gabriele weis  /  zum unterschied zwischen ´bündnis´ und ´gemeinschaft´, 2001

______________________________________________

 

 

´friedensgemeinschaften´ sind auf  spaltungen nicht zu gründen...

... -  allenfalls ´bündnisse´

deren dreh- und angelpunkt ist seit je die abwehr von oder der griff nach etwas, das gegen widersacher welcher art auch immer durchgesetzt werden soll

bündnisse erreichen die bündelung von kraft, um die es ihnen geht, nahezu immer nicht zuletzt über die verunglimpfung derer, die sich ihnen entziehen oder sich ihnen entgegenstellen

sie setzen auf so oder so gestrickte macht-´ballancen´, die dann dominieren, was nach innen wie außen als recht gilt

 

 

 ´gemeinschaft´ hingegen 

haben wir, oder wir haben sie nicht

wir können sie herstellen, verlieren und wiedergewinnen, suchen und zulassen oder meiden und verweigern in den begegnungen, die wir haben

wir erfahren sie als geschenk anderer und wir schenken sie unsererseits

ohne ein wechselseitiges mal beglücktes, mal befremdetes einander-entdecken, sich aufeinander ein- und auch wieder voneinander lassen, ohne ein für-einander-da-sein, das jede form von sklavischer verbundenheit ausschließt, wird sie uns nicht zuteil

 

wo wir sie einzufordern oder gar zu erzwingen versuchen, machen wir sie uns gegenseitig zur hölle

 

 

wenn wir glauben, ohne bündnisse schutzlos zu sein  -  nun gut

für den fall, daß uns eroberung ins haus stünde, mag (!!) von bündnissen das kommen, was wir gemeinhin so unter ´schutz´ verstehen

 

was aber kann jenes hochfahrend-weltweite bekämpfungs-bündnis gegen den global-terrorismus unserer tage wirklich bewirken, zu dem nun offenbar zahlreiche regierungen dieser welt ihre zuflucht suchen?

überspielen, ja verschärfen wir mit der da verfochtenen art von frontenbildender ´friedens-´politik nicht u.u. nur zu leicht denkbar kurzsichtig die gegensätze, die unsere übrige politik zuhauf in dieser welt erzeugt?

 

 

 

mit ´gemeinschafts´-bildung, deren ergebnis in der tat eine ´friedensgemeinschaft der völker´ wäre  (wie wir sie seit dem golfkrieg gegen saddam hussein anzuzielen vorgeben), haben u.a. unsere gegenwärtigen bündnispolitischen aktivitäten leider wenig zu tun:

 

was wir bisher an aktionsgemeinschaften zustandebringen, krankt in der regel daran, daß es z.t. mehr als fragwürdige regierungen  sind, die sich im punkt x mit ´uns´ darauf verständigen, diese oder jene gemeinsame sache zu machen 

und es krankt daran, daß wir durchweg viel zu wenig wissen, was wir da tun

-  in den resultaten bewegen wir uns deshalb oft weit jenseits dessen, was sich aus den jeweiligen auffassungs-spektren der von solchen ´verständigungen´ betroffenen menschen und völker ergeben müßte, wenn man es denn sorgsam zur kenntnis nähme und wirklich produktiv und heilend beantwortete

 

 

und überdies etablieren wir mit jener ´friedensgemeinschafts´-formel die vorstellung, ...

...neben der ´friedensgemeinschaft der völker´ ( unserem denkbar edlen (?) jahrhundert-anliegen)...

... gäbe es ´die anderen´, die ´kriegsgemeinschaft´ wenn nicht von völkern, so doch zumindest die von terroristen mit noch dazu kulturkämpferischen zielen...

 

-  und schon haben wir sie uns und anderen einmal mehr geschaffen und sie genährt:  die hölle jener formen erzwungener gemeinschaft, die vorwiegend eines kennt  -  ´bekämpfung´ oder ´selbstaufgabe´

 

 was für ein lebens- und politik-modell binden wir denn allen nur ans bein?

 

 

 terror war, ist und wird immer sein:   ein instrument übergroßer schwäche

 

der fanatismus, von dem er lebt, kommt aus vielschichtiger, insbesondere aber auch aus geistig-spiritueller verzweiflung  (!)

 

die formen von gemeinschaft, die mit beidem einhergehen, entraten so sehr jeder perspektive, daß jeder ´kampf´ oder gar krieg gegen sie geradezu zur bedingung ihrer (fort)existenz wird

 

und auf ´unserer´ seite?     die formen von ´friedens´-, sprich:  kampf-´gemeinschaft´, die wir als antwort auf die entsetzlichkeit moderner terrorschläge in diesen tagen nach new york nun offenbar zu fundamentaler bekämpfung entschlossen entwickeln zu müssen glauben, lindern ihrerseits nichts:   weder unsere bedrohtheit noch die perspektivlosigkeiten, die diese bedrohung provoziert haben

   

das fatale:  die hydra terroristischer antworten auf die weltverhältnisse unserer tage nährt sich in der hauptsache von diesen beiden gemeinschaftsformen

  

d e s h a l b   muß es in diesen tagen um etwas deutlich und entschieden anderes gehen als darum, ´weltweit´ in sogenanntem ´innerem burgfrieden´ die sogenannte ´zivilisierte´ welt vor sogenannt ´unzivilisiertem´ terror zu bewahren

 

verdeutlichendes: