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5.1.konstitutionalismus....zurück-pfeil.gif (2419 Byte) l-weiter.gif (2419 Byte)5.3. hochkapitalismus

 zurück-pfeil.gif (2419 Byte)5.2.  19./20.JHD-1:   ideologisches zeitalter-4:  KONSERVATSISMUS - AUTORITARISMUS

> NATIONALSTAATSGRÜNDUNGEN  (GR,B.I,D):

 l-buch.jpg (1728 Byte) D - KAISERREICH 1870-1918 / ´Kulturkampf´

 

 

Der Gründer und Exerziermeister Bismarck:

 

Insbesondere der preußische Zentralismus des neuen Nationalstaates sowie sein protestantisch-christlicher Autoritarismus und das gleichzeitige Anliegen der Linksliberalen, endlich eine deutliche Trennung von Staat und Kirche zu erreichen, sorgten für die ersten innenpolitischen Fronten:

´Kulturkampf´ war bald das Schlagwort in aller Munde - seine Akteure: 

- Rom (Syllabus (Verurteilung von Zeitirrtümern (Wissenschaftsgläubigkeit, Kommunismus, Liberalismus)1864; Unfehlbarkeitsdogma Pius IX. 1870

)...

 

Vorschlag des preußischen Staatsministeriums vom 30. Juni 1871 zur Aufhebung der katholischen Abteilung im Kultusministerium
"Die ultramontane Partei (Zentrum) hat in der jetzt beendigten Session des ersten Deutschen Reichstages zu einer Zeit des höchsten patriotischen Aufschwunges der Nation deutlich gezeigt, daß die Herrschaft des unfehlbaren Papstes und des blind gehorchenden Klerus ihr entschiedenes Ziel ist, daß sie die Regierung bekämpft, wenn sie sich nicht jener Herrschaft beugt, daß sie das Deutsche Reich unter einem evangelischen Kaiser als eine Institution ansieht, zu deren Bekämpfung das Bündnis mit den revolutionären Elementen nicht zu verschmähen ist. Alle Wohltaten. ..hindern jene Partei nicht, sich mit Feinden der Regierung aus den verschiedensten Lagern zu verbinden."

 

...und der antizentralistische politische Katholizismus, der sich nun gegen die überstarke Zentralgewalt in der neuen ´Zentrumspartei´ organisierte / anerkannter Parteiführer: Ludwig Windthorst / Programmschwerpunkte: Kirchen- und Kulturpolitik, bes. Konfessionsschulen, Stärkung der Einzelstaaten gegenüber dem Reich; Wiederherstellung des Kirchenstaates / Anhänger: alle Schichten der katholischen Bevölkerung, die katholische Arbeiterbewegung

- die Linksliberalen

- Bismarck

 

Bismarcks Befürchtung:  das Zentrum als Sammelbecken aller im Reich Unzufriedenen und als innerer Bündnispartner für die katholischen Staaten Europas

Aus Bismarcks Herrenhausrede, 10. März 1873
"Die Frage, in der wir uns befinden, wird meines Erachtens gefälscht. .., wenn man sie als eine konfessionelle, kirchliche betrachtet. Es ist wesentlich eine politische; es handelt sich nicht um den Kampf, wie unseren katholischen Mitbürgern eingeredet wird, einer evangelischen Dynastie gegen die katholische Kirche. .., nicht um den Kampf zwischen Glauben und Unglauben. .., [sondern] um den uralten Machtstreit. ..zwischen Königtum und Priestertum."

 

Eine Antwort des Abgeordneten Windthorst (Zentrum) im preußischen Abgeordnetenhaus, 30. Januar 1872


,,[Bismarck] hat gesagt. .., nachdem er aus dem Felde zurückgekommen und die Bildung der [Zentrums-] Fraktion erfahren [habe], er dies als eine Mobilmachung zurBekämpfung des Staates angesehen habe. ..Wenn der Herr Ministerpräsident annimmt, daß jede Bekämpfung seiner Maßregeln und seiner Politik ein Kampf gegen den Staat ist, dann. ..bin ich So frei, anzunehmen, daß es noch nicht richtig ist, daß der Herr Ministerpräsident der Staat sei. ..Ich kann ein eifriger Anhänger des Staates und des Vaterlandes sein, und doch mich in meinem. .. Gewissen genötigt finden, viele Maßregeln zu bekämpfen ..., welche der Herr Ministerpräsident. ..für gut findet. ..Kein Minister in England hat es noch gewagt zu sagen, wenn man seine Maßregeln bekämpfe, dann bekämpfe man den Staat!"

 

Bismarcks Gegenmittel:  die Bekämpfung des Zentrums durch:

- die Auflösung der Schulabteilung im preußischen Kulturministerium 1871/2

- die Ersetzung katholischer Schulaufsichtsbeamter durch staatliche / Schulaufsichtsgesetz

- Einführung eines ´Kanzelparagraphen´ im Strafgesetzbuch - Bedrohung jedes Geistlichen mit Gefängnis, der im Amt staatliche Angelegenheiten "in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise" behandelte

- Verbot des Jesuitenordens

- die Maigesetze 1873 unterwarfen das kirchliche Leben staatlichen Regelungen (Vorschriften  für die Ausbildung der Geistlichen, Einspruchsrecht des Staates bei der kirchlichen Stellenbesetzung, Errichtung eines staatlichen Gerichtshofes für kirchliche Angelegenheiten)

- 1874/5 Einführung der staatlichen Zivilehe via Standesämter + Ausweisungsgesetz (widerstrebende Geistliche konnten ausgewiesen werden)

- 1875 Brotkorbgesetz (Sperrung staatlicher Zuschüsse) + Klostergesetz (Aufhebung der meisten katholischen Orden in Preußen) 

 

>>> 1876 waren in Preußen alle katholischen Gemeinden ohne Seelsorger, aber die katholische Bevölkerung hielt unbeirrt zu ihrer Kirche

>>> allmähliche Gegenwehr gegen diese Politik auch auf protestantischer und konservativer Seite

 

 

 

1879 anläßlich eines Papstwechsels in Rom (Leo XIII.) bog Bismarck den Streit plötzlich über die Köpfe des Zentrums hinweg in einen Ausgleich um:

- ab 1880 Rücknahme der meisten Maßnahmen in Milderungs- und Friedensgesetzen

- bestehen blieben: staatliche Schulaufsicht, Zivilehe und Kanzelparagraph

 

Hintergrund: 

- das Erstarken einer weiteren neuen Partei: der deutschen ´Sozialdemokratie´

- und ein Teil der Nationalliberalen machte seine Schutzzollpolitik nicht mit

- dagegen fand er bei den Konservativen und der Zentrumspartei für seine neue Wirtschaftspolitik Unterstützung