©gabriele weis

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 zurück-pfeil.gif (2419 Byte)5.2.  19./20.JHD-1:   ideologisches zeitalter-4:  KONSERVATSISMUS - AUTORITARISMUS

> NATIONALSTAATSGRÜNDUNGEN  (GR,B.I,D):

 l-buch.jpg (1728 Byte) D - KAISERREICH 1870-1918 / Parteienlandschaft

SPD; ZENTRUM; NATIONALLIBERALE; FORTSCHRITTSPARTEI; DEUTSCHKONSERVATIVE

 

 

 

 

 

 


 

 

 Aus dem Eisenacher Programm der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, 1869
,,1. Errichtung des freien Volksstaates [Republik] II. ...Die heutigen politischen und sozialen Zustände sind ...ungerecht und. ..mit der größten Energie zu bekämpfen ...Kampf für die Befreiung der arbeitenden Klassen. ..Abschaffung aller Klassenherrschaft. .., der jetzigen Produktionsweise (Lohnsystem) durch genossenschaftliche Arbeit [mit dem] vollen Arbeitsertrag für jeden Arbeiter. ..Die politische Freiheit ist die. ..Vorbedingung zur ökonomischen Befreiung. ..und nur möglich im demokratischen Staat. ..[Die SAP ist] Zweig der Internationalen Arbeiterassoziation. .. III. ...Nächste Forderungen. ..: Allgemeines, gleiches, direktes Wahlrecht an alle Männer ...für das Parlament, die Landtage. .., Gemeindevertretungen. ..Den gewählten Vertretern sind. ..Diäten zu gewähren. ..Direkte Gesetzgebung. ..durch das Volk. .. Volkswehr an Stelle des stehenden Heeres. ..Trennung der Kirche vom Staat. .., [der] Schule von der Kirche. .. Unentgeltlicher Unterricht in allen. ..Bildungsanstalten. Abschaffung aller Preß-, Vereins- und Koalitionsgesetze. .. Einführung einer einzigen progressiven Einkommenssteuer und Erbschaftssteuer. ..Staatskredit für freie Produktionsgenossenschaften ..." 

 

 

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD):

Nach mehreren früheren Ansätzen zur polit. Organisation der dt. Arbeiter (-.. Arbeiterbwegung) wurde unter Führung von F. -..Lassalle  am 23.5.1863 in Leipzig der-.. Allgemeine Dt. Arbeiterverein (ADA V) als erste sozialist. dt. Arbeiterpartei gegründet. 

Aus der Verbindung eines Teils der Lassalleaner mit dem ebenfalls 1863 gegründeten Vereinstag Dt. Arbeitervereine entstand beim Eisenacher Kongreß 1869 die Soz.dem. Arbeiterpartei (SDAP) unter Führung von A. Bebel, W. Liebknecht, W. Bracke u. a.


Unter dem Druck der seit der Zeit des Dt.-Franz. Krieges und nach der Gründung des Dt. Reiches insbes. in Preußen gegen ihre Tätigkeit gerichteten polizeilichen und administrativen Maßnahmen schloß sie sich unter einem gemeinsamen Programm beim Gothaer Kongreß 1875 mit dem bis dahin konkurrierenden ADAV zur Sozialist. Arbeiterpartei (SAP) zusammen. 
Dadurch wurde, im Gegensatz zu anderen kontinentaleurop. Ländern, z. B. Frankreich und Italien in Dtl. eine einheitliche sozialist. Partei geschaffen. 

Die SAP stand unter Leitung von Bebel und W.Hasenclever. Als Parteiorgan wurde 1876 der Vorwärts gegründet. 

1877 gewann die Partei 12 Reichstagsmandate (9,1% der Stimmen). Die SAP stand in grundsätzlicher Opposition zum polit. System des Dt. Reichs, lehnte aber weder den Staat noch nationale Verpflichtungen grundsätzlich ab. 

 

Nachdem Bismarck, der mit seiner Presse die Sozialdemokraten, zusammen mit dem
kath. Klerus (Kulturkampf) und den nationalen Minderheiten zu den »Reichsfeinden" rechnete und wegen ihres Bekenntnisses zur Internationale als "vaterlandslose Gesellen«
diffamierte, 1878 das Gesetz »wider die gemein-
gefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie« (Sozialistengesetz) durchgesetzt hatte,...

...wurden 1878/79 die Organisationen der SAP, ihre Presse und die von ihr aufgebauten sozialist.
Gewerkschaften zerschlagen und verboten. 

Die Sozialdemokratie war aber durch die Ausnahmegesetzgebung und ihre brutale Durchführung nicht mehr unterdrückbar: zwar mußten zahlreiche Sozialdemokraten in die Gefängnisse (1878/79 wurden rund 600 Jahre Gefängnisstrafe ausgesprochen), wurden ausgewiesen und verloren ihre Existenz, wanderten für immer, vor allem in die USA, aus oder gingen ins Exil nach der Schweiz oder England. 

Die SAP erholte sich dennoch rasch: nachdem sie 1880 in Wyden/Schweiz angesichts des Sozialistengesetzes beschlossen hatte, ihre Ziele nicht mehr »mit allen gesetzlichen Mitteln« (Gothaer Programm), sondern »mit allen Mitteln« anzustreben, wurde die Partei erfolgreich im Untergrund reorganisiert. Unter Leitung von J. Motteler wurde das von G. von Vollmar und E.  Bernsteinredigierte und im Ausland gedruckte Parteiorgan »Der Socialdemokrat« massenhaft eingeschmuggelt. 

Die Tätigkeit der sozialist. Reichstagsfraktion blieb durch das Sozialistengesetz unbehindert.

 Während der Gültigkeit des Sozialistengesetzes verdreifachte sich - von 1878 bis zur Reichstagswahl vom 20.2.1890 - die Zahl soz.dem. Wähler auf fast 1,5 Mill. (knapp 20% der Stimmen), womit die Sozialdemokratie die relativ stärkste dt. Partei wurde. 

Im Reichstag kam sie jedoch - infolge des Mehrheitswahlrechts und der gegen sie gerichteten bürgerlichen Koalitionen - erst auf 35 (von 391) Mandate. 

Als Folge des 1890 vom Reichstag nicht mehr verlängerten Sozialistengesetzes blieb zwischen der sozialist. Arbeiterschaft und dem dt. Staat eine zunächst unüberbrückbar erscheinende Kluft aufgerissen; aus der Enttäuschung über das Verhalten des Staats war eine von Haß und Erbitterung erfüllte Staatsfeindschaft erwachsen. 

 

Unter dem Sozialistengesetz wurden erst die zuvor nur wenigen vertrauten und in der SAP keineswegs verbindlichen  Lehren von K.  Marx, von Bernstein, Kautsky und F. Engels popularisiert und in  breiten Schichten der Arbeiterschaft rezipiert. Die aufgezwungene Isolierung führte zu der radikalen Überzeugung, daß die Befreiung der Arbeiter schließlich durch die Arbeiterklasse selbst erfolgen könne. Aus solchen Überlegungen h
lehnte die Sozialdemokratie auch die Sozialversicherungsgesetze Bismarcks ( Sozialpolitik) ab, obwohl sie für die Arbeiter konkrete Verbesserungen brachten. 

So war zwar das neue, 1891 angenommene  Erfurter Programm der 1890 offiziell neugegründeten SPD dogmat.-marxisch geprägt, dennoch setzte sich mit dem in den folgenden Jahren schnellen Wachstum der Partei und nach dem Abgang Bismarcks in der Praxis eine gemäßigt sozialreformer. Richtung durch, insbesondere unter dem Einfluß der von C. Legien geführten sozialist. Freien Gewerkschaften und der süddt. Sozialdemokraten (Vollmar, L. Frank).

So blieb dieSPD bis zum 1. Weltkrieg in grundsätzlicher Opposition, obwohl sie in der Praxis -
bes. in Süddtl. - bereits begann, konsttuktiv der Gestaltung des Staatslebens mitzuarbeiten.

Der geistige Führer dieses gegen die orthodoxe marxist. Lehre gerichteten »Revisionismus«, warE. Bernstein, dessen Auffassungen nicht nur von dem unbestrittenen Parteiführer Bebel, sondern auch von Kautsky, R. Luxemburg, A. Helphand, C.  Zetkin und anderen Theoretikern des wissenschaftlichen Sozialismus erbittert bekämpft wurden. 

 

Von Seiten der herrschenden Kreise wurden die Bemühungen um die Integration der sozialist. Arbeiterschaft in das polit.- nationale Leben außerordentlich erschwert (Umsturzvorlage (1894/95), Lex Arons (1898), Zuchthausvorlage (1899) und zahlreiche andere weniger spektakuläre administrative Maßnahmen waren Ausfluß der Bestrebungen zur Unterdrückung und Behinderung der SPD; 

in Preußen und Sachsen wurde das Anwachsen ihres parlamentar. Einflusses durch das erbittert bekämpfte --Dreiklassenwahlrecht verhindert bzw. vermindert. 

 

Die Sozialdemokraten galten nach wie vor weithin als national unzuverlässig und als Staatsfeinde. 

 

Die Sozialdemokratie entwickelte daher eine spezielle, von der bürgerlichen Gesellschaft und Kultur abgesetzte eigene Subkultur als breitangelegte soziale und polit.
Emanzipations- und Kulturbewegung, zu der Arbeitergesang-, -bildungs-, -sportvereine, -schulen (bis zur "Parteihochschule«} -theater u. a. gehörten. 

SPD und Freie Gewerkschaften gründeten zahlreiche wirtschaftliche Unternehmungen: Verlage, Druckereien, Versicherungen, Konsumvereine (Genossenschaften, Soz.dem. Frauen-
bewegung und --Jugendbewegung entstanden als spezielle Gruppen der polit. Sozialdemokratie.

 


1906 zählte die SPD 384000,1910 720000 und 1914 1,085 Mill. Mitglieder, wobei sie sich insbes. auf Mitteldtl., Berlin-Brandenburg, Hamburg und Rheinland-Ruhrgebiet stützen konnte.
Bei den Reichstagswahlen hatte die SPD fast kontinuierlich Zugewinne: 1893 23,3%, 1898
27,2%,190331,7%,1907 (Hottentottenwahlen) 28,9% der Stimmen. 

 

In der Internationale spielte die SPD eine führende Rolle, die allerdings ab 1907 zurückging, als die großen europ. sozialist. Parteien nationalstaatliche Politik zu treiben begannen. 

Kurz vor dem 1. Weltkrieg war die SPD parlamentar. zu einem bedeutenden Machtfaktor geworden: mit 34,8% der Stimmen bei der Reichstagswahl 1912 stellte sie 110 Abgeordnete und damit die stärkste Reichstagsfraktion, was sich jedoch in der polit. Realität nicht auswirkte, da sich die anderen Parteien - mit geringen Modifikationen - in der Gegnerschaft gegen die SPD
einig waren. 

Dies änderte sich bei Beginn des 1. Weltkrieges grundlegend. 

Obwohl die SPD vor Kriegsausbruch noch gegen den bevorstehenden Krieg agitiert hatte, stimmte die Reichstagsfraktion am 4.8.1914 geschlossen für die Kriegskredite, wobei sich eine Minderheit von 14 Abgeordneten - unter ihnen H. Haase und K.  Liebknecht - der Fraktionsdisziplin beugte. Diese spektakulär wirkende Wendung wurde damit be-
gründet, daß die SPD in dem Verteidigungskrieg "gegen den russ. Despotismus. ..in der Stunde der Gefahr das Vaterland nicht im Stich« lassen könne. Unter dem Eindruck der nationalen Hochstimmung bei Kriegsbeginn verpflichtete sich die SPD auch (wie die anderen Parteien), für die Dauer des Krieges auf jeden Kampf gegen die anderen Parteien und Opposition gegen die
Reichsregierung zu verzichten (Burgfrieden).

Wie die sozialist. Parteien in den anderen europ. Ländern integrierte sich die SPD nun in das nationale Leben. 

Diese Politik war jedoch nicht lange einheitlich durchzuhalten: mit der Fortdauer des Krieges zerfiel die seit 1875 bewahrte Einheit der SPD. 

Die radikale Linke der Vorkriegszeit unter Führung von R. Luxemburg, K. Liebknecht, C. Zetkin und F. Mehring stieß bald zur völligen Ablehnung jedes Krieges und aktiven Bekämpfung der dt. Kriegsbemühungen vor und leitete 1915 die Gründung des Spartakusbundes ein.


Die wesentlich stärkere gemäßigte Linke sammelte sich 1915 um Kautsky, Bernstein, Haase
und K. Eisner, lehnte ab Dez. 1915 weitere Kriegskredite ab, propagierte einen alsbaldigen Verständigungsfrieden, verweigerte die Fortsetzung der Burgfriedenspolitik und nahm damit die
vor dem Krieg praktizierte grundsätzliche Oppositionsrolle der SPD wieder auf. Nach ihrem Ausschluß aus der die Politik der Reichsregierung stützenden soz.dem. Reichstagsfraktion gründeten 18 Abgeordnete der Linken 1916 die Soz. dem. Arbeitsgemeinschaft. Die Spaltung der Parteiorganisation folgte im April 1917 durch die Gründung der USPD, der sich auch der Spartakusbund formal anschloß. 

Die Führung der SPD (F. Ebert, E. David, P. Scheidemann, A. Südekum) setzte zwar die weitere Bewilligung der Kriegskredite fort, drängte aber zugleich auch auf energ. Friedenspolitik und innere Reformen (Aufhebung des Dreiklassenwahlrechts) und bildete 1917 im Reichstag zusammen mit der Fortschrittlichen Volkspartei und dem Zentrum den
Interfraktionellen Ausschuß, in dem die im Juli 1917 eingebrachte Friedensresolution vorbereitet wurde. 

 

 

Im  Okt. 1918 trat die SPD in die Regierung des Prinzen Max von Baden ein und stellte mit Scheidemann und G. Bauer zwei Staatssekretäre. Nach dem militär. Zusammenbruch des Dt. Reiches...

... bemühten sich die Führer der SPD in der Novemberrevolution 1918, nach der Ausrufung der Republik durch Scheidemann die staatliche Ordnung soweit wie möglich auftechtzuerhaIten, bildeten, zunächst zusammen mit Vertretern der USPD, den von der - Obersten Heeresleitung unterstützten- Rat der Volksbeauftragten unter Vorsitz von Ebert als provisor. Reichsregierung und setzten mit Hilfe der von der SPD beeinfIußten  Arbeiter- und Soldatenräte gegen Spartakisten,  Revolutionäre Obleute und Teile der USPD ( Reichsrätekongreß) die Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung durch, bei denen die SPD jedoch nicht die erwartete absolute Mehrheit erhielt. 

Zusammen mit dem Zentrum und der DDP bildete sie als stärkste Fraktion (165 von 423 Mandaten) die  Weimarer Koalition als staatstragende polit. Mitte, die im Febr. 1919 Ebert zum ersten Reichspräsidenten und Scheidemann zum Ministerpräsidenten wählte. ...

 

 

August Bebel, 1840-1913


Sohn eines preußischen Unteroffiziers in Köln, erlebt nach dem frühen Tod seines Vaters eine ärmliche Jugend, besucht die Armen- und Bürgerschule, erlernt das Drechslerhandwerk, geht als Geselle auf Wanderschaft, läßt sich 1860 in Leipzig nieder und wird dort Drechslermeister. Er neigt anfangs der radikalliberalen Richtung zu, wird Vorsitzender des Leipziger Arbeiterbildungsvereins und wird unter dem Einfluß Lassalles Sozialist. Mit W. Liebknecht beteiligt er sich an der Gründung der sächsischen Volkspartei, wird als deren Abgeordneter 1867 in den norddeutschen Reichstag gewählt. Von Liebknecht für den Marxismus gewonnen, gründet er mit diesem 1869 in Eisenach die Sozialistische Arbeiterpartei, deren Führer er alsbald ist. 1871 wird er in den deutsehen
Reichstag gewählt, kommt, unter Aberkennung seines Mandats, wegen Vorbereitung zum Hochverrat ins Gefängnis, wird aber 1874 erneut in den Reichstag gewählt. Er betreibt 1875 die Vereinigung der beiden Arbeiterparteien in Gotha und kämpft gegen das Sozialistengesetz Bismarcks. Seit 1890 lebt er ständig in Berlin, tritt im Gegensatz zu Liebknecht für die Mitarbeit der Partei in den Parlamenten ein und wirkt als Abgeordneter an der Arbeiterschutzgesetzgebung mit. Zwar lehnt er den preußischen Militarismus ab, tritt aber für die Landesverteidigung ein. Mit Marx und Engels glaubt er an den unvermeidlichen Untergang des Kapitalismus.

 

Wilhelm Liebknecht, 1826-1900


Stammt aus einer Theologen- und Beamtenfamilie, studiert Theologie und Philosophie, gehört einer vornehmen Studentenverbindung an, beteiligt sich als Freischärler am badischen Aufstand in der Revolution 1848/49, flieht nach London, kommt dort in Verbindung mit Karl Marx. Später aus Preußen ausgewiesen, zieht er sich nach Sachsen zurück, wo er mit August Bebel zusammenarbeitet und 1869 in Eisenach die Sozialdemokratische Partei gründet. Gab die sozialdemokratische Zeitung " Vorwärts" heraus. Wiederholt in Gefängnishaft. Als sozialdemokratischer Abgeordnetet im Reichstag einer der Führer der Sozialdemokratischen Partei.

 

 

REVISIONISMUSSTREIT:

Eduard Bernstein, 1850-1932, soz.dem. Politiker und Publizist, Der Sohn eines jüd. Lokomotivführers war seit 1870 Bankangestellter bei Rothschild in Berlin und wurde 1872 Sozialdemokrat (Eisenacher Programm). Beim Einigungskongreß 1875 war B. Mitverfasser des Gothaer Programms. Unter dem Sozialistengesetz arbeitete er 1880-90 als Redakteur des illegalen Parteiorgans »Socialdemokrat" bis 1888 in Zürich, nach seiner Ausweisung in London, wo er enge Beziehungen zu  Engels unterhielt, der ihn zum Verwalter seines literar. Nachlasses bestimmte. Nach seiner Rückkehr nach Dtl. war B. 1902-06, 1912-18 und 1920-28 MdR. In den Jahren nach 1890 entfernte er sich geistig allmählich vom orthodoxen Marxismus und wurde zum Vorkämpfer in dem langdauernden innerparteilichen ,Streit zwischen dem von ihm theoret. begründeten Revisionismus und dem orthodox-marxist. Flügel der SPD ( .Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie", 1899). Im 1. Weltkrieg stimmte er ab 1915 im Reichstag gegen die Kriegskredite und trat 1917 der USPD bei, kehrte jedoch 1919 zur SPD zurück. Er war maßgeblich am-+ Görlitzer Programm der SPD (1921) beteiligt. Seine zahlreichen Schriften beeinflußten die Entwicklung der SPD in hohem Maße.

Eduard Bernstein: Demokratie als Aufhebung der Klassenherrschaft (1899)
Die Demokratie ist prinzipiell die Aufhebung der Klassenherrschaft, wenn sie auch noch nicht die faktische Aufhebung der Klassen ist. Man spricht vom konservativen Charakter der Demokratie, und in gewisser Hinsicht mit Recht. Der AbsoJutismus oder Halbabsolutismus täuscht seine Träger wie seine Gegner über den Umfang ihres Könnens. Daher in Ländern, wo er herrscht oder seine Traditionen noch bestehen, die überfliegenden Pläne, die übertreibende   Sprache, die Zickzackpolitik, die Furcht vor Umsturz und die Hoffnung auf UnterdrÜckung. In der Demokratie lernen die Parteien und die hinter ihnen stehenden Klassen bald die Grenzen ihrer Macht kennen und sich jedesmal nur so viel vornehmen, als sie nach Lage der Umstände vernünftigerweise hoffen können, durchzusetzen. Selbst wenn sie ihre Forderungen etwas höher spannen, als im Ernst gemeint, um beim unvermeidlichen Kompromiß -und die Demokratie ist die Hochschule des Kompromisses -ablassen zu können, geschieht es mit Maß. So erscheint in der Demokratie selbst die äußerste Linke meist in konservativem Lichte und die Reform, weil gleichmäßiger, langsamer, als sie in Wirklichkeit ist. Aber doch ist ihre Richtung unverkennbar. Das Wahlrecht der Demokratie macht seinen Inhaber virtuell zu einem Teilhaber am Gemeinwesen, und die virtuelle Teilhaberschaft muß auf die Dauer zur tatsächlichen Teilhaberschaft führen. Bei einer der Zahl und Ausbildung nach unentwickelten Arbeiterklasse kann das allgemeine Wahlrecht lange als das Recht erscheinen, den "Metzger" selbst zu wählen, mit der Zahl und Erkenntnis der Arbeiter wird es jedoch zum Werkzeug, die Volksvertreter aus Herren in wirkliche Diener des Volkes zu verwandeln. (. ..) Aber das allgemeine Wahlrecht ist erst ein Stück Demokratie, wenn auch ein Stück, das auf die Dauer die anderen nach sich ziehen muß, wie der Magnet die zerstreuten Eisenteile an sich zieht. Das geht wohl langsamer vor sich, als es mancher wünscht, aber trotzdem ist es im Werk. Und die Sozialdemokratie kann dies Werk nicht besser fördern, als wenn sie sich rückhaltlos, auch in der Doktrin, auf den Boden des allgemeinen Wahlrechts, der Demokratie stellt, mit allen sich daraus für ihre Taktik ergebenden Konsequenzen. (. ..) Oder hat es zum Beispiel einen Sinn, die Phrase von der Diktatur des Proletariats zu einer Zeit festzuhalten, wo an allen möglichen Orten Vertreter der Sozialdemokratie sich praktisch auf den Boden der parlamentarischen Arbeit, der zahlengerechten Volksvertretung und der Volksgesetzgebung stellen, die alle der Diktatur widersprechen? Sie ist heute so überlebt, daß sie mit der Wirklichkeit nur dadurch zu vereinen ist, daß man das Wort Diktatur seiner faktischen Bedeutung entkleidet und ihm irgendwelchen abgeschwächten Sinn beilegt. Die ganze praktische Tätigkeit der Sozialdemokratie geht darauf hinaus, Zustände und Vorbedingungen zu schaffen, die eine von konvulsivischen Ausbrüchen freie Oberführung der modernen Gesellschaftsordnung in eine höhere ermöglichen und verbürgen sollen. Aus dem Bewußtsein, die Pioniere einer höheren Kultur zu sein, schöpfen ihre Anhänger immer wieder Begeisterung und Anfeuerung, in ihm ruht auch zuletzt der sittliche Rechtstitel der angestrebten gesellschaftlichen Expropriation. Die Klassendiktatur aber gehört einer tieferen Kultur an. (. ..) Heute weiß schließlich jeder, was gemeint ist, wenn von Bekämpfung der Bourgeoisie und Abschaffung der Bourgeoisgesellschaft gesprochen wird. Aber was heißt Bekämpfung oder Abschaffung der bürgerlichen Gesellschaft? Was heißt es namentlich in Deutschland, in dessen größtem und leitendem Staate, Preußen, es sich noch immer darum handelt, ein großes Stück Feudalismus erst loszuwerden, das der bürgerlichen Entwicklung im Wege steht? Kein Mensch denkt daran, der bürgerlichen Gesellschaft als einem zivilistisch geordneten Gemeinwesen an den Leib zu wollen. Im Gegenteil. Die Sozialdemokratie will nicht diese Gesellschaft auflösen und ihre Mitglieder allesamt proletarisieren, sie arbeitet vielmehr unablässig daran, den Arbeiter aus der sozialen Stellung eines Proletariers zu der eines Bürgers zu erheben und so das Bürgertum oder Bürgersein zu verallgemeinern. Sie will nicht an die Stelle der bürgerlichen eine proletarische Gesellschaft, sondern sie will an die Stelle der kapitalistischen eine sozialistische Gesellschaftsordnung setzen. (. ..) Schließlich wäre es auch zu empfehlen, in Kriegserklärungen gegen den "Liberalismus" etwas Maß zu halten. Es ist ja richtig, die große liberale Bewegung der Neuzeit ist zunächst der kapitalistischen Bourgeoisie zugute gekommen, und die Parteien, die sich den Namen liberal zulegten, waren oder wurden im Verlauf reine Schutzgarden des Kapitalismus. Zwischen diesen Parteien und der Sozialdemokratie kann natürlich nur Gegnerschaft herrschen. Was aber den Liberalismus als weltgeschichtliche Bewegung anbetrifft, so ist der Sozialismus nicht nur der Zeitfolge, sondern auch dem geistigen Gehalt nach sein legitimer Erbe, wie sich das übrigens auch praktisch bei jeder prinzipiellen Frage zeigt, zu der die Sozialdemokratie Stellung zu nehmen hatte. Wo irgendeine wirtschaftliche Forderung des sozialistischen Programms in einer Weise oder unter Umständen ausgeführt werden sollte, daß die freiheitliche Entwicklung dadurch ernsthaft gefährdet erschien, hat die Sozialdemokratie sich nie gescheut, dagegen Stellung zu nehmen. Die Sicherung der staatsbürgerlichen Freiheit hat ihr stets höher gestanden als die Erfüllung irgendeines wirtschaftlichen Postulats. Die Ausbildung und Sicherung der freien Persönlichkeit ist der Zweck aller sozialistischen Maßregeln. (. ..)

 

Karl Kautsky, 1854-1838,  österr. soz.dem. Theoretiker und Publizist,  Während hist. und naturwissenschaftlicher Studien an der Universität Wien schloß sich der Sohn eines Theatermalers 1875 der österr. Sozialdemokratie an. 1880 ging K. nach Zürich, dann kurze Zeit nach England, wo er die Bekannrschaft von Marx und Engels machte. 1883 gründete er die Zeitschrift »Die neue Zeit«, das erste wissenschaftliche Organ der dt. Sozialdemokratie. K., seit 1885 in London, kehrte 1890 nach Dtl. zurück, war Mitverfasser des Erfurter Programms (1891) und trug wesentlich zu. Interpretation und zur Popularisierung des Marxismus bei. Seine zahlreichen Veröffentlichungen umfassen neben tagespolit. Artikein auch eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten, die ihm den Ruf eines einflußreichen Theoretikers des Marxismus einbrachten. Gegen den Revisionismus Bernsteins nahm K. in gleicher Weise Stellung wie gegen den Radikalismus R. Luxemburgs
und die Marx-Interpretationen Lenins. 1917 schloß sich K., der 1914 für die Kriegskredite gestimmt harte, der USPD an, kehrte aber 1922 zur SPD zurück. 1918/19 war K. Unterstaatssekretär im dt. Auswärtigen Amt (Herausgabe der »Dt. Dokumente zum Kriegsausbruch 1914,,) und Mitglied der Sozialisierungskommission. 1924 übersiedelte er wieder nach Wien, von wo er nach dem Anschluß 1938 ins Exil nach Amsterdam floh. 1925 hatte er am Heidelberger Program der SPD mitgearbeitet.

Kautsky: Vom Hineinwachsen in die sozialistische Gesellschaft (1909)
Ein Sozialist kann die Illusion der Versöhnung der Klassen und des sozialen Friedens nicht teilen. Gerade daß er sie nicht teilt, das macht ihn ja zum Sozialisten. Er weiß, daß nicht eine schimärische Versöhnung, sondern nur die Aufhebung der Klassen den gesellschaftlichen Frieden herstellen kann. Hat er aber den Glauben an die Revolution verloren, dann bleibt ihm nichts übrig, als die Erwartung der friedlichen und unmerklichen Aufhebung der Klassen durch den ökonomischen Fortschritt, durch das Anwachsen und Erstarken der Arbeiterklasse, die allmählich die anderen Klassen aufsaugt. Das ist die Theorie des Hineinwachsens in die sozialistische Gesellschaft. Diese Theorie enthält einen sehr realen Kern. Sie stützt sich auf Tatsachen der wirklichen Entwicklung, die bezeugen, daß wir in der Tat dem Sozialismus entgegenwachsen. Gerade Marx und Engels waren es, die diesen Vorgang darstellten und seine Naturgesetzlichkeit nachwiesen. Von zwei Seiten aus wachsen wir hinein: einmal durch die Entwicklung des Kapitalismus, durch die Konzentration des Kapitals. Der Konkurrenzkampf bringt es mit sich, daß das größere Kapital, da es dem kleinen überlegen ist, dieses bedroht, bedrängt, schließlich verdrängt. Schon das, ganz abgesehen von der Profitwut, treibt jeden Kapitalisten danach, sein Kapital zu vergrößern, seine Unternehmungen zu erweitern. Immer gewaltiger werden die Betriebe, immer mehr Betriebe werden in einer Hand vereinigt. Heute sind wir bereits so weit, daß Banken und Unternehmerorganisationen den größten Teil der kapitalistischen Unternehmungen der verschiedensten Nationen beherrschen und organisieren. So wird die gesellschaftliche Organisierung der Produktion immer mehr vorbereitet. (. ..)
Die Vorbereitung des Sozialismus durch die Kapitalkonzentration ist indes nur die eine Seite des Hineinwachsens in den Zukunftsstaat. Daneben geht innerha!b der Arbeiterklasse ebenfalls eine Entwicklung vor sich, die ein Wachsen in der Richtung zum Sozialismus bedeutet. Mit der Zunahme des Kapitals wächst auch die Zahl der Proletarier innerhalb der Gesellschaft. Sie werden deren zahlreichste Klasse. Und gleichzeitig wachsen ihre Organisationen. Die Arbeiter gründen Genossenschaften, die den Zwischenhandel ausschalten und eine Produktion für den Selbstbedarf einrichten; sie gründen Gewerkschaften, die den Unternehmerabsolutismus eindämmen und auf den Produktionsprozeß Einfluß gewinnen wollen; sie wählen Abgeordnete in die Vertretungen der Gemeinden und Staaten, die dort streben, Reformen durchzusetzen, Arbeiterschutzgesetze zur Annahme zu bringen, die Staats- und Gemeindebetriebe zu Musterbetrieben zu gestalten und die Zahl solcher Betriebe ständig zu vermehren. (. ..) Dieser Ausblick ist sicher sehr verlockender Art, und man müßte in der Tat teuflischer Natur sein, wünschte man einen so herrlichen "schrittweisen reformistischen Aufstieg" durch eine Katastrophe zu stören. Wäre der Wunsch der Vater unserer Gedanken, wir Marxisten müßten uns sämtlich für diese Theorie des Hineinwachsens begeistern. Sie hat nur einen kleinen Fehler: das Wachstum, das sie beschreibt, ist nicht das Wachstum eines einzigen Elementes, sondern zweier Elemente, und zwar zweier sehr gegensätzlichen Elemente: Kapital und Arbeit. Was den "Reformisten" als das friedliche Hineinwachsen in den Sozialismus erscheint, ist nur das Wachstum an Kraft der beiden gegensätzlichen Klassen, die einander in unüberbrückbarer Feindschaft gegenüberstehen, bedeutet bloß, daß der Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit, der anfänglich nur einer zwischen einer Anzahl von Individuen war, die eine kleine Minderheit im Staate bildeten, nun zu einem Kampfe riesenhafter festgeschlossener Organisationen anwächst, die das ganze gesellschaftliche und staatliche Leben bedingen. So bedeutet das Hineinwachsen in den Sozialismus, das Hineinwachsen in große Kämpfe, die das ganze Staatswesen erschüttern, die
stets gewaltiger werden müssen und nur enden können mit der Niederwerfung und Expropriierung der Kapitalistenklasse. Denn das Proletariat ist unentbehrlich für die Gesellschaft, es kann zeitweise niedergeworfen, nie aber vernichtet werden. Die Kapitalistenklasse dagegen ist überflüssig geworden. die erste große Niederlage in dem Kampfe um die Staatsmacht, die jene Klasse erleidet, muß zu ihrem völligen und dauernden Zusammenbruch führen.
Wer sich der Anerkennung dieser Konsequenzen unseres steten Hineinwachsens in den Sozialismus verschließt. muß blind sein für die Grundtatsache unserer Gesellschaft: den Klassengegensatz von Kapital und Arbeit. Das Hineinwachsen in den Sozialismus ist nur ein anderer Ausdruck für die stete Verschärfung der Klassengegensätze. für das Hineinwachsen in eine Epoche großer, entscheidender Klassenkämpfe, die wir unter dem Namen der sozialen Revolution zusammenfassen dürfen.

 

SPALTUNG:

Rosa Luxemburg (1870-1919) schloß sich dem radikalen Flügel der SPD an und gründete 1917 m.it Karl Liebknemt den Spartakusbund. 1918 trat sie zur KPD über und nahm am kommunistischen Aufstand in Berlin im Januar 1919 teil. Ohne Verfahren wurde sie mit Liebknecht von Regierungstruppen erschossen. Sie gehört zu den herausragenden marxistischen Theoretikern.


In den politischen Verhältnissen führt die Entwicklung der Demokratie, insofern sie günstigen Boden hat. zur  Beteiligung aller Volksschichten am politischen Leben, also gewissermaßen zum" Volksstaat" , Aber dies in der Form des bürgerlichen Parlamentarismus, wo die Klassengegensätze, die Klassenherrschaft, nicht aufgehoben sind. sondern vielmehr entfaltet und bloßgelegt werden. 'Weil sich die ganze kapitalistische Entwicklung somit in Widersprüchen bewegt, so muß. um den Kern der sozialistischen Gesellschaft aus der ihm widersprechenden kapitalistischen Hülle herauszuschälen, auch aus diesem Grunde zur Eroberung der politischen Macht durch das ,Proletariat und zur gänzlichen Aufhebung des kapitalistischen Systems gegriffen werden. (. ..) Mit einem Worte, die Demokratie ist unentbehrlich, nicht weil sie die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat überflüssig. sondern umgekehrt, weil sie diese Machtergreifung ebenso notwendig wie auch einzig möglich macht.

Sozialreform oder Revolution (1899)
Die gesetzliche Reform und die Revolution sind also nicht verschiedene Methoden des geschichtlichen Fortschritts, die man in dem Geschichtsbüfett nach Belieben wie heiße Würstchen oder kalte Würstchen auswählen kann. sondern verschiedene Momente in der Entwicklung der Klassengesellschaft, die einander ebenso bedingen und ergänzen. zugleich aber ausschließen, wie z. B. Südpol und Nordpol, wie Bourgeoisie und Proletariat. Und zwar ist die jeweilige gesetzliche Verfassung bloß ein Produkt der Revolution. Während die Revolution der politische Schöpfungsakt der Klassengeschichte ist, ist die Gesetzgebung das politische Fortvegetieren der Gesellschaft. Die gesetzliche Reformarbeit hat eben in sich keine eigene. von der Revolution unabhängige Triebkraft, sie bewegt
sich in jeder Geschichtsperiode nur auf der Linie und so lange, wie in ihr der ihr durch die letzte Umwälzung gegebene Fußtritt nachwirkt, oder. konkret gesprochen. nur im Rahmen der durch die letzte Umwälzung in die Welt gesetzten Gesellschaftsform. Das ist eben der Kernpunkt der Frage.
Es ist grundfalsch und ganz ungeschichtlich, sich die gesetzliche Reformarbeit bloß als die ins Breite gezogene Revolution, und die Revolution als die zusammengedrängte Reform vorzustellen. Eine soziale Umwälzung und eine gesetzliche Reform sind nicht durch die

Karl Liebknecht, 1871-1919, Dr. jur., sozialist. Politiker, Sohn von Wilhelm L., als Verteidiger in polit. Prozessen erfolgreicher Rechtsanwalt, 1908 Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses, 1912 MdR, stand stets auf der äußersten Linken der SPD, propagierte den polit. Generalstreik und war radikal antimilitarist. eingestellt. Als erster Sozialdemokrat lehnte er im Reichstag am 12.1914 die Bewilligung weiterer Kriegskredite ab; 1916 wurde L., inzwischen als Armierungssoldat eingezogen, wegen seiner radikalen Kritrik an der Fraktionsmehrheit aus der soz.dem. Reichstagsfraktion ausgeschlossen. Während einer Kundgebung gegen den Krieg am 1.5.1916 wurde L. festgenommen und- unter Verlust seines Reichstagsmandats -wegen Hochverrats zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Zahlreiche der in dieser Zeit illegal von R. Luxemburg herausgegebenen -..Spartakusbriefe stammten von ihm. Im Okt. 1918 begnadigt, übernahm L. zusammen mit R. Luxemburg die Führung des linksradikalen-. Spartakusbundes, lehnte nach der Novemberrevolution jede Zusammenarbeit mit der SPD und USPD ab, rief am 9.11.1918 vom Balkon des Berliner Schlosses im Gegensatz zu Scheidemann eine »freie sozialist. Republik« aus d war am 30.12.1918 an der Gründung der KPD beteiligt. Nach dem sog. Januaraufstand der Spartakisten in Berlin, an dem L. teilnahm, wurde L. zusammen mit R. Luxemburg von Mitgliedern regierungstreuer Truppen ermordet. Seine Überzeugung publizierte er in zahlreichen Broschüren Büchern u. a. » Klassenkampf gegen den Krieg« (1919). 

 

 

 


 

 

 

 

Essener Programm des Zentrums, 30. Juni 1870
" 1. Unversehrte Aufrechterhaltung der. ..Selbständigkeit der Kirche in [der] Verwaltung ihrer Angelegenheiten. .. 2. Abwehr. ..aller gegen den konfessionellen Charakter des Volksunterrichtes gerichteten Bestrebungen. .. 3. Festhaltung an dem christlichen Charakter der Ehe. .. 4. Bewahrung des. ..föderativen Charakters des Nord- deutschen Bundes gegenüber allen auf Einführung eines zentralisierten Einheitsstaates gerichteten. ..Bestrebun- gen. 5. Dezentralisation der Verwaltung und Verwirklichung der Selbstverwaltung. ..in Gemeinde, Kreis und Provinz. 6. Ermäßigung der finanziellen Belastung. .. insbesondere durch Verminderung der Ausgaben für dasMilitärwesen, sowie durch Verteilung der Steuern nach den Grundsätzen. ..der Billigkeit, namentlich in Hinsicht auf die Überbürdung des Arbeiters. 7. Beseitigung der sozialen Mißstände und Förderung aller Interessen des Arbeiterstandes durch eine gesunde christliche Erziehung." 

 

Zentrum (Zentrumspartei):

Nach mehreren Anläufen zur Bildung kath.-konfessioneller Gruppierungen in dt. Parlamenten (-. Kath. Fraktion) bildeten sich 1870/71 imReichstagund im preuß. Abgeordnetenhaus kath.. Fraktionen, die sich aufgrund ihres polit. Selbstverständnisses (zwischen Konservativen und Liberalen) als Z. bezeichneten und gegen den Liberalismus und den beginnenden Kulturkampf für die Selbständigkeit der kath. Kirche und als Interessenvertretung der kath. Bevölkerung eintreten wollten. 

Neben Bf. Kerteler,  Mallinckrodt, den Brüdern Reichensperger wurde Windthorst anerkannter Führer des Z. und gab ihm den Charakter einer Oppositionspartei im Dt. Reich. 

Parteiorgan wurde ab 1871 die Zeitung »Germania«. 

 

Die Entstehung des Z. als polit. Partei war für Bismarck der Anlaß zum Beginn des Kulturkampfes, in dem das Z. zur eigentlichen parlamentar. Vertretung der dt. Katholiken und 1878 dank der Geschlossenheit der kath. Wählerschaft stärkste Fraktion im Reichstag wurde. 

Ab 1881 (bei 86,3% Stimmen der kath. Wähler für das Z.) besaß es mit ständig 90-100 Abgeordneten eine Schlüsselstellung im Reichstag, die nur vorübergehend durch die Kartellparteien und den Bülow-Block erschüttert werden konnte, ...

...dagegen während der Amtszeit der Reichskanzler Caprivi und Hohenlohe-Schillingsfürst unter der Führung von E. Lieber (1891-1902) erhebliche Bedeutung hatte: das Z. wurde aus einer Oppositionspartei zur »regierenden Partei« (Lieber). 

 

Eine Parteiorganisation gab sich das Z. erst 1911 als »Dt. Zentrumspartei«, es blieb jedoch bis 1920 weitgehend informell: kirchliche Verbände (ab 1890 insbes. der Volksverein für das kath. Dtl.),  Christliche Gewerkschaften und der Einfluß des Klerus mobilisierten die Wähler. 

 

Das Z. vereinigte in sich auf konfessionell-kath. Basis die unterschiedlichen polit. Strömungen...

... von den Konservativen (Franckenstein, Mallinckrodt, Schorlemer-Alst} ...

...über die Liberalen (Reichensperger), ...

...die Vertreter der kath. Arbeiterbewegung (Stegerwald) ...

bis zu süddt. Demokraten (Erzberger); letztere gewannen insbes. nach der Jahrhundertwende Einfluß. 

 

Das Z. blieb jedoch stets konfessionell eingeengt. 

 

 

Im 1. Weltkrieg bildete es unter Führung Erzbergers mit der SPD und der Fortschrittlichen VolKspartei die Reichstagsmehrheit der Friedensresolution von 1917. 

Mit dem erfolglosen Hertling stellte es erstmals einen Reichskanzler und im Kabinett des Prinzen Max von Baden drei Staatssekretäre (Erzberger, Gröber und Trimborn). 

Nach der Novemberrevolution stellte sich das Z., trotz Ablehnung des Umbruchs, auf den Boden der Republik, arbeitete in Koalition mit SPD und DDP führend an der Weimarer Verfassung mit, gehörte (bei einem Stimmenanteil von 11 bis knapp 14% und 60- 75 Abgeordneten) allen Reichsregierungen bis 1932 an und stellte die Reichskanzler Fehrenbach,  Wirth,  Marx,  Brüning und  Papen. 

Auch in Preußen, Baden und Württemberg war das Z. ab 1919 maßgebliche Regierungspartei. 

Im Reichstag vertrat es außenpolit. die Erfüllungs- und Verständigungspolitik Wirths und Stresemanns, innenpolit. mit Erzberger, dem Organisator der Reichsfinanzverwaltung, die zentralist. Reichseinheit (1918 erfolgte daher die Abspaltung der partikularist. Bayer. Volkspartei).

 Die durch die heterogenen Kräfte in der Partei hervorgerufenen
Spannungen konnten dabei z. T. nur mühsam durch verstärkte Betonung des konfessionell kath. Charakters überbrückt werden (Wahl des Prälaten Kaas zum Parteivorsitzenden, 1928). 

Das Z. konnte zwar als einzige bürgerliche Partei bis zur letzten Reichstagswahl vom 5.3.1933 seine Wählerschaft gegen die NSDAP zusammenhalten, stimmte jedoch am 27.3.1933 dem  Ermächtigungsgesetz für  Hitler zu. Im Juli 1933 mußte sich das Z. im Zuge der Etablierung des NS-Staates selbst auflösen. 

Eine Neubegründung des Z. nach 1945 blieb erfolglos. 

 

Ludwig Windthorst, 1812-1891

Zentrumspolitiker. Er war der Sohn eines hannoveranischen Rechtsanwalts, besuchte das Gymnasium in Osnabrück, studierte Rechtswissenschaft, wurde Rechtsanwalt und Rat am katholischen Konsistorium, später Richter in Celle, 1849 Mitglied der 2. hannoveranischen Kammer, 1851 Kammerpräsident, 1851-1853 und 1862-1865 Justizminister im Königreich Hannover. Als Gegner Preußens verhandelte er nach der Annexion Hannovers 1867 mit Bismarck über die Abfindung des durch Preußen abgesetzten welfischen Königs von Hannover. Er wurde als Mitglied der welfischen Opposition in den Norddeutschen Reichstag gewählt und galt nach 1871 als Führer der katholischen Zentrumspartei. Durch den Kulturkampfwurde er zum erbitterte Gegner Bismarcks und zum Führer der parlamentarischen Opposition. Er war der bedeutendste Vorkämpfer des politischen Katholizismus in Deutschland.

 

 

 


 

 

Aus dem Gründungsprogramm der Nationalliberalen Partei, 12. Juni 1867
"Denn uns beseelt und vereinigt der Gedanke, daß die nationale Einheit nicht ohne die volle Befriedigung der liberalen Ansprüche des Volkes erreicht und dauernd erhalten [bleibt]. Deshalb ist unser Wahlspruch: Der deutsche Staat und die deutsche Freiheit müssen gleichzeitig mit denselben Mitteln errungen werden. ..Wir sind entschlossen, die Bundeskompetenz. ..über alle gemeinsamen Angelegenheiten auszudehnen. Als Ziel schwebt uns vor, daß die parlamentarischen Funktionen des Staates möglichst vollständig in den Reichstag verlegt werden. .. Als die unerläßlichste Bedingung für das gedeihliche Zusammenwirken der Regierung und der Volksvertretung ...erachten wir. ..eine den Gesetzen entsprechende, Recht und Freiheit der. ..Staatskörper wie der Gesamtheit unverbrüchlich achtende Verwaltung." 

Von den 120 Abgeordneten der Nationalliberalen Partei  1871 waren 34 Rechtsanwälte und Richter, 25 Staats- und Gemeindebeamte, 19 Gutsbesitzer, 12 Fabrikanten und Kaufleute, 11 Universitätsprofessoren. 21 Abgeordnete führten Adelstitel.

 

Nationalliberale Partei. 

Nach der Abstimmung über die  Indemnitätsvorlage Bismarcks im Preuß. Abgeordnetenhaus (3.9.1866) spaltete sich die Fortschrittspartei. Die von Lasker geführte zustimmende Gruppe erklärte, im Ausgang des Dt. Krieges 1866 den »ersten Anfang zu eIner wahren Einigung des dt. Vaterlandes« zu sehen und konstituierte sich am 17.11.1866 als »neue Fraktion der nationalen Partei«. 

Nachdem sich ab März 1867 im Norddt. Reichstag unter Führung von  Bennigsen eine Fraktion der N.P . mit zunächst  53 Abgeordneten konstituiert hatte, wurde am 12.6. 1867 das Gründungsprogramm der N.P. veröffentlicht, in dem die »Einigung des ganzen Dtl.s unter einer und derselben Verfassung«, der Beitritt Süddtl.s zum Bund, Ausbau des Parlamentarismus (erweitertes Budgetrecht, Ministerverantwortlichkeit) und liberale Reformgesetze, insbes. auf wirtschaftlichem Gebiet, gefordert wurden. 

Von Anfang an war die N.P.vor allem die Partei des Besitz- und Bildungsbürgertums, liberaler Gutsbesitzer, Industrieller und  Bankiers, entsprechend war auch ihre vorzugsweise prot. Wählerschaft zusammengesetzt. 

Im Febr. 1870 wurde der Vorstand der N.P. des Norddt. Bundes unter Vorsitz von H. von Unruh, j. Miquel und G. von Bunsen eingesetzt, dem u. a. Bennigsen,  Forckenbeck und Lasker angehörten; im Mai 1870 dehnte sich die N.P. durch Verbindung mit den süddt. Liberalen (Württernberg: »Dt. Partei«) auf das ganze dt. Gebiet aus. 

Die N.P., die 1871 125 (ca. 30%), 1874155 (29,7%),1877128 (27,2 %) und 1878 99 (23,1 %) Mandate im Reichstag bekam, war ab 1867 für über ein Jahrzehnt trotz mancher Differenzen die wichtigste parlamentar. Stütze Bismarcks im Reich und in Preußen, förderte das wirtschaftliche Zusammenwachsen des Norddt. Bundes und des Dt. Reiches durch liberale Wirtchaftsgesetzgebung, unterstützte die Regierung im Kulturkampf und - widerwillig - beim Sozialistengesetz. 

Mit Bismarcks Übergang zur Schutzzollpolitik 1877/78 brachen die bisher verdeckten Gegensätze in der N.P. zwischen Schutzzöllnern und Freihändlern auf. 

Nachdem in den Auseinandersetzungen um die Frankensteinsche Klausel 1879 der Schutzzöllnerflügel die Reichstagsfraktion verlassen hatte, traten im Aug. 1880 28 führende nationalliberale Politiker (u. a. von Stauffenberg,  Bamberger und  Lasker) aus der Fraktion aus (Sezession), da sie die »rückschrittliche Bewegung«, die Bennigsen und Miquel durch ihr unerschütterliches Festhalten an Bismarck vollzogen, nicht mitmachen wollten. 

 

In der Folge war die N.P. unter Führung von Bennigsen, Miquel und E. Bassermann eine Partei mittlerer Stärke mit zwischen 99 (1887) und 42 (1890) Reichstagsmandaten bei 12,5- 23,1% der Stimmen, die nach 1890 eine der führenden Interessenvertretungen der dt. Großindustrie und der Großbanken wurde und die imperialist. Kolonial- und Flottenpolitik (Flottengesetze) unterstützte. 

1887 gehörte die N.P. zu den Kartellparteien, 1906-09 zum  Bülow-Block; enge Beziehungen unterhielt sie u. a. zum  Alldt. Verband und zum  Dt. Flottenverein. 

 

Ab 1901 wurde von den sog. Jungliberalen im Gegensatz zur Parteiführung eIne Öffnung nach links gefordert, mit der eine große liberale Partei unter Führung der N.P. geschaffen werden sollte, was jedoch zu langwierigen Auseinandersetzungen in der Partei führte. 

Im 1. Weltkrieg trat die N.P. überwiegend für Annexionen, den beschränkten U-Boot-Krieg und gegen einen Verständigungsfrieden ein, die Reichstagsfraktion strebte aber auch unter Führung Stresemanns eine Reform des preuß. Dreiklassenwahlrechts an, was zu starken innerparteilichen Spannungen führte. 

 

Im Dez. 1918 löste sich die Partei, die in der Novemberrevolution prakt. zu existieren aufgehört hatte, auf: der rechte Flügel ging zur DNVP, eine andere Gruppe um R. Friedberg zur DDP, die Mehrheit um Stresemann begründete die  DVP .

 

Rudolf von Bennigsen, 1824-1902

nationalliberaler Politiker, geboren in Lüneburg, stammte aus altem niedersächsischem Adel, wurde nach dem Studium deiRechtswissenschaften Richter in Göttingen, schied nach seiner Wahl in die zweite Kammer aus dem Staatsdienst aus und übernahm die Führung der liberalen Opposition. Er war 1859-1867 Vorsitzender des Deutschen Nationalvereins und suchte 1866 vergeblich, Hannover vom Bündnis mit Osterreich abzuhalten. Als Mitglied der Nationalliberalen Partei wurde er in den Norddeutschen Reichstag und ins preußische Abgeordnetenhaus gewählt und übernahm den Fraktionsvorsitz seiner Partei. 1868 wurde er Landesdirektor der Provinz Hannover, beteiligte sich an den Verhandlungen der süddeutschen Staaten zum Eintritt in den Norddeutschen Bund 1870 und wurde Fraktionsvorsitzender der Nationalliberalen Partei im deutschen Reichstag. Als Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses 1873-1879 unterstützte er Bismarck im , ,Kulturkampf' , , brachte den Ausgleich im Verfassungskonflikt (Indemnitätsvorlage) 1866 zustande, lehnte aber den Eintritt in die Regierung ab, da Bismarck sich weigerte, weitere liberale Minister zu berufen und die Parlamentarisierung weiterzutreiben. So kam es 1878 zu einer Entfremdung zwischen ihm und Bismarck, als Bismarck die Zusammenarbeit mit der Nationalliberalen Partei aufkündigte. Bennigsen legte nach der Spaltung der Nationalliberalen Partei 1880 sein Parlamentsmandat nieder, kehrte aber 1888 erneut als Führer der Nationalliberalen Partei in den Reichstag zurück. 1888-1897 war er Oberpräsident der Provinz Hannover.

 

Martin Friedrich Rudolf von Delbrück,  1817-1903,

(seit 1896), preuß. Beamter und Politiker . Nach Jurastudium wurde D. 1842 Hilfsarbeiter im preuß. Finanzministerium, 1844 Referent im Handelsamt und 1848 im Handelsministerium, 1849 Vortragender Rat und 1859 Ministerialdirektor; 1862 lehnte er das Angebot, Handelsminister zu werden, ab. D. leitete ab 1848 die preuß. Zollvereinspolitik und schloß die Verträge über den Anschluß Hannovers und Oldenburgs an den dt. Zollverein (1851), setzte seine Verlängerung auf 12 Jahre durch und den wegen seiner freihändler. Tendenz umkämpften preuß.-franz. Handelsvertrag (1862). 1867 wurde D. Präsident des Bundeskanzleramtes, erhielt 1868 den Rang eines preuß. Staatsministers und wurde 1871 Präsident des Reichskanzleramts, womit er prakt. als Bismarcks "rechte Hand« dessen Stellvertreter, insbes. im Bundesrat und Reichstag, war. Unter D.s Leitung und maßgeblicher Beteiligung entstanden die liberalen Wirtschafrsgesetze der 60er und 70er Jahre: die Einführung des metr. Maß- und Gewichtssystems (1868), die Gewerbeordnung (1869), die Währungsvereinheitlichung und die Umwandlung der preuß. Bank zur Reichsbank (1871-75). Seine Freihandelspolitik führte D. insbes. durch die Aufbebung der Eisenzölle ( 1873) fort. Als Bismarck begann, sich von den liberalen Wirtschaftsvorstellungen abzuwenden und die Übernahme der Eisenbahnen durch das Reich und seine sozialpolit. Reformenplante, trat D. am 1.6.1876 zurück. 1878-81 war er MdR (fraktionslos) und bekämpfte als Liberaler erfolglos die Schutzzollpolitik Bismarks, zog sich dann aber von der Politik zurück. D. veröffentlichte ein Werk über dt. Zoll- und Steuergesetzgebung.

 


 

 

Aus dem Gründungsprogramm der Deutschen Fortschrittspartei, 9. Juni 1861
"[Die Größe Preußens hängt] ab von einer festen Einigung Deutschlands, die ohne eine starke Zentralgewalt in den Händen Preußens und ohne gemeinsame deutsche Volksvertretung nicht gedacht werden kann. ..Wir verlangeneine feste liberale Regierung, welche ihre Stärke in der Achtung der verfassungsmäßigen Rechte der Bürger sieht, es versteht, ihren Grundsätzen in allen Schichten der Beamtenwelt unnachsichtlich Geltung zu verschaffen ...In der Gesetzgebung scheint uns die. ..Verwirklichung des verfassungsmäßigen Rechtsstaats eine. .. unbedingte Notwendigkeit. ..Notwendig erscheint uns ...die Herstellung einer auf den Grundsätzender Gleichberechtigung und der Selbstverwaltung gestützten Gemeinde-, Kreis- und P-rovinzialverfassung unter Aufhebung des ständischen Prinzips und der gutsherrlichen Polizei. .." 

Von den 44.Abgeordneten der Fortschrittspartei 1871 kamen 27 aus Preußen, z. B. aus Berlin 6, Regierungsbezirk Gumbinnen 4, Schlesien 4; Westfalen, Schleswig-Holstein, Hessen-Nassau je 3; Sachsen 8.

 

Fortschrittspartei:

Nachdem sich die von den Liberalen im preuß. Abgeordnetenhaus (Fraktion  Vincke) abgespaltene Fraktion ]unglitauen mit Berliner Demokraten und Liberalen in Verhandlungen, an denen u. a.  Forckenbeck,  Mommsen, Siemens,  Schulze-Delitzsch,  Virchow und  Waldeck teilnahmen, auf die Gründung der F. geeinigt hatten, wurde deren Parteiprogramm am 6, 6.1861 verabschiedet.


Wesentliche Forderungen desselben waren die Einigung Dtl.s unter preuß. Führung und die konsequente Verwirklichung des verfassungsmäßigen Rechtsstaates in Preußen, nicht dagegen das allgemeine Wahlrecht. 

 

Die F. wurde rasch die Partei des aufstrebenden städt. Bürgertums und gewann im preuß. Abgeordnetenhaus 1862 104, 1862/63 133 und 1863/64 141 Sitze. 

Aus ihrer Ablehnung der Militärausgaben im preuß. Etat für 1862 entwickelte sich nach Bismarcks Berufung zum Ministerpräsidenten derVerfassungskonflikt in Preußen, der der F. auf längere Sicht schadete: 1866 erhielt sie nur noch 83 Sitze.
Nach dem Dt. Krieg von 1866 spaltete sich eine Fraktion ab, die den Bismarck'schen Militärvorlagen zustimmte: aus ihr entstand die Nationalliberale Partei. 

In der Folge hatte die F. bis 1879 im preuß. Abgeordnetenhaus 48-68 Mandate. Da Bismarck, wenn auch Gegner der F., deren nationale Vorstellungen weitgehend erfüllte, bejahte sie die Gründung des Norddt. Bundes und forderte seinen Ausbau zu einem ganz Dtl. umfassenden Nationalstaat unter preuß. Führung, versagte allerdings seiner ihr zu wenig demokrat. Verfassung die Zustimmung. 

Nach dem Dt.-Franz. Krieg und der Schaffung des Dt. Reiches verlor die F. an Dynamik. Sie hatte im Reichstag 1871-81 26 (1878) bis 59 (1881) Mandate (1871: 45) bei ca. 7 bis 13% der Stimmen und stellte einige bedeutende Parlamentarier (Hänel, Loewe-Calbe, Virchow und E.Richter),...

... konzentrierte sich zunächst auf den wirtschaftlichen Ausbau des Reiches, stritt im Kulturkampf an der Seite der Regierung, stimmte den  Maigesetzen zu und Iehnte die Einführung des allgemeinen Wahlrechts in Preußen ( Drel-
klassenwahlrecht) ab. 

Opposition betrieb die F. nur noch, als die Fraktionsmehrheit den Septennat ablehnte, worauf elf Abgeordnete (Gruppe Loewe-Calbe/Berger) austraten. 

 

 

 1876 besann sich die F. auf ihre liberalen Grundsätze, trieb konsequentere Opposition, lehnte z.B. trotz scharfer Gegnerschaft zur Sozialdemokratie das  Sozialistengesetz mehrheitlich ab und gab sich 1878 ein neues linksliberales Programm.


1876/77 wurde, insbes. von E. Richter, auch begonnen, durch Gründung von Wahlvereinen eine Parteiorganisation zu schaffen. Ab 1879 verzeichnete die F. unter der von Richter ausgegebenen Losung »Fort mit Bismarck" erheblichen Aufschwung und erlebte 1881 ihren größten Erfolg bei Reichstagswahlen. Am 5.3.1884 schloß sie sich schließlich mit der Liberalen Vereinigung (Sezession) zur Dt.-freisinnigen Partei zusammen.

1893 Spaltung in Freisinnige Vereinigung und Freisinnige Volkspartei...

 

 

 

Rudolf Virchow, 1821-1902

liberaler Politiker, als Sohn eines Landwirts und Stadtkämmerers in Schivelbein, Pommern, geboren, studierte Medizin, wurde Professor in würzburg und Berlin und galt als einer der bedeutendsten Forscher und Arzte seiner Zeit. Er forderte öffentliche Gesundheitspflege als Teil der Sozialpolitik und Verbesserung des Kriegssanitätswesens. Als Demokrat war er an der Märzrevolution 1848 beteiligt, 1861 wurde er Berliner Stadtverordneter, von 1862 bis zu seinem Tod war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses. Als Mitbegründer der demokratischen Fortschrittspartei gehörte er zu den liberalen Gegnern Bismarcks im preußischen Verfassungskonflikt 1862-1866 und bekämpfte später im Kulturkampf 1871-1878 die katholische Kirche. 1880-1893 war er Mitglied des Reichstags, seit 1884 für die Deutschfreisinnige Partei.

 


 


 

Gründungsprogramm der Deutschkonservativen Partei vom 7. Juni 1876
"Wir wollen die. ..Einheit auf dem Boden der Reichsverfassung im nationalen Sinne stärken. .. Wir legen. ..entscheidendes Gewicht auf die monarchischen Grundlagen unseres Staatslebens und eine kräftige obrigkeitliche Gewalt. Wir wollen. ...bürgerliche Freiheit für alle und eine wirksame Beteiligung der Nation an der Gesetzgebung. Wir wollen in Provinz, Kreis und Gemeinde eine Selbstverwaltung, gegründet nicht auf das allgemeine Wahlrecht, sondern auf die natürlichen Gruppen und organischen Gliederungen des Volkes. .. [Wir wollen] Wiedererstarkung der christlichen und kirchlichen Einrichtungen. ..-vor allem die konfessionelle, christliche Volksschule erachten wir für die Grundlage jeder gesunden Entwicklung und für die wichtigste Bürgschaft gegen die zunehmende Verwilderung der Massen und die fortschreitende Auflösung aller gesellschaftlichenBande. Wir betrachten den kirchenpolitischen Streit, der als Kulturkampf vom Liberalismus zum Kampfe gegen das Christentum ausgebeutet wird, als ein Unglück. Wir erachten es für Pflicht, den sozialistischen Irrlehren entgegenzutreten. ..Wir sind überzeugt, daß der Staat die Aufgabe [hat] ..., die redliche Erwerbsarbeit gegen das Überwuchern der Spekulation und des Aktienunwesens zu schützen. .., durch eine wirksame Fabrikgesetzgebung, die. ..Lage der Lohnarbeiter, ...das. ..Zusammenwirken von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu fördern." 


Die Freikonservativen (Deutsche Reichspartei) hatten 1871 insgesamt 38 Sitze; 33 aus Preußen, davon 17 aus Schlesien. Die meisten von ihnen hatten Verbindung zum Kanzler oder zum kaiserlichen Hof. 

 

Deutschkonservative Partei:

Die D. P. entstand 1876 als gemeinsame Partei verschiedener konservativer Gruppen; ihre Gründung beendete eine Zerfallsperiode des konservativen Einflusses in Preußen. Die reaktionäre Politik der von E. L. von Gerlach geführten Konservativen führte in den 1850erJahren zu ihrer Schwächung im preuß. Abgeordnetenhaus bis zum Verlust der Mehrheit bei Beginn der Neuen Ära. 

Auch die Berufung Bismarcks zum Ministerpräsidenten, die Ersetzung Gerlachs durch M. von Blanckenburg und die 1861 beginnende Agitation des von H. Wagener gegründeten Preuß. Volksvereins führten nur kurzfristig zu einer Stärkung. 

Die Ablehnung von Bismarcks Politik in der Frage der Reichseinigung durch große Teile der Konservativen führte zur Spaltung in Altkonservative (Bismarckgegner) und Neukonservative; 1866 trennte sich zudem eine freikonservative Gruppe ( Freikonservative Partei) ab. 

Durch diese Spaltungen ging der konservative Einfluß noch weiter zurück, selbst im preuß. Herrenhaus erlitten die von H. von Kleist-Retzow geführten Konservativen Niederlagen. 

Nach der Gründung des  Dt. Reiches schien der endgültige Zerfall der preuß. Konservativen Partei, die Bismarck nach wie vor ablehnend gegenüberstand und den Kulturkampf verwarf, unaufhaltsam: 1873 hatte die gespaltene Fraktion im Abgeordnetenhaus noch 30 Sitze (sechs Alt- und 24 Neukonservative), im Reichstag nur 21 Mandate. 

Unter diesen Umständen war ein Abgehen von ihrer bisherigen Politik der Fortschrittsfeindschaft, der Ablehnung des Dt. Reiches und der verbreiteten Gegnerschaft gegen die kapitalist. Großbourgeoisie und das Einschwenken auf die Politik Bismarcks unabdingbar. 

Auch das wirtschaftliche Interesse der Großgrundbesitzer (Agrarier), die bis dahin für die Freihandelspolitik eingetreten waren, führte unter dem Eindruck der Agrarkrise der 1870er Jahre zu einer Umorientierung auf die von der Schwerindustrie bereits vorher geforderte Schutzzollpolitik. 

1876 riefen daher konservative Führer zur Sammlung aller konservativen Kräfte auf, und am 7. 6. 1876 wurde in Frankfurt/Main ein von 0. H. vonHelldorf verfaßtes Programm angenommen, das die D. P. auf den Boden der Reichsverfassung stellte und eine konservative Interessenpolitik formulierte. Neben der Sicherung der wirtschaftlichen und polit. Machtstellung der Ostelbier stand dabei die Erhaltung der monarch. Grundlagen des Dt. Reiches und der Bundesstaaten, Stärkung der Religion, Sicherung des Mittelstandes und vor allem die scharfe Bekämpfung der Sozialdemokratie im Vordergrund. 

1877 erhielt die D.P. 40,187859, 1881-1907 stets 50-80 Mandate im Reichstag (9-16% der Stimmen), doch gelang ihr nicht über die ostdt. Provinzen Preußens, Sachsen und
Mecklenburg hinaus Fuß zu fassen, da die west- und süddt. Konservativen dem Zentrum bzw. der Freikonservativen Partei, die hannover. der Deutschhannoverschen Partei angehörten. 1887 waren von 74 Reichstagsabgeordneten der D.P.  69 Preußen, 49 Ostelbier, 53 gehörten dem Adel an; die Partei blieb daher bis 1918 die Interessenvertreterin der adligen ev. ostdt. Großgrundbesitzer, der höheren preuß. Staatsbeamten und ev. Geistlichen unter ausschließlich adliger Führung.
 Das  Dreiklassenwahlrecht sicherte Ihr den beherrschenden Einfluß im preuß. Abgeordnetenhaus, noch stärker im preuß. Herrenhaus; der Vorsitzende der D. P. im Abgeordnetenhaus, E.von  Heydebrand und der Lasa (1906-18, zugleich 1911-18 Parteivorsitzender), wurde als »ungekrönter Kg. von Preußen« bezeichnet. Durch ihre starke Stellung im preuß. Parlament hatte die D. P. nicht nur beherrschenden Einfluß  auf die preuß. Politik, die Beamtenschaft und das Offizierskorps, sondern über den Bundesrat auch im Reich.

 Sie erzwang zusammen mit den Freikonservativen, dem Zentrum und Teilen der Nationalliberalen Partei 1878/79 den Übergang des Reiches zur Schutzzollpolitik, forderte und
bewilligte das  Sozialistengesetz und wirkte für den Abbruch des Kulturkampfs, 1887-90 gab sie
 mit den  Kartellparteien Bismarck eine starke Mehrheit im Reichstag. 

Innerhalb der D. P. bildete sich allerdings in dieser Zeit die hochkonservative Kreuzzeitungspartei unter  Hammerstein und  Stoecker, der die  Christlichsoziale Partei an die D.P. angeschlossen hatte. 

Unter  Stoeckers Einfluß wurde 1892 das Tivoliprogramm angenommen, das den Antisemitismus in die D. P. einführte. 

Nach dem Ausscheiden Stoekkers (1896), der seinen christlich-sozialen Kurs nicht durchsetzen konnte, geriet die Partei zunehmend unter den beherrschenden Einfluß des Bundes der Landwirte, so daß sie aus einer Weltanschauungspartei endgültig zu einer reinen Interessenpartei der Agrarier wurde. 

Die Handelsverträge Caprivis wurden ebenso als Schädigung der ostdt. Landwirtschaft abgelehnt wie der Bau des Mittellandkanals (Kanalrebellen), dagegen stimmte die D. P. für alle Militär- undFlottenvorlagen (Flottengesetze) und setzte sich nach anfänglichem Zögern auch für die Kolonialpolitik ein. 

1907-09 gehörte sie dem  Bülow-Block an, zeigte sich aber an der Reichspolitik weniger interessiett und lehnte jede Stärkung des Reichs ab, die eine Schwächung der Stellung Preußens und damit der D. P. selbst bedeutet hätte. Nach dem Zerbrechen des Blocks erlitt sie in der Reichstagswahl 1912 mit nur 43 Mandaten eine schwere Niederlage. 

Im 1. Weltkrieg unterstützte sie unter Führung von Westarp die illusionären Annexionspläne des Alldt. Verbands, trat für den unbeschränkten U-Boot-Krieg ein, lehnte die Friedensresolution des
Reichstags ebenso ab wie jede Reichsreform (Oktoberverfassung) und verhinderte die von der
Reichstagsmehrheit geforderte Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen. 

 

 

Die Novemberrevolution beendete die Herrschaft der D. P. in Preußen und führte zu ihrem völligen Zerfall. Graf Westarp beteiligte sich im Dez. 1918 an der Gründung der DNVP , in der zahlreiche Mitglieder der D.P. weitgehenden Einfluß gewannen.

 

Otto Heinrich von Helldorff, 1833-1908

konservativer Politiker. Nach Jurastudium war H. bis 1874 im preuß. Staatsdienst, 1867- 74 als Landrat in Wetzlar tätig. 1874 übernahm er die Bewirtschaftung von Bedra und drei anderen Rittergütern. Als Konservativer war H.. 1871- 73, 1877-80 und 1884-93 MdR, 1879-81 und 1884-92 Vorsitzender der Fraktion der Deutschkonservativen Partei, an deren Gründung er 1876 maßgeblich mitwirkte und die er seit dem bis 1892 als Vorsitzender führte. H. förderte die Aussöhnung der preuß. Konservativen mit Bismarck und war an der Politik der Kartellparteien maßgeblich beteiligt, verlor aber das Vertrauen Bismarcks in den Auseinandersetzungen vor dessen Sturz. Inder Auseinandersetzung um die Handelsverträge Caprivis zerstritt er sich mit den agrar. orientierten Kreisen seiner Partei und verlor 1892 den Fraktions- und Parteivorsitz. Danach trat er auch im preuß. Herrenhaus, dem er seit 1890 angehörte, nicht mehr hervor.

 

Ernst von Heydebrand und der Lasa, 1851-1924, 

konservativer Politiker. Nach dem Jurastudium (Dr. jur.) war H. bis 1895 im preuß. Staatsdienst, zuletztab 1883 als Landrat des Kreises Militsch tätig und übernahm dann die Verwaltung des ererbten Ritterguts. H. war 1888-1918 Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses, 1903-18 MdR, 1911-18 Vorsitzender der  Deutschkonservativen Partei, 1906-18 Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus und zeitweise einer der einflußreichsten Politiker in Preußen ("ungekrönter Kg. von Preußen,,). Unter seiner Führung ging die Deutschkonservative Partei von der Unterstützung der Regierung zur Opposition über und wandte sich in Zusammenarbeit mit dem Bund der Landwirte immer mehr der ausschließlichen Wahrung agrar. Interessen (z.B. gegen den Bau des Mittellandkanals) und zunehmender Reformfeindlichkeit in der Innenpolitik Preußens und des Reichs zu. H. kritisierte Ks. Wilhelm II. (~ Daily Telegraph-Affäre) und insbes.  Bethmann Hollweg, dessen Außenpolitik ihm zu nachgiebig erschien. Im 1. Weltkrieg forderte H. eine entschlossene Kriegsführung und Grenzverbesserungen, wandte sich aber gegen die vom  Alldt. Verband u. a. vertretenen Annexionsansprüche. Innenpolit. verhinderte er systemat. die Änderung des Dreiklassenwahlrechts. Nach der  Novemberrevolution zog sich H. von der Tagespolitik zurück.

 


 

Adolf Stoecker ,1835-1909

preuß. Hof    prediger und Politiker. Nach ev. Theoplogioestudium undTätigkeit in verschiedenen Pfarrstellen wurde S. 1874 Hof- und Domprediger in Berlin. 1877 übernahm er auch die Leitung der Berliner Stadtmission und trat in öffentlichen Versammlungen gegen die Sozialdemokratie auf. 

1878 gründete er die Christlich-soziale Partei. Als Hochkonservativer betrachtete S. den nach seiner Meinung vom »modemen Judentum« ausgelösten Liberalismus als Ursache für die Abwendung großer Bevölkerungsteile von Kirche und Staat; parteipolit. nützte er den latent vorhandenen Antisemitismus demagog. für seine Parteipropaganda, die er als »Erweckung« verstand. Seine Berliner Bewegung wurde zum Sammelbecken der Antisemiten.
1879 wurde S. in das preuß. Abgeordnetenhaus gewählt und war 1881-93 und wieder 1898-1908 MdR (dt.-konservativ). Er zog sich jedoch wegen seiner antisemit. Hetze und seiner sozialpolit. Tätigkeit die Feindschaft von Bismarck und Ks. Wilhelm II. (»Christlichsozial ist
Unsinn«) zu und mußte 1889 polit. Zurückhaltung versprechen. 1890 gehörte S. zu den Gründern des Ev .-sozialen Kongresses, den er jedoch 1896 wegen zunehmender Differenzen mit Naumann und seinem Kreis verließ. Nach dem  Verlust seines Amtes als Hofprediger und seinem Ausschluß aus der Dt.-konservativen Partei begründete S. 1897 die Kirchlich-soziale Konferenz, fand aber nur nochgeringe polit. Resonanz.

 

Friedrich Naumann [Photo: Friedrich Naumann],1860-1919, 

Politiker. N. studierte ev. Theologie und kam über Tätigkeit bei der Inneren Mission im Hamburger » Rauhen Haus « und Pfarramt in Langenberg und seit 1890 in Frankfurt/Main zur Politik. Er schloß sich der christlich-sozialen Bewegung von A. Stoecker an (» Was heißt christlich-sozial?«, 1894, 1896), wirkte seit 1890 im Ev.-sozialen Kongreß, gründete 1894 die Wochenschrift »Die Hilfe«, führte 1895 die »Jungen« der Bewegung bei ihrer Ablösung von Stoecker an, gründete 1896 den Nationalsozialen Verein und befürwortete ein Wahlbündnis des Vereins mit der SPD. 1896/97 gab er »Die Zeit« heraus, erneut 1901-03 bis zur Vereinigung mit der wochenschrift »Die Nation«. 1897 schied er aus dem geistlichen Amt aus und. schloß sich 1903 nach dem Scheitern des VereIns der Freisinnigen Vereinigung an; 1907-18 war er MdR und förderte die Gründung der Fortschrittlichen Volkspartei (1910). N. trat für nationale Machtpolitik ein {Kolonien, Flottenbau) und stellte während des 1. Weltkrieges ein Programm für eine mitteleurop. Wirtschaftsgemeinschaft unter dt. Führung auf (»Mitteleuropa«, 1915). N. befürwortete die Friedensresolution. 1917 gründete er in Berlin die Staatsbürgerschule als Vorläufer der Dt. Hochschule für Politik {1920). Im Nov. 1918 war er Mitbegründer der Dt. Demokrat. Partei, ab Juli 1919 ihr Vorsitzender und gehörte der Weimarer Nationalversammlung an.
N. wirkte durch seine ungewöhnliche Rednergabe und seine starke Persönlichkeit nachhaltig auf die Generation um die Jahrhundertwende und ihre sozialen Vorstellungen ein und trug maßgeblich zur Erneuerung des bürgerlichen Liberalismus in D. bei.