©gabriele weis

4.11.kolonialismus-industrialisierungzurück-pfeil.gif (2419 Byte) l-weiter.gif (2419 Byte)5.2.nationalstaatsgründungen

 zurück-pfeil.gif (2419 Byte) 5.1.  18./19.JHD-5:   ideologisches zeitalter-3: NATIONALSTAATSBEWEGUNG - KONSTITUTIONALISMUS - LIBERALISMUS – REPUBLIKANISMUS > DIE REVOLUTIONEN VON 1830 + 1848:

l-buch.jpg (1728 Byte)  REVOLUTIONSVERSUCHE  IM DEUTSCHEN BUND 1848

//a)  MÄRZEREIGNISSE:

 

 

 

Auswirkungen der Entwicklungen des Jahres 1848 in Frankreich:

 

 

 

Märzrevolution in D:

Im März 1848 bereits springt der revolutionäre Funke auch auf den Deutschen Bund mit seinen noch deutlich anderen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen über:

 

Es beginnt bereits Ende Februar in Baden mit einer Volksversammlung, die Pressefreiheit, Geschworene bei den Gerichten, Vereinsrecht, Volksbewaffnung und ein gesamtdeutsches Parlament statt des bisherigen Bundestages der Fürsten fordert ...  

Diese Bewegung wird in zahlreichen deutschen Teilstaaten von Berlin bis Wien lautstark aufgegriffen  -  Metternich muß fliehen...

 

 

Als die Situation in Berlin wegen plötzlich fallender Schüsse eskaliert und erbitterte Barrikadenkämpfe für einen Tag das Bild der Stadt prägen, muß der Preußenkönig sich sogar noch der Nationalstaatsforderung seiner Untertanen anschließen:  „Preußen geht fortan in Deutschland auf“ verkündet er bei der Ehrung der Gefallenen...

 König Friedrich Wilhelms IV. am 11.April 1847: 

Es ist Gottes Wohlgefallen gewesen, Preußen durch das Schwert groß zu machen, durch das Schwert des Krieges nach außen, durch das Schwert des Geistes nach innen ... Es drängt Mich zu der feierlichen Erklärung, daß es keiner Macht der Erde je gelingen soll, Mich zu bewegen, das natürliche, gerade bei uns durch eine innere Wahrheit so mächtig machende Verhältnis zwischen Fürst und Volk in ein ... konstitutionelles (verfassungsmäßiges) zu wandeln, und daß Ich es nun und nimmermehr zugeben werde, daß sich zwischen unserem Herrgott im Himmel und diesem Lande ein beschriebenes Blatt, gleichsam als eine zweite Vorsehung eindrängen um uns mit seinen Paragraphen zu regieren und durch sie die alte heilige Treue zu ersetzen.

 

 

König Friedrich Wilhelms IV.nach  der Märzrevolution 1848:

An mein Volk und an die deutsche Nation! ... Ich habe heute die alten deutschen Farben angenommen und Mich und Mein Volk unter das ehrwürdige Banner des deutschen Reiches gestellt.  Preußen geht fortan in Deutschland auf... Allgemeine Einfiihrung wahrer konstitutioneller Verfassungen, mit Verantwortlichkeit der Minister in allen Einzelstaaten ... werden allein solche sichere und innere Einheit bewirken und zu befestigen imstande sein.

 

 

... überall werden nun liberale Minister berufen und Territorialverfassungen in Aussicht gestellt...

 

Die revolutionären Ereignisse in D beschränken sich jedoch nicht auf ein einzelstaatliches Aufbegehren:  Es geht von vorne herein um mehr als um  einzelstaatliche Verfassungsreformen in Richtung liberalerer Staatsordnungen...

... es geht um einen deutschen Nationalstaat

... nicht als Zentralstaat wie in Frankreich oder England...

... sondern als Bundesstaat mit aktionsfähiger Zentrale auf der Basis liberaler Verfassungsgrundsätze  (Bürgerrechte und volkssouveräne Elemente/also eine konstitutionelle Monarchie für die einen  -  und Bürgerrechte und volle Volkssouveränität/also eine Republik für die anderen)

 

 

Schon 1818 hatte einer der bald führenden deutschen Revolutionäre an seinen Vater geschrieben:

 

Brief des Jurastudenten Heinrich von Gagern, Mitbegründer der Jenaer Burschenschaft von 1818, an seinen Vater.

 Wir wünschen, daß Deutschland als ein Land und das deutsche Volk als ein Volk angesehen werden könne.  So wie wir dies so sehr als möglich in der Wirklichkeit  wünschen, so zeigen wir dies in der Form unseres Burschenlebens.  Landsmannschaftliche Parteien sind verbannt, und wir leben in einer deutschen Burschenschaft, im Geiste als ein Volk, wie wir es in ganz Deutschland gerne in der Wirklichkeit täten ... Wir wünschen eine Verfassung für das Volk nach dem Zeitgeiste und nach der Aufldärung desselben, nicht daß jeder Fürst seinem Volke gibt, was er Lust hat und wie es seinem Privatinteresse dienlich ist.

Überhaupt wünschen wir, daß die Fürsten davon ausgehen und überzeugt sein möchten, daß sie des Landes wegen, nicht aber das Land ihretwegen existiere.  Die bestehende Meinung ist auch, daß überhaupt die Verfassung nicht von den einzelnen Staaten ausgehen solle, sondern daß die eigentlichen Grundzüge der deutschen Verfassung gemeinschaftlich sein sollten, ausgesprochen durch die deutsche Bundesversammlung.

 

Jetzt ist plötzlich Raum, in der Nationalstaatsfrage weiterzukommen.  Entsprechend entschieden werden die Forderungen nun formuliert:  bei entsprechender Gegenwehr sind die Demonstranten nun zum Gewalteinsatz bereit... 

Und:  fürstlicherseits stellt sich angesichts der Unruhen in weiten Teilen der Bevölkerung den nun endlich unternommenen konkreten Schritten in diese Richtung vorderhand niemand entgegen:  man weicht zurück...

 

Forderungen der Kölner Arbeiter an den Kölner Gemeinderat und den preußischen König, 3. 3. 1848 

" 1. Gesetzgebung und Verwaltung durch das Volk, da ein freies Volk. ..sich nicht mehr im Interesse einzelner ausbeuten lassen will. .., allgemeines Wahlrecht und allgemeine Wählbarkeit. 2. Unbedingte Freiheit der Rede und Presse. 3. Aufhebung des stehenden Heeres und Einführung einer allgemeinen Volksbewaffnung mit vom Volke gewählten Führern. ..4. Freies Vereinigungsrecht. 5. Schutz der Arbeit und Sicherstellung der menschlichen Bedürfnisse für alle. ..Nur die schlechte Verteilung der Arbeit und ihre Ausbeutung im Interesse einzelner verhindert es, daß genug hervorgebracht wird, um die Bedürfnisse aller einzelnen zu befriedigen. Es ist daher Sache des Staates, die Produktion dem Interesse der einzelnen zu entreißen und sie im Interesse aller zu leiten. Jeder Mensch hat ein Recht auf Arbeit sowie auf einen seinen Bedürfnissen angemessenen Lohn. 6. Vollständige Erziehung aller Kinder auf öffentliche Kosten."

 

Forderungen Dresdner Bürger, 7.3.1848 

"Wir [erwarten], von der sächsischen Staatsregierung: ... 1. Freiheit der Presse. ..2. Freiheit des religiösen Bekenntnisses. ..3. Freiheit des Versammlungs- und Vereinsrechtes. 4. Gesetzliche Sicherstellung der Person gegen willkürliche Verhaftung. ..5. Verbesserung des Wahlgesetzes. ..durch Herabsetzung des Zensus. 6. ... Schwurgericht. 7. Vereidigung des Militärs auf die Verfassung. 8. Verminderung des stehenden Heeres. ..9. Vertretung der deutschen Völker bei dem deutschen Bunde. 10. Lossagung der sächsischen Regierung von den Karlsbader Beschlüssen. ..Wir zweifeln nicht an dem landesväterlichen Sinne des allverehrten, allgeliebten Königs. .. Es lebe der König!"

 

Forderungen von Bauern und Bürgern im Fürstentum Hohenzollern-Hechingen, 9. 3. 1848.  

Bericht des Hauptmanns Werner. "Gestern war eine Deputation vom Amt Grosseifingen hier, welche die Aufhebung der Landstände beantragte, [da] solche verachtet seien. ..Ferner verlangten sie Verminderung der Steuern, Herabsetzung der Hebammen- und Schullehrergehälter. ..Heute früh ...war in der Stadt [Hechingen] allgemeine Bürgerversammlung. Ihre Forderungen waren: Aufhebung der Mühlenabgabe, Einführung der großen Maß, Aufhebung der indirekten Abgaben, Herabminderung der indirekten Steuern, Entfernung aller fremden Beamten und Offiziere. Der Postmeister, welcher Pressefreiheit, Schwurgerichte und Wahl zum deutschen Parlament beantragte, wurde mit allgemeinem Hohn zurückgewiesen."

 

 

Also versammeln sich führende Männer der Nationalbewegung in Heidelberg, um zunächst ein Vorparlament, dann eine Nationalversammlung auf die Beine zu stellen. Sogar der Frankfürter Fürsten-/Bundestag billigt die Wahl einer verfassunggebenden Nationalversammlung...

 

l-weiter.gif (2419 Byte)next