dokumentation
der foren-diskussion, die ich zu meinen essays geführt habe:
April 99 // reaktion auf /was nun:
Guten Tag Frau Weiss,
das ist ein sehr konstruktiever, ja kreativer Versuch die Vernunft ins
Spiel zu bringen.
M.E. sind die Kosovaren jedoch ausserstande diese Spielregeln
umzusetzen, da es denen an allem mangelt, was fuer "westler" fast
natuerlich ist: fair verhandeln.
Ich glaube hingegen, dass dort Mord und Totschlag nach jeder
Friedensloesung ausbricht, da Hass und Rachebegierden zu ausgepraegt und
tiefverwurzelt sind .
Diese wundervolle Land mit den vielen angenehmen Menschen wird 2-3
Generationen brauchen um die jahrzehnte, ja jahrhundertlangen Kriege
und die ausgepraegte ethnischen Ausseinandersetzungen zu ueberwinden.
M.E. hilft dort nur: konseqeuntes Hilfe - mit Kontrolle - aller
Massnahmen zur Normalisierung. Alles andere ist Wunschdenken und mit
Serben derzeit nicht
realisierbar.
Aber dennoch, Ihre excellenten Vorschlaege sollte man weitermailen und
wenn Sie mir sagen, wie das geht tu ich dies an die EU in Bruessel, alle
VIP's in D, Zeitungen
etc - aber schnell bitte.
Gruss
BZ
USA
P.S. wenn Sie mir diesen Ihren Artikel posten, kann ichs weiterposten ,
aber von Web.de aus weiss ichs nicht !
meine antwort vom 7.6.99:
Sehr geehrter BZ,
gerne komme ich Ihrem Wunsch nach, Ihnen meine Vorgehensvorschläge zu
posten.
Und es wäre sicher wichtig, daß sich möglichst viele von denen, die in den
von mir vertretenen Denkansätzen "konstruktive und kreative" Wurzeln für ein
alternatives Denken und Handeln im Jugoslawienkrieg sehen, gleich mir daran
machen, sie jedem, der damit zu tun haben könnte, ans Herz zu legen - mit
einem geeigneten kurzen Begleitschreiben allerdings (denn die Vorschläge
selbst habe ich schon an alle Adressen auf meiner homepage gemailt)!
Ich bin sehr froh über Ihr positives Echo und noch mehr über Ihre
Engagementbreitschaft. Sollten Sie über mein Adressen-Paket hinaus noch
über Adressen von VIPs verfügen, wäre ich Ihnen riesig dankbar, wenn Sie mir
Ihrerseits einfach eine geeignete Liste posten könnten.
Skeptisch und bang bin ich in vieler Hinsicht - selbstredend auch, was
die Fähigkeit der bis heute Kriegsverstrickten (einschließlich der
NATO-Staaten) zu einem wieder freieren Umgang mit einander und mit sich
selbst angeht.
Die Verführung, wenn´s irgendwo eng wird, auf Zwang zu setzen, statt auf
Freiheit, kennen wir alle. Wo Frieden wachsen soll, gilt es wieder neu zu
lernen, wie man ihr widersteht.
Mit freundlichen Grüßen
Gabriele Weis
If I understand you correctly, and I am not sure whether or not I do, the gist of your text is, that in order to solve problems in a truly democratic way, order or structures should not be imposed. Rather, more confidence should be placed in the ability of people to spontaneously manage their affaires? Is this your point in a very short form?
I am not sure if I agree with you. But some questions.
1. Would you extend laissez-faire approach onto the field of economics?
2. If democratic methods are better than authoritarian methods, what should be done if someone does not want to be democratic?
3. I do not understand what a "kommunikativen Radiusses" is. Do you mean the extend to which someone is able to communicate? If so, do you think communication is necessarily good?
4. In parts your argumentation (on honesty or insincerity) reminds one of Carl Schmitt. Did you intend this? Or, which philosophical origins of you thoughts do you claim?
5. You wrote: "Oder eben an Denk- und Handlungsalternativen, die eine wachsende Zahl von Menschen zu entdecken und zu entwickeln sich aufmacht."
Do you believe that there are fundamentally different ways of thinking than those we already know?------------------
SY
_______________________________________________________"Soon or late, it is ideas, not vested interests, which are dangerous for good or evil." -JM Keynes
meine antwort vom 21.5.99: // keine erwiderung
Sehr geehrte(r ) S
Y,
Haben Sie herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihre spannenden Fragen.
Meine Antworthorizonte lassen sich vielleicht, wie folgt, anreißen:Es geht mir um mehr Vertrauen in die Fähigkeiten der Menschen, völlig richtig.
Zu diesen Fähigkeiten gehört in meinen Augen keineswegs an vorderster Stelle die Spontaneität. Dennoch halte ich sie für eine unverzichtbare und hochbedeutsame menschliche Eigenschaft. - Neben seiner Spontaneität verfügt der Mensch noch über vieles andere: Bedächtigkeit und Überlegtkeit, Einfallsreichtum, Witz, Kraft, Strebsamkeit, Durchdringungsvermögen, Ordnungsvermögen, Mut, Intuition...
Und er quält sich und sein Umfeld mit seinem Ängsten, seinen Verlusten, seinen Schwächen und Irrtümern...
Wogegen ich mich wende, ist das verbreitete menschliche Streben, ebenso aus Selbstüberschätzung wie aus Angst, sich die Dinge mit Hilfe von Bevormundungen, entsprechend festgezurrten Ordnungen und mit Hilfe von Feindbildern richten zu wollen.
Stattdessen geht es mir darum, mit der Würde jedes einzelnen und jedes Volkes, auf die wir uns ja in vielen Verfassungen dieser Welt beziehen, gerade da besonders ernst zu machen, wo die Konflikte zwischen Völkern ins Kriegerische zu eskalieren drohen oder wie im Fall Jugoslawiens längst dahin eskaliert sind.Was ist sie denn, diese ´Würde´, wenn nicht das, was ein Mensch, was ganze Völker zu sein und zu leben vermöchte(n), sähe(n) er (sie) sich nicht fallweise auf schiere Selbstbehauptung reduziert und so zur Aufgabe jeder Rücksicht ´genötigt´ und ´berechtigt´?!
Dieses vielleicht nur momentweise Sein-Können-was-man-sein-kann eignet jedem und darf niemandem genommen werden, sagen unsere Verfassungen - und sie schränken dann ein: es verfällt für den, der diese Würde anderen in gravierendem Umfang nimmt.
Klingt gut. Und ´funktioniert´ auch in Maßen. Aber nur solange die Zahl derer eine Randerscheinung bleibt, die objektiv oder auch nur subjektiv in die Situation schierer Selbstbehauptung geraten, und sich folglich um die Rechte anderer keine Gedanken mehr machen.
Zugleich berücksichtigt es nicht, daß es nicht allein Raub, Betrug, Mord und Totschlag sind, die einzelnen wie Völkern die Möglichkeit rauben, wenigstens zeitweise zu sein, was sie ihrem Wesen nach sein könnten.
Allerlei andere Benachteiligungen und Demütigungen unterhalb der Grenze, die das Strafrecht moderner Staaten setzt, haben ebenfalls entwürdigende Wirkungen (nicht zuletzt ganz sicher unser (industriegesellschaftlicher) Umgang mit der menschlichen Arbeitskraft...)...Meine These: niemand entwickelt individuell verbrecherische oder politisch autoritäre, terroristische oder gar totalitäre Vorstellungen, Haltungen und Verhaltensweisen, der keine zumindest latent prägenden Demütigungs- und Entwürdigungserfahrungen gemacht hat.
Folgethese 1: Will ich, daß einzelne oder ganze Gruppen von Menschen bis hinauf zu komplex zusammengesetzten Staatsvölkern davon ablassen, die zu bedrängen oder auf irgendeine Weise auszuschalten, durch die sie sich, ganz gleich ob zu Recht oder zu Unrecht, beeinträchtigt fühlen, darf ich eines am wenigsten: ihnen die Würde absprechen. Denn vom Wert dieser Würde will ich sie ja schließlich überzeugen.
Folgethese 2: Im Gegenteil! Ich muß Menschen, die sich zu persönlichen oder politischen Verbrechen versteigen, in ihrer Würde sehen und ansprechen.
Das garantiert keinen Erfolg. Aber es ist die Voraussetzung dafür, daß sie einsichtig werden können, wenn ich ihnen den Raum dafür lasse.
Folgethese 3: Wo ich selbst mich fallweise dafür entscheide, ein Verhalten, das ich nicht dulden will, gewalttätig zu beantworten, stehen auch hinter meiner Gewaltbereitschaft Demütigungen und Entwürdigungen (meine eigenen ebenso wie diejenigen derer, für die ich eintrete).
Folgethese 4: Ob etwas eine Demütigung ist oder fälschlicherweise nur so erlebt wird, das wissen wir alle keineswegs immer so genau. Die uns selbst oder unser Umfeld betreffenden Demütigungen erscheinen uns übergroß. Die unserer Gegner bzw. all derer, an denen wir uns reiben, werden uns nur selten in ihrem vollen Ausmaß sichtbar.
Mal sind wir ´groß´ genug zu sehen, daß unsere Hoffnungen, Ängste und Irrtümer von denen unserer Gegner gar nicht so verschieden sind, wie wir glauben, aus unseren Interessengegensätzen schließen zu dürfen. Oft genug aber eben nicht. Und dann klettern wir sie scheinbar unaufhaltsam hinauf, die Leitern unserer Feindseligkeiten!
Folgethese 5: Wo ich selbst mich fallweise dafür entscheide, ein Verhalten, das ich nicht dulden will, gewalttätig zu beantworten, tue ich im Prinzip nichts anderes als der, gegen dessen Gewalttätigkeit ich dabei antrete. ´Natürlich´ habe immer ich die ´besseren´, ´gerechteren´ Gründe für meine Gewalttätigkeit als der andere für seine... (?!)
Folgethese 6: Es ist mehr als bequem, davon abzusehen, daß wir alle so an den Lebensverhältnissen auf dieser Erde mitbauen, daß ein Teil unserer Mitmenschen uns bzw. sein unmittelbares Umfeld als Feinde erlebt, denen er feindselig begegnen zu müssen glaubt, was dann wieder unsere Feindschaft hervorruft, und so fort und so fort und so fort
Der Wahlspruch ´Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit´ ist in meinen Augen eine der Ursachen dafür, daß es auf dieser Erde so etwas wie ´Feinde der Freiheit´ überhaupt gibt.Folgethese 7: Wo einer die Freiheit anderer einschränkt, hat er Gründe dafür. Mal sind sie ehrenvoller. Mal reichlich bis extrem unehrenhaft. Aus Bedrängnis erwachsen diese Gründe immer.
Wo ich mich um diese Bedrängnis nicht kümmere und mich allein auf das Elend konzentriere, das einer dadurch hervorruft, daß er die Freiheit anderer bis hin zur Vernichtung von Menschenleben mit Füßen tritt, tue ich nicht einmal so sehr ihm Unrecht als denen, die er da tritt.
Denn er wird ja nicht aufhören zu treten, bloß weil ich es will oder glaube, ihn zwingen zu können. Seine Gründe verlieren sich ja nicht durch meinen Einspruch. Je verzweifelter ihn meine für seine Motive blinde Gegenwehr macht, um so härter wird er treten.
Folgethese 8: Entweder gilt der Satz ´Gewalt löst nichts und verschlimmert alles´. Oder er gilt nicht.
Eines aber kann nicht sein: Daß er für die einen gilt und für die anderen nicht.
Folgethese 9: Jeder kann phasenweise so verzweifelt sein, daß er nur noch das Bedürfnis nach Befreiungsschlägen entwickelt. In Ordnung. So ist der Mensch angelegt.
Jedem impulsiven Befreiungsschlag folgt jedoch die Ernüchterung, über die, wo wir uns ihr stellen, der Blick wieder frei wird für Alternativen.
Nicht unsere gelegentlich brutale Impulsivität ist hier jedoch unser Problem, sondern daß wir uns ihrer da, wo wir ´entgleisen´, schämen und uns ausgeklügelte Rechtfertigungen zurechtlegen, in deren Logik wir uns dann Schritt für Schritt selbst wie unser Gegenüber immer stärker gefangen setzen, und sei es um den Preis des Unterganges.
Folgethese 10: Allen überlegten Gewalteinsatz muß entscheiden, in welchem Verhältnis Aufwand und Ergebnis zueinander stehen.
Wenn ich ganz sicher sein kann, einen Geiselgangster kampflos zu schießen und so das Überleben seiner Geisel(n) zu gewährleisten, bringe ich die Rettung, um die es mir geht, ja immerhin zustande.
Wo eine solche Rettung um so fraglicher wird, je weniger sicher ich diesen Gangster handlungsunfähig schießen kann, gibt es nur den Verzicht auf einen eben nicht mehr lebensrettenden Gewaltmitteleinsatz.
Sobald ich eine Verbrecher-Bande bekämpfen will oder auch ein Land, das Unrecht auf Unrecht häuft, geht es nicht mehr um die Rettung von Menschenleben, sondern um die Ausschaltung der jeweiligen Aggressoren. Sie kostet in jedem Falle mehr Menschenleben als die ´Ursprungs´-Aggression, sprengt also die Verhältnismäßigkeit.
Solange ich nicht die Bedingungen verändere, die den Nährboden für die Aggression, die ich bekämpfen will, abgeben, wird meine kriegerische Aktion überdies nichts als eine Fülle verdampfender Tropfen auf einen heißen Stein bleiben.Wo ich nichts zu ändern weiß, muß ich dulden. Alles verzweifelte Dreinschlagen bessert allenfalls dann etwas, wenn wir uns, sobald der unerträgliche Überdruck weg ist, der Beschämung, in die ein solches Tun uns immer stürzt, stellen, auf daß wir neu sehen lernen.
Meine nächste These: Alle Menschen lieben die Freiheit, und sie fürchten sie zugleich. Sie ist ebenso beflügelnd, wie sie anstrengen kann. Und nicht wenige halten sie für gefährlich.Ich halte nicht die Freiheit für gefährlich, sondern die Gier oder die Phobien, denen wir alle zeitweilig ein Stück weit erliegen.
Thesenerweiterung 1: Ich halte Ordnungen, die Orientierung verschaffen und Abläufe leichtgängig werden lassen, für überhaupt nichts Problematisches.
Gefährlich erscheint mir hingegen eine Art von Ordnungsdenken, das die Konvention zur Vorschrift pervertiert, gegen die jeder Widerspruch bzw. jede Gegenwehr zu unterbleiben hat.
Thesenerweiterung 2: Wir sind alle unaufhebbar frei darin, wirklich tun zu wollen, was uns vorschwebt oder nicht. (Sartre nennt es: ´zur Freiheit verurteilt´)
Und wir sind frei im ggf. findigen oder eher phantasielosen Umgang mit den Spielräumen, die wir antreffen oder die wir uns gewinnen können - angesichts der Spielräume, die alle anderen um uns herum für sich beanspruchen oder nicht beanspruchen.
Wo wir unsere je eigenen Spielräume nicht beanspruchen, überantworten wir sie den so oder so Anspruchsvolleren unter uns.
Thesenerweiterung 3: ´Laissez-faire´ hieß - auf solche Denkzusammenhänge bezogen - ja wirtschaftsgeschichtlich nicht Freiheit für jeden, der sie beanspruchte, weil sie ihm seiner Würde als Mensch zufolge zustand - sondern hieß: vom Staat garantierte und den Arbeiterschaften gegenüber auch polizeilich hochgehaltene und durchgesetzte Unternehmerfreiheit.
Und ´laissez faire, laissez aller´ war das Programm einer Unverbindlichkeitskultur.Beides hatte mit jenem Freiheitsbegriff, dem wir uns in unseren Verfassungen irgendwo verpflichtet und dann doch nicht voll verpflichtet haben, denke ich, erst ein bedenkliches - Stück weit zu tun.
Thesenerweiterung 5: Das Spiel aller mit allen um die jeweiligen Spielräume können wir demokratisch oder autoritär spielen. Spielen müssen wir es. Wir haben die Wahl.
Thesenerweiterung 6: Ich plädiere für die demokratische Variante wirklicher Konsensbildung seitens aller, die daran mehr oder minder gezielt mitwirken mögen, offen und wirklich gleichberechtigt für alle, die heute dabei sind oder erst morgen einsteigen...
Und ich suche mich entsprechend zu verhalten.
Was immer über gelingenden oder mißlingenden Austauschversuchen an Übereinkunft entsteht, kann - und sollte deshalb - nur so lange Bestand haben, wie der Konsens darüber gelingt.
Wo er sich ändert oder aufspaltet, muß Raum sein für das, was Menschen neu unternehmen möchten.
Thesenerweiterung 7: Wo die einen den anderen über solchen Veränderungen ein mehr oder minder großes Stück dieses Raumes streitig machen werden, wird es von der Findigkeit aller Beteiligten abhängen, ob sie neue fruchtbare Möglichkeiten des Teilens und Duldens entdecken und entwickeln.
Wo nicht, werden die Beteiligten nicht grundlegend weniger oft oder gravierened Unsinnniges und auch Verbrecherisches wollen als je, sobald sie auf allzu feste Regelgefüge verzichten. Aber auch nicht mehr. Da bin ich mir sicher.
Thesenerweiterung 8: Konsensbildung ist für meine Wahrnehmung viel weniger eine Sache der institutionalisierten Politik, als wir gemeinhin annehmen.
Konsensbildung erfolgt, behaupte ich, immer gleichgewichtig zwischen allen, die sich so oder so zu Einflußgruppen gruppieren, ganz egal, wie gebildet oder ungebildet sie ihre Entscheidungen dabei treffen.Gegen diese Einflußgruppen hat kein institutionalisiertes politisches System dieser Welt irgendwelche Eingriffsmöglichkeiten.
Institutionalisierte Politik kann diese Konsensbildungen durchschaubarer werden lassen. Ansonsten ist sie einfach der Arm dieser Einflußgruppen - oder auch ihr Deckmäntelchen.Von institutionalisierter Politik mehr zu erwarten als die Spiegelung und den Vollzug der Kräfteverhältnisse, die in einer Gesellschaft gerade an der Tagesordnung sind, halte ich für realitätsfern.
Konkret auf Ihre Frage 1 angewandt: Ich sehe nicht, daß die Regierungen dieser Welt zu irgendeiner Zeit etwas anderes getan hätten als zu vollziehen, worauf jene Teile der Gesellschaft drängten, die das jeweilige Wirtschaftssystem an führender Position (infolge ihrer ihren gesellschaftlich eingeräumten Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel) trugen bzw. tragen.
Ich sehe auch nicht, daß sie etwas anderes könnten. Und ich träume auch nicht davon, daß sie dieses andere können sollten.
Wir alle alle assoziieren uns einordnend denen in mehr oder minder großem Umfang, ohne deren Vorgaben und Mittel wir nicht leben zu können glauben, selbst wenn wir dabei schlecht leben sollten. Und wir tun es, solange wir nichts anderes wissen.Sobald wir etwas anderes zu wissen beginnen und dieses Wissen zu teilen lernen, wird dieses andere auch entstehen und sich ausbreiten, bis es systemtragendes Gewicht gewonnen hat und also eine neue institutionalisierte Politik ermöglicht.
Und nur das, was wir von kleinsten Anfängen aus eines Tages - und Tag für Tag mit beispiel-gebenderer Wirksamkeit (wieder neu!) - zu wissen beginnen (indem wir es uns neu erarbeiten), wird jene spielraum-begrenzende Kraft in sich tragen, die Fehl-Entwicklungen eindämmt und in größerem oder kleinerem Umfang auf Kurskorrekturen hinausläuft, die eines Tages einen neuen Breiten-Konsens darstellen können.
Thesenerweiterung 9: (zu Ihrer Frage 5 im Besonderen) Für mein Begreifen verhält es sich so: Alles auf dieser Welt Existente ist von Natur aus mit der ganzen Fülle jenes Wissens, das es in seiner jeweiligen Besonderheit je haben kann, ausgestattet. In der (natürlich anthropozentrischen) Sprache des europäischen 18. Jhds. ist das, soweit ich weiß, die ´Intuition´.Zugleich ist alles Existente so angelegt (so jedenfalls stellt es sich dem raum-zeit- und kausalitäts-verhafteten menschlichen Bewußtsein dar), daß es eines je aktuellen Schlüssels zu diesem Wissen bedarf - also auch des ihn jeweils so oder so nahelegenden Schlüsselerlebnisses (auch dies ein anthropozentrischer Begriff selbstredend; andere haben wir nicht) für die jeweilige Neu-Initialisierung der Suche nach diesem Wissen.
Nichts, was wir in Form von Daten- und Zusammenhangswissen haben (das wir von da aus und darüber gelegt als erworbenes Wissen benennen können), haben wir auf Dauer und jederzeit in gleicher Weise abrufbar. Wir haben es immer nur aktuell und in aktualitäts-bezogener Neu-Erschließung.Alles, was wir alle in uns tragen, haben Menschen im Laufe der Menschheitsgeschichte in ihrer je persönlichen Weise auch wieder und wieder in den jeweiligen Aktualisierungen, die ihnen wichtig wurden, aus sich herausgestellt, um es mit anderen zu teilen und daran weiter wachsen zu lassen.
Und so steht jedem von uns auf der Suche nach seinen Schlüsseln ein gewaltiger Pool von Ausdrucksvarianten dessen zur Verfügung, was er mittels ihrer als sein zugleich auch ureigenes Wissen neu entdecken darf und kann...
Und mit Hilfe dieses Pools bildet er sich die Koordinaten und Differenzierungsanstöße für sein eigenes Denken.
Dem einen ist und bleibt dabei immer wichtig, woher er was im Detail hat. Dem anderen vor allem die Aneignung. Zu letzteren gehöre ich wohl. Ich verdanke allen Denkern und Literaten, von denen ich Einzelnes kennengelernt habe, wie vor allem auch den Schülerinnen und Schülern, denen ich begegnen durfte und darf, ebenso viel wie den bewußt christlichen Horizonten, in denen ich aufgewachsen bin und die mir bis heute eine zentrale Quelle meines Welt- und Selbstverständnisses sind. Orientiert Sie das im Sinne Ihrer Nachfrage etwas besser?
Zu Ihrem PS. habe ich folgende Gegenfragen:
Gibt es Interessen jenseits irgendwelcher Vorstellungen darüber, worin diese Interessen bestehen und welche Ordnungen sie befördern?
Und: Sind Interessen grundsätzlich ungefährlich oder auch nur ungefährlicher als Ideen?
Zu Ihrer Worterläuterungsfrage: Mein ´Radius´ bestimmt den Kreis, in dem ich mich bewege. Mein kommunikativer Radius bestimmt den Kreis von Menschen und Positionen, den ich in den Blick nehme. Er kann enger oder weiter gezogen sein.
Mit freundlichen GrüßenGabriele Weis
andere erwiderung:
Sehr geehrte Frau G. Weis,
es fällt mir schwer, die Gefühle, die Ihre obigen Beiträge in mir auslösten, in Worte zu fassen. Obwohl teilweise nicht an mich adressiert, begründeten sie den Wunsch, mich dazu zu äußern. Meines Empfindens ist nur ein Mensch mit erweitertem Bewußtsein, grenzenloser Liebe, Güte und Verständnis fähig, solche Zeilen zu formulieren. Für mich völlig logisch und glasklar beschreiben Sie die Ursachen und Wirkungen menschlicher Verhaltensmuster, die auch mein innerstes Wesen beleuchten und meiner Handlungsweise fast ständig zugrundeliegen:
-----Zitat 1-----
Wogegen ich mich wende, ist das verbreitete menschliche Streben, ebenso aus Selbstüberschätzung wie aus Angst, sich die Dinge mit Hilfe von Bevormundungen, entsprechend festgezurrten Ordnungen und mit Hilfe von Feindbildern richten zu wollen.
-----Zitat 1-----Meine eigene Überzeugung, entstanden aus der Komplexität meines, wie Sie es ausdrücken, "Daten- und Zusammenhangswissens", spiegelt sich in Ihrer ersten These Ihrer Antwort an S. Yamazaki wider:
-----Zitat 2-----
Meine These: niemand entwickelt individuell verbrecherische oder politisch autoritäre, terroristische oder gar totalitäre Vorstellungen, Haltungen und Verhaltensweisen, der keine zumindest latent prägenden Demütigungs- und Entwürdigungserfahrungen gemacht hat.
-----Zitat 2-----Weiter gehen Sie in Ihren Folgethesen in einer sehr anschaulichen und logischen Darstellungsweise auf die Würde, sowohl des Insividuums, als auch der Gemeinschaft und menschliche Verhaltensschemata unter Berücksichtigung von Ursache und Wirkung ein. Insbesondere Folgethese 4 sollten sich alle Forumsteilnehmer mehrmals durchlesen! Die in Folgethese 6 angesprochene Spirale der Feindschaft sehe ich im täglichen Leben fast immer und überall. Auch das Zitat aus Folgethese 7:
-----Zitat 3-----
Denn er wird ja nicht aufhören zu treten, bloß weil ich es will oder glaube, ihn zwingen zu können. Seine Gründe verlieren sich ja nicht durch meinen Einspruch. Je verzweifelter ihn meine für seine Motive blinde Gegenwehr macht, um so härter wird er treten.
-----Zitat 3-----charakterisiert die derzeitige Situation in Jugoslawien. Die Krönung der Perversion menschlichen Verhaltens findet meines Erachtens in Folgethese 9 ihren Ausdruck:
-----Zitat 4-----
Nicht unsere gelegentlich brutale Impulsivität ist hier jedoch unser Problem, sondern daß wir uns ihrer da, wo wir ´entgleisen´, schämen und uns ausgeklügelte Rechtfertigungen zurechtlegen, in deren Logik wir uns dann Schritt für Schritt selbst wie unser Gegenüber immer stärker gefangen setzen, und sei es um den Preis des Unterganges.
-----Zitat 4-----Aber auch den anderen Folgethesen, insbesondere 1,2,5,6 und 8 kann ich mich aus tiefstem Herzen anschließen.
Ihre zweite These über Freiheitsliebe beim Menschen erklärt meines Erachtens in Thesenerweiterung 8 und Ihrer Antwort auf Frage 1 noch einmal klar und deutlich die Ursachen und Beweggründe für die aktuelle Situation in Jugoslawien:
-----Zitat 5-----
Von institutionalisierter Politik mehr zu erwarten als die Spiegelung und den Vollzug der Kräfteverhältnisse, die in einer Gesellschaft gerade an der Tagesordnung sind, halte ich für realitätsfern.
Konkret auf Ihre Frage 1 angewandt: Ich sehe nicht, daß die Regierungen dieser Welt zu irgendeiner Zeit etwas anderes getan hätten als zu vollziehen, worauf jene Teile der Gesellschaft drängten, die das jeweilige Wirtschaftssystem an führender Position ( ) trugen bzw. tragen.
Ich sehe auch nicht, daß sie etwas anderes könnten. Und ich träume auch nicht davon, daß sie dieses andere können sollten.
-----Zitat 5-----und findet ihren Höhepunkt in Thesenerweiterung 9:
-----Zitat 6-----
Alles auf dieser Welt Existente ist von Natur aus mit der ganzen Fülle jenes Wissens, das es in seiner jeweiligen Besonderheit je haben kann, ausgestattet. In der (natürlich anthropozentrischen) Sprache des europäischen 18. Jhds. ist das, soweit ich weiß, die ´Intuition´.
Zugleich ist alles Existente so angelegt (so jedenfalls stellt es sich dem raum-zeit- und kausalitäts-verhafteten menschlichen Bewußtsein dar), daß es eines je aktuellen Schlüssels zu diesem Wissen bedarf - also auch des ihn jeweils so oder so nahelegenden Schlüsselerlebnisses (auch dies ein anthropozentrischer Begriff selbstredend; andere haben wir nicht) für die jeweilige Neu-Initialisierung der Suche nach diesem Wissen.
Nichts, was wir in Form von Daten- und Zusammenhangswissen haben (das wir von da aus und darüber gelegt als erworbenes Wissen benennen können), haben wir auf Dauer und jederzeit in gleicher Weise abrufbar. Wir haben es immer nur aktuell und in aktualitäts-bezogener Neu-Erschließung.
Alles, was wir alle in uns tragen, haben Menschen im Laufe der Menschheitsgeschichte in ihrer je persönlichen Weise auch wieder und wieder in den jeweiligen Aktualisierungen, die ihnen wichtig wurden, aus sich herausgestellt, um es mit anderen zu teilen und daran weiter wachsen zu lassen.
-----Zitat 6-----Für mich ist das die Zusammenfassung aller Eigenarten und Charakteristika des menschlichen Lebens und Verhaltens überhaupt. Damit formulieren Sie den Kern meiner Bemühungen, durch Kommunikation mit meinen Mitmenschen, diesen genau das nahezubringen. Meines Erachtens ist man nur dann zu Kommunikation und Verständnis wirklich fähig, wenn man sich selbst kennt und versteht, und das kann man nur, wenn man sich oben Gesagtes verinnerlicht. Es ist für mich schwer nachvollziehbar, daß die meisten unserer Mitmenschen, insbesondere hier in Westeuropa, mit aller Kraft versuchen, dies zu leugnen und zu ignorieren. Wahrscheinlich ist das wirklich in ihrer Selbstüberschätzung und gleichzeitigen Angst, die völlige Kontrolle zu verlieren (die sie natürlich nie besessen haben), begründet (sh. Zitat 1) ?!
Ich frage mich seit einiger Zeit:
Wie ist es möglich, einem Menschen sein eigenes ICH (Ego), beruhend auf genetischem Erbgut, Instinkten, Intuitionen und erweitert durch Lernprozesse und Erfahrungen, die auf individuellen Schlüsselerlebnissen beruhen, nahezulegen, wenn er sich mit Händen und Füßen dagegen zur Wehr setzt ?
Ist es denn für den Menschen so abschreckend, sich selbst biologisch gesehen als einen Teil der Natur zu betrachten ?
Ist es für ihn so sehr beängstigend, sich als Teil eines Ganzen, statt als Herr über alles "andere" zu sehen ?
Was ist das Ziel dieser Ignoranz und in welche Richtung möchte der Mensch sich in Zukunft weiterentwickeln ?
Sieht er denn nicht (oder will er nicht sehen), mit welch erschreckendem Tempo er selbstverschuldet degeneriert ?
Wie ist das aufzuhalten und ist das überhaupt möglich ?
Mit freundlichen Grüßen
T