märz 1999
Wer nennt mir einen Krieg in der Geschichte der Menschheit, der Not, Vertreibung, Schändung und Tod nicht potenziert hätte - verglichen mit dem Elend, gegen das er angetreten war?
Wann und wo immer Menschen sich schlagen, ist das schlimm genug. Was wird besser dadurch, daß man die schlägt, die schlagen?
Woher die Arroganz, wir hätten Lösungen für die Probleme, die andere miteinander haben? Wir stolpern doch nicht selten kläglich genug durch unser eigenes Gestrüpp, verstehen uns selbst nur in Maßen und unsere Gegner allenfalls in Ansätzen! Kein Mensch auf dieser Welt und auch kein Volk, dem es erspart geblieben wäre, sich dabei auch zwischenzeitig denkbar entsetzlich zu verstolpern!
Wissen wir immer noch nicht, daß wir keiner dieser Entsetzlichkeiten gegenüber eine begrenzende und Versöhnungen ermöglichende Macht haben - außer der der Liebe? Wissen wir immer noch nicht, daß wir keineswegs alles richten können, was uns das Herz zerreißt - weder mit Gewalt noch anders, bevor auf allen Seiten gereift ist, was Lösungen eines Tages vielleicht möglich werden läßt? Ja, wissen wir immer noch nicht, daß wir in der Regel deshalb nicht Teil der Lösung eines uns mitbetreffenden Problems zu werden vermögen, weil wir so oder so Teil dieses Problems sind? Und wissen wir immer noch nicht, daß wir unsere Ohnmacht niemals wenden durch die Anmaßung von Macht?
Gibt es ein Dreinschlagen, dessen vordergründig schmerzlindernde Wirkung, den Schmerz und den Schmerz der Ohnmacht nicht noch potenzierte? - Und ist nicht das die Erkenntnis, die wir allen ´Gewaltbereiten´ in unserer Gesellschaft anraten? Und nur, weil Schmerzen nicht gleich Schmerzen sind, gilt diese Erkenntnis nicht? Dies alles in respektvollem Widerspruch zur derzeitigen Jugoslawienpolitik!