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9.      welche wirtschaftsentwicklung nahm deutschland mit und seit der reichsgründung? 

| antwort: 

 

Mit der Reichsgründung kam es ihn Deutschland zur Hoch-Industrialisierung;  -  zwischen 1870 und 1914 bedeutete das:

-          Die Bevölkerung vermehrte sich weiter und verlagerte sich zunehmend in die Städte

-          Es fand eine Verschiebung der Gewichte zwischen Landwirtschafts-, Dienstleistungs- und Gewerblichem Sektor zu

-          Nur in ca. 10 von 40 Jahren gab es ein Minuswachstum des Sozialprodukts

-          Rund 5000 Aktiengesellschaften entstanden

-          Das Bank- und Notenwesen wurde wirtschaftsförderlich neugeordnet (1876 Reichsbank;  allgemeiner Übergang zur Aktienbank im Privatbanken-Bereich; Explosion der Beschäftigtenzahlen im Bankgewerbe;  Verzwanzigfachung der Geldumsätze im bargeldlosen Zahlungsverkehr...)

-          die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt verdoppelte sich

-          das Volkseinkommen verdreifachte sich

-          die Wertschöpfung je Beschäftigtem verdoppelte sich

-          die Investitionsgüterpreise sanken

-          das Produktivitätswachstum lag bei nahezu 100%

-          Ein- (bes. Rohstoffe) und Ausfuhr (bes. Fertigprodukte) vervierfachten sich bei einer Ex- und Importquote von 20-15%

-          Lebenshaltungskosten und Lohnhöhen bewegten sich bis 1895 aufeinander zu, entwickelten sich bis ca. 1907 sogar zugunsten der Lohnkosten und drifteten danach wieder leicht negativ auseinander  -  allerdings:  die Lohnentwicklung blieb durchweg deutlich hinter der Sozialproduktsentwicklung zurück

-          ...

In den Jahren des Gründerbooms stand einer freihändlerisch konzipierten Außenwirtschaftspolitik, wie sie England und Frankreich seit 1867 im Cobden-Abkommen auf den Weg gebracht hatten, nichts im Wege.  Der Gründerkrach Mitte der 70er Jahre jedoch veranlaßte Bismarck ab 1879 exklusiv zugunsten der deutschen Wirtschaftsentfaltung eine entschiedene Schutzzollpolitik zu betreiben (gegen die Liberalen mit Unterstützung des Zentrums)