4.5.2. ÜBERBLICK ÜBER DIE MÄCHTEPOLITISCHE SITUATION EUROPAS IM 17. JHD.:
Auf der Wende zum 17. Jhd geht in England das große Elisabethanische Zeitalter zuende :
Spaniens Seeherrschaft ist englischerseits gebrochen,
England hat seine alten wirtschaftlichen Rückstände gegenüber dem Kontinent in beeindruckendem Maße aufgeholt...
... und ist im Begriff, den übrigen europäischen Mächten weltmachtpolitisch den Rang abzulaufen.
Die Niederlande kämpfen im Verlauf des gesamten 30jährigen Krieges (1618-1648) um ihre Souveränität als selbständiger Staat und in Rechnung zu stellende künftige Seemacht.
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation versinkt im 30jährigen Krieg (1618-48), ...
... aus dem es territorial...
... bevölkerungsgeschichtlich...
... wirtschaftlich ...
... und verfassungspolitisch extrem geschwächt hervorgeht.
An der Entwicklung hin zu europäischen Großmächten um es herum nimmt es nicht teil.
Einzelne seiner Territorien allerdings fassen eine eigene Großmachtstellung für sich ins Auge: Österreich und Preußen.
Spanien ist über demselben Krieg und der neu errungenen Selbständigkeit der neuen Seemacht Niederlande mächtepolitisch ebenfalls ins Hintertreffen geraten. Es nimmt an der nun einsetzenden europäischen Großmächteentwicklung ebenfalls nicht teil.
Frankreich dagegen hat den 30jährigen Krieg dazu nutzen können, seinen Hauptgegner, die Habsburger, entscheidend zu schwächen.
Es nutzt seine sich nun endlich zeitgemäß wechselseitig potenzierenden inneren und äußeren Vorteile für die Entwicklung der erfolgsgträchtigsten Staatskonzeption des 17. Und 18. Jhds. (des Absolutismus) ebenso wie für eine nun endlich eigene kraftvolle Kolonialpolitik.
Schwedens Gastspiel als europäische Großmacht seit dem 30jährigen Krieg und seinem Ausgreifen weit nach Rußland hinein bleibt befristet: Im ersten Viertel des 18. Jhds. setzt Rußland unter Peter dem Großen an, endlich seinerseits im europäischen Großmächtespiel mitzumischen (Nordischer Krieg 1821-25; Gründung Petersburgs)
Als der niederländische Unabhängigkeitskrieg am Ende des 30jährigen Krieges 1648 endlich zugunsten der neuen Generalstaaten entschieden ist...
... und als Spanien 1648 als einer der Hauptverfechter der ´katholischen Sache´ an der Seite der österreichischen Habsburger an der Spitze des deutschen Kaiserreiches ein Europa der Großmächte, wie es von nun an die Zukunft bestimmen wird, nicht hat verhindern können...
... ist nicht nur Spaniens Weltmachtrolle weitgehend ausgespielt...
... Spanien hat über seiner Verwicklung in den 30jährigen Krieg auf der Verliererseite auch die Chance verspielt, selbst eine der sich nun bewußt neuzeitlich organisierenden europäischen Großmächte zu werden, deren wachsende Rivalität die europäische Geschichte des 17. und 18. Jhds an zentraler Stelle ausmachen wird.