dokumentation
der foren-diskussion, die ich zu meinen essays geführt habe:
April 99 // reaktion auf /weltordnungsbau:
Hallo Fr. Gabriele Weis
Ich habe nicht allen Ihren Gedankengängen folgen können, aber Kernpunkt Ihres Denkens scheint mir doch zu sein:
Es gibt zu viele zersplitterte Nationalstaaten. Eine universale Weltordnung(oder so was ähnliches) ist die Lösung.
Tja, da fällt mir momentan als abschreckendes Beispiel nur die Europäische Gemeinschaft ein.Ursache der von Ihnen geschilderten Probleme sind wohl auch nicht Nationalstaaten an sich, sondern doch wohl eher nicht mehr in die heutige Zeit passender Nationalismus wie z.B. der Serben. Das grundlegende Dilemma scheint mir auch eher das folgende zu schein:
Es gibt gewisse Rechte, die jeder Mensch haben sollte, nennen wir Sie mal Menschenrechte.
Meines Wissens gab es im 17./18. Jahrhundert sogar die Theorie, daß jeder Mensch dieses Wertesystem als Teil seiner Seele mit sich herumträgt oder zumindest selbst zu diesen Werten finden kann. Das 20. Jahrhundert hat uns da wohl eines besseren belehrt. Aber wie auch immer, für mich ist das grundlegende Problem :
Was tun mit jemanden der diese Rechte grob mißachtet und sich oder der hinter ihm stehenden Bevölkerungsgruppe versucht Vorteile auf Kosten anderer zu verschaffen ( das kann dann bis zu ethnischen Säuberungen gehen).? Wie mit jemanden sprechen, der nur eine Sprache versteht: Gewalt ?
Sie haben in meinen Augen dann nur zwei Möglichkeiten: Wegschauen oder etwas dagegen zu tun.
Erfahrungsgemäß wird das Problem durch Wegschauen nicht kleiner und löst sich auch nicht von selbst.Nachdenkliche Stunden
BG
meine antwort vom 21.5.99:
Sehr geehrter
BG,
In einem wichtigen Punkt haben Sie mich offenbar mißverstanden: Ausgangspunkt meiner Argumentationsführung war der Blick auf das, was ist.1. Es existieren zum einen ca. 190 (National-?!)Staaten auf dieser Welt. Sie bündeln mehr oder minder menschen- und minderheitenfreundlich bzw. feindlich rund 3500 Ethnien.
2. Über diese (National-?!)Staaten wölben sich verschiedenste supra-nationale Gebilde wie u.a. die EU, die Sie ansprechen, aber auch etwa die UNO und die mit ihr einhergehenden Weltstaatsbildungs-Überlegungen.
Die Kernpunkte meines diesbezüglichen Denkens will ich noch einmal, wie folgt, markieren:1. Gründe für wie gegen(!) die Bildung des einen wie des anderen gibt es zuhauf.
2. Hauptkriterium für jedes Bemühen um den Bestand bzw. die Auflösung des einen wie des anderen sollte in meinen Augen das Selbstbestimmungsrecht derer sein, die in solchen Verbänden zu leben haben und dies weiter wollen oder eben nicht mehr.
3. Ich bin also weder grundsätzlich für die EU beispielsweise oder gegen sie. Sofern und solange die EU einen Weg geht, der für eine ganze Menge von Zuträglichkeiten sorgt (und das tut sie meines Erachtens durchaus - neben den Schrägheiten, die sie selbstredend gleichzeitig produziert), halte ich ihre Bildung und Weiterentwicklung für wünschens- und unterstützenswert, allerdings auch in vielen Punkten für korrekturbedürftig (wie zahllose nationalstaatliche Entwicklungen im übrigen auch).
4. Universale Weltordnungen allerdings, die mehr im Auge haben als eine freie und jederzeit kündbare Assoziation, die Bildung eines Weltstaates gar, scheinen mir in großer Gefahr, der Freiwilligkeit aller Beteiligten allzu enge Grenzen zu setzen.
5. Sie sind für meine Begriffe Ausdruck eines allzu monomanischen Umganges mit Welt und Leben. Als solche erzeugen sie geradezu eine Fülle von Gewaltspiralen, statt der Deeskalation allfälliger inter-regionaler Konflikte zu dienen...
Angewandt auf den derzeitigen Jugoslawienkrieg heißt das:
Was die NATO-Staaten derzeit gegenüber Rest-Jugoslawien versuchen, gehört für mich in den Bereich eines solchen allzu monomanischen Umganges mit Welt und Leben.
Wir wie alle sehen können, verkleinert oder ´verhindert´ es die denkbar schlimmen Irrwege der südslawischen Völker, unter ihnen namentlich der Serben, und die Leidenswege ihrer Opfer keineswegs, wenn man sie mit Gewalt zu verbarrikadieren sucht - auch dann nicht, wenn diese Gewalt weniger ´halbherzig´ daherkäme als über ´bloße Luftschläge´.
Im Übrigen frage ich Sie:Was soll das sein, die "Sprache der Gewalt", die diejenigen, die sich ihr verschrieben haben, angeblich nur "verstehen", wie Sie schreiben?
1. Milosevics und die ihm anhängende Mehrheit der Serben sprechen diese ´Sprache´ derzeit im Übermaß, da haben Sie recht. Und die NATO-Staaten antworten nun seit Monaten mit derselben ´Sprache´. - Motto wie je: wer sich meinen Zielen entgegenstellt, muß sich beugen oder verschwinden.
2. Was bitte, ist an Gewalt ´Sprache´? Kann man ´Sprache´ nennen, was nur eine Botschaft kennt: Zwang oder Vernichtung?
3. Und was wird/ was soll verstanden werden, wo man einem Gewalttätigen in seiner ´Sprache´, also ebenfalls gewalttätig antwortet? - Doch nur: wenn du weiter tust, was du tust, werden wir dich zu vernichten suchen.
Das ´sagen´ die Serben den nach Autonomie trachtenden Kosovaren. Das ´sagen´ die NATO-Staaten den Serben, die nun seit rund 10 Jahren ihre Überlebensperspektiven mehrheitlich an eine denkbar schiefe nationalistische Selbst- und Weltsicht gebunden haben.4. Sie, Herr Gatermann, treten dafür ein zu urteilen, wo wir die Botschaft der Gewalt vernehmen. Ihr Urteil, den Kosovokonflikt betreffend, wenn ich es recht sehe:
Die Gründe der Serben sind nicht nur unehrenhaft, sondern verbrecherisch. Ihre Gewaltbotschaft ist daher inakzeptabel und bedarf der entsprechenden Gegenbotschaft.
Die Gründe der NATO-Staaten für ihre am Ende ebenfalls militärische Gegenbotschaft sind ehrenhaft und daher akzeptabel.Meine Position:
1. Ich halte solche Urteile im Sinne von Verurteilungen und Lossprechungen für höchst zweifelhaft.
Hauptsächlich deshalb, weil sie der Anmaßung entspringen, zwischen ´gerechtfertigt´ Getöteten und Drangsalierten und ´zu Unrecht´ Getöteten und Drangsalierten zu unterscheiden.
Getötete sind für mich Getötete. Drangsalierte Drangsalierte.
Ein ´Recht´ zum Töten oder Drangsalieren von Menschen kann ich nicht sehen. Eine Fülle von möglichen Motiven dazu sehr wohl. Sie alle entspringen unterschiedlichen Verzweiflungsgraden.
Über die Verzweiflung von Menschen und ganzen Völkern zu rechten, steht uns in meinen Augen nicht zu.
2. Wir NATO-Staatler haben unsere Verzweiflung im Angesicht der gegenwärtigen Irrwege der südslawischen Völker in ihrem Ringen um die ihnen einzig möglich erscheinenden Zukunftsperspektiven.Die südslawischen Völker haben jeweils die ihre.
Alle ´Parteien´ im gegenwärtigen Ringen um Gegenwart und Zukunft der Menschen Südosteuropas und der Welt halten oder hielten ihre jeweilige Verzweiflung für groß genug, um ihr militärisch an die Wurzeln zu gehen.
Sie nennen das im Grunde übereinstimmend: ´nicht zusehen können´. Die ´Alternative´ nennen sie: ´wegschauen´.
3. Wie wär´s stattdessen mit: ´hinsehen´?Also: in möglichster Fülle und respektvoll zur Kenntnis nehmen, was ist und die Menschen bewegt - auch und gerade diejenigen, die sich zu Verbrechen versteigen? - Einen Blick zu entwickeln für die Bedrängnisse, in denen sie subjektiv wie objektiv stecken? - Einen Blick zu entwickeln dafür, einen wie großen Anteil an den dortigen Entwicklungen all die vielen Einmischer in die Geschicke dieser Region, unter ihnen zuletzt die NATO-Staaten, haben und hatten? - Einen Blick zu entwickeln dafür, wodurch sich Raum eröffnen ließe für weniger bedrängte Selbst- und Weltsichten bei denen, die auf Bedrängnis mit Bedrängnis reagieren? - Einen Blick zu entwickeln dafür, was man anrichtet, wenn man einfach der eigenen Verzweiflung folgt und alles auf die Karte denkbar unproduktiver Befreiungsschläge setzt?
4. Wer zu Gericht sitzt über den Verfehlungen seiner Mitmenschen, ´löst´ nie etwas. Er zwingt es nur in die Ordnung, zu deren Durchsetzung er die Mehrheit der politischen Gemeinwesen, denen der angehört, auf seiner Seite hat.
´Lösungen´ gibt es allein dort, wo sich Menschen frei miteinander verständigen über das, woran sie sich wechselseitig reiben.
5. Die NATO-Staaten wollen die Kapitulation der bisherigen Politik des serben-dominierten Rest-Jugoslawien. Und sie verfolgen dieses Ziel als Dienst an den Menschen, den Kosowaren zuvorderst, allen Bedrängten in aller Welt darüber hinaus: ´wo immer sie könne, werde die ´Völkergemeinschaft´ nicht dulden...´Sie verfolgen dieses Ziel auf dem Verhandlungswege wie auf dem Wege von Militärschlägen, die den Boden für wiederum den Verhandlungsweg bereiten sollen.
Sie entwickeln Vorstellungen dazu, wie sich die jahrhundertelang von Europa wie von Asien aus konsequent in Friedlosigkeit gestürzte Balkanregion den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Standards der EU nach einer solchen Kapitulation anzunähern habe.
Und sie glauben, auf diese Weise eine ´Lösung´ der derzeitigen Konfliktlagen zu erreichen.
Ein ehrenhaftes Ziel unter Umständen, durchaus. Aber auch ein realistisches?
6. Ich wünsche mir sehr, mich diesbezüglich zu irren. Aber nach allem, was ich von Menschen, von Politik und von Geschichte weiß, ´düngen´ die Toten solcher mehr oder minder kapitulav erzwungenen Friedensordnungen den Boden keineswegs allein für künftige Freiheiten, sondern nicht minder auch für künftige Massaker.
7. Insbesondere wo die Hilfe für den Schwächeren in einem kriegerischen Konflikt im Kriegführen besteht, bleibt im übrigen der Schwächere der Leidtragende. Denn kein Gegner läßt sich mit einem Schlag außer Gefecht setzen, es sei denn atomar, was dann selbstredend nicht nur ihn trifft.
Meine Überzeugung:1. Frieden und Menschenrechte auf dem Balkan oder sonstwo auf dieser Erde wird es nur geben, wenn die jeweils konfliktbeteiligten Völker beides verständigungsweise anzielen und miteinander vereinbaren.
Von außen kann dabei nur helfen, wer sich nicht anmaßt, es besser zu wissen als die Beteiligten. Wer also wartet, bis er nach möglichen, auch gemeinsamen Wegen gefragt wird.
Wer den Weg der Einmischung, also der nicht akzeptierten Übergriffigkeit beschreitet, wird nur neuen Unfrieden stiften...
2. Zu verhandeln hat einer immer nur etwas mit einem anderen, wenn beide wirklich etwas verhandeln wollen. Wo einer von beiden das nicht wirklich will, wird er immer nur allenfalls Scheinverhandlungen führen, um sich Luft zu verschaffen. Ist es denn so verwunderlich, daß die Serben seit rund 10 Jahren mit niemandem außerhalb Alt- wie Rest-Jugoslawiens wirklich etwas verhandeln wollen?Und wäre nicht unser, der NATO-Staaten also, endlicher und ausdrücklicher Verzicht auf jedes Herbeiführen-Wollen sogenannter ´politischer Lösungen´ vielleicht die wichtigste aller Vorbedingungen dafür, daß sich die Konflikte innerhalb Rest-Jugoslawiens eines Tages weniger menschenfeindlich als bisher seitens der Beteiligten auf Lösungen hin entwickeln lassen?
3. Im Übrigen: wir stoßen uns zurecht daran, daß die konfliktbeteiligten Serben und Kosovaren derzeit ihre Probleme kriegerisch angehen. Und wir fühlen uns dadurch auf den Plan gerufen, daß die Kräfteverhältnisse in diesem Konflikt denkbar ungleich verteilt sind. Über beiden Aspekten ist dieser regionale Konflikt natürlich auch unserer geworden. Und nicht anderes als die unmittelbar Konfliktbeteiligten wissen auch wir mittelbar Konfliktbeteiligten ab einem bestimmten Punkt nichts anderes als den Weg der Gewalt. - Genügt es nicht, daß wenige diesen Weg gehen, wenn er sich schon nicht vermeiden ließ?...
Mit ´Wegschauen´ hätte dergleichen ebenso wenig zu tun wie mit ´Zusehen´ oder mit ´Nichts-Tun´:1. Zu leisten ist in meinen Augen ein Begreifen, das sich die Mühe macht, sich gerade auch den Ausweglosigkeiten, sprich den durch nichts aus der Welt zu schaffenden Hilflosigkeiten zu stellen. - Manchmal können wir eben nichts von dem bewirken, was wir bewirken wollen. Wo das so ist, muß Selbstbescheidung der Weg sein und nicht Selbstüberschätzung. Die Anmaßung, wir könnten erreichen, was wir wollen, wären wir nur entschieden genug im Einsatz unserer Mittel, hilft allenfalls in Ausnahmefällen. In der Regel verschärft sie die Probleme.
2. Zu leisten ist in meinen Augen namentlich ein Begreifen des folgenden Ursache-Wirkungsgefüge: Wer (Menschen-?!)Feindlichkeit ´stoppen´ will, muß sagen, daß er antritt, (menschen-?!)feindlichen Akteuren (menschen-?!)feindlich zu begegnen.
3. Was ´menschenfeindlich´ ist, ist und bleibt allen Menschenrechtskatalogen zum Trotz nämlich immer eine Frage des Standortes. - Wo Menschen und Völker sich verfeinden, bedrohen sie ihre wechselseitige Lebensbedrohlichkeit und sehen darin ihr vorrangigstes Menschenrecht ausagiert, das auf Selbstbehauptung.
4. Zu leisten ist in meinen Augen deshalb der schnellstmögliche Abbruch des NATO-Kriegsunterfangens. Dabei: der Verzicht auf Bedingungen. Das bedeutete in der Folge: auch den Verzicht auf ´Verhandlungslösungen´ - es sei denn, Restjugoslawien strebte so etwas wie den derzeit nato-seits geplanten Stabilitätspakt eines Tages von sich aus an.
5. Zu leisten ist in meinen Augen ein Antworten-Lernen auf Unrecht, das Position bezieht, ohne zur verurteilen. Äußerungen und Handlungen jenseits alles Übergriffigen allein haben die Chance, vielleicht ein Stück weit gehört zu werden. - Und gehört werden wollen wir doch mit unseren Menschenrechtsanliegen.
6. Zu leisten ist in meinen Augen ganz unmittelbare Überlebenshilfe, ebenfalls jenseits aller Übergriffigkeiten, für die Kosovaren: Asyl, und sei es für ein ganzes Volk. - Es kann doch nicht angehen, solche Hilfe zu verweigern, weil sie angeblich einer Einladung an alle Unterdrücker dieser Erde gleichkäme, ihre Widersacher aus dem Land zu treiben. Und es kann nicht angehen, auch aus solchen Überlegungen heraus zu Hilfsformen zu greifen, die vermutlich nicht einmal in ferner Zukunft das einmal Geraubte zurückzubringen vermögen, geschweige denn kurz- oder auch nur mittelfristig, weil entweder schon die Inbesitznahme scheitert oder aber nurmehr ein zerstörtes Land zurückgegeben werden kann...
7. Zu leisten ist in meinen Augen ein respektvolleres Nachdenken über und Umgehen mit der ganzen Vielfalt menschlicher Identitäten gerade auch auf Seiten derer, denen die Menschenrechte am Herzen liegen. Nur darüber gewönne das Menschenrechtsideal seine volle Anziehungskraft.
8. Zu leisten ist in meinen Augen ein Begreifen dessen, daß jede Form von Staatlichkeit wie von Überstaatlichkeit nur Bestand haben kann, wenn sie ihre Anziehungskraft in sich selbst besitzt. Jede Erzwingung von außen erscheint mir noch unstatthafter als eine von innen. Die Rede davon, ´Vertreibung und Völkermord dürften im Europa des ausgehenden 20. Jhds. keinen Platz mehr haben´, setzt sich einfach darüber hinweg, daß die EU mit ihren Standards namentlich für die Serben derzeit keine Perspektive zu bieten vermag. Muß das allein mit den serbischen Verirrungen zu tun haben?
9. ... und vieles, vieles mehr.
Es geht hier nicht und kaum je irgendwo in meinen Augen um die Alternative, die Sie aufstellen: "Wegschauen oder etwas dagegen tun".
Es geht um alternatives Tun.
Und es geht um die Frage, warum "etwas tun" ab einem bestimmten Punkt nur Krieg heißen könne?!
Viele von denen, die die derzeitige NATO-Politik vertreten, sehen sich zusammen mit Wolfgang Thierse etwa "vor einer schrecklichen Alternativlosigkeit".Ich sehe diese Alternativlosigkeit nicht und werbe für eine alternative Sicht der Zusammenhänge und Möglichkeiten.
Sie, Herr Gatermann, und andere mögen bezweifeln, daß meine Denkansätze weiter tragen als die derzeitigen ´Standards der internationalen Politik´, wie sie seitens der NATO-Staaten verfochten werden. Das ist Ihr gutes Recht.Ich stelle sie ja auch einfach nur zur Diskussion. Daß sie mit Nichts-Tun irgendetwas gemein hätten, weise ich jedoch zurück.
Mit freundlichen Grüßen
Gabriele Weis
rückantwort vom 14.6.99:
Sehr geehrte Frau Weis, ich hab Sie wohl wirklich etwas mißverstanden, aber ich sagte ja auch, daß ich nicht all Ihren Gedankengängen habe folgen können. .... Zu Ihren Antworten:
Trotz aller Skepsis uznd Behäbigkeit des Entwicklungsprozesses bin auch ich für die EU - es gibt letzlich in Europa keine Alternative, obwohl einiges wie Sie selbst sagen korrekturbedürftig ist
( Stichwort: Landwirtschaft )
Ich glaube , daß in Europa besonders die Kontinentaleuropäer jetzt enger zusammenrücken werden und sie sollten sich auf Dauer auch von den Amerikanern emanzipieren - Aber : noch geht es in Europa nicht ohne die Amerikaner ( siehe auch meine Antwort an Herrn Behrendt in "Zivilcourage").
Mich verwundert allerdings die etwas zunehmende Militanz Ihrer jüngeren Beiträge in diesem Forum. Das mit der Universalen Weltordnung unter Punkt 4) Ihrer Antwort sehe ich genauso. Des weiteren zu Punkt 5) Ihrer Antwort : Ich glaube nicht, daß das Denken der Serben verbarrikadiert worden ist durch die Luftschläge der NATO.
Es war vielmehr verbarrikadiert - i.W. durch die jugoslawische Propagandamühle und den serbischen Nationalismus.
Ich möchte hier, wie in meiner Antwort an Herrn Behrendt in "Zivilcourage" darauf hinweisen, daß
der serbische Schriftsteller Cosic, ein Kritiker des Milosevic-Regimes, der in Berlin im Exil lebt, im Blick auf manche seiner Landsleute und im Blick auf die (noch) herrschende Situation in Jugoslawien von "chauvinistischer Verblödung" gesprochen hat. Ich kann ihm darin nur zustimmen. Der extreme Nationalismus war schon immer ein Übel, er ist und bleibt es, egal woher er kommt.
Es wäre zu wünschen, daß dies jetzt aufgebrochen worden ist. Sie fragen mich: ........... Im Übrigen frage ich Sie:
Was soll das sein, die "Sprache der Gewalt", die diejenigen, die sich ihr verschrieben haben, angeblich nur "verstehen", wie Sie schreiben?
........... Es gab in der gegeben Konstellation nur zwei Blickwinkel, den der NATO oder den der Serben. Da ich auf die Kommentierung und Bewertung von Details weitgehend verzichte bleiben Propagandaelemente weitgehend unberücksichtigt. Da ich voraussetze dass zumindest im Wesentlichen die Vorwürfe gegen das Milosevic-Regime zutreffen und Milosevic schnellstmöglich Einhalt geboten werden muss bleiben nur zwei Positionen. Die Milosevics oder die der NATO. Daraus ergeben sich zwei Varianten : Verhandeln ohne wirksamen Druck. Dies bedeutet die Begünstigung Milosevics und ist im Ergebnis mit völliger Untätigkeit gleichzusetzen. Verhandeln mit wirksamem Druck. Dies bedeutet die Anwendung militärischer Gewalt mit allen Konsequenzen, in einer schmerzhaften Form bis der gewünschte Effekt eintritt. Erst hier setzt die Subjektivität ein, ich habe mich für die Befürwortung der NATO-Variante entschieden, sie haben sich für die Begünstigung des Milosevic-Regimes entschieden. Von daher ist auch Ihre Variante "HINSEHEN" mit Verlaub gesagt intellektuell unredlich. Sie schreiben des weiteren: ................... 1. Ich halte solche Urteile im Sinne von Verurteilungen und Lossprechungen für höchst zweifelhaft.
Hauptsächlich deshalb, weil sie der Anmaßung entspringen, zwischen ´gerechtfertigt´ Getöteten und Drangsalierten und ´zu Unrecht´ Getöteten und Drangsalierten zu unterscheiden.
....................
Hier haben Sie mich offenbar mißverstanden: Es geht darum den schwächsten ( hier eindeutig die Albaner zu helfen ) und dies, ich kann es nur noch einmal betonen, sollte Ziel jeder irgenwie gearteten ORDNUNG wie auch immer sie heißen mag sein.
Sie schreiben des weiteren: ................................. 4. Wer zu Gericht sitzt über den Verfehlungen seiner Mitmenschen, ´löst´ nie etwas. Er zwingt es nur in die Ordnung, zu deren Durchsetzung er die Mehrheit der politischen Gemeinwesen, denen der angehört, auf seiner Seite hat.
´Lösungen´ gibt es allein dort, wo sich Menschen frei miteinander verständigen über das, woran sie sich wechselseitig reiben. .....................................
Das ist im Prinzip richtig - Nur es setzt voraus, daß beide gleichberechtigt agieren können. Dies war im Bezug auf das Milosevic-Regime und die Albaner wirklich nicht der Fall. Dann sind wir wieder bei: Den schwächeren muß geholfen werden.
Des weitern schreiben Sie: .....................
5. Die NATO-Staaten wollen die Kapitulation der bisherigen Politik des serben-dominierten Rest-Jugoslawien. Und sie verfolgen dieses Ziel als Dienst an den Menschen, den Kosowaren zuvorderst, allen Bedrängten in aller Welt darüber hinaus: ´wo immer sie könne, werde die ´Völkergemeinschaft´ nicht dulden...´
Sie verfolgen dieses Ziel auf dem Verhandlungswege wie auf dem Wege von Militärschlägen, die den Boden für wiederum den Verhandlungsweg bereiten sollen.
Sie entwickeln Vorstellungen dazu, wie sich die jahrhundertelang von Europa wie von Asien aus konsequent in Friedlosigkeit gestürzte Balkanregion den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Standards der EU nach einer solchen Kapitulation anzunähern habe.
Und sie glauben, auf diese Weise eine ´Lösung´ der derzeitigen Konfliktlagen zu erreichen.
Ein ehrenhaftes Ziel unter Umständen, durchaus. Aber auch ein realistisches?
......................................
Falls Sie meine Vorstellungen mit
1) Bildung einer Freihandelszone zwischen den ehemaligen YU-Staaten
2) Balkanunion
3) Langfristige Annaeherung ALLER Staaten an die EU.
ansprechen. Halte ich für einen - langfristig - gangbaren Weg.Voraussetzung ist allerdings, daß die Serben nicht weiterhin der panslawisch-christlich-orthodoxen Union anhängen, sondern sich als Teil von Europa begreifen.
In diesem Zusammenhang habe ich Fr. Caspers in diesem Forum dies als Frage gestellt, warten wir mal die Antwort ab.
Sie schreiben des weiteren:
........
6. Zu leisten ist in meinen Augen ganz unmittelbare Überlebenshilfe, ebenfalls jenseits aller Übergriffigkeiten, für die Kosovaren: Asyl, und sei es für ein ganzes Volk. - Es kann doch nicht angehen, solche Hilfe zu verweigern, weil sie angeblich einer Einladung an alle Unterdrücker dieser Erde gleichkäme, ihre Widersacher aus dem Land zu treiben. Und es kann nicht angehen, auch aus solchen Überlegungen heraus zu Hilfsformen zu greifen, die vermutlich nicht einmal in ferner Zukunft das einmal Geraubte zurückzubringen vermögen, geschweige denn kurz- oder auch nur mittelfristig, weil entweder schon die Inbesitznahme scheitert oder aber nurmehr ein zerstörtes Land zurückgegeben werden kann...
.........Völlig unrealistisch Frau Weis. Asyl für alle Albaner würde bei sagen wir mal 2000/DM pro Mann und Monat mehr als 30 Milliarden pro Jahr bedeuten. Außerdem setzen Sie sich damit über das Selbstbestimmungsrecht der Albaner hinweg, die sicherlich gern in Ihrer angestammten Heimat leben wollen.
Zum Schluß schreiben Sie:
........
Daß sie mit Nichts-Tun irgendetwas gemein hätten, weise ich jedoch zurück.
.......Die Variante "HINSEHEN" ist wie o.g. intellektuell unredlich, sie ist mit völliger Untätigkeit identisch.
Mit freundlichen Grüßen
BG