BUNDESTAGSWAHL 2002

 

 

aus: Informationen zur politischen Bildung, Heft 275  / INNERE SICHERHEIT

 
         
         
         
BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN CDU/CSU FDP

 

PDS SPD

Viele Bürgerinnen fühlen sich in ihrem Wohn- und Lebensumfeld verunsichert. Nur gemeinsam, mit der Kompetenz von Bürgerinnen, mit den Kommunen und Verbänden, den Kirchen und Bürgerinitiativen sowie einer bürgerInnennahen Polizei lassen sich Sicher- heit und Sicherheitsgefühl erhöhen. Wir wollen mit Maßnahmen der sozialen Prävention etwa in der Jugendpolitik und mit einer neuen Drogenpolitik die Ursachen von Kriminalität angehen und die Zahl der Straftaten senken. Das Strafrecht muss dringend reformiert und humanisiert werden. Die Verhinderung von Kriminalität, nicht die Verurteilung eines Straftäters, muss oberstes Ziel der Politik werden. (Wahlprogramm 1998)

Wir wollen, dass sich alle Bürger auf Straßen und Plätzen, in Bussen, Bahnen und auf Bahnhöfen zu jeder Ta- ges- und Nachtzeit sicher fühlen können. Polizei muss sichtbar präsent sein, öffentliche Kriminalitätsschwer- punkte sind mit Videokameras technisch zu überwachen. Es muss Schluss sein mit der geduldeten Verwahrlosung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder Plätzen durch Drogenszenen und Alkoholismus-Milieus, durch Unrat und Vandalismus. Für uns steht nicht die Sorge um die Täter im Mittelpunkt, sondern der Schutz der Bürger und die Not der Opfer, die wir lindern wollen. Wir wollen den Opfern von Straftaten wirksamer helfen und ihre Stellung in den Strafverfahren weiter verbessern. Wer Recht bricht und sich damit gegen die Werteordnung der Gesellschaft stellt, muss mit konsequenter Verfolgung und gerechter Bestrafung rechnen. Unsere Grundsätze sind: "Wehret den Anfängen" und "Null Toleranz gegenüber dem Verbrechen". Wir wollen, dass wirksamere Verbrechensbekämpfung und -aufklärung den Rechten von Straftätern vorgehen. Datenschutz darf nicht zum Täterschutz werden. (Regierungsprogramm 20021 2006, Mai 2002)

Kernaufgabe des liberalen Staates ist die Sicherung der Freiheit. Für die Liberalen ist der Gedanke der Freiheit keine Bedrohung, vor der man Zuflucht bei der Sicherheit suchen müsste. Sicherheit ist kein Selbstzweck, sondern Durchsetzung der Rechtsordnung zur Sicherung der Freiheit. Es ist zwar richtig, dass Freiheit ohne Sicherheit nicht möglich ist. Das bedeutet aber nicht, dass eine Gesellschaft um so freier wäre, je intensiver ihre Bürger überwacht, kontrolliert und beobachtet werden. Die FDP lehnt die immer wiederkehrende Reaktion der Politik ab, bei Bedrohung von Freiheit und Sicherheit durch Kriminalität und Terror möglichst schnell immer neue, spektakuläre und umfang- reiche Gesetze zu erlassen. Dieser Aktionismus erreicht wenig oder nichts. Die FDP orientiert sich an den Grund- rechten und an den Grundsätzen der Erforderlichkeit, Verhältnismäßigkeit und Geeignetheit. Wir sind der Überzeugung, dass wir kein Defizit an Gesetzen, sondern ein Defizit bei ihrem Vollzug haben. Wir sind der Auffassung, dass die internationale Zusammenarbeit der Polizei dringend verbessert werden muss. (Programm zur Bundestagswahl 2002)

Alltägliche Gewalt, Vandalismus, Eigentumsdelikte wachsen oft dort, wo Mittel für den sozialen Wohnungsbau, für öffentliche Zentren, für aktive Sozialarbeit, für Investitionen in den sozialen Zusammenhalt abgebaut werden. Es ist uns ein Anliegen, Ursachen und Bedingungen von Gesetzesverstößen in ganzheitlichen sozial- und innenpolitischen Konzepten abzuändern. So werben wir weiterhin dafür, den Drogenkonsum von Abhängigen zu entkriminalisieren und Cannabis nach dem Vorbild europäischer Nachbarn zu liberalisieren. Wir wollen eine bürgernahe, für alle ansprechbare, demokratisch strukturierte Polizei in Länderhoheit. Die Polizeibeamtinnen und -beamten müssen angemessen bezahlt, gut aus- gebildet und ausgestattet werden. Die Gerichte sollen in der Lage sein, Ver- fahren schneller sowie in größerer zeitlicher Nähe zur Tat durchzuführen. [...] Wir wenden uns gegen eine Politik, die öffentliche Sicherheit durch immer neue, spektakuläre Gesetze herstellen will, nicht aber für die effektive Anwendung bestehender Gesetze sorgt. (Programm zur Bundestagswahl 2002)

Viele Menschen haben Angst vor einer Eskalation der Gewalt. Viele Menschen sind beunruhigt, dass bei der Bekämpfung des Terrorismus die Freiheit der Sicherheit geopfert wird. Wir nehmen diese Sorgen ernst. Wir wissen und sagen aber auch, dass entschlossenes Handeln unverzichtbar ist. Wir unterstützen Maßnahmen, die mit Stärke, Besonnenheit und Augenmaß gegen- über den für die Terrorakte Verantwortlichen und ihren Helfern reagieren, um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in unserem Land zu gewähr- leisten. Wir wollen auch in Zukunft in einer Gesellschaft leben, in der sich je- der in seiner Freiheit sicher fühlen kann! Wir werden bei allen notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit wahren. Unsere Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität werden nicht beschädigt. (Beschluss des Nürnberger Parteitages November 2001)

 

spiegel41/2000

spiegel17/2000