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haben zu einem thema bzw. einem sachgebiet eine NACHFRAGE, einen WUNSCH...

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1,2,3,4,5

DIALOG FRIEDEN&FAIRNESS-NAVI:Seite 2

datum Ihre@ nachfrage|wunsch anmerkung|hinweis|(andere) position  

meine antwort:

 
27.9.2001

olaf.sander@web.de

 

bezug:forumsbeitrag FAZ

 

sehr geehrte frau weis,

vielen dank für ihre zeilen. bevor ich auf ihre ausführungen antworte, möchte ich, dass sie wissen, dass ich meine meinung und weltanschauung, keineswegs über ihr ansinnen und ihre meinung gestellte habe. sollten sie dennoch den eindruck gehabt haben, dass meine antwort in irgendeiner form blasphemisch gewesen wäre, so bitte ich sie um entschuldigung. so war es nicht gemeint.

diese menschliche welt, wie sie, sie sich wünschen, ist lobens- und vor allem erstrebenswert. auch ich hoffe, dass der mensch in seiner weiteren evolution lernt, friedlich und vor allem mit respekt seinem mitmenschen, den tieren und pflanzen, ja der ganzen welt, gegenüber zu handeln. sie schreiben, dass sie sich an das buch der bücher anlehnen. (ich gehe davon aus, dass sie aus ihrem christlichen glauben die kraft für ihr handeln nehmen und bewundere sie für ihren mut, diese vorstellung vom menschlichen zusammensein, so öffentlich zu propagieren, denn andersdenkende menschen – vor allem wenn sie einen friedlichen und christlichen weg wünschen – werden in dieser, unserer gesellschaft meist nur belächelt.) aber auch in der biebel, wird ja von den sünden berichtet. solange der mensch anfällig für das schlechte ist, solange kann er nicht über seinen schatten springen. ich denke eines der größten probleme unserer zeit und unserer gesellschaft ist der neid. er zerstört im kleinen und tötet im großen.

ein chinesisches sprichwort lautet, „mach freundschaft mit eines menschen güte, nicht mit seinen gütern“. genau danach versuche ich mein handeln auszurichten. das heisst nicht, dass ich asketisch lebe. eher das gegenteil ist der fall. ich arbeite um zu leben. nicht umgekehrt. ich nutze die errungenschaften der menschheit gerne und habe einen kleinen hang zum luxus. aber eben alles im rahmen meiner möglichkeiten. ob ich jemanden mag, oder nicht, hängt niemals davon ab, was er besitzt oder darstellt. die sympathie entscheidet. leider hat sich das materielle bewusstsein so tief in die köpfe der menschen gebrannt, dass sie für die eigentlichen dinge blind geworden zu sein scheinen. aber das ist m.e. noch nicht einmal das größte problem. schauen sie sich doch nur mal hier im forum um. ich meine nicht nur, dass einige leute sich wie eine irrsinnige katze im kreis drehen, sich selber in den schwanz beissen und sich hinterher beschweren, dass es weh tut. ich meine vor allem, dass es einigen leuten hier sehr schwer fällt – für manche ist es geradezu unmöglich – wenigsten die meinung eines anderen zu akzeptieren. und akzeptanz, kommt von toleranz.

das christentum gegen den islam und umgekehrt. der moslem gegen den juden und umgekehrt. die katholiken gegen die protestanten und umgekehrt. und jetzt sagen die meisten menschen wie im kindergarten: „ja aber die haben ja angefangen“. wer durchbricht den kreis, oder wer wirft den ersten stein? diese frage, soweit heruntergebrochen, entscheidet über wohl und wehe. die einzige relegion, die ich kenne, die andere relegionen akzeptiert ist der buddhismus. er ist ja eigentlich keine relegion, vielmehr eine weltanschauung. es ist schon immer so gewesen, dass sich die verschiedenen kulturen sich immer wieder aus angst, unverständnis und machtgier bekriegten und bekriegen.

und das ganze völker ekstatisch nach krieg, vergeltung, rache, oder wie man es auch immer nennen mag, schreien, kann ich nicht verstehen. so etwas geht mir nicht in den kopf. einige wenige, vermögen es, viele tausend, sogar viele millionen menschen zu beeinflussen, ja sogar so zu manipulieren, dass diese menschen sich gegenseitig abschlachten. entschuldigen sie bitte den ausdruck, aber das ist pervers. bertold brecht hat es mit seiner geschichte „wenn die haifische menschen wären“ auf den punkt gebracht. ein kurzer auszug: „wenn die haifische menschen wären, würden sie natürlich auch untereinander kriege führen, um fremde fischkästen und fremde fischlein zu erobern. die kriege würden sie von ihren eigenen fischlein führen lassen. sie würden die fischlein lehren, daß zwischen ihnen und den fischlein der anderen haifische ein riesiger unterschied bestehe. die fischlein, würden sie verkünden, sind bakanntlich stumm, aber sie schweigen in ganz verschiedenen sprachen und können einander daher unmöglich verstehen.“

warum denken die meisten menschen nicht nach? wenn die menschen hinterfragen würden, über die konsequenzen ihres handelns nachdenken würden und sich nicht alles vorsetzen lassen würden, wären sie, liebe frau weis, mit ihrem wunsch ein ganzes stück weiter. aber denken ist arbeit. deshalb vermeiden auch so viele menschen es zu tun.

warum schicken eltern ihre kinder in den krieg? ist der wunsch, kinder zu gebären größer, als der wunsch kinder zu beschützen? wie viele frauen bekommen kinder, und verstossen sie dann oder kümmern sich nicht um sie? wieso liegt jemand in unserer wohlstandsgesellschaft auf der straße und friert, hat hunger und kein obdach? warum hilft dann keiner? bitte sage jetzt niemand, er wäre selber daran schuld. und wenn es so ist, weil dieser mensch irgendwann einmal einen fehler machte, hat er doch trotzdem sein recht auf hilfe nicht verwirkt. warum vernichten wir immer wieder tausende tonnen an lebensmitteln, wenn auf unserem nachbarkontinent jeden tag tausende menschen und kinder verhungern? warum züchten regierungen ein monster wie bin laden und machen ihn erst zum held, um ihn nachher zu vernichten, weil er sie selber anggriffen hat?

ich gebe ihnen vollkommen recht, wenn sie ein umdenken fordern. und da müssen wir bei unseren medien anfangen. wenn bei rtl gesagt wird, dass in taiwan, der himmel plötzlich rosarot geworden ist, dann glaubt das die halbe nation. denn es wurde ja im fernsehen gezeigt. aber so viele wissen nicht, dass man dem medium fernsehen nicht immer glauben schenken darf.

generell scheint seit kurzem – und nicht erst seit diesem grauenvollen terroranschlag in den usa – nichts mehr so zu sein, wie es war. wenn man sich die indexe der börsen anschaut, kann man nur noch mit den kopf schütteln. ich meine nicht, dass sie „im keller sind“, sondern das alte instrumente der geldwirtschaft ausgehebelt zu sein scheinen. normalerweise ist es so, dass wenn der leitzins erhöht wird. die kurse fallen. wenn er gesenkt wird, steigen sie wieder. wenn man aber die kurse über einen längeren zeitraum beobachtet hat, dann stellt man fest, dass die beide kurven annähernd parallel verlaufen. bmw bringt die besten unternehmensergebnisse seit firmenbestehen. und was passiert? die aktie fällt. das kann nicht nur reine psychologie sein. vielleicht meinten sie das, als sie über die wirtschaft sprachen.

sehr geehrte frau weis. wir sind beide idealisten. ich denke sogar, dass wir beide den gleichen wunsch und das gleiche ziel haben. nur, ich träume von einem besseren morgen. (das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich noch relativ jung bin. :-) ) ich lebe im heute und denke an morgen. das schafft in mir eine sicherheit. und im gegensatz zu ihnen klage ich auch an. denn nur wenn man den menschen fragen stellt und sie damit zwingt, nachzudenken, besteht die hoffnung, dass sich das bewusstsein ändert. ich muss fragen stellen, um diese welt zu verstehen. seien sie mir deshalb bitte nicht böse. aber ich denke, dass genau das, dass vorrecht der jugend ist.

ich verbleibe mit den allerbesten grüßen und der hoffnung auf eine antwort von ihnen

olaf sander (olf)



28.9.2001

hallo olaf sander,

  

pardon, dass ich erst jetzt zum antworten komme.

seien Sie  beruhigt:  für mein empfinden war in Ihrer ersten antwort an mich kein stückchen arroganz (ein stück drängende provokanz statt dessen, die ich gut verstehe und ohne innere widerhaken annehmen kann)  - -   und erst recht nichts von blasphemie  -  letzteres in meinen augen sowieso ein reichlich unfruchtbares und immer unfriedliches ´totschlag-wort´.   ich halte es für das natürlichste von der welt, dass menschen alles mögliche unterschiedlich sehen und bewerten  -  also auch infrage stellen, was ich vortrage bzw. will.   philosophische und religiöse vorstellungen oder auch gefühle können doch davon nicht ausgenommen sein.

 

überdies:   wenn ich das recht sehe, liegen Sie und ich ja weniger in unseren wünschen auseinander als im vertrauen auf das, was menschen vermögen bzw. was sie sich selbst zutrauen und folglich auch zumuten könnten und sollten.

  

ich insistiere:  gefangenheiten im fühlen, denken und handeln lassen sich abstreifen.  nur darüber werden menschen frei für alternativen.

- wer sagt denn, dass ich als kleines fischlein (aus brechts haifisch-parabel) nichts anderes kann, als kopf, herz und flosse an lehrer auszuliefern, die mir unsinn erzählen?  -  wer sagt denn, dass es unser aller unterschiedliche ´sprachen´ wären, die unserer verständigung im wege stünden?  (brecht doch ganz bestimmt nicht!  ihm geht es ja gerade, denke ich, um die evidente absurduität der in dieser parabel gespiegelten menschenbilder und gesellschaftspläne!)   //  oder wer sagt, dass die fülle menschlicher untugenden ihnen nichts als das beschreiten immer derselben sackgassen ermögliche?

es kann doch niemand einen anderen zu etwas bewegen, wenn der nicht genau dahin will, wo sein angeblicher ´manipulator´ ihn hinhaben will!  da treffen sich doch immer nur zwei und mehr in demselben gefühlsmäßigen bestreben.  Das einzige, was sie unterscheidet, ist ihre sachspezifische durch- und weitsicht samt allerlei sonstigen kompetenzen.   nicht:  ihr intuitives wissen um die kosten und die moralität des weges, zu dem sie sich zusammentun!

 ich frage:  sind so oder so gefangene menschen grundsätzlich  ansteckender als freie menschen?  -  wieso sollten sie?

ich behaupte:   tragfähige abhilfen für alles, was uns zu schaffen macht, finden wir über die ansteckungskraft unserer arbeit an unserer inneren freiheit...

  

in meinen augen ist es nur allzu natürlich, dass jeder bei anderen eher als bei sich selbst gefangenheiten auszumachen weiß. 

es ist in ordnung, ja wichtig, dass wir diese einander vorhalten  -  denn kein mensch, keine gruppe, kein volk verfügt über den umfassenden durchblick. 

die unduldsamkeiten und gedanklichen wie konkreten handelns-abstrusitäten, die uns dabei im rahmen welcher denkmuster und gefühlshierarchien auch immer nur zu leicht unterlaufen, erscheinen mir freilich gar nicht so schwer verständlich:  denn natürlich suchen alle nach schnell sichtbarer und irgendwie vorteilhafter abhilfe für das, was sie nicht hinnehmen wollen. 

alle spüren ihre begrenztheit, bäumen sich gegen sie auf, sehen sich durch sie aber auch gerechtfertigt. 

und alle tun sich extrem schwer mit ´fremden´ abhilfemodellen. 

alles fremde erscheint ja, wo ich mich ihm nicht gewachsen fühle, erst einmal ´falsch´.  vielleicht bleibt es das auch auf den zweiten blick, vielleicht hat es mir gar als verbrecherisch zu gelten, vielleicht ist es mir aber auch nur zu unbequem.  vielleicht sind mir auch die, die für ihre alternativen bisher erst wenig gehör gefunden haben, einfach nicht im blick  -  selbst verfüge ich jedoch nicht über die geistige spannkraft zu ihrer entwicklung:  also halte ich mich an die hoffentlich schon richtig liegende mehrheit.  und so fort...

 

natürlich wäre es schön, wenn wir einander an den verschiedenen wegkreuzungen gerade auch unserer großen kollektiven entscheidungen allerlei abschätzigkeitsspiele ersparen und auf das wechselseitige anlegen-wollen von zwangskorsetten verzichten würden. 

wo menschen dergleichen nun einmal ganz offenkundig nicht schaffen, muß ihnen im gegenzug aber doch niemand auf den gleichen denk- und handlungsebenen antworten.

nur die auf machtspiele verzichtende anregung lässt raum für ein umkehren, das niemand als ´niederlage´ diskreditieren kann!

 

die freiheit zu alternativen auseinandersetzungsformen kann sich jeder erarbeiten.  mut gehört hierzu nicht mehr als zu dem, was üblicherweise praktiziert wird.  es ist nur ein anderer mut...

 

ob jeder auch den willen zu solchem anderen mut in sich entwickelt, hängt sicher auch daran, dass alle, die erfahrung haben mit der produktivität eines unbeirrt respektvollen umgangs miteinander  (und das sind wir nahezu alle!!), diese erfahrung mehr als in unseren breiten üblich kommunizieren.

mehr als ein äußerer impuls für die belebung eines solchen willens kann von solchen kulturellen akzentuierungen dessen, worüber alle sich austauschen, allerdings kaum ausgehen.

 denn was wir wollen oder nicht wollen  - wirklich, nicht nur auch -  entscheiden wir alle darüber, für welche hierarchisierungsprozesse in unserem gefühlsleben wir raum lassen und für welche nicht.

wir verlassen uns dabei wohl meistenteils auf gelernte mechanismen  -  es können, wie wir alle wissen, denkbar verhängnisvolle sein.

größerer verlaß wäre freilich auf unsere untrügliche intuition  -  hätten wir nur hinreichend im blick, dass wir über eine solche verfügen...

(was ich mit intuition meine?  ein individuell je besonderes, gleichwohl umfassendes wissen darum, wer und was man selbst, die eigene spezies, ja die ganz welt ist und infolgedessen, was dem allem angemessen ist bzw. wäre und was nicht;   - zugänglich in dem ´guten oder unguten gefühl´, das alles begleitet, was wir tun oder lassen, wenn wir es nicht irgendwie übertönen, wegdrängen, zuschütten;  ihm nachzuspüren bedeutete:   zu erfühlen, wie wir uns fühlen mit den gefühlen, die wir jeweils haben und so oder so pflegen, gar inszenieren...;   diesem ´gefühl´ (besser vielleicht ´gespür´)  zu folgen bedeutete:  die uns wesensgemäßen umhierarchisierungen unserer jeweiligen gefühlswelten zuzulassen, die sich aus diesem gespür ergeben und die situation x am ende eines u.u. längeren inneren dialogs widerstreitender empfingungen jeweils veranlaßt)

  

die klage darüber, dass wir selbst und unzählige unserer mitmenschen die hier beschriebene freiheit zu unbeirrt respektvollen auseinandersetzungs- und lebensformen zeitweilig oder dauerhaft in den wind schlagen, hat eine wichtige ventil- und eine informationsfunktion.

und anklage provoziert immerhin in der regel zumindest eine rechtfertigung, also wenigstens ein stück dialog.

eine unmittelbare heilungsfunktion haben beide jedoch ganz sicher nicht.

 

heilung nämlich gibt es nur, wo mit lebensfreude operiert, wo auf lebensfreude gesonnen, wo bewußt und entschieden neu angesetzt wird, so scheint mir.

 

 die notwendigen fragen, die ich mit Ihnen teile, sind ja, ganz gleich, ob sie klagend oder gar anklagend vorgebracht werden, immer zuletzt verstehensfragen, da gebe ich Ihnen zutiefst recht. 

ohne sie wäre auch ich nicht zu meinen antworten gelangt.  ohne sie gelangt niemand zu sicher auch noch erheblich besseren...oder zu den erforderlichen ergänzungen...und nicht zuletzt:  zu deren verständlicherer formulierung ( ?!)

ohne sie wären menschen unfähig, überhaupt, geschweige denn produktiv auf die lebensprozesse zu antworten, in denen sie stecken, an denen sie anteil haben und auf die sie einfluß suchen.

 

ich finde es wunderschön, dass Sie Ihre fragen stellen und auf antworten dringen. 

und ich mag Ihre fragen wie die ecke, in der Sie nach antworten suchen...

 

alles fragen gehört in meinen augen zu den selbstverständlichsten rechten aller menschen und zu ihren wichtigsten kompetenzen. 

es ist ausdruck einer lebendigen suche nach lebensfreude.  

es operiert mit wertungen und (vor)urteilen, strebt aber weniger nach deren verhängung als vielmehr nach den erforderlichen korrekturen.  und selbst wo es unverschämt daherkommt, drängt es geradezu darauf, dass der gefragte respektierbares zu antworten hat...  

die hoffnung darauf, dass es denkzwänge etablierte, über denen menschen zu einem anderen verhalten gelangten als dem jeweils inkriminierten, teile ich nicht mit Ihnen  -  nicht einmal den wunsch:  alle erzwingungswünsche, die menschen wechselseitig entwickeln und auszuagieren beanspruchen, sind und bleiben respektlos und gefallen mir von da aus nicht, sobald ich genauer darüber nachdenke (obwohl auch ich selbstredend immer wieder auch mich in ein solches fragen und handeln versteige)...

...

soweit erst mal  -  hoffentlich nicht zu sperrig.  herzlichen dank jedenfalls für die lust am austausch!

schöne grüße

gabriele weis

25.9.2001

olaf.sander@web.de


 

bezug: NEW YORK UND DIE FOLGEN

 

forumsbeitrag FAZ

 

sehr geehrte frau weis,

das was sie auf ihrer homepage propagieren, klingt zu schön um wahr zu sein, auch wenn sie sich m.e. ab und zu widersprechen.

ist das, was sie schreiben eine neue relegion? oder knüpft es an eine bestehende an?

bedenken sie bitte, sie haben es hier mit menschen zu tun. diese handeln nunmal abstrakt, unmenschlich und meistens ohne sinn.

genauso, können sie die prinzipien und regeln des kapitalismus nicht so ohne weiteres ausser kraft setzen. ich bin "gelernter ossi" und ich weiß, was das heißt. :-)

mag sein, dass die lehren von marx und co ehrlich gemeint waren und auch schlüssig klingen. nur, funktionieren tun sie nicht.

das, was sie sich wünschen, ist mit menschen (leider) nicht zu schaffen. jedenfalls nicht jetzt. vielleicht bedarf es erst einem krieg, der die halbe menschhheit hinrafft, dass der rest vernünftig wird und so lebt, wie es "die schöpfung" erwartet. aber selbst da habe ich nicht die hoffnung...

wir sind nunmal raubtiere. da gibt es nichts zu rütteln...

mit freundlichen grüßen

olaf sander (olf)

 

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hallo olaf sander,

ich kann nicht sehen, daß schönes per se unwahr sein muß...

menschen handeln, denke ich, menschlich.  was uns vor uns selbst und voreinander erschrecken läßt, wie das, was uns an uns selbst wie an einander fasziniert und zu unendlich vielem befähigt, was unser aller leben lebenswert macht:  das zusammen nur macht unser menschsein, ja unsere menschlichkeit aus. darüber läßt sich stolpern, gewiß.  läßt es sich auch leugnen?

wenn wir aber großes wie kleines, schönes wie häßliches, gerechtes wie ungerechtes, beglückendes wie bedrohliches, aufbauendes wie zerstörerisches usf. in unser leben und in diese welt zu bringen vermögen  -  dann finde ich schon, daß sich ein nachdenken darüber lohnt, wie wir zu einer lebensqualität gelangen können, die uns gefällt und über deren erlangung wir uns gefallen.

ich träume nicht von einem besseren morgen. auch nicht von einem ´nie-wieder´.  unser aller leben vollzieht sich immer heute. ich lebe mit dem wunsch, daß dieses leben heute für mich und alle anderen so weit wie möglich in ordnung ist.  und ich freu mich an jedem vermiedenen, ausgeräumten und handelnd korrigierten irrtum.  also kümmere ich mich bei mir selbst und denen, die ich erreichen kann, darum, daß raum entsteht für solche freude.

es gäbe uns alle längst nicht mehr, wenn wir einfach nur wären, was Sie und andere mit bezug auf uns menschen ´raubtiere´ nennen.

unserer irrtumsanfälligkeit steht unsere lernfähigkeit zur seite  -  erstere ist gar die bedingung der letzteren. wir alle sind wohl so gebaut, daß wir, selbst, was wir einmal wußten, immer neu zu lernen haben.  mal sind wir dazu bereit, mal nicht  -  und das in reichlich unterschiedlichen rhythmen.

erschütternde ereignisse wie der new yorker und washingtoner terroranschlag wirken als anreger, lerninhalte stärker als sonst gesellschaftlich abzugleichen - im wunsch nach problemangemessener neuorientierung.

dabei lernt jeder, was er lernen will  -  ggf. auch nur, daß es bedrohliche ziele und menschen auszurotten gelte, weil man sich sonst in einer permanenten opferrolle gefangensetze.

eine solche ´erkenntnis´ widerspricht meiner lebenserfahrung zutiefst. es widerspricht, soweit ich das sehen kann, jeder ernsthaften religiösen oder philosophischen ethik.  es widerspricht der unaufhebbaren begrenztheit jeder machbarkeit.

jeder einzelne entscheidet in diesen tagen (wie sonst auch) durch die art von lernen, der er sich verschreibt, für welche haltungen und verhaltensweisen er raum läßt und schafft in dieser welt.

ich mag mit dem raum, um den es mir geht, in der minderheit sein und bleiben. das kann aber doch nicht bedeuten, daß alternativen zu leidvollsten fehlentwicklungen es nicht wert wären, selbst in kleinsten bezügen angegangen und ausgebaut zu werden.

ich habe keine vorwürfe oder anklagen. ich kämpfe für nichts und niemanden, und ich bekämpfe nichts und niemanden.  etwas umfassend not-wendenderes als das ablassen von gegenseitigen verbeißungen und das angehen von alternativen kenne ich nicht.

 also plädiere ich im kleinen wie im großen für diesen weg der linderung dessen, was menschen schief geraten ist  -  und dies um so entschiedener, je entsetzlicher sie sich verstiegen haben.

inwieweit ich mir dabei widerspreche, wüßte ich gern?!

die wichtigsten impulse für das hier und andernorts von mir propagierte denken und handeln  - um das abschließend noch knapp zu beantworten -, verdanke ich, wie ja vielleicht zu erkennen ist, dem ´buch der bücher´.  ich sehe es nicht dadurch diskreditiert, daß in es auch menschliche irrtümer mit eingeschrieben sind,  und schon gar nicht dadurch, daß menschen es zuweilen gar als waffe meinten auffassen und einsetzen zu müssen...

freundliche grüße!