©gabriele weis

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l-gvi.gif (5336 Byte)1.4.b2-fiktive biographie:

´HOHERPRIESTER PAINEFERNEFER´

 

 

Du lebst um das Jahr 1250 v.Chr. - im letzten jener insgesamt 3 Großreiche, die am Ende rund 2000 Jahre lang die Geschichte Altägyptens geprägt haben werden: zur Zeit des neuen Reiches, das von 1550 - 1085 v.Chr. dauerte.

 

Rund 15 Jahre jünger als Ramses, sorgst Du an der Spitze der Ammun-Priesterschaft Deines Landes nun bereits seit mehr als 20 Jahren für eine möglichst einvernehmliche Ausgestaltung jenes Machtbündnisses zwischen Hof und Tempel, das in der zweiten großen Blütezeit Eures Neuen Reiches neue Festigkeit gewonnen hat.

Nach den stürmischen Zeiten, die sich mit Echn-Atons Religions- und Staatsexperiment für Dein Land verbunden hatten, sorgt dieses Machtbündnis für inneren Frieden und eine gedeihliche Entwicklung der Wirtschaft entlang des Nil.

 

Zu den vorrangigen Aufgaben Deines hochpriesterlichen Amtes gehört die Organisation des religiösen Lebens in Deinem Lande.

Dir kommt es dabei auf die Bewahrung der groen Farbigkeit und Vielfalt des ägyptischen Götterhimmels ebenso sehr an wie darauf, daß Euer traditioneller Sonnenkult im Zentrum des Glaubenslebens Deines Volkes steht.

Du denkst, daß Echn-Aton vor rund 100 Jahren diesem Sonnenkult eine ganz neue, auch Dir seitdem wichtig gewordene Tiefe zu geben gewußt hat.

Die gleichzeitige Enge seines Denkens und die Kurzsichtigkeit seiner Politik rechtfertigen es Deiner Auffassung nach jedoch bis heute, daß sich Deine Amtsvorgänger mit aller Entschiedenheit gegen diesen Pharao gestellt hatten.

Du bist zutiefst davon überzeugt, daß die nun bald 2 Jahrtausende umfassende Blüte und Einmaligkeit der ägyptischen Kultur ohne die traditionelle Einbettung eines hochentwickelten Sonnen- und Ammun-Kultes in eine Unzahl von verehrungswürdigen Einzelgottheiten zum Untergang verurteilt wäre. - Denn Du hältst die so überaus sinnenfreudigen Menschen Deines Volkes in ihrer übergroßen Mehrzahl für überfordert, wenn man ihnen vorschlüge und abverlangte, sich alle göttlichen Wirkkräfte, die sie kennen und mit denen sie verehrend leben, ausschließlich in einer einzigen Urkraft zusammengeflossen zu denken.

 

Die größte religions- wie staats- wie wissenschaftspolitische Leistung der Ammun-Priesterschaft ist und bleibt deshalb in Deinen Augen die Verschmelzung des mit der Sonne in eins gesetzten Weltenschöpfers Re mit Ammun, dem Atem der Welt, zu einer neuen Gesamtgottheit mit einem Euer ganzes Denken und Erleben beflügelnden Spannweite von Kräften.

In dieser Verschmelzung stecken eingottreligiöse Einsichten, ohne daß durch sie bereits der Übergang zur Eingottreligion vollzogen wäre.

Der seit den Zeiten des Mittleren Reiches Euer Land und Volk durchdringende Ammun-Re-Kult stellt deshalb in Deinen Augen nach wie vor den unüberbietbaren Höhepunkt der religionsgeschichtlichen Entwicklung der Nilkultur dar.

Denn das Nachdenken über die Eigenschaften jener Kräfte, die Ihr in Ammun-Re mehr als in allen übrigen Gottheiten seit nunmehr 1000 Jahren anzubeten und zu verehren gelernt habt, war in Deinen Augen die wichtigste Grundlage für die bis heute sichtbaren Aktivitäten der Untertanen Pharaos zu Zeiten Eures Mittleren Reiches. - Ihr Gipfel: die Trockenlegung des Fayum-Sumpfgebietes unmittelbar südwestlich des Nildeltas wie die in die Höhe strebenden Tempelgräberbauten jener Jahrhunderte!

 

Dabei hatten die großen Tempelwirtschaften mit ihren berühmten Schulen das Land am Nil immer wieder entscheidend auch wirtschaftlich vorangebracht.

Keine andere Priesterschaft im Lande verfügte über ein vergleichbares, weil jahrhundertelang eingespieltes Informationssystem, keine über Bibliotheken, die sich mit denen der Ammun-Tempel messen konnten!

Und da hatte dieser Echn-Aton sich auf die Vorstellung versteift, er könne in Konkurrenz zu dieser ehrwürdigen Wissensmächtigkeit der Priester Ammun-Res aus ein paar Abtrünnigen eine neue, ähnlich kraftvolle Priesterschaft entstehen lassen, die dem Land die Verehrung Atons als des einzigen Gottes einsichtig zu machen vermocht hätte?

Nichts als abenteuerlich! Ein Abenteuer, über dem das Wissen und die Weisheit Eurer Flußkultur unweigerlich wie Sand zwischen den Fingern Deines Volkes zerronnen wären! - Davon bist Du trotz allen Fasziniertseins durch Echn-Atons Denkansätze zutiefst überzeugt.

 

 

Nichts stört seit Jahren das Einvernehmen zwischen Ramses II., seinem Großwesir Mephres und Dir in der Beurteilung der Geschichte Eurer Kultur und der Aufgaben, die namentlich Ihr drei zum Wohle des 3. Großreichs auf ägyptischem Boden zu bewältigen habt.

Die auch familiären Bindungen, die zwischen Euch bestehen, sind zumeist im Reinen. So haben es alle wohlwollend aufgenommen, daß der Erpater (=Thronfolger) sich für Deine Tochter Nikotris interessierte. - Beide haben vor 4 JAhren geheiratet, sind aber bisher zu Euer aller Betrübnis kinderlos geblieben. Während der letzten beiden Monate war die ganze Kunst Eurer berühmtesten Ärzte erforderlich gewesen, um das Leben des etwas kränklichen jungen Mannes zu erhalten.

 

Es gibt vereinzelte Mahner in der Hofgesellschaft, in der Du häufig verkehrst, die sich um die Zukunft Eures im Augenblick so blühenden Landes sorgen:

Daß es seit Jahren schon kaum Konfliktstoff zwischen den verschiedenen Machtzentren innerhalb Deines Landes gebe, sei keineswegs selbstverständlich...

... Es habe vorwiegend mit dem Glücksfall zu tun, daß die drei wichtigsten Ämter im Augenblick so besetzt seien, daß die Amtsinhaber sich außergewöhnlich gut verstünden und entsprechend zusammenspielten.

Sobald das einmal nicht mehr der Fall sein würde, stünde das Reich einmal mehr vor einem, Deinem Volk sattsam bekannten, gefährlich Machtkampf zwischen Priestern und Pharaonen. - Vieles hänge da von der außenpolitischen Lage ab.

Du gibst ihnen im Grunde recht. Aber Du siehst auch, daß sich einer solchen Situation nur begrenzt vorbeugen läßt...

 

Daß die Grundlage der Pharaonenmacht in so hohem Maße die Staatssklaverei ist, erscheint Dir als ein moralisches Problem, für das Du aber keine Lösung weißt, die tatsächlich umsetzbar erscheinen könnte.

 

 

Du stammst aus einer Familie, in der die Väter seit der Zeit der Thutmosiden, seit Anfang des Neuen Reiches also, von Generation zu Generation immer wieder mindestens einen ihrer Söhne für das Priesteramt bestimmt und entsprechend erzogen haben.

Das Amt des Obersten Priesters, das heute auf Deinen Schultern liegt, war just in den strümischen Zeiten Echn-Atons auf einen der aus Deiner Familie hervorggangenen Priester gefallen: auf Deinen Urgroßvater Pentuer.

Du erinnerst Dich noch gut an ihn. Oft hat er Dich zu sich gerufen in den für Dich nicht selten harten TAgen Deiner Tempelschulzeit, um Dich mit großem Ernst und ganz im Bewußtsein der Würde seines hohen Amtes zu belehren.

Der Kampf gegen Echn-Aton hatte ihn gebeugt und die Güte sowie den nicht selten auch heiteren Humor etwas in den Hintergrund treten lassen, mit der er besonders seine Tempelschüler sonst immer behandelt und zu faszinieren gewußt hatte.

Es war Dir unter diesen Bedingungen nicht schwer gefallen, auch für Dein Leben die Priesterlaufbahn einzuschlagen.

In jungen Jahren hat es Dich immer wieder zu den großen Tempelgräbern des Mittleren Reiches gezogen. Stundenlang bist Du durch die riesigen Anlagen gstreift, hast alles genau untersucht, Dich von Zeit zu Zeit aber auch einfach in eine stille Ecke gesetzt und den Ort auf Dich wirken lassen.

 

Dann kamen die ersten Jahre als Priester, geprägt vom regelmäßigen Wechsel zwischen Tempeldienst, Studium und der Einübung in erste Verwaltungsaufgaben.

Heute beginnst Du jeden Tag mit den dem Obersten Priester obliegenden rituellen Handlungen, den Rest der Zeit hast Du dafür zu sorgen, daß alle Zweige des denkbar breit gestreuten Aufgabenfeldes der Priesterschaft, der Du vorstehst, zweckdienlich wahrgenommen werden.

Sichtbar für das einfache Volk bist Du nur an den Tagen Eurer großen religiösen Feste.