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Die kriegsvorbereitenden Krisen:
Bei der Aufteilung Afrikas hatte Marokko seine Unabhängigkeit zunächst wahren können.
Diesen aggressiven Akt ließ Großbritannien aufgrund seiner Entente mit Frankreich nicht durchgehen und sicherte Frankreich im Falle eines deutschen Angriffs militärische Unterstützung zu.
Als Ausgleich erhielt Deutschland einen relativ wertlosen Teil des französischen Kolonialreiches am Kongo.
Auslöser für eine Reihe von Krisen und Kriegen auf dem Balkan war zunächst eine innenpolitische Krise der Türkei, die Österreich-Ungarn 1908 ausnutzte,indem es Bosnien und die Herzegowina endgültig annektierte.
Da sich Rußland übergangen fühlte, löste die Donaumonarchie mit dieser Annexion eine große europäische Krise aus.
So begann Italien 1911, das zur Türkei gehörende Libyen zu erobern.
Die militärische Niederlage der Türkei in diesem Krieg betrachteten die Regierungen der Balkanstaaten ihrerseits als eine günstige Gelegenheit, die noch unter türkischer Oberhoheit lebenden Angehörigen ihrer Nationen zu befreien.
Serbien, Montenegro, Bulgarien und Griechenland hatten sich in einem Bund vereint. Im Oktober 1912 griffen sie gemeinsam die Türkei an. Diese mußte nach mehreren Niederlagen schließlich auf fast alle ihre europäischen Gebiete verzichten.
Von einer Entspannung auf dem Balkan konnte aber dennoch keine Rede sein:
- Österreich betrachtete die großserbische Bewegung zunehmend als eine ernsthafte Bedrohung für seinen Vielvölkerstaat.
Gegen Serbien militärisch vorzugehen, konnte allerdings unabsehbare Konsequenzen haben, denn hinter diesem stand Rußland.
- Am 28. Juni 1914 ermordete in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo ein serbischer Nationalist den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand.
- Für die Regierung in Wien war das Attentat ein geeigneter Anlaß, die vom serbischen Nationalismus ausgehenden Gefahren für den österreichischen Vielvölkerstaat zu beseitigen und mit Serbien "gründlich" abzurechnen.
- Das Deutsche Reich war bereit, diese Politik zu unterstützen.
Die Regierung in Berlin gab sich der Hoffnung hin, daß Rußland einem Krieg Österreichs gegen Serbien tatenlos zusehen würde.
Das Prestige des Zarenreiches als Beschützer der Balkanvölker hätte allerdings dadurch sehr gelitten;
die Stellung Deutschlands und Österreichs hingegen wäre gestärkt worden.
Falls Rußland Serbien doch militärisch unterstützen sollte, wäre wegen der Bündnisverpflichtungen der Großmächte ein europäischer Krieg unvermeidlich geworden.
- Über dieses Risiko waren sich die Politiker in Berlin von Anfang an im klaren.
Dennoch schied für Berlin und Wien eine Lösung durch Verhandlungen der an dem Konflikt beteiligten Staaten, wie sie die englische Regierung mehrfach vorschlug, aus. Aus ihrer Sicht wäre ein politischer Kompromiß eine Niederlage gewesen.
Ende Juli stellte Wien Serbien ein Ultimatum: Unter anderem sollten an den Untersuchungen des Attentats von Sarajevo österreichische Beamte mitwirken. Serbien war bereit, Wien entgegenzukommen, lehnte aber Eingriffe in seine Souveränitätsrechte ab. Daraufhin erklärte Wien Serbien den Krieg.
- Um sein Ansehen unter den slawischen Völkern und im Innern zu wahren, mobilisierte Rußland nun seine Armee zur Unterstützung Serbiens.
- Die deutsche Hoffnung auf einen politischen Erfolg ohne Krieg war damit gescheitert.
- Die Reichsregierung erklärte dem Zarenreich und dessen Verbündeten Frankreich den Krieg.
Gleich zu Kriegsbeginn überfielen deutsche Truppen das neutrale Belgien. Die deutsche militärische Führung wollte Frankreich von Norden her schnell besiegen, um sich dann gegen Rußland zu wenden.
- Für Großbritannien war dieser Überfall der Anlaß, an der Seite Frankreichs und Rußlands in den Krieg gegen Deutschland einzutreten.
Damit begann, wie ein deutscher Diplomat berichtete, "ein Krieg Aller gegen Alle ... wie ihn die Weltgeschichte noch nicht erlebt hat".
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