Überblicks-FRAGEN  +  antworten/  

 

 

 

15.      was alles war für diesen krieg kennzeichnend (geographisch-verlaufsgeschichtlich, waffentechnologisch, kriegspolitisch, allianzgeschichtlich, revolutionsgeschichtlich)?

| antwort: l-weiter.gif (2419 Byte)

 

Geographisch hatte dieser Krieg seinen Schwerpunkt zwar in Europa  -  er wurde jedoch zugleich auch als weltweiter Kampf der Tripel-Entenmächte um die deutschen Kolonialgebiete und als Kampf gegen das Osmanische Reich geführt, vollzog sich also als (sogenannter 1.) Weltkrieg.  Überdies hatte dieser Krieg auf Seiten der Ententemächte eine transatlantische Unterstützungskomponente, zunächst nur materiell, seit 1917 dann durch den endgültigen Kriegseintritt der USA.

Verlaufsgeschichtlich vollzog sich dieser Krieg in Europa als der lange gefürchtete Zweifrontenkrieg  -  an der deutschen Westfront als ebenso verlustreicher wie traumatisierender  Stellungskrieg;  an der deutschen  Ostfront als sogenannter Bewegungkrieg weit nach Russland hinein, dort das Zarenregime endgültig zermürbend bis zu den Revolutionen des Jahres 1917 und dem bolschewistischerweits im Spätjahr 1917 geschlossenen Sonderfrieden von Brest-Litowsk.

Die Wende an der Westfront ergab sich im Gefolge des Kriegseintritts der USA seit 1917:  der Stellungskrieg auf französischem Boden drohte im Herbst 1918 in Richtung der deutschen Grenzen aufgebrochen zu werden, was den Zusammenbruch des Kaiserreiches provozierte und Deutschland zur bedingungslosen Kapitulation zwang, wollte es den Krieg im eigenen Land vermeiden.

Waffentechnologisch wurde ein Krieg zwischen Industrienationen geführt unter Einsatz einer ganzen Reihe neuer Kampfmittel:  Panzer/Tanks, artilleristisches Trommelfeuer, Flugzeuge, U-Boote, Senfgas

Kriegspolitisch ging es:

-          um materielle Machterweiterung:  auf allen Seiten war von Annexionen und Kontributionen die Rede. In Deutschland hieß das ´Siegfrieden´, der überlange als möglich gehandelt wurde trotz der Mehrfrontenkriegssituation.

-          Und es ging um Feindbilder:  immer war der Sieg des einen der Untergang, eine sklavische Zukunft, des anderen.  Diese Feindbilder lud man insbesondere auch auf Seiten der Ententemächte systempolitisch auf:  Kriegsauslösend sei die verbissen an staatlichem Autoritarismus festhaltende innere Verfassung und entsprechende Außenpolitik der Mittelmächte gewesen;  demokratischer verfasst, wären beide außenpolitisch verträglicher aufgetreten und hätten den Krieg nicht zur Verkleisterung ihrer inneren Probleme gebraucht

-          Nach 3 Jahren Zermürbungskrieg kam u.a. von Seiten der USA, die zum Kriegsentscheider avancierten, auch ein z.T. weniger utopisches Kriegsziel in den Horizont:  das eines Verständigungsfriedens – es hatte aber letztlich keine Chance

Allianzgeschichtlich wurde aus den Beiden Ententen der Vorkriegszeit bis 1917 die Tripel-Entente E-F-R  -  das Jahr 1917 brachte das Aussscheiden R´s und den Allianzbeitritt der USA.  In beiden Allianzkombination steckte einiges an Nachkriegssprengkraft.

Auch revolutionsgeschichtlich gewann der 1. Weltkrieg überragende Bedeutung  -  als Beförderer eines zweiphasigen revolutionären Umsturzes 1917 in Russland mit enormen Auswirkungen auf die gesamte Weltentwicklung im weiteren Verlauf des 20. Jhds..  Wirkungsgeschichtlich kommt insbesondere der russischen Oktoberrevolution eine nicht minder große Bedeutung zu wie der französischen Revolution von 1789ff.