aline, ge13, 7.5.2002
|
LAND:
|
Peru |
|
|
Grunddaten
/
Stand Frühjahr 2002: |
Hauptstadt: |
Lima |
|
Km2: |
1.285.216
km2; Küste: 2414 km; Von
der trockenen Zone am Meer (Vegetation nur bei Bewässerung) steigt
die Landschaft rasch zu den Anden auf (höchste Gipfel: Huascarán
6768 m, Yerupajá 6632 m) und geht dann im O in das bergige
Andenvorland (Montaña) bzw. in das Amazonasbecken (Selva) über.
|
|
|
Einwohnerzahl: |
26,093 Mio. Einw.; In Städten leben 73 %, unter 15 J. sind 33 % der Bev. |
|
|
Bevölkerungsdichte:
|
20,3
Einw./km2 |
|
|
Bevölkerungswachstum: |
1,6 %;
Fruchtbarkeitsrate: 2,64 Geburten/Frau |
|
|
Landwirtschaft:
|
Nutzfläche 3,3 %,
von der Anbaufläche bewässert 28,9 %.
Bewaldet: 652.000 km2 |
|
|
Industrie:
|
Die reichen Vorkommen an Kupfer, Gold, Silber, Zink, Blei und Eisenerz werden nur ungenügend ausgebeutet. Neben der Produktion von Nahrungsmitteln (Fischfang, künstliche Bewässerung der Küstenwüste nördlich von Lima) sollen zunehmend Rohstoffe im Land selbst zu Endprodukten weiterverarbeitet werden. | |
|
Haupt-Exportprodukte: |
6,11 Mrd. US$, davon 21,2 % Nahrungsmittel, 22,1 % Nichteisenmetalle, 14,9 % Rohstoffe, 4,4 % Öl und Ölprodukte. Hightech-Exporte: 46 Mio. US$. Hauptausfuhrländer: USA (32,4 %), Schweiz (8,5 %), VR China (4,1 %). |
|
| Import: |
6,73
Mrd. US$,
davon 37,4 % Maschinen u. Transportmittel, 15,3 % industr.
Vorprodukte, 12,7 % Chemikalien, 13,5 % Nahrungsmittel.
Hauptlieferländer: USA (27,2 %), Japan (6,5 %), Kolumbien (5,4 %). |
|
| Handelsbilanzdefizit: | 620 Mio. US$ | |
|
Marktanteile
multinationaler Konzerne: |
? |
|
|
Bruttosozialprodukt: |
9.911
Mio US$ |
|
|
Pro-Kopf-Einkommen: |
2.950
US$ |
|
|
Alphabetisierungsgrad: |
Männer
/Frauen:7,5% / 8,7% |
|
|
Arbeitslosenquote: |
11,8
% |
|
|
Armut: |
? |
|
|
Ethnien: |
45 % Indianer, 37 % Mestizen, 15 % Weiße europäischer Abstammung. |
|
|
Religionen: |
überwiegend Katholiken |
|
|
Gegenwärtiges
Regierungssystem: |
Präsidialrepublik,
Verfassung von 1993. Wahlpflicht
18-70 J., danach Wahlrecht. Einkammerparlament mit 120 Abg., die alle 5 J. - wie auch das Staatsoberhaupt - direkt gewählt werden; Verwaltung: 25 Regionen Die
Führungsspitze Perús setzt sich seit dem 28.07.2001 aus dem neugewählten
Präsidenten Alejandro Toledo und den Vize-Präsidenten David Waismann
(auch Verteidigungsminister) und Raúl Diez Canseco zusammen. Der
international bekannte und unabhängige Technokrat Roberto Dañino
wurde überraschenderweise als Präsident des Regierungsrates ernannt.
Das aus Mitgliedern verschiedener Parteien gebildete Kabinettwurde
erst am 26.07.2001 bekanntgegeben. |
|
|
Politische
Systemgeschichte: |
Durch
Funde belegt ist eine Besiedlung seit etwa 2500 v. Chr. Die letzte
Hochkultur schufen die Inkas, die ab ca. 1200 n. Chr. ein riesiges
Reich eroberten. Hauptstadt war Cusco. 15 000 km befestigte Straßen
und kühne Hängebrückenkonstruktionen sorgten für eine
hervorragende Infrastruktur im sonst unwegsamen Gelände. Pizarro
eroberte das Land für die Spanier. 1533 wurde der letzte
Inka-Herrscher, Atahualpa, hingerichtet. Nachfahren der Inkas erhoben
sich mehrmals erfolglos. Als ihr Führer Túpac Amaru 1572 in Cusco
hingerichtet wurde, gehörte das Inka-Reich der Vergangenheit an. Anfang
des 19. Jahrhunderts erste Unabhängigkeitsbestrebungen. 1820
marschierte José de San Martín mit seinen Truppen von Argentinien
und Chile aus in das Land ein und rief 1821 die Unabhängigkeit aus,
die 1824 von Simón Bolívar durch den Sieg über die Spanier bei
Ayacucho endgültig gesichert wurde. Seit
der Unabhängigkeit lösten sich in Peru eine Reihe autoritärer,
demokratischer und militärischer Regime ab. Der Terror durch die
Guerillabewegung "Sendero Luminoso" (Leuchtender Pfad) prägte
die achtziger Jahre, das Militär kämpfte brutal dagegen. Der 1990
zum Präsidenten gewählte Alberto Fujimori griff hart durch, schlug
einen radikalen Sparkurs ein und setzte ein neoliberales
Wirtschaftsprogramm durch. Zur Staatsform Perus: Der Staat Perú ist eine demokratische, soziale, unabhängige und souveräne Republik. Der Staat stellt eine Einheit dar und ist unteilbar. Der Staat ist repräsentativ, dezentralisiert und nach dem Prinzip der Gewaltenteilung organisiert. Die Staatsform des Landes und die Funktionsweise des demokratischen Systems wird in der 1993 verabschiedeten Verfassung geregelt, die auch ein Verfassungsgericht schuf. Die politische Wirklichkeit des Landes, die unter Fujimori Zweifel an der Unabhängigkeit der judikativen und legislativen Gewalt aufkommen ließ, gewinnt unter der Regierung Toledos zunehmend an Glaubwürdigkeit. Machtgruppen im Land: Die sich aus den Großgrundbesitzern des Hochlands und der Küste rekrutierende peruanische Elite hat über Jahrhunderte als Oligarchie das Land regiert, erst durch die Agrarreform von 1969 wurde ihr ihre Machtquelle entzogen. In den Jahren danach kamen neue Machtgruppen hinzu, die sich auf Industrie und Finanzaktivitäten konzentrierten, zu einem großen Teil europäischer Abstammung waren und vom Protektionismus des Staates lebten. Fujimoris Einstieg in die Politik und die konsequente Durchsetzung einer neoliberalen Wirtschaftspolitik auf südamerikanischem Boden führte zu einer Neustrukturierung des Machtblocks: Während manche Gruppen an Gewicht verloren, traten neue, wettbewerbsfähigere Gruppen auf. Heutzutage bestehen an die zehn ökonomischen Gruppen, die einen starken Einfluß auf Wirtschaft und Politik ausüben. Nachdem Fujimori am 20. November ganz unvermutet von Japan aus seine Rücktrittserklärung von der Präsidentschaft bekanntmachte, hat sich die politische Entwicklung im Lande drastisch verändert. Der Präsident des Kongresses Valentin Paniagua wurde Interimspäsident bis zum 28. Juli 2001 und hat eine hervorragende Arbeit zur Normalisierung des Landes geleistet. Die ersten Regierungsmassnahmen richteten sich gegen Militärs im Umkreis von Montesinos und erachteten eine Bekämpfung der Korruption als prioritär. Die Schonfrist für Toledos Regierung scheint vorbei zu sein, die jüngsten Streiks auf regionaler Ebene deuten auf Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik (Privatisierung von Elektrizitätswerken) hin und zeigen das Erstarken der sozialen Bewegung. Auf der anderen Seite versucht der Präsident Toledo mittels eines offenen Briefes an die peruanische Bevölkerung Zustimmung für eine Regierungsvereinbarung mit der Opposition und Zivilgesellschaft zu erreichen. Wahlen in Perú: Am 8. April 2001 wurden saubere und transparente Präsidentschafts- und Kongresswahlen abgehalten. Alejandro Toledo, hartnäckiger Widersacher Fujimoris, gelang es 36.51% der Stimmen auf sich zu vereinigen, gefolgt überraschenderweise vom Ex-Präsidenten Alan García (25.78%) und der Kandidatin der rechtstehenden Christlichen Volkspartei PPC, Lourdes Flores Nano (24.30%). Aus diesem Grunde wurde am 3. Juni 2001 eine Stichwahl zwischen Toledo und García abgehalten. In einem dramatischen Ausgang besiegte der aus armen verhältnissen stammenden Toledo seinen Kontrahenten García mit 6%-Punkten Unterschied. Die Partei Toledos Perú Posible hat sich als eine politische Alternative etabliert. Die Zusammensetzung des Kongresses sieht so aus: Perú Posible wird 45, die APRA 26, Unidad Nacional 17 und FIM 11 der 120 zur Verfügung stehenden Kongresssitze erhalten. Der Wahlsieger hat den anderen Parteien die Zusammenarbeit angeboten, damit die Regierungspartei eine Mehrheit im Kongress anstreben kann. Bislang kann er auf die Stimmen des FIM (11), der Volksaktion AP (3), SOMOS PERU (4) und Renacimiento Andino (1) rechnen, womit Peru Posible über eine knappe Mehrheit von 64 Sitzen im neuen Senat hätte. |
|
|
Wirtschaftliche
Systemgeschichte: |
Das
Wirtschaftssystem war seit der Gründung die Marktwirtschaft, mit
hoher Abhängigkeit von den USA. Phänomen
Panamakanal: Die
USA verhalfen Panama mit Hilfe von Kanonenbooten zur "Unabhängigkeit".
Als Gegenleistung musste die "Quasikolonie" vertraglich eine
etwa 15 km breite Zone beiderseits des 1914 vollendeten Kanals auf
"unbegrenzte Zeit" an die USA abtreten. Während die USA
dort Militärbasen bauten, war der Nutzen des Kanals für Panama
ziemlich gering. Erst 1978 kamen zwei Verträge zustande, die bis zum
31. Dezember 1999 eine stufenweise Übergabe von Kanal und Kanalzone
an Panama vorsehen. |
|
|
Gesellschaftliche
Systemgeschichte: |
Anfang
des 20. Jahrhunderts hatten die USA im Zuge ihrer
„Dollarimperialismuspolitik“ ein Interesse and der
„Kanalzone“. Kolumbien weigerte sich diese Zone an die USA, zum
Bau des Panamakanals, abzutreten, woraufhin die USA eine Revolution
inszenierten und sich der neue Staat Panama bildete. Dies geschah am
3. November 1903. (Nationalfeiertag) Durch
die ständige Präsenz von US Amerikanern ist die Gesellschaft stark
westlich geprägt. |
|
|
Geschichte
der Rolle des Landes im Welthandel
/ welche Abhängigkeiten
bestanden bzw. bestehen da jeweils? |
Beitrag der Landwirtschaft
zum BSP: Die Angaben zur Entwicklung des Agrarsektors in den letzten
Dekaden zeigen, daß die Bedeutung seit den 50er Jahren rückläufig
war. Seit 1987 ist jedoch der Anteil des Agrarsektors am
Bruttosozialprodukt von 10,88% auf 14,6% im Jahre 1999 gestiegen. Der Tourismus
hat in den 90er Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Etwa 1 Mio
Touristen strömen jährlich in das Land und tragen mit 890 Mio US
Dollar (1999) fast mit einem Sechstel zum Bruttosozialprodukt bei. Die politische Krise, die durch den Rücktritt Fujimoris eingeleitet wurde, hatte verheerende Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes: die Staatsausgaben stagnierten, die Inlandsproduktion ging zurück, das Vertrauen des Auslandskapitals schwand und Anlagen in der peruanischen Börse wurden zurückgezogen. Nach der Wahl Toledos reagierten wichtige Indikatoren -Wechselkurs, Börsenindizes, Werte peruanischer Papiere (Bradys)- positiv. Die Bestätigung Kuczynskis als künftiger Manager der peruanischen Wirtschaftspolitik werten die Beobachter ebenfalls als vertrauensbildend. Die niedrige Inflation für das Jahr 2001, die Stabilität der peruanischen Währung sowie das erfolgreiche Plazieren einer Staatsanleihe in der Grössenordnung von 500 Mio US $ in den internationalen Märkten bestätigen die Konsolidierung der positiven Wirtschaftsentwicklung.. Die regionale Integration: Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela und Perú haben einen neuen Anlauf genommen, ihre Länder wirtschaftlich und politisch enger in der Andengemeinschaft zu integrieren. Ihre Beziehungen zu anderen regionalen Zusammenschlüssen -wie der Mercosur- sollen auch intensiviert werden. Dies sind die Vorbedingungen für die Schaffung einer lateinamerikanischen Freihandelszone ALCA im Jahr 2005. Die
Entwicklungszusammenarbeit: Die Politik und Schwerpunkte der
Entwicklungszusammenarbeit auf peruanischer Seite obliegen dem SECTI,
einem direkt vom Präsidenten des Regierungsrates abhängigen
Sekretariat. |
|
|
Wie/durch
welche landesseitige und fremdstaatliche Politik wurden bzw. werden
diese Abhängigkeiten geschaffen und aufrecht erhalten? |
||
|
Welche
Versuche gab bzw. gibt es, solche Abhängigkeiten abzuschütteln?
- mit welchem
Erfolg? |
Die
Außenpolitik: Am 26. Oktober 1998 wurde das Friedensabkommen
zwischen Perú und Ecuador unterzeichnet, das einen Schlußstrich
unter den 50 Jahre lang anhaltenden Grenzkonflikt zieht und der noch
1995 zu einem Grenzkrieg eskalierte. Am 15.05.1999 wurde die
Grenzziehung beendet. Am 13. November 1999 unterschrieben die Außenminister
Perús und Chiles eine Vereinbarung zur Ausführung von ausstehenden
Klauseln des Friedensvertrages von 1929, womit sich die Beziehungen
zwischen beiden Ländern auch normalisieren. |
|