d 2003/04:     MK  /


 

ARBEITSAUFTRAG:   Bearbeitung des Textes unter Berücksichtigung auf den Mann/Frau – Konflikt

 

Ingeborg Drewitz  /  Gestern war heute (1978)

 

 Textvorstellung

  

1.

Der Roman beginnt damit, dass die Geburt Gabrieles geschildert wird und damit auch die Zeit von 1878 – 1923, des Geburtsjahr Gabrieles, aus verschiedenen Perspektiven erzählt , ausgehend von Nobilings Attentat auf den Kaiser über Sozialistengesetze, die russische Revolution 1905, den Ersten Weltkrieg bis zur Wirtschaftskrise der Weimarer Republik. Die nächsten Kapitel beschreiben die Kindheit von Gabriele, die mit dem Tod ihres Großvaters endet. Als nächstes wird über ihre Mädchenjahre geschrieben, die von ihren ersten sexuellen Erfahrungen geprägt sind. Danach folgt ihr Universitätsbesuch und der Arbeitsdienst in einer

Fabrik. Ebenso nehmen die Kriegsereignisse Einfluss auf das Alltagsleben von Gabriele und ihrer Familie. Das Jahr 1945 ist ein Wendepunkt im Leben von allen durch den Sturz des Hitler Regime ändert sich das alltäglichen Leben und durch den Wandel ihrer Lebensperspektive erfährt Gabriele einen Wendepunkt im privaten Bereich. In der Nachkriegszeit heiratet Gabriele, bekommt Kinder und wird gegen ihren Willen Hausfrau und Mutter, währenddessen auch ihre Mutter stirbt . Der nächste Abschnitt des Romans schildert die Rollenfindung von Gabriele, sie verlässt ihren Mann Jörg und wird eine selbstbewusste, berufstätige, alleinerziehende Mutter. Ihre jüngste Tochter stirbt eine Unfalltod, danach gliedert sich Gabriele bald wieder in die alten Familienstrukturen ein und wird erneut schwanger. Gabriele arbeitet als Journalistin in Berlin weiter. Ihre älteste Tochter Renate zieht aus, um in den Jahren 1968 – 1971 an den Studentenbewegungen teilzunehmen und ihre Rolle als Frau in der Gesellschaft neu definiert. Jörg erleidet einen Herzinfarkt und geht frühzeitig in den Ruhestand, Claudia, die jüngste Tochter, wird noch vor dem Abitur schwanger und dadurch muss Gabriele wieder in die traditionelle Frauenrolle schlüpfen.

2.

Eine eindeutige Erzählperspektive gibt es in dem Roman nicht. Oft wird die 3. Person gebraucht, aber der weitaus größere Teil wird aus der Perspektive der Hauptperson, Gabriele, erzählt. Ingeborg Drewitz erlaubt dem Leser einen unbegrenzten Blick auf psychische Vorgänge, auf innere und äußere Abhängigkeiten im Lebenslauf der Frau. Der Aufbau des Romans ist chronologisch geordnet und springt von Station zu Station, es werden immer einige Jahre ausgelassen und der Leser muss sich die Lücken mit seinem historischen Wissen erarbeiten. In der ersten Kapitel werden viele Rückblenden benutzt, um den Leser mit der Geschichte der Familie bekannt zu machen. Danach steht ausschließlich Gabriele im Zentrum des Romans. Am Ende von jedem Abschnitt mischt sich die Autorin direkt in die fortlaufende Handlung ein, indem aus dem Arbeitstagebuch erzählt wird (z.B. S.86)

3.

Der Roman spielt von 1923 bis 1979. In dem Roman wird der Leser mit der Wirtschaftskrise der Weimarer Republik, dem Aufstieg der Nationalsozialisten, dem Zweiten Weltkrieg bis weit in die Nachkriegszeit hinein konfrontiert.

4.

In dem Roman von Drewitz ist ausdrücklich die Rede von der traditionellen Rolle der Frau und wie sie sich bzw. die Frauen sich in der Zeit von 1923 bis 1979 verändern. Es gibt einen Konflikt zwischen Mann und Frau, egal welche Generation es betrifft, es ist ein generationsübergreifendes Problem. Die Frauen fühlen sich mal mehr und mal weniger von den Männern unterdrückt. Der Mann, der im Roman die Rolle des Familienoberhaupt und Tyrann übernimmt, will immer, dass die Frau nur als Hausfrau und Mutter da ist, und nicht als eine selbstbewusste, gebildete und berufstätige im Leben steht. Er sieht sich allein als Versorger der Familie. Das Hauptthema ist also die Entstehung und Entwicklung der Emanzipation. Dabei ist die Geschichte von Onkel Paul das Leitmotiv des Romans. Paul, der Sohn ihrer Urgrossmutter, erlebte den Blutigen Sonntag 1905 in St. Petersburg. Auch er wollte etwas in der Gesellschaft verändern, genauso wie die Frauen in diesem Buch. Der Roman ist durchgezogen von Kommunikationslosigkeit. Oft wird entweder aus Rücksicht oder verschiedener Meinungen geschwiegen. Der verbale Kontakt ist auf ein Minimum begrenzt. (z.B. S. 63, Z. 25ff)   

 

 

 

Was macht die zentralen Frauenfiguren der Textvorlage aus?

 

Die zentralen Frauenfiguren sind die Urgroßmutter, Alice, Susanne, Gabriele und Renate. Der Wunsch etwas zu verändern macht diese Frauen aus (S. 13),(S. 51ff), bei der einen mehr und bei der anderen weniger. Der Wunsch aus der traditionellen Frauenrolle rauszuschlüpfen hat jede von ihnen, aber erst Renate kann sich wirklich diesen Wunsch erfüllen. Der Ursprung dieses Gedanken liegt bei der Urgroßmutter, die sich in den ersten Kapiteln zur Mentorin von Gabriele entwickelt. (S. 52ff) Sie erzählt Gabriele immer wieder von der russischen Revolution 1905, die als Blutiger Sonntag in die Geschichte einging, bei der ihr Sohn Paul teilgenommen hat. Und diese Geschichte begleitet Gabriele ihr ganzes Leben lang. Die Urgroßmutter, als alte Frau, der im Roman nicht einmal ein Name gewidmet wird, kann nichts mehr verändern, aber ihre Enkelin, ein junges Mädchen, dass noch alles vor sich hat, kann etwas verändern. Gabriele kann aus dieser Frauenrolle herausschlüpfen und etwas in ihrem Leben erreichen. Gabriele gelingt das auch, aber nur teilweise, weil sie Mutter wird (S.198) Gabriele hat ihren Schulabschluss und hat die Universität besucht, aber als sie nach dem Krieg heiratet und Kinder bekommt, muss sie, genau wie die Frauen vor ihr in der Familie, die Mutterrolle übernehmen. Aber sie kann sich damit nicht abfinden (S. 203) und bricht aus ihrer, für sie sinnlosen Ehe, aus. Zu ihrem Mann hat sie nur eine sexuelle Bindung. Sie ist mehr oder weniger beiläufig diese Ehe eingefangen, die die vorgelebte Rollenverteilung der Eltern wiederholt. Renate will vorerst nicht heiraten und kann sich, ganz auf sich selber konzentriert, selbst verwirklichen.

 

 

 

Was macht die zentralen Männerfiguren  der  Textvorlage aus?

 

Die Männer, fast alle betreffend, sind keine besonderes liebeswerte Spezies in diesem Buch. Sie sind gebrochene Figuren, Opfer ihrer sozial schwachen Position (z.B. S. 34), Familienväter, die nach innen zu wahren versuchen, was sie außen an Einfluss verlieren. Was ihr Selbstbewusstsein angeht, sind sie alle schwächer als ihre Frauen, aber mit verbaler und physischer Gewalt verteidigen sie immer wieder ihre Position des Oberhauptes in der Familie (S. 26f, S. 31f) Nur Paul, der nicht direkt in die Handlung des Romans eingreift, fällt aus dieser Rollenbeschreibung heraus. Seine Hoffnungen beruhen auf eine bessere Zukunft und ist somit das Leitbild der Frauen.

 

 

Welche Art von aneinander vorbei ist im Text thematisiert?

 

Das aneinander vorbei wird in der Ehe von Gabriele und Jörg sehr deutlich und wiederholt die Probleme, die auch schon die Generationen davor hatten. Die Männer sehen das alte Schema, in dem der Mann, als starkes Familienoberhaupt und Versorger an der Spitze der Familie steht. Die Frau, am besten noch ohne jegliche Bildung, bekommt gleich nach der Hochzeit das erste Kind und kümmert sich ihr restliches Leben um den Haushalt, die eigenen Kinder, die Kinder der Kinder und so weiter. Großmutter Alice wird im Roman nur bei der Küchenarbeit gezeigt (S.36), da wo eine Frau auch hingehört, wenn es um die Männer geht. Mann und Frau haben sich in ihren Ehen nie viel zu sagen und haben, wie Gabriele und Jörg, haben sie nur eine sexuelle Bindung, wenn überhaupt. Die Ansichten von einer Ehe bzw. die Rolle der Frau sind bei Mann und Frau in dem Roman verschieden. Die Frauen wollen sich selbst verwirklichen, haben aber durch ihre Heirat nie eine Chance bekommen, und waren oft auch ungebildet. Susanne hatte die Chance Karriere zu machen, hat sie sich aber verbaut, indem sie einen arbeitslosen Mann geheiratet hat. Alice, die sich nicht getraut hat auch nur von Selbstverwirklichung zu sprechen, lebt erst auf als ihr Mann tot ist. Die Frauen werden von den Männern unterdrückt. Jörg kann nie wirklich akzeptieren, dass Gabriele auch berufstätig ist, aber einem zweiten Gehalt ist er natürlich nicht abgeneigt.

Alice hat nie eine andere Möglichkeit gehabt, als Hausfrau, Ehefrau und Mutter zu werden. Sie hat in ihrem Leben gelernt nicht zuerst auf ihre eigenen Bedürfnisse einzugehen, es war gar nicht möglich. Sie musste sich immer um die Familie kümmern, erst um den eigenen Mann und später auch um die Urgroßmutter und ihre Enkelin. Alice sagte im Leben: „Du statt ich!“ Susanne hatte die Möglichkeit eine Karriere als Pianistin zu machen, hat sie aber nicht wahr genommen und ist so geworden wie Alice: „Du statt ich!“ Gabriele ist zur Schule gegangen und ein hat ein Studium angefangen, aber ihre Karriere als Journalistin wurde durch ihre Jahre als Mutter unterbrochen und sie wurde ähnlich wie Susanne und Alice. Nur der Ausbruch aus ihrer Ehe und die Promotion und der anschließende Beruf als Rundfunkjournalistin gab ihr das nötige etwas zu sagen „Ich bin!“ (S. 188f) Wegen ihrer Rolle als Mutter sagt sie aber auch: „sorgen statt Ich sagen!“ Erst Renate hat wirklich das Bedürfnis die Welt zu verändern. Sie will sich selbst finden, kompromisslos! Sie lernt zu sagen: „ICH!“ aber alle haben eines gemeinsam: Sie wollen für andere da sein Solidarität als zeitübergreifendes Lebensziel. Alice will der für die Familie da sein und Renate vielleicht für die Soldaten und die Bevölkerung in Vietnam.

 

 

 

Welche URSACHE - WIRKUNGS - ZUSAMMENHÄNGE sind vermittels des Textes und seiner besonderen Struktur beleuchtet?

 

Die beleuchteten Ursache-Wirkungszusammenhänge sind hier an dem Wandel der Frau in den letzten 100 Jahren gebunden. Frauen haben immer mehr Rechte mehr bekommen, ob politisch oder gesellschaftlich. In den 1920er war es einer Frau gesetzlich nicht verboten einen Beruf auszuüben, aber von der Gesellschaft wurde damals so etwas nicht akzeptiert – eine Frau in einer Vorstandsposition, unmöglich. Sogar bis heute, wenn man doch schon sagen kann, dass Frauen sich sehr weit emanzipiert haben, findet man nicht so häufig eine Frau in einer Vorstandsposition. Aber die Zeiten, als Frauen nur als Hausfrau und Mutter, so wie am Anfang des Romans und teilweise noch Ende, angesehen werden, sind ein für alle mal vorbei. Wie man mit der Geschichte des Romans sehr verfolgen kann, geben sich Frauen selber immer mehr Rechte. Es ist zwar nicht immer leicht, aber innerhalb von drei bis vier Generationen hat sich eine unabhängige Frau entwickelt, Renate

 

 

 

Wie HISTORISCH BEDINGT/ GEBUNDEN sind die da beleuchteten Ursache- Wirkungszusammenhänge?

 

Die Beziehung zwischen Gabriele und Jörg ist nicht mehr sehr zeitgemäß. Gabrieles Ansicht ist noch modern, sie will sich als eine selbstbewusste, unabhängige Frau sehen, genauso wie alle Frauen heute, nur ist das nicht allen bewusst. Jörg hat dagegen eine sehr konservative Einstellung. Er sieht immer die alte Rollenverteilung, in der die Frau zu Hause ist und kocht, putzt und das Baby stillt. Über sehr viele Generationen hinweg hat das gut funktioniert und wurde immer weiter gegeben, da ist klar, dass sich der Mann gegen die Emanzipation wehren will. Niemand gibt freiwillig den Platz des Chefs auf, um ihn mit einem anderen, hier die Frau, zu teilen.

 

 

 

Als wie ZEITGEISTGEPRÄGT erscheint die GESAMTWERKAUSSAGE, das Mann - Frau - Beziehungsgefüge betreffend?  

 

 

-

 

 

 

d 12d / Ws  2003/04

bewertungsraster buchanalyse:

 

generalthema: 

zeitgeistgeprägte antworten auf die frage, warum und wodurch mann und frau einander jeweils zu verfehlen drohen

 

spezialthema  -  literarisches werk: 

 

  ingeborg drewitz  /  gestern war heute. hundert jahre gegenwart

 

bearbeiter/in:

 

  MK

 

schriftlicher leistungsbereich:

 

 

methodik

treffsicherheit

aspektreichtum

schlüssigkeit

stil

gr/r/z

Ø

qualität der textvorstellung:

 

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10 9 ~ 9 7

8

 

 

qualität der ergebnisse zu frage 1:

 

was macht die zentralen frauenfiguren der textvorlage aus?

 

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qualität der ergebnisse zu frage 2:

 

was macht die zentralen männerfiguren der textvorlage aus?

 

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qualität der ergebnisse zu frage 3:

 

 

welche art von aneinander-vorbei, ja gegeneinander ist in der textvorlage thematisiert?

 

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qualität der ergebnisse zu frage 4:

 

 

welche ursache-wirkungszusammenhänge sind vermittels des textes und seiner besonderen struktur beleuchtet?

 

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qualität der ergebnisse zu frage 5:

 

wie historisch bedingt sind die da beleuchteten ursache-wirkungszusammenhänge?

 

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qualität der ergebnisse zu frage 6:

 

als wie zeitgeistgeprägt erscheint die gesamtwerkaussage, das mann-frau-beziehungsgefüge betreffend?

 

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Ø  schriftlicher leistungsteil:  46:7 =

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