koko, ge13, 5.5.2002

 

LAND:

Columbien

Grunddaten

 

/ Stand frühjahr 2002:

Hauptstadt:

Santafé de Bogotá

km3:

1141748 km2

Einwohnerzahl:

41,564 Mio.

Bevölkerungsdichte:

36,4 Einwohner pro km2

Bevölkerungswachstum:

1,84 % pro Jahr

Haupt-Exportprodukte:

Öl, Kaffee, chemische Produkte, Kohle

Marktanteile multinationaler Konzerne:

Bruttosozialprodukt:

40.805 Mio. US $

Pro-Kopf-Einkommen:

6006 US$/Jahr

Alphabetisierungsgrad:

9,5% Männer, 9,8% Frauen

Arbeitslosenquote:

19,4 %

Armut:

Trotz bester Anbaubedingungen in der Landwirtschaft , leiden etwa drei Viertel der Bevölkerung an Unterernährung. Ein Grund dafür sind die sehr ungleichen Bodenbesitzverhältnisse. Hinzu kommen mangelnde hygienische Verhältnisse. Das soziale Gefälle sorgte in den letzten Jahren für einen kontinuierlichen Anstieg der Kriminalität.

Ethnien:

58 % Mestizen, 20 % Weiße und Kreolen, 14 % Mulatten, 4 % afrik. Abstammung

Religionen:

95% Katholiken 

Gegenwärtiges Regierungssystem:

Republik s. 1819, Verfassung von 1991.

Zweikammerparlament: Abgeordnetenhaus (161 Sitze) und Senat (102 Sitze), Wahl alle 4 J. Wahlrecht ab 18 J. Direktwahl des Staatsoberhauptes für 4 J.

 Staats- und Regierungschef: Andrés Pastrana (s. August 1998).

Politische Systemgeschichte:

Die Präsidentschaftswahlen von 1946 führten zu einem Bürgerkrieg, der als "La Violencia" (1949-58) mindestens 200 000 Kolumbianer das Leben kostete. Erst eine Verfassungsreform, 1957 von Konservativen und Liberalen beschlossen ("Nationale Front"), leitete das Ende der Gewalt ein. In den sechziger und siebziger Jahren terrorisierten extreme rechte wie linke Gruppen das Land, das trotz Agrar- und Sozialreformen seine Probleme nicht lösen konnte. Drogenkartelle aus Cali und Medellín überzogen Kolumbien mit Mord und Korruption. Der Kampf gegen die Drogenbosse geriet in den achtziger Jahren zur Überlebensfrage. 1993 erschossen Regierungstruppen den mächtigsten Mann des Medellín-Kartells, Pablo Escobar, auf der Flucht.

1995/96 ließ Präsident Ernesto Samper die sieben Bosse des Cali-Kartells festsetzen, sah sich aber selbst wenig später mit massiven Bestechungsvorwürfen konfrontiert: Sampers 94er Wahlkampf sei vom Cali-Kartell mit sechs Millionen US$ geschmiert worden. Bei der Wahl im Juni 1998 gewann erstmals seit 1986 mit Andrés Pastrana, 44, ein Kandidat der Konservativen.

Wirtschaftliche Systemgeschichte:

Kolumbien konnte während der achtziger Jahre alle Schuldrückzahlungen leisten. Seit dem Amtsantritt von Präsident Gavira im Jahre 1990 wurde eine Privatisierung staatlicher Unternehmen durchgeführt, Investitionen aus dem Ausland gefördert und einige Freihandelsverträge abgeschlossen. Die durchschnittliche Inflationsrate ist mit jährlich 27 Prozent recht hoch, das jährliche Wirtschaftswachstum liegt trotzdem bei 3,7 Prozent

Kolumbiens Wirtschaft wächst trotz der Unruhen kontinuierlich und stellt damit in Südamerika den größten Wachstumsmark nach Chile dar. Der Kokainanbau ist nach Schätzungen von Experten mit 30% am Bruttosozialprodukt beteiligt.  In den vergangenen 20 Jahren wurden die Konsumgüter- und die Grundstoffindustrie verstärkt ausgebaut.

Gesellschaftliche Systemgeschichte:

Die Auseinandersetzungen zwischen der linken Guerilla und rechtsextremen Todesschwadronen, wobei sich die der Rechten auch gegen unterpriviligierte Gruppen (Kleinbauern und Indios) richteten, teilten Kolumbien in den 80er Jahren in verschiedene Abschnitte, womit sich der Einfluß der weltweit operierenden kolumbianischen Drogenmafia verstärkte . Die ständigen Konfrontationen zwischen den rivalisierenden Banden, führten zu tausender ziviler Opfer, zu einer stagnierender Wirtschaft, und zu einer wachsenden Armut. Viele Kolumbianer sahen und sehen ihre Überlebenschancen nur im Koka-Anbau, im Anschluss einer Guerilla-Organisation, oder in einer anderen kriminellen Vereinigung. Der "Drogenkrieg" fordert außerdem soviele Militärausgaben, das Bildungs- und Sozialsystem außen vor bleiben.

Geschichte der Rolle des Landes im Welthandel  /  welche Abhängigkeiten bestanden bzw. bestehen da jeweils?

Im Welthandel spielt Kolumbien nie ein große Rolle. Zwar ist das Land eines der Hauptproduzenten von Kaffee und besitzt einen großen Kohlevorrat, doch hat es nie geschafft diese Rohstoffe zu vermarkten, augrund der fehlenden Auslandsinvestitionen (Sicherheitsrisiko)  und der stagnierenden Binnenwirtschaft.

Kolumbien ist absolut exportabhängig und damit in erster Linie Vom Weltmarkt. Weitere Abhängigkeiten bestehen zu den Hauptabnehmerländer USA (40%) und Deutschland (7%), sowie zu den Nachbarländern Venezuela und Ecuador.

Der "Drogenkrieg"  führte außerdem zu einer immer wachsenden Abhängigkeit von Hilfsgeldern, wobei der IWF  sich nun mit Krediten zurückhält, da die Auslandsverschuldung zu hoch sei (34 Mrd.US$).

Wie/durch welche landesseitige und fremdstaatliche Politik wurden bzw. werden diese Abhängigkeiten geschaffen und aufrecht erhalten?

Die Abhängigkeiten werden von den Hauptabnehmerländern bewußt aufrechterhalten. Sie sind nämlich gleichzeitig die größten Hauptlieferanten für Kolumbien (USA 40%, Deutschland 5%). Durch Freihandelszonen, Verträge und Hilfsgeldern, sicherten sich die Länder jahrelang billige Rohstoffe ohne dabei den bürgerkriegsähnlichen Zustand des Landes zu beenden.

Das Land bzw. die Regierung selbst ist nicht in der Lage sich aus diesen Abhängigkeiten zu befreien, zu groß ist das Problem das eigene Land einigermaßen unter Kontrolle zu halten.

Welche Versuche gab bzw. gibt es, solche Abhängigkeiten abzuschütteln?  -  mit welchem Erfolg?

Es gab eigentlich in der Vergangenheit gar keine Bemühungen die Abhängigkeiten abzuschaffen. Die Hilfen vom Ausland (vor allem USA) waren die einzige Garantie für die Regierung zu überleben. Im Gegenteil, werden die Abhängigkeiten weiter ausgebaut. Der "Plan Colombia" sichert Kolumbien eine Militärhilfe von 1,3 Mrd. US$ im Kampf gegen die Drogenmafia zu, die ihrerseits die Guerillabanden finanziert.

Die Abhängigkeit Kolumbiens vom Ausland wächst und das Ausland finanziert letztendlich nur den schon 40 Jahre dauernden Bürgerkrieg.

Durch den "Drogenkrieg" legitimieren die USA ihre militärische Präsenz in der Region, da sie in Ecuador, Venezuela und Peru kein Fuß mehr fassen können. 
Sie nutzen Kolumbien als Standort in Zentralamerika.