
Der Zusammenbruch der Mittelmächte
Seit 1916 standen die Generäle HINDENBURG und LUDENDORFF
, die seit ihrem Sieg bei Tannenberg 1914 auch in der Bevölkerung fast unbegrenztes Vertrauen genossen, an der Spitze der OHL (Obersten Heeresleitung).
- 1917 hatten sie den Reichskanzler BETHMANN HOLLWEG aus dem Amt gedrängt und sich nahezu uneingeschränkten Einfluß in allen militärischen und auch politischen Entscheidungen verschafft.
- Beide lehnten einen Verständigungsfrieden ab. Sie wollten nach den Erfolgen im Osten endlich auch im Westen die Entscheidung herbeiführen, bevor die amerikanischen Truppenkontingente das Kräfteverhältnis verschieben konnten.
- Zunächst verlief die deutsche Offensive im März 1918 erfolgreich. Doch wie schon 1914 gelang es Engländern und Franzosen, die deutsche Front wenige Tagesmärsche vor PARIS aufzubrechen und zurückzudrängen. Noch einmal ließen Hunderttausende ihr Leben in einem Krieg, der nicht mehr zu gewinnen war.
- Als sich im September 1918 Bulgarien, das Osmanische Reich und Österreich-Ungarn an der Südostflanke geschlagen gaben und um Friedensverhandlungen ersuchten, gestand Ludendorff in einer Besprechung der OHL am 1. Oktober die deutsche Niederlage ein.
Der Weg zum Waffenstillstand
- Schon zu Jahresbeginn hatte der amerikanische Präsident WILSON
erklärt, nur mit Vertretern einer demokratisch gebildeten Regierung, nicht aber mit dem Kaiser und seinen Generälen verhandeln zu wollen.
- Diese Forderung ließ sich nur erfüllen, wenn auch in Deutschland der Reichskanzler nicht mehr dem Kaiser, sondern dem Reichstag verantwortlich war, wenn nicht mehr der Kaiser, sondern der Reichstag über Krieg und Frieden zu beschließen hatte. Also beauftragte Wilhelm II. PRINZ MAX VON BADEN
als neuen Kanzler mit der PARLAMENTARISIERUNG DES REICHES
Die Aussicht auf eine Verfassungsänderung, die dann am 28. 10. 1918 das Kaiserreich zur parlamentarischen Monarchie machte, veranlaßte die Reichstagsmehrheit aus SPD, Zentrum und Fortschrittspartei, den neuen Kanzler Prinz Max von Baden in der Übernahme der Regierungsverantwortung zu unterstützen. Denn obwohl die OHL bis zuletzt die Illusion auf einen ´Siegfrieden´ genährt hatte, wollten sich die Mehrheitsparteien, allen voran die SPD, nach der Nachricht von der katastrophalen militärischen Lage nicht aus der Verantwortung stehlen.
- Am 3. Oktober 1918 übermittelte auf Drängen der OHL (= Oberste Heeresleitung) Max von Baden als Kanzler einer nunmehr demokratisch gewählten Regierung dem amerikanischen Präsidenten das deutsche Waffenstillstandsgesuch. Hierin erkannte er Wilsons Friedensprogramm als Verhandlungsgrundlage an.
Das Waffenstillstandsgesuch schlug im In- und Ausland wie eine Bombe ein, hatte doch die amtliche Propaganda die meisten bis zuletzt über den Ernst der Kriegslage hinweggetäuscht.
Revolutionäre Kriegsmüdigkeit in D
- Nun, nach der militärischen Bankrotterklärung der OHL, sehnte die kriegsmüde Bevölkerung den Waffenstillstand herbei.
- Das Zögern des amerikanischen Präsidenten, der dem Friedenswillen des kaiserlichen Deutschland zu mißtrauen schien, ließ den Ruf nach Abdankung des Kaisers immer lauter werden:
´Revolution´
- Als die oberste Seekriegsleitung am 28. 10. 1918 der Hochseeflotte den Befehl zum Auslaufen gab, kam es bei den Matrosen in Wilhelmshafen und Kiel am 9. Nov. 1918 zum offenen Aufstand.
- Die Unruhen griffen auf viele Städte über, wo sich Arbeiter aus den Fabriken und Soldaten aus den Garnisonen den Aufständischen anschlossen, die das sofortige Ende des Kriegs erzwingen wollten.
Der Kaiser schien ihnen das Haupthindernis auf dem Weg zum Frieden zu sein.
- Prinz Max ergriff die entsprechende Initiative: er gab (durch Wilhelm II. nicht autorisiert!) bekannt, der Kaiser habe abgedankt
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Die Flucht des Kaisers in die Niederlande besiegelte das Ende der Monarchie in Deutschland. kurz darauf dankten auch alle Landesfürsten ab.
Nicht einer der verantwortlichen Generäle, sondern der Zentrumspolitiker MATTHIAS ERZBERGER
brach am 7. November 1918 als Bevollmächtigter der Reichsregierung zu den Waffenstillstandsverhandlungen auf.
Am 11. November 1918 unterschrieb die deutsche Delegation bei COMPAIGNE den Waffenstillstand.
In den Augen der deutschen Öffentlichkeit waren nicht die Generäle, sondern die demokratischen Politiker verantwortlich für den Waffenstillstand und die verheerende Niederlage Deutschlands - eine gefährliche Verkennung der Tatsachen.
Die sogenannte DOLCHSTOSS-LEGENDEentstand: die demokratischen Politiker hätten der nach wie vor aussichtsreich kämpfenden Truppe mit ihrer Waffenstillstandspolitik den Dolch in den Rücken gestoßen.
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