vera, ge13, 4.5.2002

 

LAND:

Republik Costa Rica
Grunddaten

 

/ Stand frühjahr 2002:

Hauptstadt:

San José
km3: 51060 km2

Einwohnerzahl:

3,7 Mio.
Bevölkerungswachstum: 1,9-2,4% (Daten schwanken von Quelle zu Quelle)

Bevölkerungsdichte:

70 Einwohner pro km2
Lebenserwartung: Männer: 74 Jahre, Frauen: 79 Jahre
Verstädterungsgrad: 49,7%
Export-Import-Verhältnis: ca. 1 : 0,9 (Exporte übersteigen leicht Importe)
Haupt-Exportprodukte:

Industrieprodukte, Nahrungsmittel, Tabak, Maschinen, Metallerzeugnisse, Bananen, Kaffe, Fisch und Krabben, Früchte

Haupt-Importprodukte Rohstoffe, Konsumgüter, Investitionsgüter, Brenn- und Schmierstoffe, Baustoffe
Marktanteile multinationaler Konzerne:  
wichtigste Außenhandelspartner:

USA, Japan, Mexiko, Venezuela, Deutschland, GB, Niederlande, Nicaragua, Italien, El Salvador, Kolumbien, Belgien/Luxemburg

Auslandsschulden: 2872,4 Mio. US $ (1998)
Bruttosozialprodukt: 9771 Mio. US $
Pro-Kopf-Einkommen:  
Alphabetisierungsgrad: 95%
Arbeitslosenquote: 6,1%
Armut:  

Ethnien:

75 % der Einwohner sind Weiße spanischer Abstammung. Daneben gibt  es etwa 15 % Mestizen, 3 % Schwarze und Mulatten (Nachkommen von Schwarzen und Weißen) sowie Ostasiaten (3 %) und Indianer (0,2 %).

 Die 250.000 im Lande lebenden Ausländer sind mehrheitlich Flüchtlinge unterschiedlicher Herkunft, u. a. aus Nicaragua und EI Salvador.

Religionen:

89% Katholiken, 8% Protestanten, Bahai Minderheit

Gegenwärtiges Regierungssystem:

Costa Rica ist eine demokratische Präsidialrepublik.

Die Verfassung von 1949 sieht die politische Gewaltenteilung und das allgemeine Wahlrecht ab dem 18. Lebensjahr vor. Der Staatspräsident ist zugleich Staats und Regierungschef und wird alle vier Jahre in direkten Wahlen vom Volk gewählt. Eine Wiederwahl ist ausgeschlossen, jedoch laufen augenblicklich Diskussionen über eine Verfassungsänderung, welche eine einmalige Wiederwahl zulassen würde. Besonders vorangetrieben wird dieses Vorhaben von dem ehemaligen Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Oscar Arias Sánchez.

Die Regierung besteht aus dem Staatspräsidenten, 2 Vizepräsidenten und dem 17köpfigen Regierungsrat.
Bei der costarikanischen Legislative handelt es sich um ein Ein-Kammer-System. Die Asamblea Legislativa (Parlament) und der Nationalkongress setzen sich aus 57 Abgeordneten zusammen, die ebenfalls alle vier Jahre entsprechend der Kantonalverwaltungen direkt gewählt werden. Der Kongreß kann Entscheidungen der Regierung mit Zweidrittelmehrheit widerrufen, den Staatshaushalt ergänzen und ernennt die Richter des Obersten Gerichtshofes.

Die administrative Aufteilung des Landes gliedert sich in die sieben Provinzen San José, Alajuela, Heredia, Cartago, Limón, Puntarenas und Guanacaste die durch Gouverneure verwaltet werden, die durch den Präsidenten ernannt werden. Die Provinzen sind wiederum in 81 Bezirke (Cantónes) unterteilt. Die Bezirke unterscheiden sich stark in ihrer Größe und Einwohnerzahl und sind ihrerseits in 421 Distrikte unterteilt.

 

Mitgliedschaften in internationalen Organisationen:

UNO, UNESCO, FAO, WHO, UNCTAD, IWF, Weltbank, WTO, IAEO, OAS, IDB (Interamerikanische Entwicklungsbank), SICA (System für zentralamerikanische Integration), SIECA (System für zentral- amerikanische Wirtschaftsintegration), BCIE (Zentralamerikanische Bank für wirtschaftliche Integration), Zentralamerikanischer Gemeinsamer Markt, Association of Caribbean States

Politische Systemgeschichte:

Die politische Entwicklung des 19. Jhds. war durch den Zerfall der zentralamerikanischen Föderation (Austritt C.R.s 1836) und durch eine Abfolge personalistischer Diktaturen und außenpolitischer Konflikte gekennzeichnet. Costa Rica mußte sich gegen die Annexion der Grenzprovinz Guanacaste durch Nicaragua (1836) verteidigen und war entscheidend beteiligt an dem Krieg von 1853-57, der zur Niederlage der Truppen des nordamerikanischen Abenteurers William Walker, der Costa Rica erobern wollte, führte. Im Verlauf des Kaffee-Booms war - durch zunehmende Wohlstandskonzentration in Cartago und San José - in diesen Städten ein "Kaffeearistokratie" entstanden, die bis 1870 die politische Führungsschicht stellte. Unter der Diktatur des liberalen Tomás Guardia (1870-82) wurde die Machtbasis dieser Familienzirkel und caudillos nachhaltig erschüttert. Während eine neue Generation der gebildeten Mittelschicht in Schlüsselpositionen der staatlichen Verwaltung nachrückte, wurde unter der Präsidentschaft von Bernardo Soto (1886-90) das öffentliche kostenlose Schulwesen eingeführt, und es entwickelte sich eine unabhängige kritische Presseöffentlichkeit.

Zwischen 1902 und 1914 brachten drei entscheidende Amtsperioden (Ascensión Esquivel, Cleto González und Ricardo Jiménez) grundlegende Reformen des Finanzwesens und Erweiterungen der Infrastruktur und trugen dazu bei, die verfassungsmäßige Ordnung zu konsolidieren, die seither nur noch zweimal durchbrochen wurde (Putsch von General Tinoco 1917/18 und Bürgerkrieg von 1948 im Anschluß an eine Fälschung der Wahlergebnisse). Bis zum Jahr 1994 gingen von 46 Staatspräsidenten (darunter nur drei Militärs) 18 aus freien kompetitiven Wahlen hervor, darunter alle Präsidenten seit 1949; 19 gelangten durch Wahlen ohne gewichtige Gegenkandidaten und neun durch Staatsstreich an die Macht - in der Mehrzahl während der Jahre politischer Instabilität nach der Unabhängigkeit.

Der sechswöchige Bürgerkrieg von 1948 bedeutete einen nachhaltigen Einschnitt in der politischen Geschichte des Landes. Im Zusammenhang einer moderaten Umformung der gesellschaftlichen Machtverhältnisse und der Einbeziehung neuer sozialer Schichten in das politische System gelang es, die historisch gewachsenen demokratischen Strukturen in der II. Republik (ab 1949) auszubauen und zu festigen. Den personalistisch geprägten liberalen Gruppierungen, die bis dato die politische Landschaft dominiert hatten, trat im Partido Liberación Nacional (PLN) ein sozialdemokratisch orientiert Programmpartei mit festen Organisationsstrukturen gegenüber. Dank seiner breiten sozialen Basis einerseits und der organisatorischen Fragmentierung des liberal-konservativen Lagers andererseits prägte der PLN für die folgenden Jahrzehnte weitgehend die gesellschaftliche und politische Entwicklung C.R.s, wenngleich verschiedene bürgerliche Gruppierungen wiederholt Präsidentschaftswahlen gewinnen konnten. Das vor allem von PLN-Regierungen vorangetriebene Entwicklungsmodell importsubstituierender Industrialisierung bildete die Grundlage eines bis Ende der 70er Jahre dynamischen Wachstums, an dem dank der aktiven wirtschafts- und sozialpolitischen Steuerung von seiten des Staates breite Bevölkerungsschichten partizipierten. Die ökonomische Krise der 80er Jahre erzwang eine Änderung dieses Entwicklungsmodells und formte auch die politische Landschaft erneut um, in deren Zentrum neben dem PLN nun eine etwa gleich starke, organisatorisch gefestigte bürgerliche Partei steht, die Partido Unidad Social Cristiana, PUSC. Die politische Stabilität der ältesten Demokratie Zentralamerikas geriet durch die wirtschaftliche Krise jedoch nicht ernsthaft in Gefahr, und auch den Sogwirkungen der politischen Konflikte in und zwischen den Nachbarländern konnte sich C. R. nicht zuletzt dank einer aktiven, neutralen und unbewaffneten Außenpolitik weitgehend entziehen. Ab Mitte der 80er Jahre spielte das Land eine führende Rolle bei den regionalen Bemühungen um eine Lösung des Zentralamerika-Konfliktes, und Präsident Oscar Arias (1986-90) erhielt für seine diesbezüglichen Verdienste 1987 den Friedensnobelpreis.

Wirtschaftliche Systemgeschichte:

Die weltweite Depression der 30er Jahre hatte verheerende Auswirkungen und machte deutlich, daß Costa Ricas Deviseneinnahmen zu 90% vom Bananen- und Kaffeexport abhängig waren. Die unmittelbare Folge der Depression war ein starker und lang anhaltender Rückgang des weltweiten Bedarfs an den landwirtschaftlichen Exportgütern. Das bis zu diesen Jahren verfolgte Agrarexportmodell legte offen, wie schwach der Industrie- und Dienstleistungssektor entwickelt, und wie klein und undynamisch der Binnenmarkt war.

Mit der Verfassung von 1948 wurde ein Prozeß der administrativen Dezentralisierung eingeleitet und dem Staat eine stark interventionistische Rolle in Bereichen von öffentlichem Interesse zugewiesen. Der Staat trat zwar nicht selbst unternehmerisch in Erscheinung, sollte aber die Entwicklungsbedingungen für die Wirtschaft durch die Bereitstellung von Infrastruktur und Dienstleistungen optimieren (Estado promotor). Maßnahmen zur Diversifizierung des verarbeitenden Sektors und eine Stärkung des Binnenmarktes bildeten dabei zusammen mit dem Bildungswesen und dem staatlichen Wohnungsbau einen Schwerpunkt. Während der 60er Jahre und Anfang der 70er Jahre erlebte Costa Rica einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung, der sich günstig auf das Pro-Kopf Einkommen auswirkte.

In diesem Zeitraum wuchs das BIP jährlich im Durchschnitt 6,5 Prozent, was die Wachstumsraten der meisten Industriestaaten übertraf. Der Beitritt zum Gemeinsamen Zentralamerikanischen Markt (MCCA- Mercado Común Centroamericano) trug wesentlich zu den steigenden Wachstumsraten und höheren Exporten bei, indem er beachtliche ausländische Investitionen ins Land lockte und den intraregionalen Handel ankurbelte. Der MCCA verfolgte das Konzept der importsubstituierenden Industrialisierung, nach welchem durch hohe Einfuhrzölle, Importquoten und administrativen Hürden auf ausländische Güter die nationale Produktion geschützt und weiter gefördert werden sollte. Dies hatte jedoch zur Folge, daß nun auf Kosten der billigen Importe von Fertigprodukten aus Drittländern die teuren Güter aus den Mitgliedsländern des MCCA importiert wurden. Dies wirkte sich insofern negativ aus, als das die Nachteile der begrenzten Importsubstitution mit einer rasanten Ausbreitung US-amerikanischen Kapitals im Zuge eben dieser Strategie kombiniert wurde, wodurch das nationale Kapital rasch in eine zweitrangige Position abgedrängt wurde. Der starke Aufschwung Costa Ricas in den 60er Jahren war allerdings nicht nur in weiten Bereichen außenbestimmt, sondern auch fremdfinanziert wodurch die Staatsverschuldung rapide zunahm.

Auf den 1973/74 auftretenden Ölpreisschock und den sich daraus verschlechternden Terms of Trade, reagierte die Regierung mit der Begründung des unternehmerisch auftretenden Staates (Estado empresario). Mit zahlreichen neuen Aktivitäten in den wirtschaftlichen Schlüsselbereichen und in Zusammenarbeit mit der Costarikanischen Entwicklungsgesellschaft (CODESA), versuchte der Staat zum Mißfallen der agrarexportierenden Kreise, die erlahmende Dynamik im privaten Sektor wieder zu beleben. Die dazu notwendigen Investitionen verschärften die Verschuldung des Staates enorm und erwiesen sich wirtschaftlich als wenig erfolgversprechend.

Anfang der 80er Jahre beschloss sich die Regierung für ein neoliberales Wirtschaftsprogramm, das auch Abstriche am Wohlfahrtsstaat mit einschloß und eine grundlegende Richtungsänderung in der Politik der öffentlichen Hand vorsah. Jedoch beschleunigte sich der Ausgabenrythmus des Staates, die Verschuldung des Staates vervierfachte sich bis 1982 und führte den Staat in eine der höchsten Pro-Kopf Verschuldungen der Welt bei gleichzeitig rasant in die Höhe schnellender Inflation, fast ebenso rascher Abwertung der Währung, steigendem Handelsbilanzdefizit und einem Wirtschaftswachstum, das von 6,4% im Jahr 1979 auf -7,3% im Jahr 1982 absackte.

Mitte der 80er Jahre erhielt das Land neue wirtschaftspolitische Impulse, nachdem 1982 die Initiative der Cuenca del Caribe eröffnet worden war, nach der den karibischen Staaten und Anrainerstaaten finanzielle Hilfe durch die USA zugesprochen wurde und der US-amerikanische Markt für eine Vielzahl von Produkten aus der Region geöffnet wurde. Daneben

wurde die Mittel- und Kleinindustrie gefördert, Freihandelszonen geschaffen und Exporte in Drittländer gefördert. Damit war das neue Modell der Exportförderung geboren. Ebenfalls in den 80er Jahren wurden dem Land Strukturanpassungsprogramme des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank auferlegt. Dieses Programm sah vor das Staatsdefizit zu verringern, den Handel zu liberalisieren, eine Deregulierung der Wirtschaftsbereiche einzuleiten, einheitliche Wechselkurse zu schaffen und die Privatisierung von öffentlichen Einrichtungen einzuleiten. Ein besonders großes Gewicht fiel auch auf die Förderung des Tourismussektors.

Das Nebeneinander von verschiedenen Wirtschaftsmodellen in Costa Rica (z.B. Exportmodell, Freihandelszonen, Maquila-Industrie) hat in den letzten Jahren zu einer relativen wirtschaftlichen Stabilität beigetragen, jedoch konnten so schwerwiegende Probleme wie das Haushaltsdefizit und die innere Verschuldung nicht gelöst werden. Die letzten Wirtschaftsergebnisse lassen sich als dual beschreiben: auf der einen Seite stellen staatlich geförderte und geschützte Aktivitäten von Unternehmen, wie z.B. Intel in den Freihandelszonen und der Tourismussektor, mit ihren starken Wachstumsraten den Motor der costarikanischen Wirtschaft dar, während auf der anderen Seite traditionelle Güter wie Bananen und Kaffee aufgrund von Importquoten auf europäischen und US-amerikanischen Märkten und allgemein geringen Preisen darum kämpfen sich auf den Weltmärkten zu behaupten.

 

Gesellschaftliche Systemgeschichte:

 

Geschichte der Rolle des Landes im Welthandel  /  welche Abhängigkeiten bestanden bzw. bestehen da jeweils?

 
Wie/durch welche landesseitige und fremdstaatliche Politik wurden bzw. werden diese Abhängigkeiten geschaffen und aufrecht erhalten?  

Welche Versuche gab bzw. gibt es, solche Abhängigkeiten abzuschütteln?  -  mit welchem Erfolg?