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 l-buch.jpg (1728 Byte)4.6.a   ABSOLUTISMUS /THEORIE : : :

  

 

Menschen- und Weltbild infolge der Erfahrung der sich rund 1 Jahrhundert hinziehenden Glaubenskriege im Europa des 16. + 17. Jhds.:

´Homo homini lupus´- Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

Dem Bewährungsauftrag, in dem die Menschen der christlichen Heilsgeschichtslehre zufolge stehen, läßt sich nur gerecht werden: 

wenn ihnen ein straffer Ordnungsrahmen gesetzt wird, der ihnen hilft, ihre Wolfsnatur zu bändigen.

 

Überdies entwickelt man die Vorstellung:

es gelte, sich darauf zu besinnen, daß die gesamte Schöpfung - Kosmos, Erde und Natur - von ihrem Schöpfer als höchster Autorität mit einer äußerst straffen Ordnung ausgestattet worden sei ...

...  einem denkbar rationalen (vernünftigen) Regelwerk innerer Gesetzmäßigkeiten, ...

... dessen systematischer und hierarchischer Bau Vorbild für jede politische Ordnung sein müsse - sofern diese sich der Aufgabe stelle, Spiegel der Größe des Schöpfers sein zu wollen, damit die heilsgeschichtliche Bewährung der Menschen auf Erden weiterhin möglich werde.

 

Die alte Universalismus-Idee wird als den Gesetzmäßigkeiten der Natur nicht wirklich entsprechend verworfen:

Außer Gott gebe es keinen ´Wolfsmonarchen´ als Über-Rudelführer über alle Wolfsrudel.

In der Natur gebe es also kein Vorbild für die Rolle des Kaisers als Schützer und Wahrer der gesamten abendländischen Christenheit - ebenso wenig wie für die entsprechende traditionelle Rolle des Papstes  (vgl.:  Augustinus:  Zweischwerterlehre).

Also sei jede Nation (= durch Abstammung, Sprache + Sitte zusammengehöriger Teil der Menschheit) Gott in seinem königlichen Repräsentanten über ein begrenztes Staatsgebiet unmittelbar verantwortlich.

Bossuet: Bodin:

 

 

Das Staatssystem des Absolutismus ist damit eine Sonderform religiös begründeter Herrschaftsformen .

Es stellt sich im Europa des 18. Jhds. auf neue Weise die Aufgabe, eine gottesherrschaftliche, also theokratische Ordnung auf Erden zu errichten ...

...- eine unter vielen, die im christlich-abendländischen Kulturkreis miteinander darum wetteifern, Gott durch die jeweils größtmögliche Macht und Blüte ihres jeweiligen Einzelstaates die größtmögliche Ehre zu erweisen.

Eine Universitas Christianorum wie im Mittelalter gibt es damit im neuzeitlichen Europa des 18. Jhds. ganz ausdrücklich nicht mehr als politische Größe.

 

 

Zur Umsetzung dieser Konzeption werden alle Formen traditioneller oder neuartiger Gewaltenteilung verworfen zugunsten einer Bündelung aller staatlichen Macht in der Hand des Monarchen als Gottes unmittelbarem Repräsentanten auf Erden.

Hobbes:

 

Als Herrschaftsinstrument schafft dieser sich einen allein von ihm abhängigen Staatsapparat mit 5 systematisch institutionalisierten Aufgabenbereichen:

 

 

- Aufgabenbereich/Säule 1: der grundlegend umorganisierte militärische: stehende Heere und planmäßige Festungsbauten erhöhen jetzt die außenpolitische Schlagkraft entscheidend.

 

- Aufgabenbereich/Säule 2: der ebenso grundlegend neu verfaßte Verwaltungsbereich: ein auf den König ausgerichtetes Berufsbeamtentum erleichtert den exekutiven Zugriff auf alle Bereiche des staatlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens.

 

- Aufgabenbereich/Säule 3: der großenteils dem Adel entzogene judikative Bereich

 

- Aufgabenbereich/Säule 4: der zu einer neuen Staatsaufgabe gemachten Bereich der Wirtschaftspolitik, ...

... die nun nach kaufmännischen Prinzipien organisiert ist, also einem Buchführungssystem unterworfen wird, ...

... Zollpolitik nicht mehr einfach nur nach Einnahmegesichtspunkten betreibt, sondern im Dienst gezielter Wirtschaftsförderung...

...  und schließlich selbst strukturpolitische Impulse setzt durch ´Landesausbau´und Manufakturerrichtung . (Colbert: Merkantilismus)

 

- Aufgabenbereich/Säule 5: der Erziehungs- und Konsensbildungsbereich, der der Kirche zugewiesen wird - sie verliert ihre eigenständige Lenkungsfunktion und wirkt von nun an als Dienerin des Staates

 

 

 

 

Die Gesellschaftspolitik des Absolutismus:

Das Staatsvolk hat sich dieser neuen staatlichen Ordnung voll und ganz zu unterwerfen, sich von ihr in Dienst nehmen zu lassen.

Aus Machtkalkül wird die alte ständisch-korporative Verfassung da beibehalten, wo es um Privilegien und Pflichten geht.

Politisch werden die Stände und Korporationen jedoch entmachtet. In politischer Hinsicht sind jetzt alle Untertanen, nicht mehr Personenverbandsglieder.

= Übernahme des alten statischen Stände-Modells - Standeszugehörigkeit durch Geburt

--- aber Umfunktionierung:

Aufgabe des alten politisch-wirtschaftlichen Aufgabenteilungsmodells, das der mittelalterlichen Ständeordnung zugrunde gelegen hatte.

Politische Entmachtung und gesellschaftliche Nivellierung des Adels durch bürgerlichen Ämter- und Titelkauf

Staatliche Weiterentwicklung frühkapitalistischer Produktionsformen (nach dem Verlagssystem nun Manufakturen; gemäßigte Stützung des Zunftwesens bei gemäßigter Zulassung des Störer- und Stümplertums)  -  weitere Stärkung des Bürgertums

Verstärkung der Finanzierungslasten des Systems für die Bauern vor allem (Kopfsteuer; neuer Amtsadel mit Abgabenansprüchen) - wachsende Teile der Bauernschaft werden zu Pächtern oder Landarbeitern

Leistung:   Kanalisierung der innergesellschaftlich seit der Renaissance und dem Übergang zu frühkapitalistischen Produktionsweisen gewachsenen Tendenz zu mehr gesellschaftlicher Mobilität - also Verlangsamung eines Prozesses, an dem das absolutistische Wirtschaftssystem selbst sogar gezielt, wenn auch mäßigend mitwirkt.

 

 

 

 

Die Wirtschaftspolitik des Absolutismus:

von Colbert, dem Wirtschaftsminister Ludwigs XIV. entworfen: Merkantilismus

Das Staatsziel: Entfaltung von äusserer Macht und innerer Blüte - verlangt Maßnahmen zur Organisation eines gesteigerten Wirtschaftswachstums,

denn der Staat hat zahlreiche neue Aufgaben zu bewältigen, entfaltet also einen gesteigerten Finanzbedarf

 

Dieser läßt sich nur bei immer intensiverem Wirtschaftswachstum als Grundlage für Steuer- und Zolleinnahmen decken

 

 

Erreichbar erscheint dieses Wirtschaftswachstum durch:

ein kaufmännisches (=merkantiles) Verhalten von Seiten des Staates - also Politik auf der gesicherten Grundlage eines sorgfältigen Überblicks über Einnahmen und Ausgaben

die Errichtung eines ausgeprägten Steuerwesens: neben die älteren indirekten Steuern tritt nun für den 3. Stand eine Kopfsteuer, die ´Taille´

eine Zollpolitik, die handelspolitischen Zielsetzungen unterworfen wird:

Der Rohstoffhandel wird in den Dienst des Fertigwarenhandels gestellt und zollpolitisch entsprechend reglementiert,

damit der lukrativere Fertigwarenhandel nicht den ausländischen Konkurrenten überlassen bleibt, auf diese Weise im Land selbst denkbar hohe Gewinne erzielt werden,

was eine höhere Besteuerung der Bevölkerung ermöglicht und damit eine zufriedenstellende Erfüllung der neuen Staatsaufgaben

eine Erweiterung des agrarischen wie des gewerblichen Sektors durch:

die Gewinnung neuer Anbauflächen + den Ausbau der Verkehrswege / = ´Landesausbau-Politik´(heute: Infrastrukturpolitik)

bevölkerungspolitische Maßnahmen zur Erweiterung des Arbeitskräftepotentials / = ´Peuplierungs-Politik´

die Einführung neuer Produktionsformen durch den Staat unmittelbar in der Rolle des Produzenten: die Entwicklung und den Ausbau eines ´Manufakturwesens´

Zulassen einer zunehmenden Auflösung der alten Leibeigenschaftsverhältnisse durch neue Pachtverhältnisse im Agrarsektor

gleichzeitig aber auch:

Schutz der alten zünftigen Arbeitsorganisation gegen eine zu ungestüm wachsende Konkurrenz aus dem außerzünftigen Verleger- und Störer-Handwerk

Aufrechterhaltung, sogar Erweiterung des alten Fronwesens in der Landwirtschaft

Gewährung des Steuerprivilegs für den 1. + 2. Stand