1.6.a-MITTELMEERRAUM um 375 n.chr.
![]()
1.6.b5-fiktiver reisebrief-aus argentoratum
1.6.b4 fiktiver reisebrief:
´REISENDER ÄGYPTER KAINOFER´AUS KONSTANTINOPEL NACH ALEXANDRIA
Konstantinopel, den 17.6.375
Lieber Schwager,
Vor 14 Tagen sind Irunifer und ich wohlbehalten und voll unvergeßlicher Landschaftseindrücke hier im kaiserlichen Konstantinopel, der atemberaubendsten aller mir bekannten Städte, eingetroffen.
Kaum hatten wir uns auf den Planken des mächtigen Epheser Kauffahrteischiffs eingerichtet, das unser halbwüchsiger Reisebegleiter Paulus für uns organisiert hatte, waren wir zwar für kurze Zeit zu recht elenden Opfern des ungewohnt schwankenden Untergrundes geworden. Aber unsere Eingeweide hatten sich bald beruhigt. Danach zog uns die abwechselungreichste Landschaft, die Du Dir denken kannst, so vollständig in ihren Bann, daß Irunifer und ich uns nur selten ausdrücklich zu informieren suchten über die Lebensverhältnisse all der Menschen, deren Weg sich in diesen Reisewochen jeweils meist ganz punktuell mit dem unseren kreuzte.
Manchmal machte uns zwar das Aprilwetter einigermaßen zu schaffen, aber die schnellen Stimmungwechsel, die ihm eigen sind, entschädigen für manche ungemütliche Windböe und für manchen Regenschauer.
Allenthalben überlagert mittlerweile deutlich die römische Stadtbaukultur die vereinzelt immer stärker verfallenden Zeugnisse der alten griechischen Poliskultur. Diese hatte sich seit dem 3. vorchristlichen Jahrhundrt mischkulturell verändert durch die hellenistische Kultur der vorderasiatischen Diadochenreiche.
Ephesus, unser einziger größerer Zwischenhalt, dokumentiert diese in vielen Jahrhunderten gewachsene Baugeschichte unserer alten Welt in besonders beeindruckender Weise.
Als Gründung aus mykenischer Zeit (um 1500 v.Chr.) wurde es seit dem 4. vorchristlicen Jahrhundert weithin berühmt durch seinen nordöstlich der Stadt gelegenen Artemistempel: 133 m lang und 69 m breit mit 128 Säulen in ionischer Ordnung, jede 19 m hoch. 370 v.Chr. gebaut, bereits 356 v.Chr. durch Herostratos in Brand gesteckt und durch Alexander des Großen Baumeister Deinokrates prächtiger als zuvor wieder aufgebaut - 262 n.Chr. von den Goten erneut niedergebrannt ... und seither ein schwaches Abbild seiner einstigen Pracht, hatte das Artemision lange Zeit das Zentrum des in ganz Kleinasien weit verbreiteten Artemiskultes gebildet.
Die Römer haben hier einen ihrer 9 kleinasiatischen Gerichtbezirke eingerichtet.
Mit der christlichen Misssionsgeschichte um den Apostel Johannes und den Heidenmissionar Paulus ist Ephesos als eine der größten Christengemeinden des Ostens aufs Engste verknüpft.
Das Epheser Kauffahrteischiff, das uns in Antiochia an Bord genommen hatte, erwies sich als eines aus einer größeren Handelsflotte, die einer der bedeutenden Epheser Kaufleute offenbar im gesamten östlichen Mittelmeer einschließlich des Schwarzmeergebietes bis hinauf in die Ukraine im Einsatz hat. - Herakleitos heißt er.
In Ephesos stieg er persönlich zu, um in Konstantinopel Verhandlungen mit dem Kaiserhof über dessen Preisdiktate aufzunehmen.
Denn zumindest für alle von den kaiserichen Verwaltungen in Rom und Konstantinopel nachgefragten Waren sind die Preise seit den Zeiten Diokletians, seit Jahrhundertbeginn also, wie Du weißt, festgeschrieben.
Wer immer in den beiden Hauptstädten Handel treiben will, ist überdies gezwungen, einen Teil seiner Waren an die Reichsverwaltung oder den Hof selbst zu verkaufen - zu Preisen, die der Hof bestimmt!
Festgeschriebene Preise jedoch und eine gerade in den letzten Jahren wieder einmal deutlich nach oben geschraubte Steuerlast für jeden einzelnen, das könne auf die Dauer nicht gut gehen! Er, Herakleitos, wolle deshalb bei den entsprechenden Regierungsstellen mit Nachdruck vorsprechen.
Das Imperum werde immer weniger der zur Reichsverteidigung benötigten zusätzlichen Steuergelder in seine Hände bekommen, wenn es nicht endlich das Ruder seiner Wirtschaftspolitik radikal herumwerfe. So wollte Herakleitos in Konstantinopel argumentieren.
Zum einen nämlich gehe die Bevölkerung nicht erste seit heute stetig zurück. Die immer gringeren Verdienstspannen in Landwirtschaft und Gewerbe infolge der festgeschriebenen Preise und der steigenden Steuern sorgten darüber hinaus für einen gefährlichen Verfall der Arbeitsbreitschaft. Beide Entwicklungen führten unweigerlich zu einem Rückgang der Produktion.
Wo aber nur noch vergleichsweise wenig produziert werde, versiege logischerweise die Kraft, hohe Steuern zu zahlen, in gefährlichem Maße.
Die Preise müßten endlich wieder an die gewachsenen Steuerlasten angepaßt, am besten sogar ganz freigegeben werden!
Außerdem sei es auf Dauer für den inneren Zusammenhalt des Reiches außerordentlich gefährlich, wenn die Kaiser sich nicht endlich stärker um die wirtschaftliche Bedeutung ihrer beiden Hauptstädte kümmerten.
Rom und Italien lieferten der übrigen Reichsbevölkerung in wirtschaftlicher Hinsicht schon lange nichts mehr.
Auch in der zweiten Reichshauptstadt Konstantinopel lebten keine überregional bedeutsamen Produzenten - zumindest nicht in jenem Masssengüterbereich, der einst das Wirtschaftsleben zu Beginn des Kaiserreichs getragen hatte.
Immer noch zwar seien Rom und das neue Konstantinopel zwei der wichtigsten Anlaufstellen für den Handel zwischen Nordsee und Rotem Meer - aber im Grunde schon viel zu lange als reine Verbrauchermärkte.
Solange das Reich gewachsen war, hatte es so viele Bereicherungsmöglichkeiten gerade auch für die stadtrömische Bevölkerung gegeben, daß alle Güter wie von selbst ins Zentrum geflossen seien. Auf diese Weise hatten Rom und Italien einst sogar vor allem Wein, Olivenöl, die hochbegehrten Terra-Sigillata (=rot lasierte Tonwaren mit reichem Refiefschmuck) und Metallwaren in die Provinzen absetzen können.
Seit diese Bereicherungsmöglichkeiten fehlten - keine Kriegsbeute, kein kostenloser Sklavenzustrom mehr und schwindende Absatzgebiete für italische Waren in den wirtschaftlich immer selbständigeren Provinzen - seien Rom und Italien zu einem fast reinen Verbrauchergebiet geworden.
Eine geordnete Provinzverwaltung und die allmähliche Übernahme gewerblichen kow-hows durch die Provinzbevölkerung, die die von ihnen benötigten Fertigprodukte im Massengüterbereich (Wein, Öl, Textilien, Tonwaren, Metallaren, Schiffe) zunehmend selbst herstellten, hätten dafür gesorgt, daß das Römerreich inzwischen für Fertigprodukte im Massengüterbereich kein riesiger Binnenmarkt mehr sei. Nur Rohstoffe und Luxusgüter würden noch reichsweit gehandelt - das aber mit bis heute abnehmender Tendenz.
Auch die neue Reichshauptstadt des Ostens habe von allem Anfang an vorwiegend Bedeutng als Zwischenstadtion im reichsweiten Rohstoffhandel besessen. Die dortige Wirtschaft habe sich ausschließlich in völliger Abhängigkeit vom Kaiserhof entwickeln können - eine zu schmale Grundlage, um zu einer Produktionsstätte von überregionaler Bedeutung aufzusteigen.
Die unmittelbar selbst erarbeitete Kaufkraft der Bevölkerung beruhe hier mittlerweile fast nur noch auf einem rein innerstädtisch produzierenden Gewerbe mit geringen Gewinnspannen. Sie bleibe also bescheiden.
Die andere Hälfte der Hauptstadtbevölkerungen lebe von Steuergeldern und ehrenamtlich aufgebrachten Versorgungsleistungen - entweder als nach wie vor gut bezahlte kaiserliche Beamte oder Prätorianer oder aber größtenteils als weithin beschäftigungslose Proletartier, deren Versorgung durch Brot und Spiele der Kaiserhof zusammen mit der stadtsässigen Nobilität seit Jahrhunderten gewährleiste. Nur der kleinere, nicht proletarische Teil dieser Steuergeldverzehrer verfüge also über eine Kaufkraft, die hoch genug sei, den überregion alen Handel wenigstens mit Rohstoffen und Luxusgütern am Leben zu erhalten.
Der wirtschaftliche Verfall des Imperiums sei jedenfalls auf Dauer nicht aufzuhalten, wenn in seinem Zentrum weiterhin wirtschaftlicher Leerlauf herrsche!
Er, Herakleitos, wolle sich deshalb zum Fürsprecher einer Außenpolitik in Kombination mit einer neuen Preispolitik machen, die in dieser Hinsicht zumindest im konstantinopolitanischen Bereich neue Impulse setzen könnte.
Seiner Vorstellung zufolge sollten die Kaiser in erheblich anderem Maße als bisher mit einer weitsichtigen Ansiedlungspolitik auf den Zuwanderngsdruck reagieren, der seit geraumer Zeit in den Grenzen des Reiches für immer gefährlicher militärische Auseinandersetzungen sorgte.
Entschlösse man sich beipielsweise, die Goten im Balkanraum anzusiedeln, käme Bewegung in die regionalen Wirtschaftsräume des nordöstlichen Imperiums, es entstünden neue Absatzgebiete für ein geschickt die neuen Marktbedingungen nutzendes kostantinopolitanisches Stadtgewerbe.
Das sei dann vielleicht der erste Schritt dazu, die heute weitgehend getrennten Teilmärkte wieder zu einem lebendigen großen Binnenmarkt zusammenzuschmelzen.
So jedenfalls des Herakleitos Traum von Wegen zur Besserung der Zustände.
Nach unseren Gesprächen mit diesem zornig-entschlossen seine Ideen erläuternden Zeitgenossen waren Irunifer und ich mehr als gespannt auf die Stimmungen und Lageeinschätzungen in den verschiedenen Teilen der Konstantinopolitaner Bevölkerung.
Die Stadt liegt unvergleichlich schön am südöstlichen Rand der europäischen Küste, dort, wo diese auf die Meerenge des Bosporus zuläuft. Amphitheatralisch erhebt sie sich auf der dreieckigen Landzunge, die im Norden von einer kanggezognen schmalen Bucht, dem Goldenen Horn, und im Süden vom Marmarameer umschlossen ist.
Dieses Konstantinopel ist nach wenigen Jahrzehnten bereits eine Riesenstadt von der Größe Antiochias etwa oder Roms. Hier hatten die Kaiser seit einem halben Jahrhundert einen beträchtlichen Teil der Steuereinnahmen verbaut.
Irunifer und ich konnten uns gar nicht sattsehen an dem Anblick, den der von der Abendsonne wie vergoldete Stadtkoloß bot, als wir uns ihm über das Marmarameer näherten.
Im Kontosklalion-Hafen war des Herakleitos Schiff schließlich vor Anker gegangen. Unsere Wege trennten sich. Herakleitos würde bei einem seiner Konstantinopolitaner Geschäftspartner Wohnung nehmen.
Unser antiochianischer junger Freund und Reisegefährte Paulus hatte, während wir beide noch ganz die Atmosphäre des wohlausgebauten Hafens mit seinem bunten Treiben auf uns wirken ließen, rasch erkundet, wie wir am günstigsten zur Taverne seiner hiesigen Verwandten gelangen konnten.
Einmal mehr verließen Irunifer und ich uns ganz auf das Organisationstalent des Jungen, der überaus stolz darauf war, uns zu zeigen, wie frei und kundig er sich in einer ihm fremden Umgebung zurechtzufindn wisse.
Unweit des riesigen Hippodroms waren wir dann am Ziel.
Probus und Aurelia erwarteten ihren Neffen schon sehnsüchtig. Das letzte Mal hatten sie ihn anläßlich der Taufe seines jüngsten Bruders vor vier Jahren gesehen, zu der sie eigens nach Antiochia gereist waren. Sie selbst waren zu ihrem großen Kummer kinderlos geblieben.
Es ist ein großes Gasthaus, das die beiden hier in fast unmittelbarer Nachbarschaft zum kaiserlichen Hof betreiben.
Vor allem mittlere Verwaltungsbeamte und Legionsoffiziere mit ihren Stäben und Burschen verkehren hier neben dem buntesten Reisevolk, das man sich denken kann: Besucher aus allen Teilen des Reiches, die entweder die Neugier und die Muße, die ihnen ihr Reichtum verschafft , in die neue Kaiserstadt ziehen oder auch ein persönliches oder allgemeinpolitisches Anliegen, dem sie am Hofe Geltung zu verschaffen hoffen. Andere kommen auf kaiserlichen Befehl hierher, um Rechenschaft abzulegen oder eine neue Aufgabe zugeteilt zu erhalten. Allerlei kleine und größere Kauffahrer und Seeleute ergänzen das Publikum.
Wie unendlich unterschied sich damit doch die auskömmliche Konstantinopolitaner Gastwirtsexistenz dieser Beiden von der mehr als bescheidenen Jerusalemer Herberge Magdalenas!
In den ersten Tagen nach unserer Ankunft galt unser vorrangiges Interesse natürlich zunächst einmal dem äußeren Erscheinungsbild der sich sichtlich anspruchsvoll präsentierenden Stadt.
Unermüdlich durchstreiften wir die zumeist engen, aber gut kanalisierten Gassen, deren beeindruckende Wasserversorgung auf einem gepflegten Zisternensystem im bergigen Westen Konstantinopels beruht.
Als sichtbarstes Zeichen des über die Jahrhunderte weiterentwickelten städetbaulichen Organisationstalentes der Römer schiebt sich in den Blck jedes die prachtvolle Hauptstraße Abschreitenden, Reitenden oder Fahrenden der erst vor wenigen Jahren fertiggestellte riesige Aquädukt des derzeit den Osten des Imperiums verwaltenden Kaisers Valens.
Auch die kaiserlichen Bauten am Ausgangspunkt dieser zentralen Prachtstrße, die die Ost-West-Achse der Stadt bildet - Mese genannt - sind ganz nach römischem Vorbild errichtet.
Das Konstantins-Forum steht demgegenüber deutlich sichtbar einerseits im Dienste uralter römischer Regierungstraditionen, andererseits soll es die neue christliche Staatsidee zum Ausdruck bringen.
Die Säule in seinem Zentrum hatte Konstantin mit einer Apostelstatue krönen lassen, deren Haupt durch einen ihn selbst abbildenden Proträtkopf ersetzt worden war! Diese Statue trägt in ihrer rechten Hand ein Zepter und in der linken eine Kugel, die die Erde darstellen soll der alte Weltreichsanspruch des römschen Staatswesens also in neuem Gewande.
In den Fuß dieser mächtigen Säule aus sechs riesigen Porphyrtrommeln mit rundherum eingeschnittenen Lorbeerblättern hatte Konstantin Gegenstände, die mit dem neuen christlichen Glauben in Verbindung standen - sogenannte Reliquien - einmauern lassen: so die Axt, mit der Noah die Arche gebaut haben sollte, und das Nardenöl, von dem man sagte, Maria Magdalena habe damit die Füße Christi gesalbt. Der Kaiser hatte damit dem schon länger besonders im östlichen Mittelmeerrum üblichen Reliquienkult einen mächtigen Anstoß gegeben. Fortan brachte man Reliquien aus allen Teilen der christlichen Welt in diese Hauptstadt des christlich gewordenen Imperium Romanum. Sie ruhten in Kirchen, Heiligtümern und Schreinen, goldenen und silbernen Behältnissen aller Art, verziert mit Edelsteinen, oft in Seide gehüllt.
Bis heute finden sich im ganzen Stadtgebiebt errichtet: 2 Theater, 8 öffetliche und 153 private Bäder, 52 Kirchen, 14 Paläste und fast 5000 Häuser von nennenswerter Größe. Sie ergeben ein faszinierendes Stadtbild.
Oft sind die Häuser der Reichen flankiert von den bescheidneren Behausungen der Mittelschicht und von den dürftigen Unterkünften der Armen.
Während die Reichen sich der Straße zu durch fensterlose Steinwände abzuschotten pflegen und Licht und Erholung aus aufs Prächtigste gegliederten Innenhöfen beziehen, lebt der Mittelstand hier zumeist in zweistöckigen balkongeschmückten Holzhäusern, die den zu einem vorwiegend häuslichen Leben angehaltenen Frauen und Mädchen wenigstens als Zuschauerinnen Anteil am bunten Leben der Straße verschaffen. Die Mietunterkünfte der Ärmeren sind dagegen bis in die Keller hinein bewohnt und in der Regel überbelegt.
Eine solche Mischbebauung wie hier haben Irunifer und ich noch nirgendwo angetroffen. Auf diese Weise haben alle Stadtviertel einen ähnlichen Zuschnitt - keines entfaltet so recht den unverwechselbaren Charme, der zustandekommt, wenn Menschen mit vergleichbarem Einkommen und entsprechenden Lebenstraditionen dem Viertel, in dem sie bevorzugt zusammenwohnen, ihren Stempel aufdrücken.
Die Mischbebauung dieser Kaiserstadt mag ihrer wie wohl nirgends sonst in kürzester Zeit zusammengewürfelten Bevölkerung entsprechen: Kapadokier und Phrygier, Bulgaren und turbantragende Perser, Juden aus Palästina und Syrer aus Damaskus, Illyrer, Armenier und Goten, schließlich natürlich auch Griechen bilden die in der überkommenen griechisch-römischen Stadtkultur nur noch begrenzt verwurzelte Einwohnerschaft. Diese wächst offenbar ständig - der enormen Versorgungsvorteile wegen, die die Hauptstadt bietet.
Das neue Rom, wie Konstantin seine Gründung genannt hatte, birgt zudem eine unvergleichliche Zahl aus dem gesamten Imperium zusammengetragener Kunstschätze - unter ihnen Meisterwerke wie der sogenannte kalydonische Eber oder die bronzene Schlangensäule aus Delphi, die an den einstigen Sieg der griechichen Poleis über die Perser im 4. vorchristlichen Jahrhundert erinnert.
Daneben prägen riesige Basilikenkirchen in ganz bewußter Deutlichkeit das Bild dieser Stadt. Eine immer weiter verfeinerte Kuppelbauweise bestimmt das Bild. An ihrer bedeutendsten, der Hagia Sophia, wird noch immer gebaut. Eine der mächtigsten Kuppeln römischer Baukunst soll sie einst zieren.
Weit im Westen des Stadtgebietes, unweit der dortigen konstantinischen Stadtmauer, erhebt sich am Rande der Straße die Apostelkirche, einer der Lieblingsbauten Konstantins: 12 symbolische Apostelgräber hatte der erste christliche Kaiser hier errichten lassen und ein dreizehntes dazu: sein eigenes. Als gleichrangig mit den Aposteln solle jeder die Kaiser fortan begreifen!
Das Gasthaus, in dem wir, vermittelt durch unsere Antiochianer Reisebekanntschaft, nun untergekommen sind, gedeiht in dem sehr eigentümlichen Klima der Stadt besser als die meisten der produzierenden Gewerbebetriebe in seinem Umfeld, seit der erste große Bauboom vorbei ist.
Das kinderlos gebliebene Gastwirtsehepaar hat eine unübersehbare Freude daran, den allseits geschätzten Mittelpunkt einer ausgedehnten und bunten Stammkundschaft zu bilden.
Ursprünglich aus einer auf der Insel Rhodos beheimateten Proletarierfamilie stammend, hatte Probus sich in frühen Jahren zunächst als Schiffsjunge ein Auskommen verschafft, war dann in ein Antiochianer Handelskontor eingetreten, hatte Aurelia kennengelernt und geheiratet und sich in der Folgezeit wieder von Rhodos aus im Auftrage seines antiochianischen Handelsherrn ganz dem Weinhandel gewidmet gehabt. Als dann aber die Kinder ausblieben, hatte Aurelia ihn gedrängt, mit ihr gemeinsam noch einmal den Beruf zu wechseln: eine Gastwirtschaft wäre das Richtige für sie beide, dann habe sie endlich eine Aufgabe. In der neuen Hautstadt müsse man dergleichen versuchen. Es wäre doch gelacht, wenn sie der Konkurrenz der dortigen Gastwirte nicht die Stirn bieten könnten. Solange die Stadt Kaiserstadt sei, habe jeder Wirt, der etwas zu bieten habe, in ihren Mauern ausgesorgt.
Phöbus hatte sich für die Pläne seiner Frau gewinnen lassen und es bis heute nicht bereut.
Inzwischen geboten beide einer Reihe von Mägden und Knechten, ehemaligen Sklaven zumeist, denen sie schon vor Jahren die Freiheit geschenkt hatten.
Anders als im übrigen Reich nämlich hatten die ewigen Grenzkämpfe zwischen Römern und Persern zuvorderst, aber auch die wiederholte Notwendigkeit kriegerischer Germanenabwehr den Sklavenanteil im Osten des Reiches wieder ein wenig anwachsen lassen. Sklaven waren also wieder günstiger als zwischenzeitig zu bekommen gewesen.
...
Dein X