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Exkurs:

geb. am 20. April 1889 in Braunau am Inn Vater: österr. Zollbeamter Volksschulbesuch in Leonding; noch gute Leistungen danach: Realschule in Linz; Bescheinigung guter geistiger Anlagen bei übermäßiger Faulheit und Aufsässigkeit als er 15 ist, stirbt der Vater; die Leistungen werden schlechter; Schulwechsel hilft nichts 1905 verläßt er die Schule endgültig ohne Abschluß 1907 nach dem Tod der Mutter geht er nach Wien
- dort bewirbt er sich mehrmals vergeblich um Aufnahme in die Kunstakademie
- schlägt sich dann 4 Jahre als Gelegenheitsarbeiter und Postkartenmaler durch; haust in Obdachlosenasylen und Männerwohnheimen; verbringt seine Zeit mit Herumlungern, Entwürfen für Prunkbauten, Theaterbesuchen und unsystematischem Lesen
- Er erliegt unkritisch den Eindrücken, die Wien als immer spannungsgeladenere Hauptstadt eines Vielvölkerstaates in nationalstaatlicher Umgebung und als Ort politischer Auseinandersetzungen zwischen Nationalitäten und politischen Parteiungen bietet:
seine Umwelt ist hauptsächlich von nationalistischen Vorstellungen erfüllt und geprägt; von hier aus fühlt Hitler sich dem Deutschtum zugehörig und begreift es gerade in seinen Wiener Jahren als die über alle anderen Nationalitäten herausragende Kraft seiner Zeit
- nur in nationalem Rahmen kann ein Volk seiner Meinung nach zu einer freien Entfaltung gelangen;
- Internationalismus bedeutet für ihn die Einschränkung dieser Möglichkeiten;
- Und der Internationalismus ist es vor allem, den er den Linken aller Schattierungen ankreidet;
- er glaubt sich auch dem Grund dieser ihm verhaßten Weltanschauung auf der Spur: viele oft führende Sozialdemokraten und Kommunisten waren oder sind Juden (Marx allen voran); Juden aber leben über die ganze Welt zerstreut; damit sind sie zwangsläufig unfähig, national zu denken
- 1913 verläßt Hitler Wien und geht nach München
bei Beginn des 1. Weltkrieges meldet er sich dort sofort freiwillig; ist während des Krieges Meldegänger; erhält das EKII und das EKI; zeigt aber keinen Ehrgeiz in Richtung auf eine Offizierslaufbahn; in den Augen seiner Vorgesetzten mangelt es ihm an den notwendigen Führungseigenschaften
nach Kriegsende während der Zeit der Räterepublik in München tut er Dienst in einer Demobilmachungs-Kompanie eines bayrischen Infantrieregiments von hier aus wird er mit einigen Kameraden zu einem Bildungskurs an die Münchner Universität geschickt; sein politisches Interesse und ein gewisses Rednertalent fallen auf so wird er an die Nachrichten-Presse-Propaganda- und Aufklärungsabteilung des Reichswehrgruppenkommandos Nr. 4 unter Hauptmann Mayr empfohlen hier wird er zur politischen Schulung heimgekehrter Kriegsgefangener eingesetzt, um sie vom ´roten Bazilus´zu befreien Seine Informationsarberit beschränkt er aber nicht nur auf die von der Generalität aufgestellte Theorie vom ´Dolchstoß´
was er seinen Kameraden vermittelt ist ein noch emotionaler aufgeladenes/aufladbares Feindbild: die Vorstellung vom an allem schuldigen Judentum; Unter diesem Aspekt ist der politische Gegner von vorn herein einer Diskriminierung ausgesetzt, die jede sachliche Argumentation - und seien die besten Trümpfe auf der Gegenseite - überflüssig erscheinen läßt:
als in jedem Fall außerhalb der Volksgemeinschaft Stehender kann ein Jude niemals zum Wohle dieser Volksgemeinschaft handeln; ...und der begangene Verrat am deutschen Volk durch das Waffenstillstandsersuchen (=Dolchstoß in den Rücken der Armee) und die Unterzeichnung des Versailler ´Schandvertrages´ beweisen dies ja augenfällig genug...(???) da Hitler sich bisher bewährt hat, wird er über seine bisherige Funktion hinaus als V-Mann zur Überwachung der rund 50 politischen Organisationen in München eingesetzt dabei stößt er auf die Deutsche Arbeiterpartei (DAP), die den für Hitlers Zwecke wichtigen Vorzug genießt, national gesinnt zu sein, aber vorläufig nicht mehr als ein ´nicht besonders wichtiger Verein´(Hitler) inzwischen hatte er ausgiebig Gelegenheit, sich seines Rednertalentes bewußt zu werden
nun muß er damit rechnen, im Zuge der erzwungenen Demobilmachung aus der Armee entlassen zu werden - also braucht er ein neues Aktionsfeld die politisch aufgewühlte Zeit bietet ihm die besten Chancen, sein Glück als Redner zu versuchen;
- in der DAP steht ihm die geeignete Partei zur Verfügung, in der er sich durch seine Rednergabe rasch Achtung und Einfluß zu erwerben erwartet
Schon Aqnfang 1920 rückt Hitler zum Propagandaleiter der DAP auf bei der energisch betriebenen Organisation seiner bald unzähligen Veranstaltungen kann er von seinen guten Beziehungen zur Reichswehr profitieren: denn der für die Versorgung und Ausrüstung der Reichswehr in Bayern zuständige Ernst Röhm ist ebenfalls Mitglied der DAP und einerseits zur Unterstützung finanzieller Art in der Lage; andererseits kann er darüber hinaus auch seine Soldaten Hitler als dankbares und öffentlichkeitswirksames Publikum zu führen
Hitlers Ziel sind Massenveranstaltungen er weiß seine Mittel geschickt einzusetzen - zuvorderst: eine Flut von Zeitungsinseraten und blutrote, den politischen Gegner auf der Linken provozierende Plakate die erschreckten Störaktionen seiner Gegner bringen ihn mehr und schneller als alles andere in aller Munde
Im August 1920 kommt es zu einem Treffen verschiedener nationaler Parteien und Verbände in Salzburg unter ihnen: die DAP und die (österreichisch-böhmische) Deutsche Nationasozialistische Partei (DNS) - bereits eine Vorkriegsgründung; führte seit 1918 das Hakenkreuz als Parteizeichen) Zusammenschluß beider zur NSDAP - wiederum mit Hitler als Propagandaleiter die Unterstützung gerade der Reichswehr für diesen Zusammenschluß manifestiert sich in einer Geldspende von 60000 Reichsmark aus einem Geheimfonds - dieser Betrag ist die Grundlage für die Herausgabe eines partei-eigenen Sprachrohrs: des ´Völkischen Beobachters´
- Hitlers Propaganda lebt nun immer mehr vom Einsatz von Fahnen, Marschmusik und gemeinsamem Gesang; er entwirft deshalb eine Parteifahne und greift unter Verwendung des Hakenkreuzes auf die kaiserlichen Reichsfarben schwarz-weiß-rot zurück; besonders effektvoll steht am Ende einer jeden Veranstaltung das Absingen des Deutschlandliedes, das Ebert zur Nationalhymne erklärt hatte - hier singen dann sogar die gegnerischen Störtrupps mit!
Intrigen, die in seiner Partei gegen seine dominierende Stellung gesponnen werden, begegnet er mit einem Ultimatum: Rücktritt oder uneingeschränkte Parteiführung im Juli 1921 setzt er sich durch: die Parteistatuten werden geändert, der Parteiausschuß abgeschafft - Hitler wird alleiniger Vorsitzender mit uneingeschränkten Vollmachten nun schließt sich auch die Nürnberger Deutsch-Sozialistische Partei (DSP) unter Streicher der NSDAP an
im August 1921: Gründung der SA Hintergrund: auf der politischen Rechten Interesse am Fortbestehen antirepublikanischer halbmilitärischer Zeitfreiwilligenverbände, deren Auflösung die Reichsregierung, unterstützt durch ultimative Drohungen der Siegermächte, jetzt durchsetzen kann insbesondere der Reichswehrführung in Bayern ist sehr an dem hier organisierten Menschenpotential gelegen - auf der Suche nach Auffangbecken bieten sich die Parteien, speziell die NSDAP an, da nur zu ihr unmittelbare Verbindungen bestehen im politisch unruhigen Klima der Zeit neigen alle Parteien zur Bildung von Gruppierungen, die defensiv dem jeweiligen Selbstschutz dienen und offensiv für Störaktionen eingesetzt werden können So wird in Anlehnung an die NSDAP die SA ins Leben gerufen, für deren organisatorischen Aufbau die Reichswehr besoldete Offiziere zur Verfügung stellt, so daß die SA von Anfang an den Charakter einer paramilitärischen Organisation der Reichswehr erhält Hitler kann sie in Übereinstimmung der Interessenlage zum Zwecke der ideologischen Zusammenfassung und Einigung der Vielzahl nationaler Verbände für propagandistische Einsätze im Rahmen von Straßendemonstrationen, die er von nun an zu einem seiner wirksamsten Propagandamittel (in Marschkolonnen, mit Fahnen und Musikkapellen) auszubauen versteht, sowie zum Schutz eigener und zur Störung gegnerischer Veranstaltungen einsetzen/nutzen
1923 dann drängt der lange schwelende Konflikt zwischen Bayern und dem Reich zur Aktion: das von konservativen Nationalisten regierte Bayern ist von Mal zu Mal nicht bereit, sich der politischen Linie der Reichsregierung unterzuordnen im immer radikaler werdenden Klima der Zeit gibt es im wesentlichen 2 Auswege aus diesem Konflikt: Separation oder Putsch
die putschistisch ausgerichteten Kräfte dominieren die bayrische Reichswehr bemüht sich in diesem Zusammenhang um einen Ausbau der bestehenden Wehrverbände, darunter der SA Folie und Rechtfertigungsrahmen der Reichsregierung gegenüber: die außenpolitische Gefährdung Deutschlands während des Ruhrkampfes + die im Zuge der Inflation immer gespanntere innenpolitische Lage, die neue Ordnungsmächte erfordere, wenn es zum schlimmsten kommen sollte
diese Aktivitäten verschaffen der bayrischen Rechten ein überdimensioniertes Gefühl der Stärke:
Bayern weigert sich, das als Antwort auf die politischen Morde des Jahres 23 erlassene Republikschutzgesetz anzuwenden und: es weigert sich, den von Berlin im Anschluß an den Ruhrkampf verhängten Ausnahmezustand mitzuvollziehen
stattdessen: Erklärung eines eigenen Staatsnotstandes: Vereidigung der bayerische Reichswehr auf die bayerische Landesregierung Planung eines Marsches auf Berlin, um Deutschland im Wege eines Putsches vor dem Bolschewismus zu retten
- Hitler spielt in diesem Muskelspiel der bayerischen Rechten die untergeordnete Rolle des Trommlers für die Ausbreitung der Bewegung
- in jedem Falle ist er gegen eine Separation Bayerns. Sie hätte die nationale Einheit des deutschen Volkes in noch weitere Ferne gerückt
- als es der Reichsregierung gelingt, gegen die vielerorts aufflackernden kommunistisch-sozialistischen Unruhen die Ordnung wiederherzustellen, fürchtet Hitler vor allem einen Sieg der Separatisten
- die bescheidenen Kräfte der eigenen Partei vermag er jedoch realistisch einzuschätzen: allein kann er nichts weiter unternehmen
- aber: er kann die eigentlichen Akteure (Kahr, Lossow, Seisser, im Hintergrund Ludendorff) unter Druck setzen, um sie zur Fortführung ihres Putsches zu bewegen
- Lossow zieht nach kurzer Zeit sein eben noch gegebenes Einverständnis mit der Putschaktion zurück und unterstellt sich wieder dem Befehl v. Seeckts (Reichsverchef) - damit ist der Putsch gescheitert
- gleichwohl kann man (vor allem Ludendorff) sich nicht entschließen, sang- und klanglos abzutreten
- also beschließt man einen Demonstrationszug durch München und setzt unklare Hoffnungen auf eine Mobilisierung der Bevölkerung und eine Befehlsverweigerung der Ordnungskräfte
- Während die Reichswehrsoldaten erwartungsgemäß dem Schießbefehl nicht nachkommen, greift die Landespolizei unbeirrt ein und löst die Demonstration mit Gewalt auf
- neben anderen werden Hitler und Ludendorff verhaftet
- beim nachfolgenden Prozeß erscheinen die eigentlichen Putschisten jedoch nicht auf der Anklagebank: die Reichswehr ist daran interesseirt, ihre Rolle bei den Vorgängen zu verschlei9ern (nicht zuletzt aus außenpolitischen Gründen, denn die Ausbildung und Bewaffnung von Kampfverbänden ist ein offensichtlicher Verstoß gegen den Versailler Vertrag)
- so wird alles auf Hitler geschoben, dem diese Taktik sehr willkommen ist:
- für die patriotisch gesinnte Öffentlichkeit weit über die Grenzen Bayerns hinaus kann er nun als der große Patriot und Nationalheld gelten, sein Name ist in aller Munde
- das Urteil fällt in der für die Rechtsprechung der Zeit charakteristischen Weise bescheiden aus: 5 Jahre Festungshaft unter mehr als erträglichen Haftbedingungen und vorzeitige Entlassung wegen guter Führung nach 1 Jahr
- die Haft selbst bietet Hitler Gelegenheit, Taktik und Ziele zu überdenken und sein politisches Credo in einem Buch zu erarbeiten und festtzuhalten : ´Mein Kampf´
die wichtigste Erkenntnis Hitlers aus dem gescheiterten Putsch von 1923:
unter den gegebenen Umständen sei eine Revolution ein erfolgloses Mittel, an die Macht zu kommen, denn gegen zu viele Machtfaktoren müßte gleichzeitig angegangen werden deshalb ist er entschlossen, den Weg der Legalität zu gehen, auch wenn er länger dauere