d 2003/04:     NV  /


 

ARBEITSAUFTRAG:   Das gegenseitige Finden und Verfehlen von Mann und Frau

 

Max Frisch: „HOMO FABER“

 

Textvorstellung:

 

In dem Roman „Homo Faber“ von Max Frisch werden zwei von der Hauptperson Walter Faber verfasste Berichte wiedergegeben. Hinter und über dem Berichterstatter steht der Erzähler des Ganzen, der zwar nie direkt das Wort ergreift, der sich aber in jenen Signalen bemerkbar macht, mit denen der Leser des Berichts auf die eigentlichen Zusammenhänge gelenkt wird. Die Erzählweise wechselt zwischen nüchtern-wissenschaftlichem Bericht, erlebnisbetonter Darstellung, rückschauender Deutung und der Erzählung erlebter Gegenwart.

Wie der Titel schon besagt ( Homo faber = der Mensch als Techniker) ist Faber ein rational denkender Mensch, ein Ingenieur, der sein ganzes Leben der Technik, der Wissenschaft und der Mathematik opfert. Dieser signifikant männliche Teil seiner Weltanschauung steht im krassen Gegensatz zum weiblichen Element, zu dem auch die Natur und der Tod und allgemein alle „weibischen Dinge“ wie etwa Gefühle gehören. Die Kontrolle seiner selbst und seiner Umwelt, worunter er auch die Abwehr „weibischer“ Elemente siehst, wird für ihn zu einer wahren Manie.

In seinem ersten Bericht, der in einem Hotel in Caracas geschrieben wird, und den Zeitraum von April bis Juni 1957 umfasst, versucht Faber Rechenschaft über das tödlich endende Verhältnis zu seiner Tochter abzulegen, während der zweite Bericht einerseits aus der Wiedergabe seiner zweiten Südamerikareise und andererseits aus der tagebuchartigen Beschreibung seines Aufenthalts in einem Athener Krankenhaus bis kurz vor seinem wahrscheinlichen Tod besteht. Diese beiden „Stationen“ sind durchzogen von Rückblicken, Vorausdeutungen, reflektierenden Bemerkungen und immer wieder eingestreuten Erwägungen und Erörterungen über Themen, mit denen sich Faber beschäftigt wie Schwangerschaftsunterbrechung, den american way of life oder über Technik und deren Wirkung auf den Menschen.

In der ersten Station wird beschrieben, wie Walter Faber auf einem Flug nach Süd-Amerika Hermann Hencke trifft, den Bruder seines Studienfreundes Joachim. Von diesem erfährt er, dass Joachim Fabers ehemalige Geliebte Hanna geheiratet hat, die von Faber schwanger war, die er aber aufgrund seines Berufes und unterschiedlicher Interessen nach einer geplatzten Heirat verlassen hat. Auf einer spontanen Reise Fabers in den Dschungel stellt sich jedoch heraus, dass Joachim kürzlich verstorben ist. Nachdem Faber nach New York zurückkehrt, tritt er eine Schiffsreise nach Europa an, um seiner Freundin Ivy zu entkommen, die ihn mit ihren überschwänglichen Gefühlen abschreckt. Auf dieser Reise trifft Faber seine eigene Tochter, jedoch ohne sie zu erkennen und fängt mit ihr eine Affäre an. Faber ist von der jungen Frau, die ihn immer wieder an Hanna erinnert auf eine Art und Weise angezogen und fasziniert, die er sich nicht erklären kann.

Die Ereignisse werden von Faber später als pure „Kette von Zufällen“ gewertet, da er sich als rational denkender Mensch vehement gegen jegliche Art von Schicksalsgläubigkeit sträubt und Zufälle seiner Meinung nach zwar unwahrscheinlich, aber doch durch die Wahrscheinlichkeitsrechnung, auf die er sich immer wieder beruft, kalkulierbar sind.

Die inzestuöse Beziehung zwischen Faber und seiner Tochter Sabeth endet schließlich nach einer gemeinsamen Reise durch Europa, an deren Ende Faber in Athen auf Hanna trifft, für Sabeth, die in Faber nie ihren Vater erkannt hat, tödlich. Die Ursache ihres Todes ist nicht wie zuerst vermutet, ein Schlangenbiss, sondern ein Gehirntrauma. Der Sturz, bei dem Sabeth sich dieses zugezogen hat, wird von Faber im Krankenhaus jedoch verschwiegen und kann so erst nach ihrem Tod diagnostiziert werden. In Athen bestätigt Hanna Faber auch seine Vaterschaft, die er selber zwar auch schon erkannt hatte, sich aber noch nicht eingestehen wollte.

Die zweite Station beinhaltet eine weitere Amerika-Reise (Juni/Juli 1957) von Faber, auf der mehr und mehr der in ihm vollzogene Wandel, der in der Beziehung mit Sabeth seinen Ursprung hat, zum Vorschein kommt. Dieser Wandel wird dadurch deutlich, dass Faber viele seiner früheren Eigenschaften wie das Filmen gänzlich ablegt und dass er die Natur, die er früher immer verachtete, plötzlich bewusst und mit ganz anderen Augen wahrnimmt und auch fähig ist, diese zu genießen.

Im letzten Zeitabschnitt des Berichtes im Athener Krankenhaus, gesteht er sich auch endlich seine Magenkrankheit ein, die ihn schon lange quält, unterdrückt seine Angst jedoch durch die wiederholte Berufung auf Statistiken über die Erfolgsrate dieser Operation, der er bald unterzogen wird. Die Zeit im Krankenhaus verbringt er mit Hanna, die in vieler Hinsicht einen Gegenpol zu ihm darstellt. Ihr ist schon lange bewusst, dass das Leben nicht berechen- und kalkulierbar ist. Ihre Schuld und Lebenslüge ist es jedoch, dass sie versuchte, Sabeth ganz alleine und ohne jegliche Einmischung eines Mannes großzuziehen und ihr nie die wahren Umstände ihrer Herkunft offenbart hat.

Ob Faber am Ende des Buches stirbt ist nicht sicher , aber wahrscheinlich.  Er hat sein Leben so verspielt und verwirkt, dass er trotz seines Wandels in mancher Hinsicht nicht mehr ohne Schuldgefühle leben kann.

Die Hauptproblematik diese Werkes ist die Art und Weise, wie das Individuum sich und seine Umwelt anzunehmen vermag. Trotz des zuerst vielleicht sehr ehrlich und umfassend erscheinenden Berichts, wird im Laufe offenbar, wie sich Faber selbst täuscht und sich seine eigene Welt konstruiert, da er die wahren Umstände, die seinem Selbst- und Weltbild widersprechen, nicht akzeptiert. So verfälscht er  zum Beispiel wissentlich die Rechnung über die Möglichkeiten einer Vaterschaft, bis er selbst vorgibt diese zu glauben (S.121). Ähnlich verhält es sich mit den Magenbeschwerden, die ihn immer wieder plagen.  Er bewertet sie als Folge des vielen Rauchens, obwohl sie offensichtlich um vieles schwerwiegender sind, als er sich auf grund seiner Ablehnung von Krankheit und Tod eingestehen will.

Fabers Welt jedoch fällt im Laufe der Handlung mehr und mehr in sich zusammen, da er ungewollt, aber trotzdem teilweise durch eigene Verschuldung seine Vergangenheit wiederfindet und durch seine Einstellung endgültig sein eigenes und auch das Leben der Menschen, die ihm am meisten bedeuten, endgültig zerstört.

Ob Sabeths Tod allein Fabers Schuld ist oder nicht, ist umstritten. Sicher ist jedoch, dass er ihren Tod hätte verhindern können, indem er dem Krankenhaus ihren Sturz gemeldet hätte. Diesen verschweigt er aber entweder aus  Schamgefühl oder Vergesslichkeit. Man kann jedoch sagen , dass es Fabers technologische Weltanschauung war, an der sie letztendlich zu Grunde ging. Diese Schuld ahnt Faber zwar, aber er will oder kann sie nicht völlig erfassen .

Die Tragik von Fabers eigenem Leben allerdings besteht darin, dass er, der den Glauben an schicksalhafte, irrationale Vorgänge strikt von sich abweist, letztendlich selbst ein Opfer unkalkulierbarer Zufälle wird.  Der Wandel, den er durch die Begegnung mit Sabeth durchläuft führt zu einer Annäherung der beiden Extreme seines Weltbildes, dem Männlichen und dem Weiblichen. Er schafft es, sein Leben zu akzeptieren – das Leben, das zum Tod führt. Die Erkenntnis aber, die Hanna zuteil wurde, nämlich dass das Leben nicht kontrollierbar und mathematisch fassbar ist, bleibt ihm verwehrt.

 

 

 

 

Was macht die zentralen Frauenfiguren der Textvorlage aus?

 

Ivy:

 

Ivy wird als die typische Amerikanerin, als feminine Puppe, der ihr Aussehen über alles geht, die naiv und oberflächlich und hirnlos ist, dargestellt. Ihr Name bedeutet übersetzt Efeu, und genau so empfindet sie Faber auch: Sie klammert, will ihn an sich binden, ihn nur für sich alleine haben, mit ihm zusammenziehen und am besten gleich heiraten, wie angeblich jeden mit dem sie schläft. Weiter wird sie als sensibel, launisch, naiv, manchmal ein bisschen pervers, komisch und temperamentvoll, aber im Grunde als „herzensguter Kerl“ beschrieben (S.64/65). Sie legt äußerst viel Wert auf Gefühle und Gedanken und wirft Faber vor, ein Egoist, Rohling und Barbar in Bezug auf Frauen und Geschmack zu sein(S.58), während sie selbst die Technik verachtet (S.63) und laut Faber sogar missversteht. Ihre einzige Waffe gegen Faber, mit der sie sich rächen und ihn demütigen kann, ist ihn zu verführen, wodurch er selbst die Kontrolle über sich verliert. Ob sie Faber wirklich liebt oder nur Zuneigung und Geborgenheit sucht, wird nicht ganz klar.

 

Hanna:

 

Hanna Landsberg ist Halbjüdin und wird in diesem Buch als eine sehr selbstständige, eigenwillige, hochgebildete, aber trotz allem empfindliche, sprunghafte und zu Depressionen neigende Frau beschrieben. Sie findet Männer ganz im Allgemeinen komisch (S.139)und will das Kind von Faber auch nach der Trennung und der Heirat mit Joachim alleine ohne Vater großziehen. Sie hat ihr ganzes Leben auf Sabeth ausgerichtet und symbolisiert in vieler Hinsicht einen Gegenpol zu Faber. Als Archäologin arbeitet sie mit der Vergangenheit und verkörpert das weibliche Prinzip, das zu aufopfernder Fürsorglichkeit und Irrationalismus tendiert. Sie glaubt an Schicksal, hält nichts von Statistiken und hat einen Hang zum Mystischen, Hysterischen und zum Kommunismus. Ihre höchste Lebenserfüllung ist die vollkommene und nicht zweckorientierte Partnerschaft, die sie aber weder mit Faber noch mit einem ihrer späteren Männer erlebt. Laut Faber ist sie eine Schwärmerin und Kunstfee (S. 47) und seiner Meinung nach lag es an ihr, dass die Heirat mit Faber platzte (S.33).

Als Faber sie nach langer Zeit wiedertrifft ist sie eine autonome, angesehene Frau, die ihr Leben selbst in die Hand genommen hat.

 

 

Sabeth:

 

Sabeth könnte man als das Opfer der Geschehnisse bezeichnen. Sie steht alleine zwischen den beiden Extremen in Fabers Weltbild, woran sie schließlich zerbricht. Sie interessiert sich für antike Kunst und Technik gleichermaßen, ist durch die liberale Erziehung Hannas abenteuerlustig, spontan und wissbegierig  und symbolisiert die typische Jugendliche ihrer Zeit. Obwohl sie Faber oft als zynisch bezeichnet, lehnt die dessen Ideale nicht wie alle seine früheren Partnerinnen grundlegend ab. Mit ihrer gefühlvollen, aber nicht gefühlsduseligen Art, ihrer Intelligenz, ihrer emotionalen Wärme und ihrem Einfühlungsvermögen schafft sie es Faber zu erreichen, wie es davor noch keiner anderen Frau gelungen ist. Ihr Charakter, mit dem sie Faber begegnet, trägt maßgeblich an dessen Veränderung bei.

Sie ist nach langer Zeit die erste Frau, die Faber das Gefühl gibt ihn, dass sie ihn um seiner selbst willen liebst und die bei ihm nicht nur Zuneigung und Schutz sucht. Ihre Beziehung beruht auf gegenseitigen Respekt, wie es Faber, außer vielleicht bei Hanna, noch nicht erlebt hat.

 

 

Was macht die zentralen Männerfiguren der Textvorlage aus?

                       

Walter Faber:

 

Walter Fabers gesamte Weltanschauung ist geteilt in die männliche und die weiblich Sphäre. Er selbst symbolisiert den typischen Mann, der genau die Eigenschaften hat, die seiner Meinung nach fürs Männlich-Sein notwendig sind. Von Beruf ist er Ingenieur bei der UNESCO, was für ihn der einzig wahre Beruf ist und in seinem Verstand existieren nur Statistik, Wahrscheinlichkeit, Rationalität, mathematische Formeln und besonders die Technik, die er über alle Maßen verehrt. Diesen Beruf hat er aber nicht etwa aus Nächstenliebe sondern aus reinem Egoismus gewählt, da er dadurch sein Weltbild an den Menschen aufzwingen und sie so kontrollieren kann. Von sich selbst sagt er, dass er Techniker sei und gewohnt die Dinge so zu sehen wie sie sind(S.24). Hartnäckig sträubt er sich gegen alles, was er als weiblich oder, wie er sagt, „weibisch“, darstellt, worunter er vor allem die Natur, den Tod und die Kunst versteht. Diese Seite wird ganz prägnant von seiner Urwald-Bekanntschaft Marcel beschrieben: „ tu sais que le terre est femme, et que le mort est femme“ (S.69). Er wehrt sich gegen Schicksal, Unberechenbarkeit, Angst, Fantasie (S. 25), Krankheit, kurz: gegen alles was nicht berechenbar ist. Er ist nicht fähig seine doch teilweise vorhandenen Gefühle zu zeigen und sie zu artikulieren. Sein Ziel ist es, Kontrolle über sich,  seine Umwelt und seine Mitmenschen zu haben.

Ganz kennzeichnend für Faber ist sein Sauberkeitswahn. Er keine nicht die geringste Zeit auskommen ohne sich zu rasieren, da er eine tiefe Abscheu gegen alles Wachsende hat. Mit Bart würde er sich selbst wie eine Pflanze vorkommen. Weitere Attribute, die er immer bei sich trägt sind seine Schreibmaschine, sein Schachbrett und seine Kamera. Dies sind alles Kennzeichen für die technisierte und rationalisierte Welt: Das Schachspiel als Spiel der Weisen schlechthin, und die Kamera als Zeichen des Fortschritts, mit der er alle Szenen, die in seelisch und emotional berühren könnten sozusagen technisch filtert und sie so psychisch entschärft, wie zum Beispiel den toten Joachim, den Abschied von Ivy und immer wieder Sabeth.

Walter Faber schafft es nicht, die Welt und die Geschehnisse so anzunehmen wie sie sind, sondern konstruiert sich zu seinem Schutz eine eigene Schein-Welt. Er erkennt nicht, dass das Leben mit all seinen Unwägbarkeiten und schicksalhaften Zufällen sich den gesetzten der Logik entzieht.

Im Laufe des Romans gerät Fabers Vorstellung durch den Einfluss der Geschehnisse und besonders durch Sabeth durcheinander.

 

Joachim Hencke:

Joachim ist der  Studienfreund von Faber, der Fabers ehemalige Geliebte Hanna geheiratet hat.

Von ihm wird in dem Roman nicht viel gesagt, außer dass er mit der Erziehungsweise von Hanna in bezug auf Sabeth nicht klar gekommen ist, an der er in keinster Weise Anteil nehmen durfte. Er bringt sich auf der Tabak-Plantage seiner Familie selbst um; wahrscheinlich weil er die Umstände im Urwald von Guatemala nicht aushielt oder weil er sein Leben nach der Trennung von Hanna für verpfuscht hielt.

 

Herbert Hencke:

Herbert, der Bruder von Fabers ehemaligem besten Freund, entspricht nicht genau den von Faber für sich selbst und gleichzeitig auch für alle anderen festgelegten Idealbild eines Mannes. Trotz seiner Selbstsicherheit lässt sich Herbert von der Natur beeindrucken, was Faber fast spöttisch beobachtet.

Nach einiger Zeit im Urwald lässt sich Herbert völlig verwahrlosen, wird weltfremd und scheint sich für nichts mehr zu interessieren. Er wird sozusagen aus Fabers Sicht selbst zu einer Pflanze, die vor sich hinvegetiert, und keinen Bezug  mehr zur Außenwelt und zum Wesentlichen hat.

 

 

 

Welche Art von Aneinandervorbei, ja Gegeneinander ist im Analysetext thematisiert?

 

Faber und Hanna:

Obwohl Faber die Beziehung mit Hanna (vor dem Verhältnis mit Sabeth), als die einzige darstellt, die nicht absurd gewesen ist (S.100), kann man auf keinen Fall sagen, dass die beiden sich finden. Ihre gegenseitigen Erwartungen und Vorstellungen, die jeweils ein Extrem von Fabers Weltbild wiederspiegeln, sind einfach zu unterschiedlich und nicht miteinander vereinbar. Keiner von beiden schafft es auf den anderen einzugehen, obwohl sicherlich gegenseitiger Respekt besteht. Auch ist Hanna keine Frau, die versucht von der Beziehung mit Faber in irgendeiner Weise zu profitieren, wie es sonst alle seine Geliebten, außer Sabeth, getan haben. 

Während Hanna allerdings von ihm erwartet, dass er sich für ihr gemeinsames Kind verantwortlich zeigt und es anerkennt, ist ihm sein Beruf als Techniker wichtiger.

Als die beiden sich dann schließlich in Athen wiedersehen, ist ihre Beziehung zueinander durch die Geschehnisse so vorbelastet, dass es trotz Fabers Wandel zu keiner Findung mehr kommen können. Während er sich diesen Umstand nicht eingestehen will und sogar vorgibt Hanna zu heiraten(S.165), hat sie begriffen, dass sie sich zu diesem Zeitpunkt ferner denn je sind. 

 

Faber und Sabeth:

 Fabers und Sabeths Beziehung beruht auf gegenseitige Bewunderung und Faszination. Ihn erstaunt ihre Jugend (z.B. S.73), die ihn dazu bringt, sich nicht so alt zu fühlen, die in ihm aber gleichzeitig auch ein Verantwortungsbewusstsein ihr gegenüber hervorruft. Sie wiederum schätzt sein Alter und seine Erfahrung, während sie die Männer in ihrem Alter als junge und unwissende Taugenichtse bezeichnet (S.147). Sabeth bringt Faber dazu, die Welt nicht ausschließlich aus seiner Perspektive zu sehen. Sie öffnet ihm sozusagen die Augen. Trotz ihrer gegenseitigen Interessen schaffen sie es, den anderen zu respektieren und scheinen sich prächtig zu ergänzen. Faber hat auf der Reise durch Europa das Gefühl, dass sie eine glückliche Beziehung führen (S.153/107)), spricht oft von gegenseitiger Liebe und will Sabeth sogar heiraten.

Doch die Idylle um die beiden, die sich scheinbar gefunden haben, täuscht. Ihre Beziehung ist aufgrund ihrer Verwandtschaft von Anfang aussichtslos. Als Faber den Namen von Sabeths Mutter erfährt, ist ihm klar, dass ihr Verhältnis keine Zukunft haben kann.

 

 Faber und Ivy:

 Die Beziehung zwischen Ivy und Faber ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt, da die Beiden völlig unterschiedliche Ziele verfolgen. Er benutzt sie ausschließlich zu seiner sexuellen Befriedigung und assoziiert mit ihr die typische Amerikanerin, die er aber aufgrund ihrer Lebenseinstellung grundsätzlich verachtet. Sie erhofft sich von ihm die Zuneigung, die sie von ihrem Noch-Ehemann nicht erfährt, die ihr aber auch Faber nicht gibt. Während sie versucht ihn an sich zu binden, mit ihm zusammenzuziehen, ihn zu heiraten, will Faber eine Distanz zwischen ihnen wahren, die alle Dinge betrifft, die über das Sexuelle hinausgehen. Dies kann man wiederum auf seine Angst, die Kontrolle über etwas zu verlieren, zurückführen. Die beiden verfehlen sich eindeutig, da sowohl die gegenseitige Anerkennung, als auch die gemeinsamen Erwartungen und Bedürfnisse fehlen.

  

Joachim und Hanna:

Während Joachim Hanna wirklich liebt, will diese nur eine gesicherte Zukunft für ihre Tochter schaffen, die sie aber ohne Einmischung eines Mannes alleine großziehen will.

Die Beziehung zwischen Hanna und Joachim scheitert in dem Moment, in dem Joachim Mitspracherecht in Erziehungsfragen beansprucht, was Hanna ihm nicht gewähren will.

 

 

 

 

 

Welche Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge sind vermittels des Textes und seiner besonderen Struktur beleuchtet?

 

Die Ursachen für so gut wie alle Geschehnisse dieses Romans liegen in der Weltanschauung Fabers. Die „Kette von Zufällen“, die ihm wiederfährt wird größtenteils durch Handlungen und Entscheidungen provoziert, die charakteristisch für ihn als rational denkenden und Kontroll-besessenen Menschen sind. Hätte er zum Beispiel nicht unbedingt vor Ivy und ihren Gefühlen fliehen wollen, hätte er Sabeth nicht auf dem Schiff getroffen. Außerdem hätte er keine Fahrkarte mehr bekommen, wenn er eines Abends nicht zuhause geblieben wäre, ums einen Rasierapparat zu reparieren, da für ihn jeder Gedanke an ein nicht funktionierendes technisches Gerät unerträglich ist. Auch das Scheitern aller seiner Beziehungen lässt sich auf seine Einstellung dem Leben und ins besondere dem weiblichen Teil der Schöpfung gegenüber zurückführen. Er ist unfähig auf die Bedürfnisse seines Partner angemessen einzugehen. Sein Beruf etwa ist ihm wichtiger als seine schwangere Freundin Hanna. Dies führt  letztendlich auch zu der tragischen Affäre mit seiner Tochter Sabeth, da diese durch die frühzeitige Trennung von Faber und Hanna nie die wahren Umstände ihrer Zeugung erfahren hat.

Das unglückliche Ende des Romans kann man also auf die Unfähigkeit Fabers zurückführen, das  Leben so anzunehmen wie es ist und auf die Manie, über alles Kontrolle haben zu müssen: Über sich selbst, über seine Mitmenschen und über das Leben beziehungsweise den Tod. Eine gewisse Schuld trägt aber durchaus auch Hanna, deren Ziel es ist, ihr Kind ohne einen Vater für dieses großzuziehen. Hätte sie Sabeth über die wahre Identität ihres Vaters aufgeklärt wäre es nie zu einem Verhältnis zwischen ihr und ihrem Vater gekommen.

Als Faber dann sein Missverständnis zwar nicht gänzlich durchschaut, sein Verhalten aber trotzdem teilweise ändert, ist es zu spät: Er hat sein eigenes Leben und das Leben der Menschen, die ihm am wichtigsten sind, zerstört.

 

 

 

 

Wie historisch bedingt / gebunden sind die da beleuchteten Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge? / Als wie zeitgeistgeprägt erscheint die Gesamtwerkausgabe, das Mann-Frau-Beziehungsgefüge betreffend?

  

Walter Faber ist ein typisches Kind seiner Zeit. Er wird maßgeblich beeinflusst von dem damals allgegenwärtigen technischen Fortschritt, der Technisierung der Welt. Walter Faber ist ein glühender Vertreter der zu dieser Zeit aufkommenden und oftmals vertretenen Meinung, dass die Natur durch den Menschen kontrollierbar und sogar besiegbar ist.

Ein weiterer wichtiger geschichtlicher Aspekt ist es, dass Hanna Halbjüdin ist und gegen Ende der Beziehung zwischen Faber und ihr die Nazis an die Macht kommen. Für Faber hat eine eventuelle Hochzeit auch den Zweck, dass Hanna dadurch die Schweizer Staatsbürgerschaft erhalten würde und so geschützt wäre. Diese Zweckhochzeit jedoch wiederstrebt Hanna zutiefst, da ihrer Meinung nach als Lebenserfüllung nur die Partnerbeziehung ohne zweckmäßige Hintergedanken in Frage kommt.

Auch die generelle Stellung der Frau und ihre weiter fortschreitende Emanzipation trägt sicherlich einiges zu den Geschehnissen bei. Hannas Wunsch Sabeth ohne Vater zu erziehen und sowohl ihre Scheidung als auch ihre spätere Autarkie steht ganz im Zeichen des aufkommenden Selbstbewusstsein der Frau. Das Bedürfnis der Jugend, die Welt zu entdecken, zu reisen und unabhängig zu sein wird wiederum von Sabeth wiedergespiegelt, die letztendlich dieses Bedürfnis mit ihrem Tod bezahlt.

 

 

d 12d / Ws  2003/04

bewertungsraster buchanalyse:

 

generalthema: 

zeitgeistgeprägte antworten auf die frage, warum und wodurch mann und frau einander jeweils zu verfehlen drohen

 

spezialthema  -  literarisches werk: 

 

  max frisch  /  homo faber

 

bearbeiter/in:

 

  NV

 

schriftlicher leistungsbereich:

 

 

methodik

treffsicherheit

aspektreichtum

schlüssigkeit

stil

gr/r/z

Ø

qualität der textvorstellung:

 

10

12 12 12 12 ~!

11

  Leider fehlt durchgängig die indirekte Rede!

 

qualität der ergebnisse zu frage 1:

 

was macht die zentralen frauenfiguren der textvorlage aus?

 

10

 

  9>

11 

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qualität der ergebnisse zu frage 2:

 

was macht die zentralen männerfiguren der textvorlage aus?

 

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qualität der ergebnisse zu frage 3:

 

 

welche art von aneinander-vorbei, ja gegeneinander ist in der textvorlage thematisiert?

 

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  9>

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 ?!~

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qualität der ergebnisse zu frage 4:

 

 

welche ursache-wirkungszusammenhänge sind vermittels des textes und seiner besonderen struktur beleuchtet?

 

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  9>

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10 

  8

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qualität der ergebnisse zu frage 5:

 

wie historisch bedingt sind die da beleuchteten ursache-wirkungszusammenhänge?

 

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qualität der ergebnisse zu frage 6:

 

als wie zeitgeistgeprägt erscheint die gesamtwerkaussage, das mann-frau-beziehungsgefüge betreffend?

 

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Ø  schriftlicher leistungsteil:  60:7 =

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