabel. Brecht setzt bewusst diese Textgattung ein, denn auch im Untertitel trägt sein Stück die Bezeichnung „Parabelstück“. Er wählt dies bewusst aus, denn der Begriff „Parabelstück“ beinhaltet, dass der dargestellte Einzelfall eine verschlüsselte, auf die Allgemeinheit übertragbare Aussage enthält und so der Zuschauer schon, bevor er sich das Drama angeschaut hat darauf einstellen muss, die abgebildete Abstraktion eines Problems selbst zu erörtern. Die Parabel realisiert die schon erwähnte Verfremdung, die für Brecht eine zentrale Kategorie seiner Ästhetik darstellt.

 

Brecht lässt seine Personen im Drama sehr egoistisch, eigennützig und hinterlistig erscheinen. Sie sind nur an ihrem eigenen Vorteil interessiert und können dadurch keine Liebe geben oder empfinde. Sie sind unfähig wahre Gefühle oder Emotionen zu zeigen. Das Drama ist auf einer zentralen Ausgangsfrage aufgebaut bei der drei Götter untersuchen wollen, ob die Welt so bleiben könne, wie sie ist.  Sie kommen auf die Erde um zu prüfen ob es noch guten Mensche gäbe die ihre Gebote befolgen, die eine Art Beweis für die Existenzberechtigung der Götter wären (Þ S.10). An den Vorgängen wie die Götter handeln lässt sich unschwer erkennen, dass diese auch nur aus Selbstinteresse auf die Erde kommen und überhaupt nicht die Absicht haben den Menschen aus ihrer Not zu befreien. Als sie in Sezuan angekommen sind, bekommen sie kein Nachtquartier. Nur die Prostituierte Shen Te nimmt sie auf. Die Götter glauben in ihr den guten Menschen gefunden zu haben und geben ihr ein großzügiges Geldgeschenk. Shen Te ist nicht sicher, ob sie der richtige Mensch sei, den die Götter meinen gefunden zu habe, doch sie verspricht mit ihren neuen finanziellen Möglichkeiten anderen Menschen zu helfen und Gutes zu tun (Þ S.16). Sie versucht ihr Versprechen verzweifelt zu halten, doch in einer Welt, in der so große soziale Missstände herrschen, kann sie nicht gütig sein und trotzdem überleben. Daher entwickelt sie einer Art Schutzfunktion, indem sie sich in zwei verschieden Personen aufspaltet. Ihre andere Seite die Doppelrolle Shui Ta tritt immer dann in Erscheinung, wenn  Shen Te mit ihrer gutmütigen Art zu scheitern droht. Gegen Ende des Stücks spitzen sich die Problem so zu, dass Shen Te nur noch als Shui Ta überleben kann. Dieses Versteckspiel durch eine andere Person wird jedoch durch ihre Schwangerschaft immer komplizierter, da sie Frau sein von Mann sein nicht mehr differenzieren kann und somit scheitern muss. Shui Ta ist genau das Gegenteil Shen Tes, denn er ist berechnend und gefühlskalt wie die anderen Personen im Drama. Diese Doppelrolle soll den Konflikt zwischen wirtschaftlichem Überleben und Gutsein verkörpern.

Shen Te ist die einzige Person, die sich durch ihre guten Charaktereigenschaften von dem Rest der Gesellschaft abhebt. Sie versucht sich nicht den unmoralischen Gegebenheiten des Kapitalismus unterzuordnen, sondern versucht Gutes zu tun und den Menschen wirklich zu helfen. Ihre grenzelose Aufopferung für Andere wird maßlos ausgenutzt. Denn die anderen Personen versuchen durch Shen Tes Naivität sich selbst zu bereichern. Daran wird klar, dass alle anderen Menschen keine menschlichen Empfindungen mehr für Andere haben, sondern nur noch für sich selbst. Somit können sie auch keine zwischenmenschlichen Beziehungen aufbauen, da sie durch ihren Mangel an Menschlichkeit gar nicht in der Lage sind auf andere Menschen einzugehen, diese zu verstehen und ihnen helfen. Nur noch Shen Te handelt auf emotionaler Ebene, weswegen sie in immer schlimmere Konfliktsituationen kommt.

 Am Ende sieht Shen Te keine andere Möglichkeit ihre Doppelrolle aufzudecken und die Götter um Rat zu fragen, doch diese können ihr auch nicht helfen und stehlen sich blamiert davon. Damit bringt Brecht seine Religionskritik zum Ausdruck, denn die Götter sind machtlos und nicht allmächtig. Sie sind genau wie die Menschen von den Gesetzen der Wirtschaft abhängig, denn sie werden von Wang als Ware verhökert und müssen mit dem Geldgeschenk an Shen Te ihre eigene Untersuchung erst finanzieren. Ihr Untersuchung ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt, da sie erkennen müssen, dass sie ebenfalls auf ihren eigenen Vorteil aus sind und damit genauso selbstsüchtig wie die Menschen handeln.

 

Mit seinem Werk möchte Brecht veranschaulichen zu welchen sozialen Missstände es kommt, wenn Menschen, bewirkt durch Folgen eines kapitalistischen Systems, jede Art von Menschlichkeit verlieren und zu einem gefühlskalten, egoistischen Wesen verkommen. Es wird auch verdeutlicht, dass Menschen nicht von Natur bösartig sind, sondern durch die Ungerechtigkeiten in einem System bösartig werden. Man kann dies nur verhindern, wenn man die Gesellschaft umstrukturiert und sie verändert.

 

 

 

 

Was macht die zentralen Frauenfiguren in der Textvorlage aus?

Zu den zentrale Frauenfiguren des Dramas zählen Shen Te , die Witwe Shin , die Hausbesitzerin Mi Tzü und die Mutter Yang Suns Frau Yang. Die Prostituierte Shen Te hebt sich sehr stark von den übrigen anderen Frauenfiguren ab. Brecht verstärkt dies mit dem Stilmittel der Ironie, denn es ist sehr verwunderlich das seine Hauptfigur des Dramas eine am Rand der Gesellschaft stehende, von ihr verachtete Prostituierte ist. Noch dazu eine Person ist die über beste menschliche Tugenden wie Ehrlichkeit, Großzügigkeit und Güte verfügt. Bei einem Menschen der zu den Besitzlosen gehört und durch seinen schlechten gesellschaftlichen Stand zur Prostitution gezwungen ist erscheinen solche guten Eigenschaften als fast unmöglich. Ihre Großzügigkeit kennt keine Grenzen (Bsp. Wasserkauf Þ S. 28), wobei sie sich selbst dadurch immer wieder in große Schwierigkeiten bringt aus denen sie nicht ohne Hilfe nicht herauskommt. Schon zu Beginn opfert sie sich für die Allgemeinheit, denn alle anderen Menschen in Sezuan sind nicht bereit die Götter aufzunehmen. Shen Te nimmt diese ohne groß zu zögern auf und verhindert damit das die Götter Sezuan ganz aufgeben, da es ansonsten dort sowieso keine „guten“ Menschen mehr geben würden. Mit dem für diese gute Tat erhaltenem Geldgeschenk der Götter beschließt sie gutes zu tun. Durch ihre neuen finanziellen Möglichkeiten lässt sie sich noch mehr von Anderen ausnutzen. Diese Selbstlosigkeit wirkt dadurch schon fast grenzenlos naiv. Durch die Eigenschaft nicht „nein“ sagen zu können, die in diesem dargestellten System  als Schwäche ausgelegt/ausgenutzt wird, ruiniert sie sich fast selber.(Þ S.12/13). Obwohl sie betrogen, beschimpft und belogen wird kann sie den Menschen von denen sie schlecht behandelt wird nicht böse sein, denn sie sieht mit ihrer Gutgläubigkeit nur das Gute im Menschen. Brecht wählt für seine Hauptfigur deshalb eine Frau, weil solche Eigenschaften, wie sie Shen Te besitzt, Frauen mehr unterstellt als Männern. Diese verträumte, gutgläubige, sehr emotionale Art wird eher Frauen zugeschrieben. Alle Eigenschaften werden auf eine sehr übertrieben Art dargestellt um eine noch besser Wirkung der sozialen Ungerechtigkeiten bei dem Zuschauer zu erzeugen.

Die drei anderen zentralen Frauenfiguren unterscheiden sich in ihren Charaktereigenschaften im Wesentlichen nicht voneinander. Alle drei sind rücksichtslos und handeln nur aus Selbstinteresse.

Frau Yang unterstützt ihren Sohn Sun mit allen Mitteln bei der Erlangung . Doch dadurch erhofft sie sich ihren eigenen Status erhöhen zu können. Also denk sie auch wieder an sich selbst. Sie ist sehr voreingenommen von ihrem Sohn und lässt keine negative Kritik zu (Þ S. 115 ).

Die Witwe Shin hat noch schlechtere Charaktereigenschaften, denn sie ist sehr hinterlistig. Sie ist die Voreigentümerin des Ladens und hat Shen Te unter falschen Voraussetzungen zum Erwerb bewegt. Sie setzt Shen Te unter Druck und stellt falsche Behauptungen auf. Auch sie ist nur bereit zu helfen wenn es ihr selbst nutzt. Sie spielt ihre Hinterlist gezielt aus, denn sie verdreht alles und gibt vor moralisch zu handeln. Damit versucht sie andere in Nachteil oder ins Unrecht zu setzen (Þ S. 115 ). Zum Beispiel betrügt sie den Schreiner Lin To. Ihre Hinterlist wird durch ihre Bosheit verstärkt, denn sie beschimpft Shen Te als jemanden der sich als Wohltäterin aufspielen wolle (Þ S. 20 ), unterstellt ihr sich nachts rumzutreiben (Þ S. 56 ) und wirft ihr vor Angst vor den Besitzenden zu habe. Dabei fürchtet sie selbst die Besitzenden. Auch ihre Hilfe bei Shen Tes Schwangerschaft lässt sie sich gut bezahlen.

Die Eigenschaften der Hausbesitzerin Mi Tzü sind auch nicht besser, denn sie bereichert sie durch Verlogenheit und Berechnung. Denn sie verlangt von Shen Te ein hohe Mietvorauszahlung und begründet diese Forderung mit Lebenswandel von Shen Te (Þ S. 38f. ). Durch diese absurde Forderung setzt sie den Kreislauf von Shen Tes Schwierigkeiten in Gang. Auch ihre Fabrikräume gibt sie nur Shui Ta , wenn dieser ihr als Tausch Sun anbietet (Þ S. 125 ) . Genau wie die Witwe Shin gibt sie vor für Sitte und Moral einzutreten, doch  dies ist nur Fassade denn in Wirklichkeit geht es ihr ausschließlich um den eigene Vorteil.

Alle Frauenfiguren außer Shen Te sind berechnet und gefühlsarm. Sie setzte ihre individuellen Stärken nur zu ihrem eigenen Vorteil und spiegeln so die sozial schlechten Verhältnisse wider.

 

 

 

Was macht die zentralen Männerfiguren in der Textvorlage aus?

 

Zu den zentralen Männerfiguren im Parabelstück zählen Wang, der Babier Shu Fu, Yang Sun der arbeitslose Flieger. Die Männerfiguren haben alle eine gewisse Ähnlichkeit. Sie haben alle Eigenschaften um in dem ungerechten System nicht unterzugehen. Und müssen diese auch knallhart anwenden auch wenn diese moralisch oftmals nicht vertretbar sind. Auch sie sind durch die gesellschaftlichen Missstände gezwungen aus allem ihren eigenen Vorteil zu ziehen.

Wang der Wasserverkäufer gehört zu den Besitzlosen und hat somit keinen hohen gesellschaftlichen Stand und unterliegt den Gesetzmäßigkeiten der Gesellschaft. Er verkauft einen Rohstoff und ist , deshalb von der Konjunktur abhängig. Nur bei Dürre kann er etwas absetzen. Da der Wasserverkauf ihn kaum ernähren kann versucht er mit Betrug seine Lage zu bessern. In seinem Messbecher hat er einen doppelten Boden angebracht(Þ S. 10). So ist er auch kein guter Mensch will es aber sein kann es aber nicht, da er sich den Gegebenheiten der Gesellschaft anpassen muss um zu überleben. An ihm werden die Schwierigkeiten eines Menschen aufgezeigt, der den Göttern dient und sich zugleich in der Gesellschaft behaupten muss. Er kann diesen Schwierigkeiten nicht standhalten.

Der Barbier Shu Fu ist ein Kaufmann, der seine Überlegenheit gekonnt ausspielt. Er versucht sich oft als selbstloser Wohltäter aufzuspielen und kann sich dieses durch seinen gesellschaftlich hohen Stand und sein Vermögen leisten (Þ S.77/78). Doch hinter dieser Fassade ist er auch nicht besser als andere, denn mit seinem Einsatz für Shen Te seine Häuser zur Verfügung zu stellen erhofft er sich nur auf eine ganz billige Art und Weise ihre Liebe zu erschleichen. Als besitzender Mensch  kann er die besitzlosen ausbeuten und seinen Besitz vermehren. Er wir von den Besitzlosen gefürchtet, da er seine Überlegenheit gezielt ausspielen kann. So zum Beispiel kann Wang der Wasserverkäufer  Shu Fu anzuzeigen (Shu Fu hat Wang mit einer Brennschere die Hand schwerverletzt), da keiner der Zeugen es wagt gegen den mächtigen Barbier auszusagen.

Sun, der arbeitslose Flieger will sich das Leben nehmen wird, aber von Shen Te dazu gebracht es nicht zu tun (Þ S. 44). Er konnte in der Gesellschaft nicht bestehen und versagte. Er wollte nicht mehr weiterleben, da er keine Möglichkeit sah an eine Fliegerstelle zu kommen. Als ihn Shen Te davon zu überzeugen versucht, dass das Leben einem noch so viele andere Möglichkeiten bietet, erkennt er das er durch sie vielleicht wieder auf die Beine kommen könnte. Denn Shen Tes finanzielle Mittel benötigt Sun um an eine Fliegerstelle zu kommen und so seinem Ziel ein erhebliches Stück näher kommt .Nun erscheint ihm seine auswegslose Lebenssituation sofort wieder besser zu ertragen erscheint. Daran sieht man, dass Sun wenn er eine Möglichkeit findet seine Lage zu verbessern, diese sofort nutzt und somit eigentlich doch ganz gut im kapitalistischen System bestehen kann. Er will Shen Te nur ausnutzen und ist nicht an ihrem Wesen interessiert sondern nur an ihrem Geld (Þ S. 72). Durch die schlechten gesellschaftlichen Verhältnisse hat er viele schlechte Eigenschaften entwickelt, die er  gnadenlos ausspielt, denn er versucht seine Ziele durch rücksichtsloses Handeln und Bestechung voran zu treiben. Wenn es sein muss wechselt er sogar die Seiten, denn seine Loyalität gebührt nur ihm selbst.

Shui Ta die abgespaltene Rolle von Shen Te ist ihr exaktes Gegenteil. Er verfügt über die charakterlichen Voraussetzungen sich in der schlechten wirtschaftlichen Lage zu behaupten. Er handelt stets sehr geschickt und bedacht, denn er ist ein ruhiger und überlegener Mensch, der weis wodurch und mit welcher Taktik er profitieren kann (Þ S. 37). Er nutz seine Vorteile klug aus um Shen Tes angerichtete, auswegslose Situationen zu meistern und dabei das Beste für sie zu erreichen. Er agiert wesentlich durchdachter als der Rest der Gesellschaft, denn er verfügt über Einfühlungsvermögen, sodass er sich in die Lage andere hineinversetzen kann. Dadurch kann er den Personen das Gefühl ernst genommen zu werden (Þ S. 40). In Shui Ta lebt Shen Te nur ihre schlechten Eigenschaften aus, dadurch ist sie als Shui Ta genauso übertrieben bösartig wie Shen Te barmherzig. Sie kann nur ihren beiden Extreme ausleben. Shui Ta einzige Schwächen wird deutlich als Shen Tes Schwangerschaft nicht mehr zu verbergen ist und er, dadurch seine Kontrolle über sich selbst verliert oder als über Shen Te mit Sun spricht (Þ S.73)

Brechts Männerrollen verkörpern alle schlechte und unmoralische Eigenschaften, denn sie sind alle sehr skrupellos und hartherzig in Szene gesetzt. Sie müssen so Handel , denn sie können nur durch Rücksichtslosigkeit und Selbstsucht ihre Existenz wahren. Im Mittelpunkt steht Shen Tes böser „Vetter“ Shui Ta, da dieser sehr oft vorkommt und seine Vorgehensweisen sehr gut beobachtbar sind. Er kommt immer zum Vorschein, wenn Shen Te keine Alternativmöglichkeit hat um sich zu retten. Und wegen ihrer grenzenlosen Führsoge und Großzügigkeit ist dies häufig der Fall. Shui Ta wird in gewisser Weise von Shen Te missbraucht, da sie nur so ihre Unschuld wahren kann, die sie den Göttern versprochen hat.

Brecht wählt für Shui Ta deshalb den männlichen Charakter um den Gegensatz der beiden Rollen und damit den Gegensatz von Gut und Böse besser dar zu legen. Er wird übertrieben dargestellt um die Hauptaussage des Stücks besser zu vermitteln. Männer sind in der Regel auch emotionsloser als Frauen und zeigen ihre wahren Gefühle seltene als Frauen.

 

 

 

Welche ART VON ANEINANDERVORBEI, JA GEGENEINANDER ist im Analysetext thematisiert?

Die Menschen in Sezuan müssen um ihre Existenz zu wahren gegeneinander Handeln. Sie sind durch die kapitalistische Gesellschaftsordnung dazu gezwungen. Jeder versucht sich durch einen Anderen zu bereichern und versucht dies durch alle erdenkbaren Machenschaften. Betrug, Bestechung und Lügen stehen auf der Tagesordnung, da sich alle versuchen ihren eigenen Vorteil zu suchen. Sie können um in der Gesellschaft nicht unterzugehen keine Rücksicht auf ihre Mitmenschen nehmen noch mit ihnen Beziehungen eingehen.

 

Nur die Hauptfigur des Dramas Shen Te lässt sich nicht auf dieses unmoralische Handel ein, denn sie glaubt noch an das Gute im Menschen und hofft durch ihre guten Taten den Menschen zu zeigen, dass es auch anders geht. Doch ihre Güte und ihre Hilfsbereitschaft werden von den anderen zwar anerkannt ( wird wegen ihrer Wohltaten auch „ Engel der Vorstädte“ genannt) jedoch werden sie auf der anderen Seite auch schamlos von ihnen ausgenutzt. Durch ihre Schwäche zu naiv und gutmütig zu sein verliert sie den Bezug zur Realität und droht ihre Existenz zu verlieren. Shen Te kann dies nur umgehen, wenn sie sich in Shui Ta abspaltet, dann als Shui Ta ist sie in der Lage ihren eigenen Vorteil zu erkennen und zu nutzen und wird so auch ein wirtschaftstauglicher Mensch. Besonders verdeutlicht wird dies an dem Verhältnis zu dem arbeitslosen Flieger Yang Sun.

 

Shen Te bewahrt Yang Sun vor dem Selbstmord, da sie ihm das Leben wieder lebenswert erscheinen lässt und sich in ihn verliebt (Þ S.48). Sun schwindelt Shen Te vor sie auch zu lieben ist aber in Wirklichkeit nicht an ihr interessiert sondern ausschließlich an ihrem Geld, welches er benötigt um eine Flugstelle durch Bestechung zu erlangen. Das er sie nicht liebt und sie nur ausnutzen will gesteht er nur Shui Ta, denn er sagt „Wenn ich ihr die Hand auf die Schultern lege und ihr sage , Du gehst mit mir’, hört sie Glocken Leuten und kennt ihre Mutter nicht mehr“( Þ S.72). Shen Te, die durch ihre Rolle als Shui Ta ertragen muss wie Sun über sie denkt, glaubt weiterhin an Suns gute Eigenschaften und will ihn immer noch heiraten.

Daran kann man erkennen wie stark die beiden Rollen aneinander vorbei leben. Sun nutzt Shen Te nicht als Frau aus, sondern auf die Art und Weise wie er jede andere Person auch ausnützen würde, wenn er sich dadurch einen Vorteil verschaffen könnte. Die Menschen in dieser dargestellten modellartigen Wirklichkeit sind alle nicht in der Lage zwischenmenschliche Beziehungen zu führen oder zu entwickeln, deshalb können sie sich auch nicht finden und so scheint es das wahre Liebe ohne eigennützigen Aspekt zwischen Mann und Frau gar nicht möglich ist.

 

 

 

 

 

Welche URSACHE - WIRKUNGS - ZUSAMMENHÄNGE sind vermittels des Textes und seiner besonderen Struktur beleuchtet?

Durch ihre bereits genannten Charaktereigenschaften, steht Shen Te immer wieder vor dem Problem, dass ihre Hilfsbereitschaft nicht mit ihrem eigenen Leben zu vereinbaren. Als Shen Te, durch die Götter den plötzlichen Reichtum erlangte, kann sie ihre Gutmütigkeit und soziale Hilfe sehr viel ausgeprägter ausleben, als sie dies davor machen konnte. Sie weckt bei anderen Menschen Begehrlichkeit und ist so rücksichts- und liebevoll zu ihren Mitmenschen, dass die darüber ihre eigenen Interessen vernachlässigt und somit ihr eigenes Leben nicht im Griff hat. Sie hat immer wieder neue Schwierigkeiten, da sie nicht in der Lage ist eigenständig zu leben ohne sich selbst zu ruinieren. Um ihre Existenz zu wahren, muss sie daher während des Dramas gelegentlich in die Rolle ihres  imaginären Vetters schlüpfen. Dieser ist wirtschaftlich tauglich und berechnend genug, und ist Shen Tes Rettung, wenn diese schon keinen anderen Ausweg mehr sieht. Zum ersten Mal benötigt sie dessen Hilfe, als sie schon kurz nach der Erhaltung des Geldes dieses an andere Menschen weitergegeben hat und somit Geldsorgen hat. Wenn sie die Rolle Shui Tas annimmt überwiegen ihren schlechten Eigenschaften und sie lässt sich nicht so leicht ausnutzen. Sie kann selbst nicht böse, überlegen und rücksichtslos sein und braucht jemanden hinter dem sie sich verstecken kann. Zu diesem Zweck missbraucht sie die Rolle des Mannes, der an Stelle ihrer selbst Kritik an den anderen üben kann, sie aus den Krisen befreit und ihr überhaupt erst die Existenz sichert. Shui Ta muss beispielsweise versuchen Shen Tes Schulden zu begleichen oder es übernehmen die Familie aus dem Tabakladen zu werfen, da Shen Te dies, aufgrund ihrer Gutherzigkeit nicht machen würde.

Wenn sie allerdings die Rolle des bösen Vetters einige Zeit übernommen hat, ist sie nicht mehr in der Lage mit ihrem schlechten Gewissen zu leben. Ihre guten Eigenschaften überwiegen und sie wird wieder zu Shen Te, wodurch die bereits zu Beginn erwähnten Konflikte erneut auftreten.

Dieser Rollenwechsel findet während des Dramas dreimal statt, wobei die Situationen immer konfuser und verzwickter werden. Jeder vorhergegangen Konflikt, macht die Lage problematischer, da er wiederum einige neue Ursachen mit sich zieht.

Dies zeigt vor allem die Beziehung zwischen Shen Te/Shui Ta und Sun. Als sich Shen Te in Sun verliebt, geht sie davon aus, dass dieser ihre Gefühle erwidert, was er sie auch glauben lässt. Erst Shui Ta erzählt er wie es wirklich ist. Er liebt Shen Te in keiner Art und Weise, sonder ist nur an ihren finanziellen Mitteln interessiert, da er unbedingt Geld braucht, um wieder Pilot zu werden. Er geht davon aus, dass er diese Ziele mit Shen Tes Hilfe erreichen kann und spielt ihr deshalb die große Liebe vor. Da er dies Shui Ta erzählt, wird natürlich auch Shen Te verletzt, die sich den Schock allerdings nicht anmerken lassen darf und auch ihre weiteren Reaktionen und Handlungen von dem Gespräch nicht beeinflussen lassen darf.

Das Schauspiel wird noch um einen neuen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang erweitert, als Shen Te schwanger wird. Durch die Schwangerschaft hat sie ihre ganze Gefühlswelt nicht mehr unter Kontrolle und selbst Shui Ta nicht mehr sehr berechnend ist, da nun die weibliche Seite Shen Tes überwiegt. Auch die Mitmenschen sind verwirrt. Einige fragen sich, wo Shen Te hingegangen ist,

während andere sogar Shui Ta als deren Mörder bezeichnen. Dadurch, dass sich nun immer mehr Konflikten mit einander in Verbindung treten, ist es nach einen geraumen Zeit nicht mehr möglich, die Doppelrolle aufrecht zu halten. Shui Ta der sich vor Gericht verantworten muss, gesteht den Göttern, dass in ihm sowohl Shen Te als auch er selbst vereint sind. Doch auch die Götter können in dieser Situation nicht weiterhelfen und keine nützlichen Ratschläge geben, da auch sie keinen Möglichkeit sehen, wie sich ‚gut sein’ und trotzdem selbst leben zu können vereinbaren lassen und in diesem Fall Shen Te trotz ihrer überaus großen Güte ein Leben fristen kann, bei dem sie nicht täglich vor Existenzproblemen stehen muss.

 

 

 

Wie HISTORISCH BEDINGT/ GEBUNDEN sind die da beleuchteten Ursache- Wirkungszusammenhänge?

 

Berthold Brecht stellt in seinem Drama eine Gesellschaft in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem da. Diese befindet sich auf einem vorindustriellen Entwicklungsstand, wobei es aber schon einige Hinweise auf die Industrialisierung gibt wie beispielsweise die Zementfabrik oder die von Shen Te/ Shui Ta errichtete Tabakfabrik.

In dem kapitalistischen System ist ein von guten menschlichen Eigenschaften geprägtes Leben nicht möglich, da jeder nur zu seinen eigen Gunsten handelt und nur seinen eigenen Vorteil sieht. Diese Wirtschaftsform wird von Brecht stark kritisiert. Jeder im Kapitalismus lebende Mensch muss zum egoistischen Menschen werden, da er als guter Mensch, wie an Shen Te deutlicht wird, nicht überleben kann. Somit sind die Ursache- Wirkungszusammenhänge auf jeden Fall historisch und an das Wirtschafssystem gebunden, obwohl sie auch auf gegenwärtige Situationen übertragbar ist. In den Entwicklungsländern, beispielsweise, ist es noch immer so ähnlich, auch dort herrscht teilweise noch ein vorindustrielle Entwicklungsstand.

Allerdings ist diese Situation auf europäischer Ebene im späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert einzuordnen. Damals wurden die Menschen von der Industrialisierung überrascht und konnten mit deren Folgen nicht gut umgehen. Viele verloren ihre Arbeitsstelle, da die Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt wurden, und es kam zur Massenarmut. Darauf resultierend entstand eine riesige Armut. Dabei ist allerdings auch eine kleine reiche Oberschicht entstanden, die sich die Industrialisierung zu Nutzen gemacht hatte und dadurch große Gewinne machen konnte. Diese Menschen mussten genau so kalt und berechnend gehandelt haben wie Brecht einige der Charaktere in seinem Buch darstellt. Ihnen gehört dann fast alles, während dem Rest der Gesellschaft nur sehr wenig zugesprochen wird. Die sehr große Unterschicht hat keine Chancen aufzusteigen und muss sogar, nur um überleben zu können, zu Mitteln greifen, die entgegen der göttlichen Gebote sind und die sie selbst eventuell gar nicht so anwenden würden. In Brechts Schauspiel ist der Wasserverkäufer Wang eine solche Person. Er kann nicht handeln wie er möchte, sondern muss zum rücksichtslosen Betrüger werden, um überhaupt überleben zu können. Auch die anderen Personen des Stücks sind Produkte der Gesellschaft und machen somit ganz klar deutlich, dass all die Zusammenhänge nur in einer derartigen Zeit denkbar sind. Die Menschen müssen ihre Charaktere der Gesellschaft anpassen und aus Eigennutz handeln, obwohl dies vielleicht gar nicht ihrem eigenen Willen entspricht. Brecht stellt den Kapitalismus als System gewordene Schizophrenie dar, was er vor allem an Shen Tes Aufspaltung in gut und böse deutlich macht. Shen Te, die von Grund auf ein guter Mensch ist und anderen Menschen aus Nächstenliebe hilft, kann nicht sie selbst bleiben, da sie ansonsten untergehen würde. Stattdessen spaltet sie ihre Persönlichkeit und wird, um ihrer selbst retten zu können, einen strategisch denkenden, herzlosen Mann. Dies ist ihr persönlicher Schutz vor der Gesellschaft, da sich nur auf diese Art und Weise überleben kann. Die Menschen müssen sich zu ihrem eigenen Schutz, der Gesellschaft anpassen. Dies macht Berthold Brecht, an dem Flieger Sun sehr deutlich. Dieser wird aufgrund seiner Erkenntnis, wie er in der Gesellschaft zu leben hat, ein durch Härte und Egoismus gezeichneter Mensch, der nur noch auf seinen persönlichen Vorteil achtet.

Berthold Brecht will als bekennender Marxist, die Menschen vor einer derartigen Gesellschaftsform warnen und sie zum darüber nachdenken auffordern. Sein Schauspiel basiert eindeutig auf historischem Hintergrund, und Brecht möchte, dass sich die Menschen Gedanken über ein Dasein in dieser Gesellschaft machen und ob dies ein für die Menschen befriedigendes Leben sein kann, oder ob nicht etwas daran zu verändern ist.

 

 

 

 

 

 

 

Als wie ZEITGEISTGEPRÄGT erscheint die GESAMTWERKAUSSAGE, das Mann - Frau - Beziehungsgefüge betreffend?

 

Berthold Brecht beschreibt die Zustände des Kapitalismus in seiner Parabel als sehr problematisch. Er kritisiert eine Gesellschaft, in der die Menschen nicht einfach leben können wie sie es sich wünschen, sondern in eine bestimmte Nische gezwängt werden und sich anpassen müssen, um Überleben zu können. Die Menschen können sich nicht frei entfalten und einfach sie selbst bleiben, sondern müssen zu egoistischen Menschen werden, die nicht in der Lage sind eine Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen, da sie immer nur an sich selbst denken und die Konflikte und Probleme ihrer Mitmenschen zu ihrem eigenen Vorteil nutzen. Die Menschen sind in einer derartigen Gesellschaft nicht in der Lage eine emotionale Beziehung zu anderen aufzubauen. Dies schließt auch eine Bindung zwischen Mann und Frau aus. Der Kapitalismus macht die Menschen kaputt. Alles wird von Geld und Macht regiert, wodurch für Gefühle kein Platz mehr ist. Man kann nur als skrupelloser Mensch überleben können und als solcher kann man keinen anderen lieben. Dies ist auch nicht zu verändern, wenn nicht das ganze System verändert wird. Denn selbst wenn es noch Menschen gibt, die tatsächlich Liebe zu verschenken haben, dann müssen diese ständig Angst haben, dass sie ausgebeutet oder ausgenutzt werden und haben nicht mehr die Möglichkeit unbeschwert zu lieben. Eventuell werden sie sogar ausgenutzt und müssen zu Mitteln greifen, die sie zu einem genauso skrupellos denkenden Menschen machen wie andere bereits sind, nur um ihre Existenzen noch retten zu können. Deutlich wird dies in Brechts Drama ganz besonders an Shen Te und Sun. Während die ehemalige Prostituierte tatsächlich in Sun verliebt ist wird sie von diesem nur ausgenutzt und verletzt. Man sieht sehr deutlich, dass eine Liebesbeziehung in dieser Zeit nicht, oder nur sehr schlecht möglich ist, da sich Mann und Frau nicht aufeinander einlassen können, wenn die Welt von Härte und Egoismus geprägt ist und die Menschen sich dieser anpassen müssen, um zu überleben.

Das Drama ist eine sehr zeitgeistgeprägtes, da in Europa genau zu dieser Zeit, zur Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts auf diese Art und Weise gelebt wurde. Brecht übt mit seinem Stück immense Kritik an der damaligen Wirtschaft. In vielen seiner anderen Werke kritisiert Brecht die geschichtlichen und politischen Ereignisse, vor allem schreibt er viel über den Beginn des Krieges oder den Aufstieg der Nazis. In „Der gute Mensch von Sezuan“ ist dies allerdings nicht der Fall. Das Stück spielt nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern ist eine Parabel, eine beispielhafte, übertragbare und lehrreicher Text, der die Menschen dazu bringen sollte über die Geschehnisse nachzudenken und sie mit Sicherheit auch warnen sollte. Brecht schrieb das Stück genau zu diese Zeit, da die Menschen damals in einer Zeit des Umbruchs lebten. Viel verloren ihre Arbeitsstellen und wurden durch Maschinen ersetzt. Dies ging alles so schnell, dass die Menschen sich nicht darauf vorbereiten konnten, und somit nicht mit der Situation zu recht kamen.

Die Menschen mussten sich sehr schnell den neuen Bedingungen anpassen, um nicht unterzugehen und ihren Lebensstandard zu verlieren, Arbeiter beispielsweise mussten fortan einer monotone, einfachen Arbeit nachgehen, wodurch er die Beziehung zu seinem Produkt verlor (wie in Shen Tes/ Shui Tas Tabakfabrik). Genau wie Brecht es in diesem Stück beschreibt, mussten die Menschen sich der Gesellschaft anpassen, egal ob dies in ihrem Interesse lag oder nicht. Daher kritisiert Berthold Brecht eine derartiges Leben, in dem es für einen gutmütigen, herzlichen Menschen unmöglich ist die eigene Existenz zu waren und in der es keinerlei Gefühle zu geben scheint. Er möchte, dass die Menschen kritisch über die Lage nachdenken und sich ein Bild davon machen, nach welchen Prinzipien sie wirklich leben oder leben wollen.

 

 

d 12d / Ws  2003/04

bewertungsraster buchanalyse:

 

generalthema: 

zeitgeistgeprägte antworten auf die frage, warum und wodurch mann und frau einander jeweils zu verfehlen drohen

 

spezialthema  -  literarisches werk: 

 

 

 

bearbeiter/in:

 

 

 

schriftlicher leistungsbereich:

 

 

methodik

treffsicherheit

aspektreichtum

schlüssigkeit

stil

gr/r/z

Ø

qualität der textvorstellung:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

qualität der ergebnisse zu frage 1:

 

was macht die zentralen frauenfiguren der textvorlage aus?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

qualität der ergebnisse zu frage 2:

 

was macht die zentralen männerfiguren der textvorlage aus?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

qualität der ergebnisse zu frage 3:

 

 

welche art von aneinander-vorbei, ja gegeneinander ist in der textvorlage thematisiert?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

qualität der ergebnisse zu frage 4:

 

 

welche ursache-wirkungszusammenhänge sind vermittels des textes und seiner besonderen struktur beleuchtet?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

qualität der ergebnisse zu frage 5:

 

 

wie historisch bedingt sind die da beleuchteten ursache-wirkungszusammenhänge?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

qualität der ergebnisse zu frage 6:

 

als wie zeitgeistgeprägt erscheint die gesamtwerkaussage, das mann-frau-beziehungsgefüge betreffend?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ø  schriftlicher leistungsteil: