d 2003/04:     JW  /


 

ARBEITSAUFTRAG:   Warum drohen Mann und Frau einander zu verfehlen?

 

Bernhard Schlink  /  Der Vorleser

   

 

Textvorstellung:

 

Bernhard Schlinks Roman „der Vorleser“ erzählt die Geschichte einer moralisch nicht          tragbaren Beziehung und deren tragische Hintergründe zwischen Hanna und ihrem 21 Jahre jüngeren Liebhaber Michael.

Die beiden treffen das erste Mal im Februar 1959 in Heidelberg aufeinander und beginnen eine Beziehung, die auf einem Ritual aufbaut: Vorlesen, Duschen, Lieben. Ihr Verhältnis hält bis zum Sommer. Nach einem Streit verschwindet Hanna spurlos. Viele Jahre ohne jeglichen Kontakt treffen sich Hanna und Michael vor Gericht wieder. Michael als zuschauender Jurastudent und Hanna als Angeklagte ehemalige KZ- Wärterin.

Im Laufe des Prozesses wird Michael klar, dass Hanna Analphabetin ist. Sie nimmt jegliche Schuld auf sich, um ihre Lebenslüge nicht auffliegen zu lassen. Hanna wird zu  einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Im Jahr der Scheidung von seiner Frau nimmt Michael erstmals Kontakt zu Hanna auf- er liest ihr auf Kassetten vor. Hanna schickt ihm immer wieder nicht variierende Botschaften. Einen Tag vor ihrer Entlassung erhängt sie sich. Michael möchte sich von seiner Sehnsucht und seinen immer wiederkehrenden Schuldgefühlen, der Unbefangenheit lösen und schreibt ihre gemeinsame Geschichte nieder. 10 Jahre nach Hannas Tod erfüllt er ihr Vermächtnis- eine Spende an eine Institution für Analphabeten. Ihre Geschichte hat Michael geprägt. Neue Perspektiven ermöglichen ihm, das erste und letzte Mal Hannas Grab zu besuchen.

 

Themenbehandlung:

     · Pubertät

     · Liebe, Ungewissheit, Trauer

     · Unterdrückung von Gefühlen

     · KZ- Gerichtsverhandlung

     · Aufarbeiten des Nationalsozialismus

     · Abhängigkeit einer Person von einer anderen

     · Analphabetismus

     · Scham, Gesellschaft, Beziehungen

     · Generationenkonflikt

     · Liebe, Hass

     · kuriose Liebesgeschichte

     · Nachkriegszeit

     · Heranwachsender Û Auffassen von Gerechtigkeit

 

 

 Erkenntnisse:

· Die Gesellschaft bewertet den Analphabetismus schlimmer als eine Gewaltanwendung,

denn Gewalt ist eines der häufigsten Gesprächsthemen unserer Zeit, da man sie zwar als schlecht ansieht, sich jedoch gleichzeitig in eine höhere Position gegenüber dem Verbrecher stellt.

Lesen und Schreiben zu können wird von der Gesellschaft erwartet. Analphabetismus ist daher eine Schwäche, die gesellschaftlich nicht anerkannt wird, was oft zu einem „Versteckspiel“ vor sich selbst oder vor anderen führt.

 

· Es stellt sich die Frage, ob eine Beziehung zwischen einem Pubertierendem und einer Erwachsenen funktionieren kann?

Die Pubertät ist ein einziger Machtkampf, bei dem sich der Heranwachsende eine eigene Vorstellungswelt schaffen möchte. Erfahrungen sind verarbeitetes Leben und Pubertieirende versuchen sich Messlatten für eigene Erfahrungen zu bauen. Sie sind demnach noch nicht so erfahren wie Erwachsene und haben daher in einer Beziehung immer eine schwächere Position. Dies führt zu einer Ungleichheit. Abhängigkeit und Unterwürfnis von Seiten des Jugendlichen können eine Folge sein.  Die Vorstellung, ein unerfahrener Jugendlicher, der kaum die Möglichkeit hatte, Erfahrungen zu sammeln, könnte eine Liebesbeziehung zu einer erfahrenen Frau aufbauen, verbreitet gesellschaftlich ein ungutes Gefühl.

Es kann keine gleichgewichtige Beziehung entstehen, das heißt, es herrscht ein schräges Dominanzverhältnis, da beide, Mann und Frau, nicht das sein können, was sie sein sollen- Mann und Frau werden.

 

· Das Ritual: Da die Beziehung von Hanna und Michael auf einem Ritual ( Vorlesen, Duschen, Lieben) aufbaut, kann sich daraus kein glückliches Liebesverhältnis entwickeln, da sich Michael dadurch in eine Abhängigkeit begibt.

Auch Hanna ist in gewisser Weise abhängig von ihm, da sie sich, aufgrund ihres Analphabetismus, gezwungenermaßen in eine Kinderrolle begibt.

Beide unterwerfen sich somit dem anderen- sie befinden sich in einer „Sackgasse“.

 

 

Was macht die zentralen Frauenfiguren in der Textvorlage aus?

 

Hanna ist eine dominante Frau. Sie kann zärtlich sein (Ritual), jedoch auch abweisend. Sie ist stark sexuell orientiert. Aufgrund ihres Analphabetismus treten Missverständnisse auf, bei denen sie aggressiv und brutal reagiert. Sie kann dagegen aber auch hilflos und verletzlich sein.

Hanna hat zwei Möglichkeiten:

- entweder sie geht keine Beziehung ein (®Askese) um ihr Geheimnis zu bewahren

- oder sie sucht sich einen schwächeren Partner, in diesem Fall Michael, der zu „naiv“, oder      zu abhängig ist, sich über ihr Verhalten Gedanken zu machen.

 

 

 

Was macht die zentralen Männerfiguren in der Textvorlage aus?

 

Michael ist unerfahren und daher neugierig. Mit der Zeit orientiert er sich stark sexuell. Er ist emotional engagiert und verliebt. Im Laufe der Beziehung wirkt er selbstbewusster und erwachsener. Gegen Ende der Beziehung knüpft er neue Kontakte zu gleichaltrigen. Am Ende der Beziehung verleugnet er Hanna.

 

 

 

Welche ART VON ANEINANDERVORBEI, JA GEGENEINANDER ist im Analysetext thematisiert?

Man kann nicht genau von Verfehlung sprechen. Dieses Buch zeigt dem Leser eine spezielle Beziehung- ein Jugendlicher zu einer Erwachsenen. Es ist eine Art von Beziehung, die aufgrund ihres schrägen Dominanzverhältnisses, ihres Ungleichgewichtes nicht funktionieren kann. Dazu stößt man noch auf die Problematiken Abhängigkeit, Sehnsucht, Unterwürfnis, Verleugnung, die keine Basis für eine glückliche Beziehung sein können.

 

 

 

 

 

Welche URSACHE - WIRKUNGS - ZUSAMMENHÄNGE sind vermittels des Textes und seiner besonderen Struktur beleuchtet?

 

-

 

 

 

Wie HISTORISCH BEDINGT/ GEBUNDEN sind die da beleuchteten Ursache- Wirkungszusammenhänge?

 

Die Zusammenhänge sprechen für die Neuzeit/ das 20. Jahrhundert, da erst heute auf Lese- und Schreibfähigkeit großen Wert gelegt wird.

Unsere heutige mobile Gesellschaft bietet mehr Möglichkeiten für eine derartige Beziehung, wie es bei Hanna und Michael der Fall gewesen ist.

Im Gegensatz zur damaligen Zeit (Mittelalter), ist die Lebenserwartung heute viel höher: Jugendliche/Heranwachsende von 10-30 Jahren haben eine gewisse „Narrenfreiheit“ um ihre Möglichkeiten zu erfahren und Erfahrungen zu sammeln.

Die Gesamtaussage des Buches, nämlich des Mann und Frau sein, bzw. das Ausleben des Mann- und Frauseins, was gesellschaftsbedingt ist, spricht ebenfalls für die Neuzeit

 

 

 

 

 

Als wie ZEITGEISTGEPRÄGT erscheint die GESAMTWERKAUSSAGE, das Mann - Frau - Beziehungsgefüge betreffend?

 

-

 

 

d 12d / Ws  2003/04

bewertungsraster buchanalyse:

 

generalthema: 

zeitgeistgeprägte antworten auf die frage, warum und wodurch mann und frau einander jeweils zu verfehlen drohen

 

spezialthema  -  literarisches werk: 

 

  bernhard schlink  /  der vorleser

 

bearbeiter/in:

 

  JW

 

schriftlicher leistungsbereich:

 

 

methodik

treffsicherheit

aspektreichtum

schlüssigkeit

stil

gr/r/z

Ø

qualität der textvorstellung:

 

4!!!>

~!!!5 ~ ~!!!3 ~!!!3 11

4

 

 

qualität der ergebnisse zu frage 1:

 

was macht die zentralen frauenfiguren der textvorlage aus?

 

6

 

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  6

  6

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qualität der ergebnisse zu frage 2:

 

was macht die zentralen männerfiguren der textvorlage aus?

 

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  3

  2

  14

qualität der ergebnisse zu frage 3:

 

 

welche art von aneinander-vorbei, ja gegeneinander ist in der textvorlage thematisiert?

 

  3

 

  3>

~4 

 3

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  9

qualität der ergebnisse zu frage 4:

 

 

welche ursache-wirkungszusammenhänge sind vermittels des textes und seiner besonderen struktur beleuchtet?

 

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qualität der ergebnisse zu frage 5:

 

wie historisch bedingt sind die da beleuchteten ursache-wirkungszusammenhänge?

 

  0

 

0

qualität der ergebnisse zu frage 6:

 

als wie zeitgeistgeprägt erscheint die gesamtwerkaussage, das mann-frau-beziehungsgefüge betreffend?

 

  0

 

-

 

 

 

Ø  schriftlicher leistungsteil:  16:7 =

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