gabriele weis  /  zum verhältnis von freiheit und gewalt bzw. terror, 2001

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gefahr für unsere freiheit erwächst dieser freiheit nicht von denen, die sich zu ihren feinden erklären

- sie gefährden einfach, wenn auch fallweise unsagbar leidbringend, unsere unversehrtheit

  

unsere freiheit gerät namentlich dort in gefahr, wo wir unter ihrem deckmantel in mehr oder minder großem umfang neben guter  auch allzuviel blind bis heuchlerisch falsche münze schlagen

die attitüde ausdrücklicher stärke und entschlossener, gar kriegerischer schlagkraft, mittels deren wir unsere verwundbarkeit zu minimieren trachten, entspricht unseren falschmünzereien, nicht unseren freiheits-idealen

 

 

nichts und niemand schafft je unser aller wechselseitige versehrbarkeit aus der welt - ohne sie wären wir in der ganzen fülle dessen, was uns ausmacht, nicht, was wir nun einmal sind: menschen

 

als menschen haben wir allerdings die folgenschwere wahl:

wir können uns einreden, drohung und gewalteinsatz, verringerten diese versehrbarkeit

wir können aber auch begreifen, daß das, was beide zumeist provozieren  - gegendrohung und gegengewalt -  allenfalls zeitweilige und damit immer zutiefst labile stärkevorsprünge zuläßt

und wir könnten begreifen, daß es kein sich-ducken bedeutet, schläge nicht mit gegenschlägen zu beantworten

 

 

wahre stärke besitzt nur, wer gewalt und unrecht hinzunehmen weiß als ausfluß der unaufhebbaren irrtumsanfälligkeit aller menschen und folglich als die lernhilfe, deren ´täter´ wie ´opfer´ gleichermaßen bedürfen, um neben ihrem eigenen auch das recht ihrer mitmenschen immer wieder neu sehen zu lernen

 

daß menschen sich wieder und wieder in nicht selten beklemmendem maße in gewalttätigkeit und unrecht versteigen, gehört zu ihrer begrenztheit   -   wohl niemand, der beides vollständig in seinem leben zu vermeiden gewußt hätte

es gibt weder die guten, noch die bösen

nichts ist schwarz oder weiß

alles ist vielfarbig, vieltönig und vielschichtig

  

 

unser   f ü h l e n ,   d e n k e n ,   r e d e n    und    t u n ,   ist und bleibt nur   f r e i ,   wenn wir in wachsendem maße eine weltweite besinnung auf das fördern, was   h i n t e r    den   o b e r f l ä c h e n s y m p t o m e n    steckt, die uns zurecht schrecken

 

eine solche besinnung bedarf eines   w e l t w e i t    möglichst intensiv geführten    d i a l o g e s

auch und gerade der   m e n s c h e n   u n m i t t e l b a r 

-  neben dem dialog der regierungen und organisationen

 

 

 

frieder heinze / begegnung, 1985

  

  

---   ein weitweit von möglichst vielen mit eigenverantwortlichem engagement ausagierter dialog vor allem:

 

... des wechselseitigen fragens danach, was da im einzelnen bedrängt  -  eines sich-sorgens umeinander also

... des wechselseitigen ebenso respekt- wie homorvollen durchleuchtens gravierender unfreiheiten im fühlen, denken und handeln auf allen seiten

...möglichst selbstkritischer suche nach verursachungen und möglichen abhilfen

...des austauschs und der entwicklung von verhaltens-, geschäfts- und organisationsideen, die wirklich produktive perspektiven eröffnen

...des austauschs von rein menschlichen wie kulturspezifischen anliegen und erkenntnissen

 

 

seine erste grund-aufgabe:  menschen zu dem zu befreien und zu ermutigen,

... was in ihnen steckt

...was sie vermögen, auch wenn ihr jeweiliges umfeld ihren bewegungsraum im übermaß einschränkt

...w a s   an   k r a f t -  und  w a c h s t u m s q u e l l e n   mit allen   f o r m e n   des   t e i l e n s    f r e i g e s e t z t    werden kann

 

seine zweite grund-aufgabe: 

unerläßliche kurskorrekturen zu einer immer größeren selbstverständlichkeit in den augen von immer mehr menschen werden zu lassen

 

 

 

 voraussetzungen:

 

wir alle sollten  u n s   als die eigentlichen beweger   u n s e r e r    lebensverhältnisse und kulturpraktiken   n e u   b e g r e i f e n   l e r n e n

  

wir sind nicht einfach bestenfalls stimmvieh

und wir sind nicht einfach system-marionetten

 

 

w i r    alle  (wo immer wir auf diesem globus zu hause sein mögen)   s i n d   bzw. müssen es werden  -  mit neuer intensität und eigenverantwortlichkeit auf allen ebenen und in allen winkeln dieser welt:

   bürger, geschäftspartner bzw. konkurrenten, touristen, wissenschaftler, familien und freunde...  --

 

--  mit unzähligen möglichkeiten, verhaltensweisen und ideen ins spiel zu bringen, ...

...die lösen helfen, was die menschen hierzulande wie anderswo im elend gefangensetzt

 

 

 

wir müssen nur neu begreifen, daß   w i r   es sind, die   e n t s c h e i d e n ,   w o z u   z.b. wir wirtschaften

 

natürlich lebt jedes wertschöpfungswachstum rein materiell von bezifferbar erzieltem gewinnen

 

nur:  

wer sagt, daß jede art von   i d e e l l e r   wertschöpfungsleistung, also von primär dem leben zugewandter und erst in zweiter linie wirtschaftsablaufs-orientierter problemlösungsanstrengung, dazu in widerspruch stünde?

 

es sind doch   i m m e r   v o r   a l l e m   i d e e l l e   w e r t s c h ö p f u n g s a u f g a b e n , die wir zu erfüllen haben, wenn existenzsicherung und kulturelle entfaltung gelingen sollen

 

die markt- und kapital-mechanismen sind unsere ebenso seismographischen wie gestalterischen mittel  und wegmarken

-  nicht:   unsere zwingherrn

sie sind nichts als anregende und als korrektiv wirkende wie eingesetzte instrumente und sondierungs-elemente

 

 

börsenkurse, wachstumsraten, kosten- oder standortfragen gehören keineswegs ins zentrum unserer aufmerksamkeit !

 

dergleichen führt nur dazu, daß wir uns wieder und wieder wechselseitg voller hysterie in einem nicht selten reichlich aberwitzige blüten treibenden kampf um marktanteile erschöpfen

wieder und wieder verkommt folglich unser wirtschaften zu einem pokerspiel um die besseren nerven, machtpositionen und tricks beim allseitigen angstschürenden herbeireden dessen, was doch angeblich keiner haben will

 

 

so produziert man bei sich selbst wie bei anderen umverteilungs-achterbahnen, aber keine problemlösungen!

 

und man produziert   - irgendwo zwischen dummheit und verbrechen -   den rauch auf allerlei logeleien fixierter kopflosigkeiten

 

 

daß aber solch    b l i n d e    a b l a u f s o r i e n t i e r t h e i t     weltweit...

... ein unabsehbares  - und kulturell weit mehr noch als wirtschaftlich destabilisierendes -   verunsicherungs-karussell in gang gesetzt hat, ...

... e r z e u g t    nun einmal bei den negativ betroffenen leicht nicht minder extreme   b l i n d w ü t i g k e i t e n ...

 

 

 

 

was es wieder mit neuer kraft und verantwortung zu erkennen gilt, ist das folgende:

 

w i r   a l l e   sind es, die tag für tag mittels ihrer jeweiligen kulturellen visionen darüber   e n t s c h e i d e n ,  ...

... ob wir weiterhin zu brache und elend verkommen lassen, was die wachsende menschheit an riesigen wertschöpfungs- und gestaltungs- wie nachfragepotentialen für einen jeden von uns in sich trägt - oder nicht

 

die quittung des ´oder nicht´ haben wir soeben schlimmer und schmerzhafter, als wir uns das bisher zumeist haben träumen lassen, erfahren...

 

d a   sitzt die herausforderung

und    d a   winkt verdienst in jenem umfassenden sinn, den es neu ins auge zu fassen gilt!

 

 

 

meine these:

 

wir wissen in diesen tagen zurecht unsere   f r e i h e i t   in gefahr

 

aber:  diese  gefahr geht von einer problematischen   w a h l   der operationsfelder, die wir treffen, aus  -  einmal mehr, wie es scheint

 

sie sitzt   i n   u n s e r e n   k ö p f e n   weit mehr, als in jenen der terroristen bzw. in deren anschlägen 

 

 

n u r  in unseren   k ö p f e n   gibt es an unserer ´f r e i h e i t ´ nicht einfach etwas zu verteidigen

 

n u r   h i e r   gibt es diese freiheit   - zuweilen sogar in bewußtem innehalten -    tag für tag   n e u   zu   e n t d e c k e n

 

n u r   durch ihre immer neue entdeckung gewinnen wir sie uns und anderen...

... als jene   k r a f t , ...

... die   h e i l e n   läßt und   h e i l u n g   verschafft

 

 

 

die folgende erkenntnis könnte dabei ins spiel kommen:

 

i m m e r   s i n d    e s    d i e     m e n s c h e n    in welchen regionen dieser welt auch immer,  d i e   über die spielräume ihrer politiker, ja selbst ihrer diktatoren   e n t s c h e i d e n

 

s i e    entscheiden sich für bestimmte welterklärungen, emotionen und denkmuster, für parteien und führungsfiguren, für eine bestimmte politik, ...

...indem sie diese oder jene gefolgschaft bilden...

...und wieder aufkündigen

 

wenn   s i e   mehrheitlich keine andere möglichkeit als z.b. krieg sehen, werden sie sich daran beteiligen, krieg ins werk zu setzen

 

 

 

s o b a l d   m e n s c h e n   i n   a l l e r   w e l t ...   

...- einzeln und in  gruppen - ...

...stück für stück...

...f ü r   e i n   a n d e r e s   f ü h l e n   u n d   d e n k e n   f r e i   zu werden trachten... 

...und entdecken, ...

...daß sie   a l l e   mehr und anderes können, ...

...als ihre angst, sich selbst und einander unter wechselseitigen ächtungen zu begraben   --

 --  werden   s i e   zwar den krieg, den ´der westen´ nun offenbar im rahmen eines möglichst weltweiten anti-terror-bündnisses zu erwidern entschlossen ist, wohl nicht mehr aufhalten...

 

 ...s i e    w e r d e n    d i e s e n   k r i e g    j e d o c h   in den herzen einer wachsenden zahl von menschen und damit dann auch in der realität mehr und mehr   z u    u n t e r l a u f e n    und überflüssig werden zu lassen   v e r m ö g e n ...

    

verdeutlichendes: