5.1.konstitutionalismus....
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5.3. hochkapitalismus
5.2. 19./20.JHD-1: ideologisches zeitalter-4: KONSERVATSISMUS - AUTORITARISMUS
> NATIONALSTAATSGRÜNDUNGEN (GR,B.I,D):
D - KAISERREICH 1870-1918 / Wirtschaftsentwicklung
achtung: seite baut extrem langsam auf infolge einer vielzahl (!!) von graphiken + bildern, für deren vergleich mir scrollmöglichkeiten wünschenswert erschienen!
Die Wirtschaftsentwicklung D´s hatte sich wie folgt vollzogen:
1816-17 Ernteausfall und Hungerkrise
1818 Gründung der preußischen Zollunion
1820 17.1.: Drittes Verfassungsversprechen
1828 Gründung von Zollunionen: Preußen und Hessen-Darmstadt, Bayern und Württemberg, Mitteldeutscher HandeIsverein
1834 1.1.: Inkrafttreten des Deutschen Zollvereins
1844 4.-6.6.: Weberaufstand in Schlesien
1846 Gründung derPreußischen Bank
1846-47 Mißernte und Hungersnot
1847 11.4.-26.6.: Vereinigter Landtag
1848 März/April: Revolution in Preußen; Liberales Camphausen/Hansemann-Ministerium
1848 Gründung der Ersten 1. Aktien Kreditbank Preußens: A. Schaaffhausen'scher Bankverein in Köln
1853 Gründung der Bank für Handel und Industrie zu Darmstadt
1856 Gründungswellen von Industrie-Aktiengesellschaften, auch von Banken als Kommanditgesellschaften auf Aktien
1857 Erste Weltwirtschaftskrise
1867-73 Heftiger Aufschwung unterbrochen durch den deutsch-französischen Krieg 1870/71
Nach dem Frieden von Frankfurt blieben die östlichen Departements des besiegten Landes so lange besetzt, bis die Kriegs-»kontribution« - wie man damals sagte, den Begriff »Schuld« vermied man -in Höhe von 5 (fünf) Milliarden Talern bezahlt, bzw. durch französische Anleihen abgegolten war. Eine hohe Anleihe übernahm das Haus Bleichröder in Berlin, Bismarcks Bank, bei der er auch zu spekulieren pflegte. Frankreich hat die für die damalige Zeit überaus hohe zahlung rasch bezahlt, vor der Frist. Das Land wurde von der Besatzung frei. In Deutschland bewirkten die französischen Gelder einen »Boom« der »Gründerzeit« und dann den Zusammenbruch vieler Spekulationen in einer schweren Krise.
Die Währung
Hatte man sich in den vorhergehenden Jahrzehnten noch mit der Frage beschäftigt, ob die Goldwährung, die allein England (seit 1816) hatte, oder ob die am meisten verbreitete Silberwährung oder ob die ebenfalls vorhandene Doppelwährung die günstigste für ein Land sein würde, so ging man in den wichtigsten Staaten der Welt bis zur Wende zum 20. Jahrhundert zur Goldwährung über.
Die Einführung der Goldwährung in Deutschland erfolgte:
-Durch Gesetz vom 3. Juli 1873 (aber zunächst noch daneben Silberwährung).
- Durch "Bekanntmachung" des Bundesrates vom 27. Juni 1907 Abschaffung der noch bestehenden Reste der Silberwährung.
Die Goldwährung bestand von 1873 bis 1914 nach dem Banking-Prinzip, d. h. die ausgegebenen Banknoten mußten gedeckt sein: -1/3 = Gold -2/3 = Handelswechsel
-Erst 1910 wurden die Reichsbanknoten gesetzliches Zahlungsmittel, d. h. ein Gläubiger konnte die Annahme nicht mehr (unter Hinweis auf Goldmünzen) verweigern.
Andere Länder gingen zur Goldwährung über:
-In den 70er Jahren: Frankreich, Belgien, Niederlande, Dänemark, Schweden und Norwegen.
-In den 90er Jahren: Osterreich-Ungarn, Japan, Rußland und die USA.
Das internationale Währungssystem war damit auf den Goldautomatismus ausgerichtet, d. h. über die Goldwährung wurden Verschiebungen im Preis- und Lohngefüge, in der Leistungs- und in der Zahlungsbilanz zwischen den einzelnen Ländern wieder ins Gleichgewicht gebracht.
Im wesentlichen gingen die stark auf den Welthandel ausgerichteten Länder, d. h. solche, die von der Wirksamkeit des Währungssystems stark abhängig waren, zur Goldwährung über.
Preisstabilisierende Wirkung hatte die Goldwährung aber nur in begrenztem Maße, wie der Anstieg der meisten Preise und Löhne von 1875 bis 1914 um 30 v .H. und mehr zeigt.
Eisenwalzwerk
August Thyssen (1842-1926)
August Thyssen war der dritte Sohn unter sieben Geschwistern. Er stammte aus einer katholischen Aachener Bauem und Handwerkerfamilie. Sein Vater leitete ein Drahtwalzwerk in Eschweiler und gründete eine Bank. August besuchte die Schule in Eschweiler, die Bürgerschule in Aachen, das Polytechnikum (Vorläufer der Technischen Hochschule) in Karlsruhe, die Handelsschule in Antwerpen, wurde zum Abschluß seiner Militärzeit Leutnant der Reserve und begann seine wirtschaftliche Tätigkeit in der Bank seines Vaters.Nach dem Krieg von 1866 beteiligte er sich als 25jähriger an der Gründung eines Bandeisenwerkes, verkaufte 1871 seinen Anteil mit fünffachern Gewinn und errichtete davon das Stahl- und Eisenwalzwerk Thyssen & Co. bei Mülheirn an der Ruhr. In diesem Betrieb mit 70 Arbeitern war er Chef, Ingenieur, Buchhalter, Verkäufer in einer Person. 1880 beschäftigte er 665 Arbeiter und Angestellte.
Den Stahl für sein Werk gewann er in dreißig Puddelöfen. Um den Absatz zu sichern, fing er an, auch Gasrohre zu fabrizieren. 1882 fügte er ein Stahlwerk, eine Blechwalzenstraße, eine Kesselschmiede und eine Blechzinkerei hinzu. Einige Erbschaften und einen Teil seiner Gewinne vermehrte er durch Börsenspekulationen. In der Wirtschaftskrise 1873 kaufte er Bergwerksanteile und erwarb allmählich 10% der Kohlengruben im rheinisch-westfälischen Gebiet. Auf der eigenen Kohle errichtete er nun Hochöfen, ein Stahl- und Walzwerk, später eine Kokerei und einen Thomas-Stahl-Ofen. 1892 bis 1900 verpfändete er das ganze Bergwerk "Deutscher Kaiser", um das modernste Hochofenwerk seiner Zeit für 44 Millionen Mark zu bauen. Um das Risiko durch ein breiteres Programm zu vermindern, gliederte er weitere eisenverarbeitende Werke an. 1905 fügte er ein Teerwerk hinzu. Planmäßig steuerte er das Ziel an, nach dem Vorbild des Amerikaners Carnegie alle Produktionsstufen, von den Rohstoffen bis zu den Fertigwaren, in einer Gesamtorganisation zu vereinigen. Er erwarb Erzgruben in Lothringen, in der Normandie, Marokko, Algier, Südrußland, Skandinavien. Auf seinem brandenburgischen Rittergut, das er erworben hatte, errichtete er ein Kalkwerk. Schließlich übernahm er das holländische Erztransportunternehmen Vulkaan, gründete eine Eisenhandelsgesellschaft, Kohle- und Eisenhandelsniederlassungen in Übersee.
Mit dem Großunternehmer Stinnes zusammen begründete er die Rheinische Bank in Mülheim, um sich von den Großbanken unabhängig zu machen.1904 war er der größte Stahlerzeuger, größer als Krupp. Eigene Elektrizitäts- und Wasserwerke sicherten ihm den Energie- und den Wasserbedarf. 1904 baute er für sein Werk die ersten Ferngasleitungen.
Erst 1903 zog er von seinem bescheidenen Häuschen am Mülheimer Bahnhof in das Schloß Landsberg um, das er aus Gründen der Repräsentation erworben hatte und dessen Prunkmöbel er mit Schonbezügen versehen ließ. Auf der Bahn fuhr er auch als Millionär in der billigsten Klasse und verzehrte dort sein mitgebrachtes Butterbrot, um den Speisewagen zu sparen. Er fuhr mit der öffentlichen Pferdebahn, weil ihm die Droschke zu teuer war, und sammelte beim Gang durch das Werk Briketts und Nägel vom Weg auf, um sie dem Betriebsleiter vorwurfsvoll auf den Tisch zu legen.
Der von August Thyssen seit 1871 aufgebaute Konzern umfaßt heute (1970er Jahre) 67 Unternehmen mit zusammen mehr als 90000 Beschäftigten.
Krupps Riesenkanone
Die Anfänge der Firma Krupp
Im 18. Jahrhundert waren die Krupps Bürgermeister in Essen. Die Eltern des Firmengründers hatten reichen Grundbesitz, Häuser, eine Steinkohlenzeche, ein Hammer- und ein Hüttenwerk.Friedrich Krupp (1787-1826) gründete 1811 mit den Gebrüdern Kechel eine Gußstahlfabrik, trennte sich aber von seinen Teilhabern, als der Betrieb stark verschuldet war. Zusammen mit dem Rittmeister Nicolai begründete er eine neue Gußstahlfabrik. Seine Mutter gab dazu Geld; den Rest nahm er als Kredit bei einem jüdischen Geldverleiher auf. 1816 wurde die Fabrik wegen Verschuldung von Amts wegen stillgelegt.
1818 eröffnete er die dritte Stahlfabrik. Zur Finanzierung verkaufte er seinen restlichen Grundbesitz; seine Mutter steuerte Erlöse aus dem Verkauf von Grundstücken bei, ebenso sein Schwager und sein Schwiegervater. Als Friedrich Krupp 1826 starb, hinterließ er dem Sohn eine schwere Schuldenlast.
Sein Sohn Alfred (1812-1887) reihte sich selbst unter die Arbeiter des Betriebs, seine Tochter mußte vorübergehend eine Stelle als Dienstmädchen annehmen, weil der Familie das Notwendigste zum Leben fehlte. Für den Ankauf eines Dampfhammers mußten die Großmutter und der Onkel Geld zuschießen. 1848 hatte der Betrieb nicht mehr als 74 Beschäftigte, die mit der Herstellung von Gußstahlrädern für die Eisenbahn beschäftigt waren.
1859 bestellte der preußische Staat Gußstahlkanonen und zahlte 100000 Taler dafür im voraus. Bis 1878 lieferten die Kruppwerke 25000 Geschütze, davon 14000 ins Ausland.
Alfred Krupp
: Rede an seine Arbeiter, 1877
"Genießet, was Euch beschieden ist. Nach getaner Arbeit verbleibt im Kreise der Eurigen, bei den Eltern, bei der Frau und den Kindern und sinnt über Haushalt und Erziehung. Das sei Eure Politik, dabei werdet Ihr frohe Stunden erleben. Aber für die große Landespolitik erspart Euch die Aufregung. Höhere Politik treiben erfordert mehr freie Zeit für Einblick in die Verhältnisse, als dem Arbeiter verliehen ist. Ihr tut Eure Schuldigkeit, wenn Ihr durch Vertrauenspersonen empfohlene Leute wählt. Ihr erreicht aber sicher nichts als Schaden, wenn Ihr eingreifen wollt in das Ruder der gesetzlichen Ordnung. Das Politisieren in der Kneipe ist nebenbei sehr teuer, dafür kann man im Hause Besseres haben."
Krupps Entwurf einer Betriebsordnung für die Fabrikarbeiter, 1838
"Jeder Arbeiter muß unbedingt treu und folgsam sein, sich in- und außerhalb der Fabrik anständig betragen, pünktlich die Arbeitsstunden halten und durch seinen Fleiß beweisen, daß er die Absicht hat, zum Nutzen der Fabrik zu arbeiten. Wer dies befolgt, hat zu erwarten, daß dem Wert der Arbeit nach auch sein Lohn erhöht wird.
Wer aus Nachlässigkeit oder bösem Willen sich vergeht, wird bestraft. Branntweintrinken in der Fabrik wird nicht geduldet. Wer ein Stück Arbeit, ein Werkzeug und dergleichen verdirbt oder umkommen läßt, muß dasselbe vergüten. Wer fünf Minuten zu spät nach dem Läuten zur Arbeit kommt, verliert 1/4 Tag, wer 1/4 Tag eigenmächtig fortbleibt, verliert 1/2 Tag, für 1/2 Tag Fortbleiben wird 3/4 Tag abgezogen."
Krupps Notizen über seine Arbeiter
"H. ein gescheiter, pfiffiger Bursche; St.: Wer lügt, ist nicht zu gebrauchen; K. ein frecher Schlingel, mußte durch die Polizei angehalten werden, die 14 Tage zu halten, lief zur Eisenbahn; ...W. war still und gut, zeigte aber als Drechsler wenig Genie, wurde entlassen; C. des Diebstahls überführt."
Die Belegschaft eines oberschlesischen Eisenwalzwerkes
Von den 1915 in diesem Werk beschäftigten Arbeitern waren die Großväter (erste Generation)
74 Landarbeiter 24 Handwerker 23 Hüttenarbeiter 8 sonstige Arbeiter 1 Kaufmann 1 Landschaftssyndikus; die Väter (väterlicherseits zweite Generation) 43 Landarbeiter 16 Handwerker 60 Hüttenarbeiter 10 sonstige Arbeiter 1 Schleusenmeister 1 Referendar (Sohn des (Sohn des Kaufmanns) Landschaftssyndikus) Dritte Generation: 134 Arbeiter
Eisenschmelzer bei Krupp
"Die ersten Schmelzer waren Bauerntagelöhner. .., der spätere Meister Vierhaus war ein arbeitsloser KaffeemühJenarbeiter, Huyssohn war ein Schneider von [Betuf] und seinerzeit Bettler, der jetzige Werkführer R. war der Sohn eines armen Feilenhauers, Hagewiesche war Nagelschmied, Strünk war tüchtiger Ackerschmied."
Krupp zur Lohnpolitik, 1844
"Will man fragen, für welchen billigen Lohn man einen Menschen pro Tag haben kann; so bringe ich sie hier in Masse zu 7, 8 und 9 Silbergroschen pro Tag zusammen; 9 Silbergroschen ist hier der eigentliche Lohn, wir geben aber allen Leuten einen Silbergroschen mehr, um sie sicher zu behalten. ..Die Frage aber ist: Was muß ein Mann. ..verdienen, um gut leben zu können, um der Fabrik, die ihm seinen Unterhalt gibt, treu zu bleiben und nicht bei irgendeiner Veranlassung zu Mehrgewinn gleich davonzulaufen."
Als Ansporn für' die Arbeiter, in der Firma zu bleiben, dienten Geldgeschenke, Prämien für besondere Leistungen und betriebliche Sozialleistungen, so z. B. die 1836 gegründete Betriebskrankenkasse, die 1842 von der Hermannshütte, 1846 von der Gutehoffnungshütte, 1854 vom Nachrodter Hütten- und Walzwerk, 1855 von der Bochumer Gußstahlfabrik aufgegriffen wurden.
Carl Ferdinand Stumm (1836-1901)
aus dem Saargebiet Stumm übernahm 1858 von seinem Vater das Neunkirchener Stahlwerk und baute es zu einem der größten saarländischen Konzerne der Eisenindustrie aus. Er war 1867 bis 1881 einer der führenden Köpfe in der Freikonservativen Partei, 1867 bis 1870 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, 1889 bis 1901 Reichstagsmitglied, ab 1882 Mitglied des preußischen Herrenhauses. Zwischen 1896 und 1901 übte er einen starken Einfluß auf die antisozialistische Politik Kaiser Wilhelm II. aus.
1891 verlieh ihm der Kaiser das Recht, sich nach Schloß Halberg, das er erworben hatte, Freiherr von Stumm-HaIberg zu nennen.
Es wird auch berichtet, er habe seine Arbeiter bei der Stimmabgabe zu den Wahlen beaufsichtigen lassen.
Wie der Reichstag gerade im Begriff war, am Marinehaushalt Abstriche zu machen, begegnete der Kaiser Herrn von Stumm im Tiergarten und befahl ihm, in den Reichstag zu gehen und dort zu sagen, der Kaiser werde, wenn Abstriche gemacht würden, den Reichstag auflösen, alle Minister zum Teufel jagen und einen Staatsstreich machen. Stumm führte diesen Befehl sofort aus. Als er von den Bundesratsmitgliedern und Parlamentariern darüber Vorwürfe bekam, verteidigte er sich damit, daß er Offizier sei und zu gehorchen habe.
Wohlfahrtseinrichtungen
"Die Kinder des Stummschen Arbeiters besuchen die Kleinkinderschule des Werkes; der Sohn die Hüttenschule. .. Kinderarbeit. ..kennt Stumm in seinem Werke nicht. ..Bei seinem Eintritt in das Werk wird der schulentlassene Junge Mitglied des Knappschaftsvereins der Firma Stumm, der zu gleicher Zeit Kranken-, Sterbe-, Invaliden-, Witwen- und Waisenrente ist. ..Die Firma stellt das Krankenhaus, das Altersversorgungs- und das Waisenhaus. Es gibt bei guter Führung für junge Paare Heiratsausstattungen. Die Miete für Werkswohnungen ist niedrig. Es gibt eine Hüttenbibliothek mit rund 1000 Bänden, mit Lesezimmer und Tages- und Wochenzeitungen. Es gibt Werkskantinen mit verbilligtem Essen. Sonntags ist dort Militärkonzert. Stumm fördert Eigenwohnungen. Wer 900,- Mark gespart hat, kann zum Bau eines Eigenheims bis zu2400,- DM vom Werk erhalten. In Teuerungszeiten gewährt das Werk Teuerungszulagen bis zu 10% des Lohns. Kein Arbeiter darf ohne Zustimmung Stumrns entlassen werden. Stumm hält jede Woche drei Sprechstunden für seine Arbeiter ab, wo jeder zu ihm kommen kann."
C. F. Stumm: Rede an seine Arbeiter
"Ich. ..würde keinen Augenblick länger an eurer Spitze aushalten, wenn ich an die Stelle meines persönlichen Verhältnisses zu jedem von euch das Paktieren mit einer Arbeiterorganisation unter fremder Führung setzen müßte. Ein solches Verhältnis. ..würde mir schon mein sittliches Pflichtgefühl und meine christliche Überzeugung verbieten. .. Ein Arbeiter, der sich außerhalb seines Betriebes einem liederlichen Lebenswandel hingibt, wird auch in dem Betriebe nichts leisten können. ..Wer in dieser Beziehung meinen Anforderungen nicht entspricht, wird zunächst verwarnt, und, wenn das nicht hilft, wird ihm gekündigt werden. ..Jeder Meister und Arbeiter soll sich auchaußerhalb des Dienstes so aufführen, daß sie dem Hause Stumm zur Ehre gereichen. ..Was das Heiratsverbot anbelangt, so habe ich [festgestellt], ...der Arbeiter soll mir vorher seine Absicht anzeigen, damit ich in der Lage bin. .., törichte Heiraten zu verhindern. ..[Ich fühle mich aber auch verpflichtet], wenn Leute. ..ohne ihr Verschulden nicht in der Lage sind, ihre Kinder zu ernähren, ihnen auch meinerseits beizustehen. ..Wenn ihr meinen Anforderungen und meinem Rate folgt, so stehe ich dafür auch
für euch ein. ..
Die Disziplin [ist] eine ganz unvermeidliche Voraussetzung ...Wenn ein Fabrikunternehmen gedeihen soll, so muß es militärisch, nicht parlamentarisch organisiert sein. ..Wie der Soldatenstand alle Angehörigen des Heeres umfaßt ..., so stehen die Angehörigen des Neunkirchener Werkes wie ein Mann zusammen, wenn es gilt, die Konkurrenz wie die finsteren Mächte des Umsturzes zu bekämpfen. ..Hat der Arbeiter einmal die Autorität des Arbeitgebers über den Haufen geworfen. .., dann wird die Autorität auf anderen Gebieten, in Staat und Kirche, sehr bald folgen. ..
Bleibt fest für alle Zeit in der alten, unerschütterlichen Treue zu unserem erhabenen Monarchen, bleibt fest in der christlichen Nächstenliebe und der echten Gottesfurcht."
Die Stumm-Gruppe beschäftigte zuletzt etwa 20000 Arbeitnehmer.
Liebigs Labor
1870 Gründung der Deutschen Bank
1870 Aufhebung der staatlichen Konzessionierungspflicht für Aktiengesellschaften in Preußen
1873-78 Gründerkrise, Gründerkrach und Depression
1876 Gründung der Reichsbank
Die vom Norddeutschen Bund durch die Gesetze des Jahres 1870 eingeleitete Neuordnung des Bank- und Notenwesens wurde durch die Reichsregierung fortentwickelt.
Durch Gesetz vom 14.11.1875 wurde die Reichsbank gegründet und damit begann die Vereinheitlichung des Banknotenwesens:
- Zunächst beließ man noch das Banknotenausgaberecht den 32 übrigen Notenbanken mit zusammen 135 Mill. Mark und der Reichsbank mit 250 Mill.Mark.- Die ausgegebenen Noten mußten bei der Reichsbank gedeckt sein: Kursfähiges deutsches Geld, Reichskassenscheine, Goldbarren, ausländische Münzen, diskontierte Wechsel (mit höchstens drei Monaten Laufzeit).
- Eine über das jeweilige Kontingent der einzelnen Bank hinausgehende Notenausgabe sollte mit 5 v.H. versteuert werden.
- Bis 1889 hatten 19 Notenbanken zugunsten der Reichsbank auf ihr Notenprivileg verzichtet, so daß die Reichsbank nunmehr 286,799 Mill. Mark Emissionsrecht besaß. Bis 1900 waren weitere 6 Notenbanken ausgeschieden. 1914 gab es noch 5: Reichsbank, Bayerische Notenbank, Sächsische Bank zu Dresden, Württembergische Notenbank, Badische Bank.
Wie schon die Preußische Bank, aus der die Reichsbank entstanden war, und wie eine Reihe anderer Notenbanken, war auch die Reichsbank eine Privatbank (nach dem Kapital) mit staatlicherLeitung.
Anteilseigner waren z. B.: von Hansemann, von Oppenheim, von Bleichröder, von Rothschild, von Mendelssohn-Bartholdy, Woermann, Frentzel, Friedländer, von Siemens. Privatbanken und Industrielle. d. h. die "Großen" der Wirtschaft, waren Eigentümer der Reichsbank.
Zahl der Anteilseigner: 1876 = 8.177, davon 17v.H. im Ausland; 1913 = 18.799, davon II v.H. im Ausland.
Aber auch im Bereich der Privatbanken gab es im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erhebliche Wandlungen: Der allgemeine Übergang zur Aktienbank:- Hohe Beteiligungen an Wirtschaftsunternehmen, vor allem über Aktien im Besitz der Bank.
- Unterbringung von Aktien, Industrieobligationen, Staatsanleihen und sonstigen Effekten.
Aus der großen Reihe der mit diesen Geschäften befaßten Banken seien die wichtigsten aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg genannt:
- Deutsche Bank, gegriindet 1870.
-Diskontogesellschaft, umgewandelt 1856.
-Dresdner Bank, gegründet 1872.
-Schaaffhausen'scher Bankverein, gegründet 1848.
Diese vier Banken hatten 1906 zwischen 90 und 204 Mill. Mark Beteiligungen.
-Der Übergang zu Aktienbanken war erst möglich, als durch das Gesetz vom 11.6.1870 die Gründung von Aktiengesellschaften nicht mehr konzessionsbedürftig war. Zuvor hatte man nur ausnahmsweise eine Bank-AG genehmigt (1848 der Schaffhausen'sche Bankverein).
Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts brachten einen schnellen Aufschwung des Bankwesens.- Die Zahl der in Banken Beschäftigten stieg an (in Preußen):
1846 = 1.100 Personen
1858 = 1.774 Personen
1895 = 17.896 Personen
- Der bargeldlose Zahlungsverkehr war eine wichtige Voraussetzung für die Ausdehnung der Geldbeziehungen. Die Buchgeldumsätze der Reichsbank betrugen in Mrd. Mark: 1876 = 16,7; 1890 = 79,7; 1900 = 163,6; 1913 = 379,2.
- Die fremden, den Berliner 8 Großbanken anvertrauten Gelder wuchsen von 1875 = 302 Mill. M, 1895 = 1.236 Mill. M, auf 1913 = 6.182 Mill. an.
Die Zahl der Filialen dieser Banken stieg: 1877 = 7; 1895 = 15;1913 =227,
- Die "Produktion" des gesamten Banksektors (W. G. Hoffmann) erhöhte sich: Von 1835 bis 1873 höchstens auf das Zehnfache. Von 1873 bis 1913 auf das Fünfzehnfache.
- Die Zahl und das Geschäftsvolumen der Hypothekenbanken nahmen als Finanzierungsbasis für den Wohnungsbau, aber auch für die Wirtschaft zu Hypothekenbanken: 1863 = 3 1870 = 11 1913 = 3&
Das Geschäftsvolumen (Ausleihungen) dieser Banken stieg von 1863 = 0,04 Mrd. Mark über 1870 = 0,20 Mrd. Mark auf 1913 = 11,00 Mrd. Mark.
- Die Banken waren ein wichtiger Bestandteil der industriellen Wirtschaft geworden.
1879 Reichsschutzzollgesetz
1878-79 Verstaatlichung der preußischen privaten Eisenbahngesellschaft
1881-82 Massenauswanderung nach Amerika
1884 Aktiengesetz
1887 Oktober: Bismarcks Lombardverbot gegen russische Staatspapiere
1889 Gründung der Anatolischen Eisenbahn-Gesellschaft
