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haben zu einem thema bzw. einem sachgebiet eine NACHFRAGE, einen WUNSCH...

haben zu einem thema bzw. einem sachgebiet eine ANMERKUNG, einen HINWEIS, eine ANDERE POSITION...

1,2,3,4,5

DIALOG FRIEDEN&FAIRNESS-NAVI:Seite 5

datum Ihre@ nachfrage|wunsch anmerkung|hinweis|(andere) position  

meine antwort:

 
12.10.2001

Matthias.Geberth@okay.net

 

 


 

bezug: dialog-frieden-fairness.de

 

Hallo Gabi,

Allein die Tatsache, dass du eine solche Seite publizieren kannst hast du
u.a. der USA zu verdanken.

Ein Medium wie das Internet hast du den USA zu verdanken.

die real existierende staatsform und die meinungsfreiheit haben wir u.a. den
usa zu verdanken.

handeln, in welche richtung auch immer, hat immer auch mit unterdrückung zu
tun.

eine Regierung, die frauen unterdrückt, musik verbietet hat kein recht auf
dieser welt.

auch wenn ich diesen krieg, der zu zeit geführt wird nicht gut heisse, bin
ich froh dass wir den krieg verloren haben und die usa die sieger waren.
denn nur diesem umstand ist es zu verdanken, dass man überhaupt solche
gedanken entwickeln in der lage ist.

ich habe mich entschieden und bin froh auf der seite der westliche allianz
zu stehen.

gruss Matthias

_________________________

hallo matthias,

 

ich wüßte nicht, daß ich speziell die usa kritisiert hätte.   ich sehe im grunde sämtliche staaten der nördlichen hemisphäre seit jahrzehnten in vielem auf einem falschen weg  -  und ich halte den gegenwärtigen globalterror ein wichtiges stück weit für die denkbar unsensibel von uns allen mit heraufbeschworene konsequenz dieser reichlich viel unrecht befördernden politik.

die usa haben daran nicht weniger ihren anteil als wir und nicht mehr.

 

und:  die leistungen, die in aller welt   - u.a. gerade auch von amerikanern -  erarbeitet und anderen weiträumig verfügbar gemacht werden, werden doch umgekehrt nicht geschmälert durch fehlleistungen auf anderen gebieten.

 

 

im übrigen kennst Du ja wahrscheinlich meine beurteilung der leistungen der west-alliierten des 2. weltkriegs:

wofern man die kriegerische antwort auf hitler, die diese alliierten nach lange verfehlter außen- und wirtschaftspolitik gewählt haben, für unbedingt erforderlich hält, erwies sich das politische system, aus dem heraus diese kriegsanstrengung und die nachkriegspolitik erfolgte, selbstredend in der übernahme als für uns spätere brd-ler denkbar profitabel.  und natürlich habe auch ich als zufällig im westen lebend davon profitiert und tue das bis heute.

ein einfaches sich-totlaufen-lassen des nazi-eroberungsfeldzuges hätte aber doch wohl mindestens dieselben systemqualitäten heranwachsen lassen  -  um den preis noch dazu deutlich wenigerer unterdrückungstoter (als der 55 mio kriegstoten und der mio stalin- sowie der unzähligen stellvertreterkriegs-opfer im kontext des ostwest-konfliktes, der ohne diesen krieg so nicht zustandegekommen wäre) ....

 

ich finde es schön, daß und wie sehr gerade auch amerikaner in wichtigen ecken ihrer seele denkbar großherzig mit bestimmten nöten in dieser welt umgehen.  und insoweit bin ich ihnen auch dankbar für das, was sie unserer elterngeneration hierzulande nach all den fürchterlichkeiten des 2. weltkriegs zugewandt haben, wie ich ihnen dankbar bin für jede hilfe, die sie für menschen im elend nicht selten in großem maßstab zu organisieren wissen und zuzuwenden bereit sind.

 solche dankbarkeit und der entsprechende besondere respekt darf aber doch nicht davon abhalten, genau hinzuschauen, was bei allem guten willen und aller durchaus bewundernswerten kraftentfaltung bewirkt wird, wenn so sehr auf power gesetzt wird, wie das in der humanitären, diplomatischen, wirtschaftlichen und militärischen außenpolitik der usa ja denn doch der fall ist  -  auf deren konzeption sich nun unzählige regierungen und politiker in dieser welt mit eingeschworen zu haben scheinen...

 

 

handeln oder nicht-handeln erzeugt immer erhaltene oder verschobene spielraumverhältnisse  -  und nicht alles hat den gleichen raum oder sollte ihn haben  -  o.k.

spielraumverengungen, die ich anziele oder sonstwie hervorrufe, haben in meinen augen aber nur dann unterdrückungscharakter, wenn ich dem, den ich etwa seiner verbrechen wegen bedränge, keinen neuen raum biete, in den er ohne demütigung hinein kann.

meine pahantasielosigkeit in dieser richtung gibt mir keineswegs ein recht, auf unterdrückung zu setzen, wo ich anders nicht weiter weiß.  der pflicht, mich nach nicht-unterdrückerischen wegen umzusehen, enthebt mich niemand und nichts auf der welt, auch nicht das schlimmste unrecht auf seiten meines jeweiligen gegenübers.

 

daß das begehen ggf. sogar immensen unrechts verbrecher ihrerseits rechtlos mache, ist eine beliebte these und entspringt unmittelbaren vergeltungswünschen.

richtig ist diese these darum dennoch nicht.

wäre sie es, existierte keines unserer menschenrechte. 

schließlich tut niemand unrecht ohne die etablierung eines rechtfertigungsgrundes:  dieser besteht immer im tatsächlich erlittenen oder auch nur empfundenen oder wenigstens behaupteten unrecht auf der gegenseite, dem seinerseits mit ´gerechter´ gewalt zu antworten man sich nun einmal unausweichlich gezwungen sähe.

 großes fragezeichen!

 

ich halte nichts von bündnissen, nichts von machtpolitik.  ihr kitt und ihr instrument sind abwertung und respektverweigerung.

 

macht  - als das, was viele gemeinsam wollen bzw. zulassen -  ist ergebnis von assoziation bzw. dissoziation, sekundär ggf. auch immer von gewalttätigkeit.

wo dabei die freiwilligkeit fehlt, aufgekündigt, nicht zugestanden wird, wird produktive gestaltungsmacht zu zerstörerischer unterdrückungsmacht.

nicht minder passiert dergleichen, wo assoziationen so oder so inkriminiertes gezielt unterdrücken, bekämpfen, ausrotten wollen.

 

ich halte nichts von kämpfen.

besserung von unrecht und unterdrückung geschieht einzig dadurch, daß so viele unmittelar wie mittelbar beteiligte wie möglich jeweils ihre hausaufgaben machen.

für die unterdrückten bestehen diese hausaufgaben im unterlaufen von unterdrückung und im mühen um das, was menschliche humanität ausmachen sollte, in all ihren täglichen verrichtungen, in ihrem kommunikationsverhalten isbesondere.

für die außenwelt bestehen diese hausaufgaben im selbstkritischen durchforsten der äußeren bedingungen, die man als außenwelt ja so oder so (mit)gesetzt hat, ohne die kaum ein unrechtsregime dieser welt zustande käme  -  und vor allem dann:  in geeigneten, sichtlichen und an entscheidenden punkten greifenden korrekturmaßnahmen.

 

 

für mich gibt es kein stehen auf irgendwelchen seiten.  ich bewege mich jeweils so intensiv als möglich zugewandt an der seite aller, mit denen ich mein leben mehr oder minder unmittelbar oder auch nur sehr mittelbar (als einer von mehr als 6 mrd. menschen auf diesem globus) teile.

 

dabei habe ich die weisheit ebenso wenig wie irgendein anderer mit löffeln gefressen. Aber ich halte dafür, daß wir einander unsere weisheiten anheim stellen.  ohne einforderungsanspruch.  ohne respektlosigkeit.   ohne vorwurf.  aber mit intensität.

 

 

daß ich dergleichen kann  - heute sogar per internet -, habe ich (neben meinem schöpfer) unzählig vielen menschen, ja generationen auf dieser erde auf die unerschiedlichste weise zu danken  -  ganz gleich ob diese zeitweilig auf ähnlichen, den gleichen oder auf verschiedenen seiten standen, stehen zu müssen glaubten, stehen wollten oder gestellt wurden...  und kein menschlicher irrtum, kein noch so großes verbrechen nimmt mir die freude und das staunen über diesem leistungsgefüge oder verleitet mich zu irgendwelchen monochromisierungen...

 

soviel zur meinerseitigen rückakzentuierung derjenigen meiner denkhorizonte, die Du in Deiner mail ein wenig aufgespießt hast.

 

wär schön, wenn wir das gelegentlich einmal mündlich vertiefen könnten.

ich meld mich die tage mal.

liebe grüße

gabi

 

10.10.2001

rubyruby@gmx.de

 


 

bezug: afghanistan-krieg

 

hallo gabi!


nun hat er also begonnen, der schon seit wochen erwartete krieg. und obwohl ich eigentlich doch gewußt habe, daß die amerikaner sich nicht von ihrem vorhaben abbringen lassen würden, habe ich doch gehofft (wie sicher
viele andere), daß es nicht soweit kommen würde.


ich kann nicht begreifen, wie so viele menschen diese angriffe rechtfertigen können; vor allem sind es ja die beschissenen politiker
leider fast aller parteien. wenn ich sie im fernsehen reden höre, kriege ich eine riesige wut und fühle mich schrecklich ohnmächtig, weil ich nicht die möglichkeit habe irgendetwas zu ändern.

dabei scheint es andererseits auch so viele menschen zu geben, die sich gegen den krieg aussprechen. oder es kommt mir nur so vor, da es ein ausgewählter kreis ist.
vielleicht sieht die gesamtstimmung aller menschen in deutschland noch einmal deutlich anders aus, denn sonst würde es doch hoffentlich mehr bewegungen (in form von demonstrationen o. ä.) geben. ich habe hier in hamburg zumindest nicht das gefühl, daß der
kriegsausbruch irgendwelche massen in bewegung setzt. es ist nicht noch nicht einmal wirklich thema.
nach dem terroranschlag in amerika hatten plötzlich alle etwas zu sagen und zu urteilen, jetzt da amerika in gleicher schrecklicher weise menschen tötet, bleiben alle still.


es macht mich wahnsinnig wenn sie im fernsehen gleichzeitig kriegsberichte aus "angreifer-sicht" bringen und danach eine reportage
über die furchtbaren zustände, denen die afghanischen flüchtlinge
ausgesetzt sind und welches unheil ihnen diese angriffe bringt.
da liegt es doch auf der hand, daß diese taten falscher gar nicht sein
können; wie kann ein vernünftiger mensch so etwas für sich rechtfertigen,
wie kann man glauben, keine andere wahl zu haben, als selbst zum mörder zu werden ("sehr geehrter herr bundeskanzler!!!!!!!!!!")

ich hoffe, daß sich in nächster zeit mehrere menschen zusammenfinden,
die erkennen, daß krieg niemals zum frieden führen kann!
sonst kann gar nichts anderes passieren, als daß diese welt in einer
gewaltspirale versinkt.

liebe grüße,
melanie


 

_________________________

hallo melanie,

 

ich bin unruhig wie Du und viele über dem aktuell kriegerischen weg, den die staaten unserer hemisphäre da einmal mehr zu gehen begonnen haben - er bedeutet für unzählige menschen unsägliches elend. und selbst wenn er ´gut´ geht, die ´guten´ also die ´bösen´ bezwungen haben werden, wird ein berg von leichen und an leib und seele versehrten das fundament für die neue freiheit der überlebenden zu bilden haben...

wem krampfte sich darüber nicht das herz zusammen!

 

ich habe Deine hoffnungen nicht geteilt, wohl aber Deine wünsche.

auch kenne ich wie Du die ungeduld darüber, daß andere nicht begreifen wollen oder können, was für Dich und mich so fraglos ist.

Dein nichtverstehen(-wollen) der ja niemals unrespektablen motive derer, deren verhaltenskonzeptionen Dir wie mir verhängnisvoll erscheinen, stelle ich allerdings infrage.

 

denn gottseidank stimmt es ja nicht ganz (und selbst wenn es stimmte, bliebe der so handelnde ein mensch, kein "beschissener politiker"(!) oder dergleichen), daß der nun zum kampf gegen den terror antretende bündnisblock, angeführt durch das unmittelbar betroffene amerika nun ohne einschränkung einfach "in gleicher schrecklicher weise menschen tötet"e, wie Du schreibst.  -  die weisen und die motive unterscheiden sich schon in wichtigen details... - ob das für die jeweiligen opfer eine rolle spielt, wage ich jedoch wie Du vermutlich zu bezweifeln.

gegangen wird der weg der gewalttätigkeit auf beiden seiten, weil man auf beiden seiten keine bzw. nur allzu schwache alternativen sieht oder sehen zu müssen, ja zu dürfen glaubt...

da ist, denke ich, nirgendwo irgendetwas teuflisches oder unergründliches im spiel.  da sind einfach menschen an ihren grenzen  und handeln entsprechend grenzwertig  -  ein jeder gemäß seinen horizonten mit durchaus verständlichen und irgendwo immer auch irgendwie guten absichten neben so manchen niedrigen.  und immer verstecken sie dabei ihre gleichzeitigen niedrigen absichten vor sich selbst, vor ihresgleichen und vor ihren gegnern, denn als mörder begreift sich keiner von ihnen. und es ist ja auch keiner von ihnen einfach nur mörder.

hilflose zuschläger sind sie allesamt ab dem moment, wo sie auf ihre angst voreinander ohne die antwort entschlossensten kampfesmutes nicht antworten zu dürfen glauben.

daß das nicht die einzige antwortschiene ist, auf der sie sich bewegen, eröffnet ihnen wie uns allen neben all dem grauen, in dem sie stecken und das sie wechselseitig anrichten, immerhin wichtige bewegungsspielräume für die bearbeitung der grundprobleme, um die es eigentlich geht.

denn gottseidank ist es in den letzten wochen doch offenbar in eine wachsende zahl von köpfen und herzen gedrungen, daß der gegenwärtige globalterror auch eine ganze menge mit unrechtsstrukturen zu tun hat, an deren entstehung und fortbestand die ´zivilisierte welt´ nicht eben geringen anteil hat.  und auch für eine milderung der augenblicklichen kriegsfolgen für die afghanen aktivieren sich erfreulicherweise menschen und institutionen auf ganz vielen ebenen.

ein jedes hat nun einmal seine zeit.  alle religionen und viele philosophien wissen um einen grundlegend anderen weg. wohl kaum ein mensch, der nicht in irgendeinem winkel seiner seele von ihm träumte oder ihn in zahllosen fällen gar bereits selbst gegangen wäre...

das wagnis, diesen traum auch zu leben, erscheint offenbar den meisten gerade in zeiten existentieller bedrohung ebenso fataler- wie fälschlicherweise größer als das wagnis gängigen machtspiel- und kriegsglücks.

also braucht es zeit in situationen wie der gegenwärtigen, die möglichkeiten jenes ach so verkannten, allen aber gleichwohl gut bekannten wagnisses für sich selbst und untereinander so neu in den blick zu nehmen, daß immer mehr menschen vorstellbar wird, wie es anders gehen könnte.  denn wo die vorstellung fehlt, fehlt auch der mut.

wer will, daß beides wächst, muß es sich erarbeiten, und er muß mit anderen teilen, was er sich erarbeitet, es darüber modifizieren und lebensweisen pflegen, die die gangbarkeit gewaltloser wege sichtbar werden lassen.

jedes noch so kleine stückchen weniger gewalttätigkeit in dieser welt macht sie für alle heller  - 

denn nicht unsere aus allerlei machtansprüchen geborenen urteile, wertskalen und rechte machen unsere menschliche würde aus.  lebendig, sprühend in der fülle unserer möglichkeiten bewegen wir alle uns nur dort, wo wir in unbeirrbarer zugewandtheit einander halten, indem wir einander in tiefstem gegenseitigem respekt und mitgefühl wieder und wieder auch loszulassen wagen...

keiner kann anstelle eines anderen etwas tun.  niemand sollte sich deshalb dergleichen anmaßen  -  auch nicht in seiner kritik, und schon gar nicht in dem, was er unternimmt.

unsere welt ist wunderbar gerade dadurch, daß sie so vielfältig ist.  grauenhaft erscheint ihr wirkungsgefüge nur dem, der dem, was ihn und andere quält, machtvoll einhalt gebieten will. 

was quält lehrt jedoch auf seine weise ebenso unverzichtbar sehen wie das, was beglückt.

es verdient keine bekämpfung.

es ist die unschätzbare und unverzichtbare kraft, die uns mitgegeben ist gegen unsere neigung zu allerlei verhängnisvollen selbstgerechtigkeiten. vermöchten wir alles, was uns und andere quält, so zu sehen, gingen wir alle mit allem und allen suchender und staunender um, voller ehrfurcht auch und gerade vor der qual in den größten irrtümern oder verbrechen, die uns begegnen. 

wir bräuchten nicht länger über andere zu urteilen.  wir könnten frei von allem schielen auf die leistungsbereitschaft anderer unseren anteil an den jeweiligen problemlagen beackern, bedrängnisse auflösen, die von uns ausgehen und die, die uns bedrängen, mit dem zutrauen wie der zumutung entwaffnen, daß auch sie zu lösenden neuansätzen fähig sind  -  wenn nicht heute, dann morgen...

 

soviel im augenblick -

ganz liebe grüße

gabi