BEARBEITER/IN: Vanessa Geib
DATUM: 4.5.2000
BIOGRAPHISCHE GRUNDDATEN:
Kolumbus, Christoph (italienisch Cristoforo Colombo, spanisch Cristóbal Colón, 1451-1506), italienischer Seefahrer, der im Auftrag der spanischen Krone einen kürzeren Seeweg nach Asien erkunden sollte. Dabei landete er irrtümlich in der Karibik und "entdeckte" damit Mittelamerika für die westliche Welt.Kolumbus wurde in Genua geboren. Sein Vater war Weber, und wahrscheinlich hat auch er zu Anfang diesen Beruf ausgeübt. Die Anfänge seiner Karriere als Seefahrer sind unklar, aber der Stadtstaat von Genua hatte einen regen Hafen, und man nimmt an, dass Kolumbus schon früh als kaufmännischer Angestellter zur See fuhr.
Zwischen 1470 und 1480 unternahm er seine erste Handelsreise zur Insel Chios im Ägäischen Meer. 1476 segelte er mit mehreren Schiffen nach England. Vermutlich wurde die Flotte vor der portugiesischen Küste von Piraten überfallen. Kolumbus Schiff sank, doch er konnte sich retten und kam bis nach Lissabon. Dort ließ er sich nieder und heiratete 1479 die Tochter des Gouverneurs der Insel Porto Santo (nordöstlich von Madeira). Diego Kolumbus, das einzige Kind aus der Ehe, wurde 1480 geboren. Sein Bruder Bartholomäus arbeitete in Lissabon bereits als Kartograph.
Um 1486 traf der inzwischen verwitwete Kolumbus Beatriz Enriquez, die seine zweite Frau und Mutter seines zweiten Sohnes mit Namen Ferdinand Kolumbus wurde.
Von 1492 bis 1506 machte er vier Reisen (siehe Leistungen/Fehlschläge) bei der letzten "entdeckte" er Amerika.
Er starb vergessen am 20. Mai 1506 in Valladolid. Seine sterblichen Überreste wurden in Sevilla beigesetzt, dann zunächst nach Santo Domingo, später nach Habana (Cuba) überführt, bevor sie schließlich 1899 in Sevilla ihre letzte Ruhestätte fanden.
ARBEITSGEBIETE + ANLIEGEN:
Kolumbus wurde stark von Theorien und Erkenntnissen aus der Antike inspiriert, besonders denen von Aristoteles, Seneca und Strabo. Seit den Pythagoreern waren die Griechen der Ansicht, dass die Erde eine Kugel sei; im Mittelalter hatte man allerdings die Vorstellung von der Erde als eine flache Scheibe mit einem einzigen, von Meer umgebenen Kontinent. Kolumbus hatte die Idee, Indien statt auf dem langen und gefährlichen Seeweg rund um Afrika auch über das Meer nach Westen zu erreichen, welches Europa und Asien verband.
Großen Einfluss hatte auch der ital. Astronom, Paolo Toscanelli, der berechnete, dass die Erde um ein Viertel kleiner war als angenommen und größtenteils aus Land bestand, dementsprechend sollte auch die Entfernung zwischen Europa und Asien und damit der geplante neue Seeweg deutlich kürzer sein, was für den Handel Vorteile versprach. Nach intensivem Kartenstudium legte Kolumbus einen Vorschlag für seine Route nach Westen fest, stellte diesen 1484 Johann II., König von Portugal, vor und bat ihn, die westliche Überquerung des Atlantiks zu unterstützen. Seine Bitte wurde jedoch von der königlichen Schifffahrtskommission abgelehnt, teils aufgrund seiner Fehlberechnungen, teils weil portugiesische Schiffe bereits auf dem Weg waren, einen Seeweg nach Asien durch die Umsegelung Afrikas zu finden.
Kurz danach begab sich Kolumbus nach Spanien, wo seine Pläne von mehreren einflussreichen Männern gefördert wurden. 1486 erreichte er eine Audienz bei Isabella I., Königin von Kastilien. Ähnlich wie in Portugal wurde auch in Spanien sein Plan von einer königlichen Kommission abgewiesen. Kolumbus gab jedoch nicht auf, und im April 1492 wurde seine Hartnäckigkeit belohnt: Ferdinand V., König von Kastilien, und Königin Isabella stimmten zu, die geplante Expedition zu finanzieren. In dem unterzeichnete Vertrag stand, dass Kolumbus Vizekönig aller Gebiete werden sollte, die er entdeckte; weiterhin umfasste das Abkommen den Aufstieg in den erblichen Adelsstand eines Großadmirals sowie die Zusicherung eines Zehntels aller wertvollen Metalle, die in dem neuen Gebiet zu finden seien.
LEISTUNGEN + FEHLSCHLÄGE:
DIE ERSTE REISE
Die Expedition bestand aus dem Hauptschiff Santa María, das Kolumbus Kommando unterlag, und zwei kleineren Karavellen, die von Martín Alonzo Pinzón und dessen Bruder Vicente Yáñez Pinzón befehligt wurden. Die Flotte segelte am 3. August 1492 von Palos de la Frontera (Spanien, bei Huelva) aus los, mit einer Besatzung von 90 Mann.Am Abend des 12. Oktober kam Land in Sicht, und früh am nächsten Morgen landete die Expedition auf einer der Bahamas-Inseln, die von den dort lebenden Indianern Guanahaní genannt wurde. Kolumbus erhob für die spanische Krone den Besitzanspruch auf die Insel und taufte sie in San Salvador um (neuere Forschungen legen nahe, dass es sich bei der Insel eher um Samana Cay handelte). Weitere Landungen in den nächsten Wochen fanden auf Kuba, das Kolumbus zu Ehren der spanischen Prinzessin Juana nannte, und in Haïti auf Española (das spätere Hispaniola) statt. Nach Ansicht von Kolumbus lagen all diese Inseln in den Gewässern vor der Küste Ostasiens.
Im Dezember erlitt die Santa María vor der Küste von Española Schiffbruch. La Navidad, ein Fort, wurde als erster Stützpunkt notdürftig aus den Trümmern des Schiffes erbaut und erhielt weniger als 40 Mann Besatzung. Die beiden kleineren Schiffe begannen im Januar 1493 mit Kolumbus ihre Heimreise und legten im März nach einigen Stürmen wieder in Palos an. Er wurde vom spanischen König begeistert empfangen und die vertraglichen Vereinbarungen wurden ihm erneut zugesichert.
DIE ZWEITE REISE
Kolumbus traf sofort Vorbereitungen für eine zweite Expedition, die im September 1493 mit 17 Schiffen und etwa 1 500 Mann Besatzung Spanien verließ. Sie landeten auf den karibischen Inseln Dominica, Guadeloupe und Antigua. Am 27. November ankerten die Schiffe in Española und sie stellten fest, dass das Fort zerstört und die Männer getötet worden waren. Kolumbus überließ die Ruinen sich selbst.
Nahe dem heutigen Kap Isabella (Dominikanische Republik) gründete er die Kolonie Isabella, die erste Niederlassung von Europäern in der Neuen Welt. Im Frühjahr 1494 verließ er die Kolonie, um die Küste von Kuba zu erkunden (siehe Bordbuch.doc), das Kolumbus zum asiatischen Festland rechnete. Weitere Erkundungsfahrten betrafen Jamaika und Puerto Rico.
Bei seiner Rückkehr nach Isabella am 29. September hatte sich ein tiefer Streit unter den Kolonisten und der Mannschaft entfacht. Kolumbus besiegte die Indianer auf einem Feldzug im März 1495 und verschiffte eine große Zahl von ihnen nach Spanien, um sie dort als Sklaven zu verkaufen. Königin Isabella lehnte dies jedoch ab, und die Überlebenden wurden zurückgesandt. Im Oktober 1495 kam eine königliche Untersuchungs- und Aufsichtskommission in Isabella an. Da diese seiner Politik kritisch gegenüberstand, gründete Kolumbus eine neue Hauptstadt mit Namen Santo Domingo, überließ seinem Bruder Bartholomäus das Kommando und brach nach Spanien auf. Er erstattete Ferdinand und Isabella persönlich Bericht, die daraufhin die Kommission entließen. Sie versprachen außerdem, eine neue Flotte zu unterstützen. Da das ganze Unternehmen bisher jedoch nicht den erhofften raschen Gewinn erzielte, dauerte es annähernd zwei Jahre, bis acht Schiffe erneut in See stechen konnten.
DIE DRITTE REISE
Kolumbus startete am 30. Mai 1498 zu seiner dritten Reise. Seine ersten Stationen waren die "Insel mit den drei Spitzen", die er Trinidad (nach Trinität: heilige Dreieinigkeit) nannte, sowie das heutige Venezuela. Nachdem er die Küste entlanggekreuzt war, segelte er in den Golf von Paria und führte in der Mündung des Orinoco eine Gruppe an Land. In sein Logbuch notierte er, dass er eine den Europäern unbekannte "Neue Welt" gefunden habe. Dann fuhr er weiter und landete schließlich wieder auf Española.
Bei seiner Ankunft am 31. August fand er einen Aufstand der Kolonie gegen seinen Bruder vor. Er beruhigte die Rebellen und verstärkte die Suche nach Gold. Währenddessen konnten seine Feinde in Spanien das Königshaus davon überzeugen, dass Española einen neuen Gouverneur brauchte. Im Mai 1499 setzte der König Kolumbus ab und schickte Francisco de Bobadilla los um Kolumbus und dessen Bruder Bartholomäus in Ketten zu legen und nach Spanien zurückzuschicken. Das Königspaar begnadigte die beiden Männer weigerte sich aber, Kolumbus in sein altes Amt wieder einzusetzen. Bobadilla wurde jedoch als Gouverneur durch Nicolás de Ovando ersetzt.
Obwohl Kolumbus immer noch die Unterstützung des Königs für eine vierte Reise bekam, um eine Westpassage nach Asien zu suchen, wurden ihm nur vier Schiffe zur Verfügung gestellt, die sich in schlechtem Zustand befanden. Außerdem verbot er ihm Española anzulaufen.
DIE VIERTE REISE
Seine letzte Expedition startete er im Mai 1502 von Cádiz (Spanien) aus. Als sie nach nur 21 Tagen Überfahrt vor Santo Domingo ankamen, verweigerte man den stark reparatur-bedürftigen Schiffen trotz eines kommenden Wirbelsturmes die Einfahrt in den Hafen. Der Sturm vernichtete eine Flotte, die auf dem Weg nach Spanien war und seine Gegner, darunter Bobadilla, an Bord hatte. Nur ein Schiff mit dem Gold von Kolumbus kam unversehrt im Heimathafen an.
Nach notdürftigen Reparaturen segelte Kolumbus durch die Gewässer vor Honduras und kreuzte dann fast sechs Monate lang südlich entlang der Küste Mittelamerikas auf der Suche nach der Westpassage. Hier hörte er von Indios, dass sich hinter seiner vermuteten Landenge ein Ozean befindet. Dann segelten sie zurück nach Spanien und kamen am 7. November in Sanlúcar de Barrameda an.
Kolumbus fuhr danach nie mehr zur See. Die letzten Monate seines Lebens war er sehr krank und versuchte von König Ferdinand eine Wiederherstellung seiner Privilegien zu erreichen obwohl Kolumbus zu dieser Zeit recht wohlhabend war. Kolumbus glaubte bis zu seinem Tod, Indien entdeckt zu haben. Er war zwar von der Kugelgestalt der Erde überzeugt und hatte alle nautischen Kenntnisse seiner Zeit, doch hatte er nicht damit gerechnet, dass es einen Kontinent zwischen Europa und Asien gibt.
BETEILIGT AN FOLGENDEN KONFLIKTEN, EREIGNISSEN UND ENTWICKLUNGEN:
-Die (unbewusste) Entdeckung Amerikas
// GEGNER
-König Johann II. und Königin Isabella I., lehnten seinen Antrag zur Ersten Reise ab
-Die Indianer am Kap Isabella, die einen Streit mit der Mannschaft hatten
-Die Kolonisten auf Española, die einen Aufstand gegen seinen Bruder machten
// MITSTREITER
-Ferdinand V., König von Kastilien, und Königin Isabella, stimmten nach Hartnäckigkeit seiner Reise zu
-Kolumbus Bruder, Bartholomäus
/// (STREITIGE) POSITIONEN:
-Kommandeur des Schiffes Santa María
-Gouverneur von Española
WIRKUNG:
Während er lebte bekam er nie entsprechende Anerkennung und erst nach seinem Tod wurde klar, dass er doch einen Kontinent entdeckt hatte und damit die gesamte Weltanschauung veränderte und den Grundstein für die Geschichte der Neuzeit gelegt hatte.
Quellen:
[Oceania-Homepage] [APSIS]
[Oceania-Editor: Hermann Mückler; © 1997
und
Encarta Enzyklopädie Plus 2000
ENTDECKUNGEN
DA GAMA
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